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		<title>Österreichische Nationalbibliothek RSS</title>
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			<copyright>TYPO3 News</copyright>
		
		<pubDate>Sun, 01 Jul 2018 10:00:20 +0200</pubDate>
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						<guid isPermaLink="false">news-490</guid>
						<pubDate>Thu, 21 Dec 2017 08:00:00 +0100</pubDate>
						<title>Leo Perutz’ „St. Petri-Schnee“</title>
						<link>http://www.onb.ac.at/forschung/forschungsblog/artikel/news/leo-perutz-st-petri-schnee/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;cHash=73060bb7e2d4b72b6c4af592e5e2de23</link>
						<description>War es Zufall oder Prophetie? Leo Perutz beschrieb in seinem Roman von 1933 eine Droge, die erst Jahre später entdeckt wurde.</description>
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						<content:encoded><![CDATA[<h5>oder das „klinische Bild eines durch ein Rauschgift hervorgerufenen Erregungszustandes“</h5>
<p><em>Autorin:</em> <em>Jeannie Moser<br /></em></p>
<p><strong>Um Literatur und verschiedene Formen des Rausches geht es in der Sonderausstellung </strong><a href="http://www.onb.ac.at/museen/literaturmuseum/sonderausstellungen/im-rausch-des-schreibens-von-musil-bis-bachmann/" title="Opens internal link in current window" class="internal-link"><b>» Im Rausch des Schreibens. Von Musil bis Bachmann</b></a><strong> im Literaturmuseum (noch zu sehen bis 11. Februar 2018). Eines der fünf Kapitel der Ausstellung ist dem Thema „Substanzen und Stimulanzien“ gewidmet. Alkohol, Rauchwaren und Haschisch, Morphium, Opium, Kokain und LSD haben Schreibende seit jeher beflügelt. Leo Perutz schrieb in seinem Roman „St. Petri Schnee“ (1933) über eine Droge, die erst Jahre später in den Chemielabors entdeckt wurde. Die Literaturwissenschaftlerin Jeannie Moser geht diesem seltsamen Phänomen in ihrem Beitrag nach. Dieser und weitere Artikel zur Ausstellung können im gleichnamigen </strong><a href="http://data.onb.ac.at/rec/AC13688556" title="Opens internal link in current window" target="_blank" class="external-link-new-window"><b>» Begleitbuch</b></a><strong> nachgelesen werden.</strong></p>
<p>Am 16. April 1943 entdeckt der Chemiker Albert Hofmann in einem Forschungslabor der Sandoz-AG die fulminante psychotrope Wirkung eines Mutterkornalkaloids, das er fünf Jahre zuvor synthetisiert hat. Als LSD wird es weltberühmt. Rückblickend ist die Rede von Halluzinationen, von zutiefst verstörenden Erfahrungen der Ich- und Weltzersetzung, von Todesangst und schierem Wahnsinn ebenso wie von mystisch-visionären Ganzheitserlebnissen in einer Welt, die Hofmann neu erschaffen scheint. </p>
<p>Sein Leben widmet Hofmann nun der Untersuchung des so konträre Bewusstseinslagen provozierenden Stoffes. Wahnvorstellung und Religion geben seiner Forschung zwei Gravitationspunkte: Zum einen wird Hofmann eine Geschichte des Mutterkorns als kultisch-sakrale Droge im antiken Eleusis konstruieren, er wird sich mit dem zeremoniellen Gebrauch heiliger Pilze, Samen und Zauberpflanzen wie Ololiuqui und <em>Salvia divinorum</em> in Mittelamerika beschäftigen, Wirkstoffe wie Psilocybin, Psilocin und Salvinorin isolieren und sie als chemisch-strukturelle Verwandte von LSD bestimmen. Und er wird zu dem Schluss kommen, die <em>unio mystica</em> könne sich durch Gnade wie auch durch „entheogene“ Drogen einstellen. Zum anderen wird er unermüdlich – LSD ist inzwischen sozialpolitisch brisant codiert, mit Revolte assoziiert und verboten – an die einstige <em>magic bullet</em> der Psychopharmakologie erinnern. Er wird auf den anhaltenden Wert von LSD für die neurologische und biochemische Forschung, für Psychotherapie, Psychiatrie und Medizin pochen. </p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3939&amp;md5=7cf3c3a1d7504d558a2a4e2c8ca89322d7fed668&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img height="450" width="300" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/d/3/csm_Perutz_Abb1-b_07dfbf3c82.jpg" style="" alt="" /></a><br /><em>Abb. 1: Modell eines keimenden Mutterkornpilzes (Claviceps purpurea), Botanisches Museum Greifswald (Foto: David Ludwig)</em></p>
<p>Am 2. März 1932 kommt der Arzt Georg Friedrich Amberg in einem Krankenhausbett zu sich. Chronologische und räumliche Ordnung sind durcheinandergeraten, die Rede ist von Starrheit, von einem schattenhaften, mit einem Gefühl der völligen Bestimmungslosigkeit gepaarten Bewusstsein, von Bewusstseinsspaltung, von einem Schweben im Leeren, von auftauchenden und sogleich wieder zerfließenden Erinnerungen, von Entrückung, Angst und Delirium, von Déjà-vus, dann wiederum von plötzlicher Klarheit, von unheimlichen, rätselhaften und unerklärlichen Ereignissen. Ein Drogenversuchsbericht? Zunächst: die Eingangssequenz des Romans „St. Petri-Schnee”. Beharrlich lässt dieser offen, ob es sich bei den erzählten Ereignissen um die Wirklichkeit oder um (Tag-)Träume, um Halluzination, Fieber-, Wunschphantasie oder Wahnvorstellung handelt. Über der gesamten Erzählung, die solche alternativen Möglichkeiten der Wirklichkeit durchspielt, liegt allerdings ein leiser, dem Arzt und Erzähler so vertrauter Geruch des Chloroforms, der nie aus seinem Zimmer weicht.<br /><br />Der Roman des Haschischrauchers Leo Perutz, der 1933 erscheint, macht dieses Narkotikum nicht weiter zu seinem Gegenstand. Von ihm heißt es nur, es tue wohl und vertreibe törichte Gedanken. Wohl aber steht ein anderes Drogenexperiment in seinem Zentrum: die Isolation eines Mutterkornalkaloides – genau wie LSD eines ist. Im Experiment verbinden sich politische Vorstellungen einer (spirituellen) Aristokratie, Moderne-Kritik mit Mittelalter-Nostalgie, okkulte Philosophie, gnostische Ideen, antike Mysterien und Mythen, Ideale arkadischer Naturharmonie, demographische Berechnungen sowie wissenschaftlich-technische Machbarkeitsphantasien, die Drogen als Initiatoren und Steuerungsinstrumente von Gefühlen geltend machen: Der Baron von Malchin (Legitimist wie Perutz), der von der Reinstallation eines Hohenstauferreichs träumt, macht sich zum Leiter eines im Pfarrhaus eingerichteten Forschungslabors. Mit Hilfe der griechischen Chemikerin Kallisto Tsanaris sollen aus dem Getreideparasiten und seinen Sporen wirksame Bestandteile destilliert werden. So wie Heroin Todesverachtung, Opium Glück oder Kantharidin Lust hervorruft, kommt es dem psychotropen Destillat zu, die Bewohnerinnen und Bewohner des westfälischen Dorfes Morwede – das den Roman hindurch unter einer dicken Schneedecke liegt – zum Gottesglauben zurückzuführen. Der stofflich erzeugte Erregungszustand, jene ekstatische Erschütterung, soll sie zur Anerkennung eines vermeintlichen Stauferabkömmlings als Kaiser und charismatischen Führer bewegen. Das Experiment mit dem chemischen Sakrament aber endet anders als vorgesehen: Statt zur Wiederbelebung des Heiligen Römischen Reiches führt es zu einer kommunistischen Revolte, an der sich die mysteriöse, vom Arzt Amberg glühend angebetete Kallisto beteiligt.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3938&amp;md5=07e897a52414977e10a4054e191cc1a663eb5b95&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img height="493" width="300" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/9/f/csm_Perutz_Abb2-b_6f79520870.jpg" style="" alt="" /></a><br /><em>Abb. 2: Aktuelles Buchcover von Leo Perutz‘ „St. Petri-Schnee“ (Wien: Zsolnay, 2007)</em></p>
