Würzburg

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2805615

Brief von Bernhard Seuffert an August Sauer in Prag am 27. August 1905. Sonntag

Würzburg, Herzogenstr. 5
27.8.5

Lieber freund Der karte vom dampfboot möchte ich vom jetzigen fahrtziele aus nochmals meinen aufrichtigen dank Ihnen und Ihrer verehrten frau gemahlin für alle bewiesene freundschaft herzlich aussprechen. Das zusammensein war mir viel zu kurz. Aber die route, wenn ich nicht Sie in Ihrem frieden länger stören wollte, bedingte die hast; ich habe von Unserer Tressener wohnung an zwölfmal das fahrzeug gewechselt: eine so unnormale richtung schlug ich ein! Beruhigen Sie mich bald, dass Sie gut nach Mondsee kamen. Dass Ihre frau trotz der starken südluft mir ihre gegenwart gönnte, weiss ich doppelt zu schätzen. War ich doch selbst dadurch ganz stumpf, u. muss um entschuldigung bitten. Meine frau bedauert lebhaft, nicht bei der zusammenkunft gewesen zu sein, erwidert Ihre grüsse aufs wärmste u. hofft mit mir, Sie beide in Graz zu sehen.
 Wenn ich auch hinterdrein recht viel weiss, worüber ich gerne mit Ihnen mich ausgesprochen hätte, so nahm ich doch die woltätige überzeugung mit, dass wir im wesentlichen nach wie vor übereinstimmen u. also

Brief von August Sauer an Bernhard Seuffert in Würzburg am 22. September 1886. Mittwoch

 Wien 22.9.86.

Lieber Freund!

Da ich die Wienerzeitung nicht sehe, so erfuhr ich Ihre Ernennung erst aus dem Abendblatte und es war zum telegraphiren zu spät. Also auf diesem Wege meinen aufrichtigen Glückwunsch! Möchten Sie es nicht nur nie bereuen nach Österreich gegangen zu sein, sondern möchten Sie sich wohl und behaglich fühlen. Ich glaube,

Brief von August Sauer an Bernhard Seuffert in Würzburg am 3. September 1886. Freitag

 Wien, 3.9.86.

Lieber Freund! Es freut mich, daß meine raschen Bemerkungen ir[g]endwie nützlich sein können und wäre es auch nur zur momentanen Beruhigung eines furchtsamen Frauenherzens. Ich muß gleich heute antworten, weil die nächsten Tage durch eine in der Nähe unangenehme Verpflichtung – eine Rede bei der Enthüllung der Gedenktafel F. Raimunds in Pottenstein – ausgefüllt sein werden.
 Meine Revue der Collegen war nur nach dem Gesichtspunkt der Gefälligkeit angeordnet; da Ettingshausen, den ich sonst gut kenne, niemanden

Brief von Bernhard Seuffert an August Sauer in Wien am 1. September 1886. Mittwoch

 Würzburg Herzogeng. 5. 1 IX 86

Lieber freund,
Ihr brief ist goldes wert. Ich danke Ihnen lebhaft dafür und werde die vertraulichen äusserungen redlich für mich bewahren aber auch für mich nutzen. Gurlitts werden Sie uns ja nicht gönnen; soll er nicht nach Prag kommen?  Graff kenne ich, wie ich mich jetzt erst erinnere; d. h. ich hab einmal mit ihm und seinem freunde Erich Schmidt ein stündchen verkneipt. Sonst sah ich ihn nicht. Noch kenne ich von aussen einen liebenswürdigen alten herrn v. Ettingshausen oder wie, botaniker seines zeichens, der hier beim jubiläum war. Sie nannten ihn nicht.  Ihr schreiben war sehr woltätig, denn eine freundin meiner braut, die kurze zeit in Graz lebte, bis ihr vater (Röll, direktor der tierarzneischule oder so was) reaktiviert nach Wien zurückkehrte, hatte ein ziemlich tristes bild vom Grazer dasein gezeichnet. Ich bin recht dankbar, dass Sie es etwas menschlich belebten.
 

