Wachaufahrt.
Bis auf ein hübsches kleines und
ein bebrilltes junges Mädchen
nur ältere Leute im Autobus.
Vor uns ein Paar: der Mann
mit einem Zettel voll historischer
Notizen (Gründung von Melk
) in sorgfältiger Schrift;
die Frau mit rötlich aufgefärbtem
Haar schmiegt sich in seine
Jahreszahlen. Sie ist so
geborgen; bald packt sie ihr
Restaurant aus der Tasche.
Vier schnarrende Kröten rechts:
mit gewalttätigem Humor
und Steireranzügen. Am
fürchterlichsten ihre Führerin.
Offenbar eine Geschäftsfrau.
Alle vier haben graue Köpfe
voll Kämme.
Nebel bis St. Pölten.
Während der Nebelfahrt über den
Riederberg dachte ich an Friederike
Mayröcker. Der Autobus ist in
sich gekehrt, weil er durch
dicken Nebel fährt.
Vertrieben der Nebel mit einer
Besichtigung von Melk und
seinem Stift. Gute helle Farben
der Deckengemälde (im Gegensatz
zu den scheußlichen Ahnenbildern)
und reizvolle Perspektive.
Anziehende Bibliothek.
Viel schöner natürlich Melk
von oben (der Nebel hatte
sich zerstreut): das Donauarmerl: Sandbänke, Kähne,
das Städtchen, Mann mit Hund
durch Fluß, Espresso mit
vielen kleinen Sonnenschirmen,
Autobusse. Auch unten dann
schön mit Blumen gelb, orange
und violett.
Langes Warten auf Rollfähre.
Zigeuner. Einschiffung. Treiben
mit der Donauströmung.
Drüben gegessen. Weiterfahrt
nach Spitz. Freundlichstes Stück.
Donau, hohe Hügel, Weinterrassen,
kleine schmalgassige Städtchen,
Strecken neben der Bahn.
Weißenkirchen, Dürnstein, Loiben.
Der dortige Trachtenzug hatte, als
wir ankamen, schon stattgefunden.
Wir sahen nur einen Loibner
Sandhaufen und eine Wachauerin
in Tracht aber ohne Goldhaube.
Stift Göttweig. Im Stiftkeller.
Mehrere Weine gekostet.
Nebenan eine Dulliöhgesellschaft,
viel weniger originell als die
von Ruszt.
Heimfahrt nach Wien. Noch
fast zwei Stunden. Da wir
heute vorn im Wagen saßen
und freie Vordersicht hatten,
und abends das Land seitlich
den Scheinwerfern sehr im Dunkel
lag, sahen wir auf der Rückfahrt
hauptsächlich Straßen.
In Hietzing wurde ich abgesetzt.
Ein junges hübsches Wesen, aber
Mutter eines Kindes, im Zehnerwagen auf der Plattform neben mir.
Als sie ausstieg, war ich erst
richtig im kalten, montagvorbereitenden
Wien.