<p>War es Zufall oder war es Prophetie? Hat die Literatur wissenschaftliche Ideen, Ereignisse und Forschungslinien vorausgesehen, Fragen nach der Verbindung von Drogen, Politik und Spiritualität vorweggenommen – und damit prognostische Kraft? Oder war die LSD-Synthese fünf Jahre nach Erscheinen des Romans schlichtweg naheliegend? Waren ganze Experimentreihen absehbar, die drogistische mit mystischer Erfahrung vergleichen? So etwa das von Walter Pahnke geleitete und von Timothy Leary beaufsichtigte „Good Friday Experiment“, bei dem 1962 in einer Bostoner Kirche Psilocybin an Theologiestudenten verabreicht wird. 1973 indes wird die Bezeichnung „Entheogene“ für Drogen lanciert, von denen es heißt, sie ermöglichten tief empfundene Gefühle ekstatischer Einheit, Heilig- und Glückseligkeit, wie sie von Mystikern durch Jahrhunderte, Kulturen und Religionen hindurch beschrieben worden sind. Oder war sogar die eigendynamische Entwicklung der klinischen Drogenexperimente und <em>social engineering</em>-Projekte der 1950/1960er Jahre hin zu einer Revolte der <em>counter culture</em> zu erwarten, in der Leary als charismatischer High Priest adressiert werden konnte? Sähe man all diese Ereignisse als Statistiker und Versicherungsmathematiker,&nbsp;wie Perutz es bis 1923 war, beschäftigt mit Fragen der Prognosegenauigkeit sowie einer Ausgleichsformel, mit der zufällige Ereignisse mathematisch zu glätten sind – wären sie dann nicht schlichtweg wahrscheinlich?&nbsp;</p>
<p>LSD war keine Zufallsentdeckung, berichtigt Hofmann eine gängige Überlieferung. Sie wurde im Rahmen planmäßiger Forschung hergestellt, die sich auf eine lange Geschichte des Mutterkorns berufen konnte – und erst später kam der Zufall ins Spiel. Einstimmig mit Malchin berichtet Hofmann von im Mittelalter epidemieartig auftretenden Massenvergiftungen und religiösen Wahn- und Erleuchtungsvorstellungen, die mit Ergot in Zusammenhang gebracht wurden: „Ignis Sacer“, „Antoniusfeuer“, „Magdalenenflechte“, „Muttergottesbrand“ genannt oder, wie in Perutz’ Roman, „St. Petri-Schnee“. 1793 assoziiert Thomas Beddoes Nervenleiden mit Ergot. In der Arzneiforschung beginnt man sich ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts für den Stoff zu interessieren. 1907 gelingt es, ein wirksames Alkaloidpräparat zu isolieren und die zu Adrenalin antagonistische Wirkung  auf das vegetative Nervensystem zu konstatieren. 1918 trennt Hofmanns Laborleiter Arthur Stoll aus dem Mutterkorn den LSD-Vorläufer Ergotamin. In den 1930er-Jahren dann wetteifert man um die Ermittlung der chemischen Struktur der Mutterkornalkaloide. Eine strukturelle Ähnlichkeit von Rausch und Wahn wiederum wird aus zahlreichen klinischen Experimenten mit Haschisch und Meskalin interpretiert. Wie auch schon Emil Kraepelin vom Rausch als einem Irresein im Kleinen gesprochen hatte.<br /><br /><em><img height="200" width="300" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/7/7/csm_Perutz_Abb3-b_c4bcbd2e0d.jpg" style="" alt="" /><br />Abb. 3: Sonderausstellung „Im Rausch des Schreibens“ im Literaturmuseum (April 2017– Februar 2018) (Foto: ÖNB)<br /></em></p>
<p>War es also Zufall oder ausrechenbar? Wäre Malchin keine literarische Figur, wäre es jedenfalls nur allzu wahrscheinlich, dass er und Hofmann voneinander gewusst hätten. Sie beide nämlich bevölkern denselben wissenskulturellen Raum – und Literatur, Pharmazie, (Ethno-)Biologie, Medizin und Psychiatrie operieren darin. Sie alle teilen, prozessieren und produzieren ein gemeinsames Wissen: über die chemisch-stoffliche Steuerung der Gefühle – und eine Wirklichkeit, die angesichts von Drogen keineswegs etwas Absolutes mehr sein kann.</p>
<hr />
<p><em>Über die Autorin: Jeannie Moser ist wissenschaftliche Mitarbeiterin </em><em>an der TU Berlin </em>(Fachgebiet Literaturwissenschaft mit dem Schwerpunkt Literatur und Wissenschaft). Ihr Buch „Psychotropen. Eine LSD-Biographie“ ist 2013 erschienen.</p>
<hr />
<p><strong>Literaturangabe:</strong></p>
<p>Moser, Jeannie (2017): Leo Perutz’ „St. Petri-Schnee“ oder das „klinische Bild eines durch ein Rauschgift hervorgerufenen Erregungszustandes“, in: Katharina Manojlovic und Kerstin Putz (Hrsg.), <em>Im Rausch des Schreibens. Von Musil bis Bachmann</em>, Wien: Zsolnay, S. 162–165.</p>
<p><strong>Verwendete Literatur:</strong> </p>
<p>Perutz, Leo (1933): <em>St. Petri-Schnee</em>, Berlin, Wien: Zsolnay. </p>
<p>Doblin, Rick (1991): Pahnke’s „Good Friday Experiment“. A Long-Term Follow-Up and Methodological Critique, in: <em>Journal of Transpersonal Psychology </em>23/1, S. 1–28. </p>
<p>Hofmann, Albert (o.J.): <em>Naturwissenschaft und mystische Welterfahrung, Manuskript der </em>„<em>Volkspredigt</em>“<em> in der Leonhardskirche in Basel</em>, Löhrbach/Solothurn: Nachtschatten Verlag. </p>
<p>Hofmann, Albert (2002): <em>LSD – Mein Sorgenkind. Die Entdeckung einer „Wunderdroge“</em>, München: dtv. </p>
<p>Pahnke, Walter (1966): Drugs and Mysticism, in: <em>The International Journal of Parapsychology</em> VIII/2, S. 295–313. </p>
<p>Pahnke, Walter (1967): LSD and Religious Experience. Paper presented at Wesleyan University 1967, in <em>LSD, Man &amp; Society</em>, Middletown, CT: Wesleyan University Press, S. 60–85. </p>
<p>Pahnke, Walter (1966): William A. Richards. Implications of LSD and Experimental Mysticism, in: <em>Journal of Religion &amp; Health</em> 5, S. 175–208. </p>
<p>Piper, Alan (2013): Leo Perutz and the Mystery of St Peter’s Snow, in: <em>Time and Mind</em> 6/2, S. 175-198.</p>]]></content:encoded>
					</item>
				
					<item>
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						<pubDate>Fri, 15 Dec 2017 10:00:00 +0100</pubDate>
						<title>Identität im Wandel</title>
						<link>http://www.onb.ac.at/forschung/forschungsblog/artikel/news/identitaet-im-wandel/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;cHash=b3b1a053e8d8331b90822004b25d7f25</link>
						<description>Den symbolischen Beginn der Bibliothek markiert eine prunkvolle mittelalterliche Handschrift aus dem Jahr 1368. Über die kaiserliche Hofbibliothek führte der Weg zur Nationalbibliothek der Ersten und 1945 der Zweiten Republik. Zum Jubiläumsjahr bietet die Österreichische Nationalbibliothek u.a. eine repräsentative Ausstellung zur ihrer Geschichte.</description>
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						<content:encoded><![CDATA[<h5>Als eine der ältesten Kulturinstitutionen des Landes feiert die Österreichische Nationalbibliothek 2018 ihr 650-jähriges Jubiläum.</h5>
<p><em>Autor: Alfred Schmidt<br /><br /></em>Die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts – die Regierungszeit der Habsburgerherzöge Rudolf IV., genannt der Stifter (1358-1365), und seines Bruders Albrecht III. (1365-1395) – gilt als Epoche eines beispiellosen Aufschwungs und einer bemerkenswerten kulturellen Blütezeit. Die neue Residenzstadt Wien wird zu einem geistigen Zentrum. Im Umkreis des Wiener Herzogshofes entfaltet sich eine vielfältige Kunst- und Kulturszene. 1365 erfolgt die Gründung der Wiener Universität, in deren Folge eine rege Übersetzungstätigkeit in die deutsche Sprache einsetzt. Und es entstehen nicht zuletzt bedeutende Werke der Buchkunst. </p>
<p>Im Umkreis des Prager Hofes entsteht um diese Zeit ein besonders eindrucksvolles Beispiel: das sogenannte<em> Evangeliar des Johannes von Troppau</em> (ÖNB, Cod. 1182). Der prunkvoll ausgestattete, in Goldlettern gedruckte und reich illuminierte Prachtcodex vermerkt im Kolophon am Buchende nicht nur das genaue Fertigstellungsdatum – 1368 –, sondern auch den Namen des Schreibers und Hauptilluminators Johannes von Troppau, Pfarrer zu Landskron und Kanonikus zu Brünn. Dass die Entstehung des Codex in enger Verbindung zu Herzog Albrecht III. zu sehen ist, verraten die vier Wappen der Länder Österreich, Steiermark, Kärnten und Tirol, über die Herzog Albrecht damals regierte. Sie befinden sich in den vier Ecken der Miniaturenseite mit Darstellung aus dem Leben des Evangelisten Matthäus. Als erstes nachweisbares Werk aus der habsburgischen Herzogsbibliothek, das sich im Bestand erhalten hat, gilt es heute als symbolischer Gründungscodex der Österreichischen Nationalbibliothek.</p>