Brief von August Sauer an Bernhard Seuffert in Würzburg am 30. August 1886. Montag

 Wien IX Pelikangasse 10.
 30. August 86.

Lieber Freund! Ich hoffe mit Ihnen, daß nun alles glatt ablaufe und daß ich Sie mit Ihrer jungen Frau Ende Spt. oder Anfang October hier noch werde begrüßen können. Da wird sich mündlich noch manches aussprechen lassen, wovor die Feder zurückzuckt. Aber die wichtigsten Ihrer Fragen hoffe ich Ihnen genügend beantworten zu können.
 Freilich wegen der Wohnung weiß ich wenig Rath. Sie können nur in den neuen Stadttheil (Jakomini) ziehen und müßen Sich eine der ruhigen Straßen Lessing- Rechbauerstraße etc. aus-

Brief von Bernhard Seuffert an August Sauer in Wien am 28. August 1886. Samstag

 Würzburg Herzogeng. 5
 28 VII 86

Lieber freund,

Dank für Ihre wünsche. Ich habe Schönbach zweimal in Erlangen besucht und nach der zweiten zwiesprache gestern meine annahme der berufung bedingungslos erklärt. Hoffentlich fällt nun kein stein mehr aufs geleise und kommt die ernennung ohne allzu starke geduldprüfung.
 Schönbach erklärte mein jetziges erscheinen in Wien für ganz überflüssig und so komme ich nicht dahin. Aber ich treffe Sie doch noch dort, wenn wenigstens meine braut von ihrem scharlach so weit erholt ist, dass ende september die hochzeit u. dann die übersiedelung nach Graz statt finden kann. Ich werde dann zuvor in Wien besuche machen müssen.
 Haben Sie unter Ihren Grillparzerarbeiten eine müssige und zerstreute stunde, die sie dem praktischen alltag opfern mögen, so erinnern Sie sich Ihres versprechens, mich über Grazer personen und verhältnisse zu unterrichten. Für das äusserlichste und doch wichtige werden Sie freilig wenig rat spenden können. Schönbach wünschte, dass ich selbst zum wohnungmieten

Auch Seuffert bedauerte den Tod Scherers.

Scherers tod geht uns allen mit dem gefühle der verwaisung nach. Was in Berlin werden wird, weiss wol noch niemand.

Bernhard Seuffert trat im Herbst 1886 die Nachfolge Sauers als ao. Professor für Deutsche Sprache und Literatur an der Universität Graz an, während Sauer an die Universität Prag wechselte. Beide waren nun als Germanisten in Ländern der Habsburgermonarchie tätig.

Ich bin zerstreut, hastig, freue und fürchte mich. Wir wollen nun die staatliche gemeinschaft zu doppelt guter freundschaft ausnützen. Das ist mir einer der wenigen festen punkte der zukunft und ein lieber punkt.

Brief von August Sauer an Bernhard Seuffert in Würzburg am 24. August 1886. Dienstag

Herrn Dr. Bernhard Seuffert
Privatdocent an der Universität
Würzburg. Bayern
Herzogengasse 5.

Wilhelm Scherer starb am 6. August 1886. Für seine Nachfolge auf dem Ordinariat für Neuere deutsche Literaturgeschichte schlug die Philosophische Fakultät nach nur kurzer Beratung Scherers Schüler Erich Schmidt vor, der bereits am 6. Dezember 1886 ernannt wurde, sein Amt aber – mit Rücksicht auf die Abwicklung seiner Verpflichtungen als Direktor des Goethe-Archivs – erst zum Sommersemester 1887 antrat.

Mich hat Scherers Tod halb krank gemacht; [s]. arme 70jährige Mutter, bei der ich einige Mal schon Stunden lang gesessen, ist schwer krank – ein rechter Jammer! Was wird nun in Berlin werden!

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