<p><a href="http://data.onb.ac.at/rec/AC13953158" target="_blank"><img height="434" width="300" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/6/4/csm_evangeliar_71123b1810.jpg" alt="Beispielseite, Evangeliar des Johannes von Troppau, 1368 – © Österreichische Nationalbibliothek" title="Evangeliar des Johannes von Troppau" style="" /></a><br /><em>Abb1 1: Evangeliar des Johannes von Troppau, vol. 1 verso., mit den vier Wappen der Länder Albrechts III. (ÖNB, Cod. 1182)</em></p>
<p>Über Umfang und Inhalt der habsburgischen Bibliothek zur Zeit Kaiser Friedrich III. (1440-93) gibt es bereits gut belegbare Informationen; etwa 60 Titel daraus sind noch nachweisbar, darunter so bedeutende Werke wie die <em>Wenzelsbibel </em>(ÖNB, Cod. 2760), eine deutsche Bibelübersetzung noch lange vor Martin Luther mit einem Umfang von über 2.400 Seiten und mehr als 600 Miniaturen und prächtigem Randschmuck, oder die <em>Goldene Bulle</em> (ÖNB, Cod. 338), eine prachtvolle Abschrift des Reichsgrundgesetzes über die Wahl des deutschen Königs, das der Luxemburger Kaiser Karl IV. (1316–1378) im Jahre 1356 erlassen hatte.</p>
<p><a href="http://data.onb.ac.at/rec/AL00167831" title="Opens external link in new window" target="_blank" class="external-link-new-window"><img height="480" width="300" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/e/1/csm_2_goldenebulle_innen_b9694bcbcd.jpg" style="" alt="" /></a><br /><em>Abb.2: Wenzelsbibel, Bibel von König Wenzel IV. (ÖNB, Cod. 2760)</em></p>
<p>Von einer institutionalisierten kaiserlichen Bibliothek kann man aber wohl erst seit der Bestellung des niederländischen Gelehrten Hugo Blotius zum ersten offiziellen kaiserlichen Bibliothekspraefecten durch Kaiser Maximilian II. im Jahre 1575 sprechen. Untergebracht war die über 7.000 Bände umfassende Bibliothek damals in Teilen des Minoritenklosters in unmittelbarer Nähe zum kaiserlichen Hof. Es folgen fast 350 Jahre, in denen die kaiserliche Hofbibliothek eine zentrale Stellung im Habsburgerreich innehatte. Der entscheidende Schritt vor allem in Richtung Sichtbarkeit der Bibliothek nach außen war die Errichtung des eindrucksvollen repräsentativen Barockgebäudes am Josefsplatz 1723-26 unter Kaiser Karl VI. nach Plänen des wohl bedeutendsten Barockarchitekten seiner Zeit, Johann Bernhard Fischer von Erlach. Der Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek gilt bis heute als einer der schönsten historischen Bibliotheksbauten weltweit – gleichzeitig steht er für ein demonstratives Signal der Öffnung der Bibliothek nach außen, wie aus der Inschrift über dem Mittelportal, aber auch aus der vom Kaiser selbst erlassenen Bibliotheksordnung hervorgeht. Dort heißt es:</p>
<p><em>„Niemand soll heimlich eintreten, noch Hand an die Bücherschränke legen. Das gewünschte Buch soll man verlangen, benützen und dabei rein bewahren, es also nicht durch Riß und Stich beschädigen, noch mit Notizen bekritzeln. Das Einlegen von Lesezeichen und die Anfertigung von Exzerpten sind erlaubt. Man soll sich auch nicht auf das Buch stützen, noch beim Schreiben das Papier auf dieses legen. Tinte und Streusand möge man weitab halten. Unwissende, Diener, Faule, Schwätzer und Herumspazierer mögen fernbleiben. Das Schweigen werde gewahrt; auch soll man nicht durch lautes Lesen die anderen Benützer stören. Wenn man sich entfernen will, soll man das Buch schließen, dieses, sofern es klein ist, persönlich zurückgeben, sofern es groß ist, dem Aufseher Mitteilung machen und es auf dem Tisch liegen lassen. <br /> Der Benützer braucht nichts bezahlen, er soll reicher von dannen gehen und öfter wiederkehren.“</em></p>
<p>Der Untergang der Donaumonarchie 1918 macht eine grundlegende Neubestimmung und Neubenennung der Bibliothek notwendig. Man verfiel auf den eigentümlich unbestimmten Namen „Nationalbibliothek“ in Anbetracht der Tatsache, „dass eine österreichische Nation bekannter Weise nicht existiert“ (Zitat Generaldirektor Josef Donabau; s. Stummvoll 1968: 617/18). Erst 1945 mit dem Entstehen der Zweiten Republik und einem neuen nationalen Selbstbewusstsein erfolgt schließlich die Umbenennung in ihren heutigen Namen. Seither ist die Österreichische Nationalbibliothek zentrale Archivbibliothek und ein symbolischer Ort kultureller Identität des Landes.</p>
<p>Die Ausstellung <a href="http://www.onb.ac.at/museen/prunksaal/sonderausstellungen/schatzkammer-des-wissens/" title="Opens internal link in current window" class="internal-link">» Schatzkammer des Wissens. 650 Jahre Österreichische Nationalbibliothek</a>, die im Mittepunkt des Jubiläumsjahres steht, zeigt ihre bewegte Geschichte im Spiegel ihrer herausragendsten und kostbarsten Bestandsobjekte, die vielleicht noch nie zuvor in so konzentrierter Form an einem Ort zu sehen waren. In einer eigenen Reihe mit dem Titel Objekt des Monats werden in der Folge zwölf der bedeutendsten Sammelstücke des Hauses von ExpertInnen an&nbsp; einem Abend im Monat vorgestellt. Die Objekte sind jeweils nur für kurze Zeit zu sehen.</p>
<p>Veranschaulicht wird mit diesen Highlights aus den historischen Sammlungen gleichzeitig eine mehr als 3.000-jährige &nbsp;Mediengeschichte, die sich in den Sammlungsobjekten widerspiegelt: von den antiken Papyri, über mittelalterliche Pergamentcodices, Inkunabeln und frühen Drucken, ersten Zeitungen bis hin zum modernen Taschenbuch, aber auch anderen Medienarten wie Grafik, Fotografie, Plakat, Landkarten und Globen bis zu den modernen elektronischen Medien, die heute den Alltag der Bibliothek wesentlich mitbestimmen. </p>
<p>In all diesen markanten politischen Einschnitten, Ortswechseln und Medienbrüchen bewahrte das Haus aber seine ganz eigene, unverwechselbare Identität. Die Umbrüche, die diese Institution im Laufe ihrer langen Geschichte erlebte, sind nicht zuletzt auch ein Spiegel der wechselvollen politischen Geschichte dieses Landes. 650 Jahre Österreichische Nationalbibliothek zu feiern, bedeutet daher auch, sich zu dieser Geschichte zu bekennen, auch zu ihren weniger ruhmreichen Kapiteln, wie etwa der Epoche des Nationalsozialismus, die von der Österreichischen Nationalbibliothek in den letzten 15 Jahren eingehend aufgearbeitet wurde.</p>
<p>Die Besinnung und Reflexion auf die eigene Vergangenheit ist aber auch die Basis für eine Zukunftsorientierung. Die zukünftigen Herausforderungen und Chancen werden wesentlich bestimmt durch die digitalen Medien, die heute eine Öffnung der Bibliotheken in noch nie zuvor denkbarer Weise ermöglichen. Die Österreichische Nationalbibliothek ist auch auf diesem Sektor der modernen Bibliothekstechnologien und –entwicklungen ganz vorne mit dabei: Große Massendigitalisierungsprojekte wie das Kooperationsprojekt Austrian Books Online mit Google oder das Zeitungsportal ANNO, und zukunftsorientierte Themen wie Linked Open Data und digitale Editionen prägen heute entscheidend den Alltag der Bibliothek. Ein eigenes wissenschaftliches Symposium im September 2018 wird sich mit diesem Thema befassen.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Ueber_Uns/Presse/Pressebilder/Allgemein/03_prunksaal.jpg" title="Opens internal link in current window" class="download"><img height="200" width="300" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/e/8/csm_03_prunksaal_415dd44aaf.jpg" alt="Prunksaal © Österreichische Nationalbibliothek/Hloch" title="Prunksaal" style="" /><br /></a><em>Abb. 3: Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek</em></p>
<p>Einen Gesamtüberblick zu allen im Jubiläumsjahr bevorstehenden Veranstaltungen und Angeboten finden Sie auf der <a href="http://www.onb.ac.at/ueber-uns/650-jahre/" title="Opens internal link in current window" class="internal-link">» Website der Österreichischen Nationalbibliothek</a>.</p>
<hr />
<p><em>Über den Autor: Dr. Alfred Schmidt ist wissenschaftlicher Assistent der Generaldirektorin der Österreichischen Nationalbibliothek und verantwortlicher Redakteur des Forschungsblogs.</em></p>
<hr />
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<p>Stummvoll, Josef (Hrsg.) (1968): <em>Geschichte der Österreichischen Nationalbibliothek. Erster Teil: Die Hofbibliothek (1368-1922)</em>. Wien: Georg Prachner Verlag. </p>]]></content:encoded>
					</item>
				
					<item>
						<guid isPermaLink="false">news-484</guid>
						<pubDate>Thu, 07 Dec 2017 08:00:00 +0100</pubDate>
						<title>„Mörderisch, aber vertraut“</title>
						<link>http://www.onb.ac.at/forschung/forschungsblog/artikel/news/moerderisch-aber-vertraut/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;cHash=a871ae48046337a92b195dd0714d2365</link>
						<description>Die vor einem Jahr, am 11. November 2016 verstorbene österreichische Schriftstellerin Ilse Aichinger verbindet in ihrer Miniatur „Die Pest in Wien“ (in: Subtexte, 2006) den historischen Rekurs auf die Pest, mit der Erinnerung an die andere Pest, die Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft in Wien.</description>
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						<content:encoded><![CDATA[<h5>„Mörderisch, aber vertraut“. Wien als Inspiration der späten Texte Ilse Aichingers</h5>
<p><em>Autorin:</em> <em>Christine Ivanovic<br /></em></p>
<p><strong>Ilse Aichinger (1921–2016) gilt als eine der prägenden Figuren der deutschsprachigen Literatur nach 1945. Eine Phase außerordentlicher Produktivität erreichte die von der nationalsozialistischen Herrschaft bedrohte österreichische Schriftstellerin, die erst in den späten 80er-Jahren in ihre Geburtsstadt Wien zurückgekehrt war, im fortgeschrittenen Alter und nach dem Erscheinen ihrer Werke in acht Bänden (1991). Im folgenden Beitrag skizziert die Literaturwissenschaftlerin Christine Ivanovic die späten Jahre der Autorin und beleuchtet zugleich ihre Schreibweise anhand der Glosse „Die Pest in Wien“. <br />Einen Ausschnitt einer Lesung Ilse Aichingers aus ihrem Roman <i>Die größere Hoffnung</i> (1948) aus dem Jahr 1965 sowie aus einem Gespräch der Autorin mit Lore Müller-Gabriel in der Sendereihe „Dichter erzählen aus ihrem Leben“ (1977) können Sie in der Dauerausstellung des </strong><a href="http://www.onb.ac.at/museen/literaturmuseum/" title="Opens internal link in current window" class="internal-link">» Literaturmuseums</a><strong> hören.<br /></strong></p>
<p style="margin-bottom:0cm; margin-bottom:.0001pt; line-height: 150%"><span lang="DE">Zu ihrer letzten Schreibphase setzt Ilse Aichinger erst Jahre nach dem Erscheinen ihrer achtbändigen Werkausgabe an, die anlässlich ihres 70. Geburtstags 1991 im S. Fischer Verlag herauskam. Innerhalb kürzester Frist schafft sie danach ein bemerkenswertes Spätwerk. Unterstützt durch ihr nahe stehende Freunde und Verleger publiziert die über achtzigjährige Autorin ab der Jahrtausendwende vier neue Bücher: <em>Kurzschlüsse, Wien</em> (2000), <em>Film und Verhängni</em>s (2001), <em>Unglaubwürdige Reisen</em> (2005) und <em>Subtexte</em> (2006). In dieser Zeit ist Aichinger in für ihre Verhältnisse einmaliger Weise in der Öffentlichkeit präsent. Man begegnet ihr als unermüdlicher Kinogängerin bei der Viennale und in den Kinos der Stadt. Man sieht sie in den Cafés, in denen viele der Texte entstehen, die dann – in den Jahren 2000 bis 2004 – Woche für Woche in einer eigenen Kolumne in <em>Der Standard</em> und zuletzt in <em>Die Presse</em> erscheinen. Diese Schreibsituation gilt seit jeher als prototypisch für Wiener AutorInnen. Aichinger ist darin auch auf zahlreichen Fotos festgehalten worden. (Vgl. Moses 2006) Für die unter den Nationalsozialisten verfolgte Wiener Autorin, die die Stadt zu Beginn der fünfziger Jahre verlassen hatte und erst 1988 hierher zurückgekehrt war, schien ein Zustand der Normalität erreicht. Allein ihre Texte sprechen eine andere Sprache.<br /><br /></span></p>
<p style="margin-bottom:0cm; margin-bottom:.0001pt; line-height: 150%"><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3964&amp;md5=e4eec2d482098cff4cdec2d62b75b1352655f16b&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img height="401" width="300" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/0/9/csm_Aichinger_Stefan_Moses_88f3186f6d.jpg" style="" alt="" /></a>&nbsp;<br /><em>Abb. 1: Buchcover von Ilse Aichinger. Ein Bilderbuch von Stefan Moses, Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag (2006)<br /><br /></em></p>
<p style="margin-bottom:0cm; margin-bottom:.0001pt; line-height: 150%"><span lang="DE">„Die Pest in Wien“, eine Miniatur aus Aichingers letztem Buch <em>Subtexte</em>, stellt ein für ihr spätes Schreiben typisches Konglomerat aus verschiedenen Textquellen und Erinnerungsschichten dar. Punktuell wie Blitzlichter leuchten hier noch einmal Momente einer Erkenntnis auf, deren Spuren man in früheren Texten wiederfinden kann. Die im Buchformat selten mehr als zwei Druckseiten ausmachenden Glossen verfahren assoziativ. Sie führen scheinbar weit auseinander Liegendes zusammen und werden meist gegen Ende scharf zugespitzt. Mehrheitlich gehen sie aus von einem auf den Wegen durch die Stadt erfassten Wort oder Wortwechsel, von einer Geste, oder einer in den Medien aufgefassten Meldung, die Aichinger wie Nachrichten erreichen und die sie zum Ausgangspunkt ihrer in rasch hingeworfenen Zeilen formulierten, pointierten Reflexion macht. Was macht das Besondere solcher Nachrichten aus? Ein Beispiel: <br /><br /></span></p><div class="indent"><div class="indent"><p><span lang="DE">&quot;Unlängst begegnete ich neben der Pestsäule am Graben dem Herrn Glück, lange Zeit hindurch Wirt des „Grünen Anker“ in der Grünangergasse. Er erklärte seinen Enkelkindern die Bedeutung der Säule. Aber vermutlich wäre er nicht auf die Idee gekommen, dass diese Säule, inzwischen Mittelpunkt der </span><span style="font-family:&quot;Times New Roman&quot;,&quot;serif&quot;" lang="DE">‚</span><span lang="DE">Grabenhölle</span><span style="font-family:&quot;Times New Roman&quot;,&quot;serif&quot;" lang="DE">‘</span><span lang="DE"> (Thomas Bernhard), nicht zum Andenken an die Opfer der Pest, sondern zum Dank für die eigene Rettung errichtet wurde. </span><span style="font-family:&quot;Times New Roman&quot;,&quot;serif&quot;" lang="DE">‚</span><span lang="DE">Vater, Mutter, Schwestern, Brüder</span><span style="font-family:&quot;Times New Roman&quot;,&quot;serif&quot;" lang="DE">‘</span><span lang="DE"> waren dahin, aber die anderen hatten glorreich überlebt und ließen sich von der noch reduzierten Grabensonne gerne wärmen. Diejenigen, die keinen Platz darunter gefunden hatten, blieben ohnehin im Schatten, in den sie gehörten.&quot; (Aichinger 2006: 26) </span></p></div></div><p style="margin-bottom:0cm; margin-bottom:.0001pt; line-height: 150%"><span lang="DE"><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3917&amp;md5=881cca5974e076f71c729e35e70b596b9274b1ab&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img height="195" width="300" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/b/c/csm_Abb_2_bb20a93730.jpg" style="" alt="" /></a>&nbsp;<br /></span><em>Abb. 2: Die Pestsäule am Graben in der Wiener Innenstadt, 1925 (ÖNB Bildarchiv) <br /><br /></em></p>
<p style="margin-bottom:0cm; margin-bottom:.0001pt; line-height: 150%"><span lang="DE">In der auf den 19.2.2005 datierten Glosse „Die Pest in Wien“ geht Aichinger von einer zufälligen Begebenheit am Graben aus und verbindet den historischen Rekurs auf die Pest, dessen stumme Zeugin sie wird, mit der Erinnerung an die andere Pest, die Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft in Wien. Für diese Zeit steht nicht das von der Autorin als eigennützig entlarvte Denkmal ein, sondern – im weiteren Verlauf der Glosse – die persönliche Erinnerung an die Ärztin Almut in der Grünentorgasse 10, die jeden behandelt, bei der aber „im Ernstfall die Schwächsten, von Krämpfen Geschüttelten und Gefährdetsten den Vorrang“ haben. (Aichinger 2006: 27) Aichingers Erinnerung ist kein nostalgischer Rückfall. Vielmehr dient sie als Kontrastfolie zum Ausmessen der Gegenwart. Der Szene am Graben und der ihr entgegengesetzten Erinnerung an den selbstlosen Einsatz der Ärztin Almut werden weitere Bruchstücke der erfahrenen Gegenwart zur Seite gestellt. Es sind Mitteilungen, die Aichinger in der Tagespresse gefunden hat, Zitate ihrer Lektüren und Szenen ihrer täglichen Wege durch die Stadt, die einen dichten Text ergeben. Er überprüft das fromme Gedenken an der Gegenwart, entlarvt die politische Parole im Spiegel des Alltäglichen und stellt ihr die absurde Philosophie des rumänischen Philosophen Emil M. Cioran gegenüber: „</span><span style="font-family:&quot;Times New Roman&quot;,&quot;serif&quot;" lang="DE">‚</span><span lang="DE">Unsere Kinder brauchen die gesunde Nahrung, den Geschmack der Heimat</span><span style="font-family:&quot;Times New Roman&quot;,&quot;serif&quot;" lang="DE">‘</span><span lang="DE">“, zitiert sie aus dem <em>Sonntagsblatt.</em> (Aichinger 2006: 27) Dieser Parole setzt sie die Figur Almuts entgegen: „solange sie da ist, können sich die Kinder auch in der Fastenzeit ruhig „Kasperls Faschingsjause“ im Theater Le Petit zu Gemüte führen“, und sie schließt mit einem Statement Ciorans: „</span><span style="font-family: &quot;Times New Roman&quot;,&quot;serif&quot;" lang="DE">‚</span><span lang="DE">Ich werde erst an dem Tag wieder mit mir versöhnt sein, an dem ich den Tod so akzeptiere, wie man ein Essen außer Haus akzeptiert: mit amüsiertem Ekel.</span><span style="font-family:&quot;Times New Roman&quot;,&quot;serif&quot;" lang="DE">‘</span><span lang="DE">“ (Aichinger 2006: 28)<br /><br /></span></p>
<p><span lang="DE"><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3918&amp;md5=0c455c6ea355143f8d7ab65eb7c4af0240418d16&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img height="407" width="300" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/e/7/csm_Abb_3_a468463e23.jpg" style="" alt="" /></a><br /></span><em>Abb. 3: Buchcover von Ilse Aichinger (2006): Subtexte, Wien: Edition Korrespondenzen</em> </p>
<hr />
<p><em>Über die Autorin: Christine Ivanovic ist Berta-Karlik-Professorin an der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft der Universität Wien.<br /></em></p>
<hr />
<p><strong>Literaturverzeichnis:</strong><br /><br />Aichinger, Ilse (1991): <em>Werke. Taschenbuchausgabe in acht Bänden.</em> Hg. v. Richard Reichensperger. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag</p>
<p><span lang="DE">Aichinger, Ilse (2006): <em>Subtexte</em>. Wien: Edition Korrespondenzen <br /></span></p>
<p><span lang="DE">Moses, Stefan (2006): <em>Ilse Aichinger. Ein Bilderbuch von Stefan Moses. Mit ausgewählten Texten von Ilse Aichinger und einem Vorwort von Michael Krüger</em>. Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag</span></p>]]></content:encoded>
					</item>
				
					<item>
						<guid isPermaLink="false">news-446</guid>
						<pubDate>Thu, 23 Nov 2017 08:15:00 +0100</pubDate>
						<title>Der Atomreaktor in der Wiener Hofburg</title>
						<link>http://www.onb.ac.at/forschung/forschungsblog/artikel/news/der-atomreaktor-in-der-wiener-hofburg/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;cHash=3f8eb1e3316c26ed38a626f9afe0acfe</link>
						<description>Der sogenannte Bibliothekshof innerhalb des Komplexes der Wiener Hofburg ist ein wenig beachteter Ort mit einer wechselvollen Geschichte. Wo heute ein temporärer Pavillon des Parlaments steht, fand 1963 eine Ausstellung statt, in deren Zentrum ein kleiner Atomreaktor stand.</description>
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						<content:encoded><![CDATA[<h5>Ein unbeachteter Freiraum inmitten des Hofburgkomplexes. Ein Nachtrag zum großen Forschungsprojekt „Die Wiener Hofburg“</h5>
<p><em>Autor: Christian Maryška<br /></em></p>
<p>Nun ist also der auch der dritte, weniger beachtete, temporäre Pavillon im sogenannten Bibliothekshof von der Parlamentsdirektion bezogen worden. Bemerkenswerterweise wird dieser Pavillon in unmittelbarer Nachbarschaft zur Österreichischen Nationalbibliothek auf der offiziellen Homepage des Parlaments unter dem Abschnitt „Das neue Demokratie-Quartier“ verschwiegen und ist auch auf dem offiziellen Plan nicht verzeichnet.[1] Dieser Hof an der nördlichen Ecke des Burggartens, zwischen Neuer Burg, Anschlußtrakt, Prunksaal und Palmenhaus hat eine wechselvolle und teils kaum bekannte Geschichte. Jedenfalls befindet sich die Parlamentsdirektion nun exakt an jenem Ort, an dem sich einmal für kurze Zeit ein Pavillon mit einem Atomreaktor befunden hat.</p>
<p>Seit der Fertigstellung der Fassade der Neuen Burg kurz vor 1900 und dem Abbruch des sogenannten Augustinerganges 1902/1903, der den Blick vom Süden her zum Prunksaaltrakt verdeckte, bildet der Bibliothekshof einen annährend quadratischen Platz von 70 mal 55 Metern. Aus der Zeit um 1899, als Friedrich Ohmann, bis dahin Professor an der Prager Kunstgewerbeschule, mit der Leitung der Bauarbeiten an der Neuen Burg betraut wurde, gab es den Plan die gartenseitige Vorstadtfassade des Prunksaales der Hofbibliothek von Fischer von Erlach mit einer beidseitigen Freitreppe, die zu einer Terrasse führte, zu versehen, ganz ähnlich wie die realisierte Treppe mit Brunnen vom Burggarten zum Haupteingang des 1906 von Ohmann vollendeten Palmenhauses. Zu sehen ist diese geplante Terrasse auf dem Panoramabild der Inneren Stadt „Wien aus der Vogelschau vom Getreidemarkt aus“ von Erwin Pendl aus dem Jahr 1904.[2] Eine weitere anonyme Entwurfszeichnung in Form einer Fotografie aus jener Zeit hat sich in der Kartensammlung der Österreichischen Nationalbibliothek erhalten.[3]</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/35_BAG_Maryska_Atomreaktor/ABB01_Prunksaal-b.jpg"><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3841&amp;md5=55c24c3e612e9a56d11d750e294e54aa94a58c33&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img width="300" height="222" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/8/b/csm_ABB01_Prunksaal-b_56cf1c2c72.jpg" style="" alt="" title="" /></a></a><br /><em>Abb. 1: Entwurf einer Prunksaalterrasse, um 1900. Entwerfer unbekannt.</em></p>
<p>Im Zuge des Neubaus des Glashauses durch Friedrich Ohmann wurde nach Abbruch des Augustinerganges ein Verbindungsgang vom nördlichen Ende zu den Parterresälen der Neuen Burg gebaut.[4] Damit sollte der kaiserlichen Familie der direkte Zugang von der Burg zum Glashaus ermöglicht werden.[5] Allerdings war dadurch die Sicht auf die Prunksaalfassade vom Burggarten aus wieder verstellt. Der Verbindungsgang wurde dann auch aus genau diesen Gründen noch vor Ende des Ersten Weltkrieges wieder abgebrochen.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/35_BAG_Maryska_Atomreaktor/ABB02_Verbindungsgang_juli1905__-b.jpg"><img width="300" height="215" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/0/3/csm_ABB02_Verbindungsgang_juli1905__-b_52216e4a94.jpg" style="" alt="" title="" /></a><br /><em>Abb. 2: Bau des Verbindungsganges zwischen Glashaus und Neuer Burg. Blick von der Kuppel des Prunksaals. Im Hintergrund sind noch die Reste des alten Remy’schen Glashauses zu sehen, Juli 1905</em></p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/35_BAG_Maryska_Atomreaktor/ABB03_Verbindungsgang_juli1905_-b.jpg"><img width="300" height="405" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/3/2/csm_ABB03_Verbindungsgang_juli1905_-b_a0b5581d45.jpg" style="" alt="" /></a><br /><em>Abb. 3: Verbindungsgang zur Neuen Burg – mit den noch blinden Fenstern – kurz vor Fertigstellung, Juli 1905</em></p>
<p>Nach dem Zusammenbruch der Monarchie wurde der bis dahin dem Volk verwehrte Burggarten im ersten republikanischen Frühling im Mai 1919 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und damit auch der Bibliothekshof. Bis dahin stand am Eingang zum ehemaligen Kaisergarten zu lesen: „Eintritt Fremden bei Strafe verboten.“[6] Der Bibliothekshof blieb eine freie Rasenfläche, die mit einigen Bäumchen und Sträuchern in Formschnitt gartengestalterisch geschmückt wurde. Während des Zweiten Weltkriegs war der Zutritt zum Bibliothekshof teilweise beschränkt, da sich dort ein Eingang zum provisorischen „Reservelazarett XV“ befand.</p>
<p>1957 wurde der Bibliothekshof zu einer riesige Baustelle. Die Burghauptmannschaft ließ einen Verbindungstunnel vom Prunksaaltrakt der Nationalbibliothek zur Neuen Burg durch den Stadtbaumeister Franz Jakob errichten, dabei kamen einige Grundmauern der alten Befestigungsanlagen zum Vorschein. Das war auch gleichzeitig ein erster Vorgriff auf die Besiedelung der Neuen Burg durch die Österreichische Nationalbibliothek im Jahre 1966.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/35_BAG_Maryska_Atomreaktor/ABB04_BHOE_24_8-b.jpg"><img width="300" height="218" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/5/b/csm_ABB04_BHOE_24_8-b_58f15733fc.jpg" style="" alt="" /></a><br /><em>Abb. 4: Beginn des Aushubs für den Verbindungstunnel von der Neuen Burg zur Nationalbibliothek, Blick vom Anschlusstrakt, Dezember 1956 </em></p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/35_BAG_Maryska_Atomreaktor/ABB05_BHOE_24_11_Foto_Gruenzweig-b.jpg"><img width="300" height="218" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/a/6/csm_ABB05_BHOE_24_11_Foto_Gruenzweig-b_7d7d83f6a0.jpg" style="" alt="" /></a><br /><em>Abb. 5: </em><em>Aushubarbeiten, Blick Richtung Neue Burg, Jänner 1957</em></p>
<p>1963 fand dann auf dem Gelände des Bibliothekshofes für nur einen Monat eine aufwändige Ausstellung statt. Die United States Atomic Energy Commission zeigte ihre für Wien adaptierte Wanderausstellung „Atome am friedlichen Werk“ in der Zeit vom 21. Mai bis 21. Juni 1963. In abgewandelter Form wurde sie davor unter dem englischen Titel „Atoms at Work“ bereits in einigen anderen Städten wie Tokio, Lahore, Beirut, Bangkok und Athen gezeigt. </p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/35_BAG_Maryska_Atomreaktor/ABB06_Ausstellung_1957_UdSSR_-b.jpg"><img width="300" height="320" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/7/f/csm_ABB06_Ausstellung_1957_UdSSR_-b_871f9af513.jpg" style="" alt="" /></a><br /><em>Abb. 6: Ausstellungsfolder zu „Atomenergie für den Frieden“, 1957</em></p>
<p>Dies war nicht die erste Ausstellung zum Thema Atom in Wien. Im Rahmen der Wiener Frühjahrsmesse 1957 wurde vom United States Information Service (USIS) die Sonderausstellung „Atome für den Frieden“ am Messegelände beim Prater gezeigt. Im selben Jahr, während der ersten Generalkonferenz der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO; englisch International Atomic Energy Agency, IAEA) in Wien Anfang Oktober 1957, präsentierte die Sowjetunion ihre Ausstellung „Atomenergie für den Frieden.“ Das ‚Gleichgewicht des Schreckens‘ war also auch auf dem Gebiet der Ausstellung über die friedliche Nutzung der Kernenergie in den Zeiten des Kalten Krieges in Wien präsent.</p>
<p><a href="http://www.bildarchivaustria.at/Preview/688666.jpg"><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3848&amp;md5=6f46619f60517f339844611809cc79d8221c6fbf&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img width="300" height="240" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/a/a/csm_ABB07_US13235_01-b_607022ebb7.jpg" style="" alt="" /></a></a><br /><em>Abb. 7: Die LKWs der United States Atomic Energy Commission mit den Exponaten der Ausstellung auf der Burggartenterrasse </em></p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/35_BAG_Maryska_Atomreaktor/ABB08_US13235_01_Pressetext-b.jpg"><img width="300" height="90" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/a/5/csm_ABB08_US13235_01_Pressetext-b_6c4337f15e.jpg" style="" alt="" title="" /></a><br /><em>Abb. 8: Offizieller Pressetext der USIS zum Foto</em> </p>
<p>Für die Ausstellung „Atome am friedlichen Werk“ wurde im April 1963 ein temporärer Pavillon von rund tausend Quadratmeter errichtet. In der Mitte wurde ein 35 Meter hoher Aluminiummast aufgebaut, von dem das Dach des Pavillons mit 32 Stahlseilen abgehängt wurde. Die Arbeiten vor Ort wurden von der Firma Waagner Biro durchgeführt. </p>
<p><a href="http://www.bildarchivaustria.at/Preview/688676.jpg" class="external-link-new-window" title="Opens internal link in current window"><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3859&amp;md5=ad87a1637426d3b3abb519121ea83bcb376ba35e&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img width="300" height="366" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/5/8/csm_ABB09_US13235_06-b_ff48526b40.jpg" style="" alt="" /></a>&nbsp;</a><em>&nbsp; </em><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/35_BAG_Maryska_Atomreaktor/ABB10_US13235_17-b.jpg"><img width="300" height="384" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/7/9/csm_ABB10_US13235_17-b_e53638c9eb.jpg" style="" alt="" /></a><br /><em>Abb. 9 und 10: Der 35 Meter hohe Aluminiummast</em></p>
<p><a href="http://www.bildarchivaustria.at/Preview/682652.jpg"><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3851&amp;md5=40e7d4e60971f9372bf02f498709d71bbc8d1884&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img width="300" height="235" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/8/e/csm_ABB11_US13235_19-b_78c7287dfe.jpg" style="" alt="" /></a></a><br /><em>Abb. 11: Der fast fertiggestellte Ausstellungspavillon im Bibliothekshof</em></p>
<p>Schöpfer des temporären Gebäudes war der bekannte amerikanische Architekt und Designer George Nelson (1908–1986). Der Bau war ursprünglich 1958 für die Ausstellung „Atoms for Peace“ in der Sowjetunion geplant, die aber nicht stattfand. 1960 wurde dann die Wanderausstellung „Atoms at Work“ erstmals in Kairo gezeigt.[7] Nelson war gemeinsam mit dem österreichischen Bauhäusler Herbert Bayer ab den frühen 1950er Jahren einer der wesentlichen Protagonisten der jährlichen Aspen Design Conference, bei der sich die weltweit renommiertesten Designer und Designerinnen trafen.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/35_BAG_Maryska_Atomreaktor/ABB12_-Broschuere_1963-b.jpg"><img width="300" height="462" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/5/0/csm_ABB12_-Broschuere_1963-b_c49fba5f37.jpg" style="" alt="" /></a><br /><em>Abb. 12: Katalogheft und Plakatsujet der Ausstellung</em><br /><br /><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/35_BAG_Maryska_Atomreaktor/ABB13_Ausstellungsfolder_1963-b.jpg"><img width="300" height="354" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/1/0/csm_ABB13_Ausstellungsfolder_1963-b_f0d0ee011b.jpg" style="" alt="" /></a><br /><em>Abb. 13: Ausstellungsfolder</em></p>
<p>Im Zentrum der Ausstellung stand ein kleines ‚Atomkraftwerk‘, ein 10-Kilowatt-Reaktor, der während der Ausstellung in Betrieb genommen wurde. Dabei handelte es sich um einen adaptierten Nuclear Training Reactor der Purdue University in West Lafayette, Indiana, hergestellt von der amerikanischen Lockheed-Georgia Company. Der Reaktortank ruhte auf einem unterirdischen Betonfundament und war mit Sand ummantelt.[8] „Vom Raum für Atomkraft kommen die Besucher unmittelbar zu dem sich in Betrieb befindlichen Kernreaktor, der wie in einem versenkten Theater gezeigt wird, so daß der Beschauer vollen Einblick in alle Operationen hat, die hier durchgeführt werden.“[9] </p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/35_BAG_Maryska_Atomreaktor/ABB14_US13235__10-b.jpg"><img width="300" height="249" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/8/5/csm_ABB14_US13235__10-b_3b9153f474.jpg" style="" alt="" /></a><br /><em>Abb. 14: Der Reaktortank, der in der Erde versenkt und mit Wasser gefüllt wurde. Später wurden die Brennelemente darin hinzugefügt.</em></p>
<p>Die Arbeiter-Zeitung berichtete darüber ob der anschaulichen Wissensvermittlung der modernen Nuklearforschung begeistert: „Man sieht nicht, wie es sonst üblich ist, am Modell, wie ein Atomreaktor funktioniert, sondern man sieht unter anderem einen Forschungsreaktor tatsächlich in Betrieb, die Zuschauer können die Forscher bei ihrer Arbeit am Reaktor beobachten.“[10] Hinter einer Glasscheibe konnte man amerikanische und österreichische Wissenschaftler bei ihrer Tätigkeit beobachten. Zusätzlich gab es Führungen von österreichischen Studentinnen und Studenten der Physik durch die verschiedenen Stationen der Schau. Ein Ziel der Ausstellung war zu zeigen, dass Uran bei der Energiegewinnung große Vorteile gegenüber den fossilen Brennstoffen hätte.</p>
<p><a href="http://www.bildarchivaustria.at/Preview/682668.jpg"><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3857&amp;md5=77c769cb5b75b221b856649482021b020684c4e2&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img width="300" height="236" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/b/6/csm_ABB15_US13235_27-b_831e506883.jpg" style="" alt="" /></a></a><br /><em>Abb. 15: Junge Wiener Studenten und Studentinnen, die auf der kommenden Atomausstellung als Vorführungspersonal eingesetzt werden, erhalten durch Dr. Heinrich Bürger (links) und Dr. August Siegel eine Kurzeinführung in die Grundlagen der Kernphysik.</em></p>
<p>Eröffnet wurde die Ausstellung von Bundeskanzler Alfons Gorbach – die Veranstaltung wurde offiziell von der österreichischen Bundesregierung mitorganisiert – und dem Wiener Bürgermeister Franz Jonas. Anlässlich der Schau kam auch die berühmte aus Österreich stammende Kernphysikerin Lise Meitner (1878–1968) nach Wien.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/35_BAG_Maryska_Atomreaktor/ABB16_IAEA_4310854861_0613acf733_o-b.jpg"><img width="300" height="225" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/f/9/csm_ABB16_IAEA_4310854861_0613acf733_o-b_04ad3c42c4.jpg" style="" alt="" /></a><br /><em>Abb. 16: Lise Meitner wird am Flughafen Schwechat von Sigvard Eklund, Generaldirektor der International Atomic Energy Agency (IAEA), begrüßt, 19. Mai 1963. Foto: IAEA </em></p>
<p><a href="http://www.bildarchivaustria.at/Preview/391936.jpg"><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3855&amp;md5=39ad877a0a38733f37238d5edcb98164525bd3c8&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img width="300" height="407" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/7/4/csm_ABB17_ORF_FO400222_01-b_59b1800d0a.jpg" style="" alt="" /></a></a><br /><em>Abb. 17: Lise Meitner während der Schau mit dem Ausstellungsfolder in der Hand</em></p>
<p>54 Jahre später steht nun wieder ein Pavillon im Bibliothekshof, um Raum für die Parlamentsdirektion und einige Parlamentsklubs zu bieten, während das Stammhaus generalsaniert wird. In einem innovativen Baukastensystem wurde das vierstöckige Gebäude vom Vorarlberger Architekten Lukas Lang und seiner Firma errichtet. An den beiden Fassaden, die vom Burggarten einsehbar sind, wurde wie bei den beiden Pavillons am Heldenplatz eine dunkle Hülle vorgesetzt auf der der Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 zu lesen ist: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.“ Gestaltet wurde diese Intervention von Sigi Ramoser und seinem Grafikdesignbüro Sägenvier aus Dornbirn, das vom Nutzerbeirat des Parlaments wegen seiner schlichten Eleganz und der Konzentration auf das Wort in einem geladenen Wettbewerb dafür ausgewählt wurde.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/35_BAG_Maryska_Atomreaktor/ABB18_Pavillon-Hof-b.jpg"><img width="300" height="225" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/9/7/csm_ABB18_Pavillon-Hof-b_b8f6e721ec.jpg" style="" alt="" /></a><br /><em>Abb. 18: Der Pavillon Hof des Parlaments im Bibliothekshof, Oktober 2017</em></p>
<hr />
<p>Über den Autor: Christian Maryška ist Historiker und Kulturwissenschaftler im Bildarchiv und der Grafiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek</p>
<hr />
<p>[1] <a href="https://www.parlament.gv.at/GEBF/DEMOQUART/index.shtml" target="_blank">www.parlament.gv.at/GEBF/DEMOQUART/index.shtml</a> (15. 9. 2017)</p>
<p><a href="https://www.parlament.gv.at/ZUSD/PDF/Fuehrung_Demokratiequartier_WEB.pdf" target="_blank">www.parlament.gv.at/ZUSD/PDF/Fuehrung_Demokratiequartier_WEB.pdf</a></p>
<p>Plan: <a href="https://www.parlament.gv.at/ZUSD/PDF/Uebersichtsplan-Hofburg_20170912_BF_WEB_EF.pdf" target="_blank">www.parlament.gv.at/ZUSD/PDF/Uebersichtsplan-Hofburg_20170912_BF_WEB_EF.pdf</a></p>
<p>[2] Vgl. Sándor Békési, Elke Doppler (Hg.): Wien von oben. Die Stadt auf einen Blick. Wien 2017, S. 34f. (mit Abbildung).</p>
<p>[3]  Im Staatsarchiv befindet sich eine zweite Entwurfszeichnung der  Terrasse vor der Prunksaalfassade (HHStA, PAB, C-VII-6, Nr. 4433). Vgl.  Richard Kurdiovsky: Die Neue Burg – die Geschichte einer  „Nicht-Vollendung“ nach Plan (1879–1894). In: Werner Telesko (Hg.): Die  Wiener Hofburg 1835–1918. Der Ausbau der Residenz vom Vormärz bis zum  Ende des „Kaiserforums“. Wien 2012, S. 232 (mit Abbildung).</p>
<p>[4] Andreas Nierhaus: Die Alte Burg im Schatten des Kaiserforums zwischen 1894 und 1918. In: Telesko 2012, S. 282.</p>
<p>[5] Andreas Nierhaus: Das Glashaus im Burggarten. In: Telesko 2012, S. 316.</p>
<p>[6] Egon Dietrichstein: Der neue Burggarten. In: Neues Wiener Journal, 10. Mai 1919, S. 6</p>
<p>[7] <a href="http://www.georgenelsonfoundation.org/george-nelson/works/atoms-for-peace-atoms-at-work-183.html" target="_blank">www.georgenelsonfoundation.org/george-nelson/works/atoms-for-peace-atoms-at-work-183.html</a></p>
<p>(20. 9. 2017)</p>
<p>[8] An dieser Stelle bedanke ich mich für die Erläuterungen von Univ.Prof. DI. Dr. Helmuth Böck vom Atominstitut der TU Wien</p>
<p>[9] Text des Ausstellungsfolders</p>
<p>[10] Arbeiter Zeitung, 22. Mai 1963, S. 5</p>]]></content:encoded>
					</item>
				
					<item>
						<guid isPermaLink="false">news-368</guid>
						<pubDate>Thu, 09 Nov 2017 08:00:00 +0100</pubDate>
						<title>Die letzten 100 Jahre...</title>
						<link>http://www.onb.ac.at/forschung/forschungsblog/artikel/news/die-letzten-100-jahre/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;cHash=fba21d98659c3c04c23d946015758438</link>
						<description>Papyri, Pergamente und Ostraka geben unmittelbare Einblicke in die Verwaltungspraxis und die innere Verwaltungsstruktur Ägyptens, welches aufgrund seines fruchtbaren Bodens für die oströmischen Kaiser von immenser Bedeutung war. Die letzten 100 Jahre ihrer Herrschaft über Ägypten stellen einen besonders spannenden Zeitraum in der Verwaltung dieses Landes dar.</description>
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						<content:encoded><![CDATA[<h5>Die Verwaltung Ägyptens in der Zeit von Justinian bis zur arabischen Eroberung</h5>
<p><em>Autorin: Alexandra Jesenko<br /></em></p>
<p><em> </em></p>
<p>Eine reibungslose Verwaltung des ertragreichen Ägyptens war für die oströmischen Kaiser von besonderer Bedeutung, da die ägyptischen Steuerabgaben wesentlich die Nahrungsversorgung der Hauptstadt Konstantinopel sowie die Finanzierung der langatmigen Kriege gegen die Sassaniden in Mesopotamien und Syrien und die Verteidigung des Reiches sicherten. Um Missbrauch und Unregelmäßigkeiten seitens der Steuereintreiber und Statthalter in Ägypten ein Ende zu setzen und für mehr Steuersicherheit zu sorgen, erließ Kaiser Justinian 539 n. Chr. das Edikt XIII, mit welchem er die Verwaltung Ägyptens – insbesondere die Zivil- und Finanzverwaltung – neu ordnete. Die Promulgation des Edikts XIII stand im Zusammenhang mit einer Reihe vergleichbarer Maßnahmen in anderen Reichsteilen, die für eine größere Sicherheit im Reich sorgen und die Steuereinnahmen erhöhen sollten. </p>
<p>Ägypten war in jener Zeit in sieben Provinzen unterteilt. Diese waren: Aegyptus I und Aegyptus II, Augustamnica I und II, Arcadia sowie Thebais Inferior und Superior. Das Edikt XIII besagt, dass in den geteilten Provinzen Aegyptus und Thebais jeweils die zivile und die militärische Macht in den Händen eines Statthalters, dem <em>dux et Augustalis</em>, vereint werden soll, wodurch die durch Kaiser Diokletian um ca. 308 n. Chr. eingeführte Gewaltenteilung wieder aufgehoben wurde. Den Statthaltern wurde nun neben der Obsorge über die Steuereintreibung, der Rechtsprechung, der Aufsicht über das Sicherheitswesen sowie der zivilen Verwaltung im Generellen auch das militärische Kommando zugesprochen. Ihre wichtigsten Aufgaben sollen weiterhin die Versorgung der Stadt Alexandria mit Getreide und die Getreideabfuhr nach Konstantinopel sein. Die Zusammenfügung der Gewalten führte auch zur Zusammenlegung des zivilen und militärischen Beamtenstabs zu einem einzigen großen Büro mit 600 Beschäftigten in den jeweiligen Gebieten. Dem <em>dux et Augustalis</em> wurde ferner ein ziviler Statthalter (<em>praeses</em>), der rein zivile Funktionen im Bereich des Steuerwesens und der Rechtsprechung ausübte, unterstellt. </p>
<p>Das Edikt XIII ist beinahe ausschließlich durch den aus dem 13. Jh. stammenden Codex Marcianus Graecus 179 überliefert. Dieser ist seit dem 15. Jh. im Besitz der Bibliotheca Nazionale Marciana in Venedig. Aufgrund des unvollständigen Zustandes der Ausgabe, von der die Abschrift hergestellt wurde, enthält der venezianische Codex nur den Anfang des Edikts. Erhalten sind die Abschnitte zu Aegyptus und der Thebais. Das Ende mit den Kapiteln über die Verwaltung der Provinzen Augustamnica I und II sowie der Arcadia sind verloren. Die Authentizität des Edikts wird durch die papyrologische, epigraphische und literarische Überlieferung bewiesen, in der sich die durch das Edikt XIII festgeschriebenen Veränderungen in der Verwaltung widerspiegeln. Das Kapitel XXIV des Edikts, welches die Verantwortung des Statthalters der Thebais in Bezug auf die Eintreibung der Naturalsteuer und ihrer Verschiffung nach Alexandria beinhaltet, ist auch durch einen fragmentarischen Papyruscodex, P.Oxy. LXIII 4400, überliefert. Dieser wurde in der mittelägyptischen Stadt Oxyrhynchos, der Hauptstadt der Provinz Arcadia gefunden. Paläographisch kann der Papyrus in das 6. Jh. n. Chr. datiert werden, womit er kurz nach dem Erlass des Edikts verfasst wurde. Aus zwei sprachlichen Abweichungen im Text ergibt sich, dass der Papyruscodex wohl direkt an einen der Statthalter adressiert war. </p>
<p>Papyri, Pergamente und Ostraka haben sich in Ägypten aufgrund des trockenen Klimas fernab des feuchten Nildeltas erhalten. Obwohl diese Texte häufig einem privaten Kontext entstammen – wie Verträge, Bittschriften an Statthalter, Texte der Gutsverwaltung, Abschriften von Steuerregister etc. – geben sie dennoch einen wichtigen Einblick in die direkte Verwaltungspraxis, die innere Verwaltungsstruktur Ägyptens sowie in das Alltagsleben der Bewohner. Einige hundert Papyri aus dem 6. und 7. Jh. n. Chr. stellen sowohl eine wesentliche Ergänzung als auch ein Korrektiv zu den literarischen und juristischen Quellen zur Verwaltungsgeschichte Ägyptens dar. Für die Erforschung des byzantinischen Ägypten bietet die Papyrussammlung der Österreichischen Nationalbibliothek eine interessante Fundgrube. So überliefert etwa P.Vindob. G 20563 (Abb. 1) einen Mietvertrag aus der Stadt Arsinoe in der Provinz Arcadia vom 20. Dezember 578 n. Chr., adressiert an Flavius Christophoros und Flavius Strategios, Pagarchen des Arsinoites und Theodosiopolites. Pagarchen waren Funktionsträger, die für die Staatssteuern in den Stadtterritorien (<em>civitates</em>) verantwortlich waren und häufig aus der Schicht der lokalen Großgrundbesitzer stammten. Interessant an diesem Papyrus ist, dass die beiden Pagarchen gemeinsam eine Werkstatt vermieteten. Dies wirft die Frage auf, ob wir hier vielleicht Geschwister vor uns haben und der Papyrus sich nicht an sie als Amtspersonen, sondern als Großgrundbesitzer richtet. Die Pagarchen wurden – wie dem Edikt XIII zu entnehmen ist – nicht von den Statthaltern ernannt, sondern deren Einsetzung und Absetzung bedurfte der Zustimmung des Kaisers. Im Unterschied zu den Statthaltern blieben sie für viele Jahre in ihrer Funktion, sodass sie sich eine lokale Machtposition aufbauen konnten. <br /><br /><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3744&amp;md5=6d125a2d61c105903d25191c834d829adbaf12e0&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img height="278" width="300" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/0/9/csm_Abb_1_6d087aa11c.jpg" style="" alt="" /></a><br /><em>Abb. 1: P.Vindob. G 20563 = CPR XIV 11</em></p>
<p>Aufgrund der höheren Feuchtigkeit im Bereich des Mittelmeerraumes und des Nildeltas haben sich aus dem Bereich der geteilten Provinzen Aegyptus und Augustamnica kaum Papyri erhalten. Dies hat zur Folge, dass über die Verwaltung der Provinzen Augustamnica I und II – dieser Abschnitt des Edikts ist wie oben erwähnt verloren – nur spekuliert werden kann. Im Allgemeinen wird in der Forschung bislang die Auffassung vertreten, dass auch Augustamnica I und II wie die Thebais und Aegyptus durch einen Statthalter mit zivilen und militärischen Kompetenzen, dem <em>dux et Augustalis</em>, verwaltet wurden, dem ein ziviler Statthalter (<em>praeses</em>) unterstellt war. </p>
<p>Für Arcadia hingegen sind eine Fülle an Papyri überliefert, die trotz Textverlust beim Edikt eine Rekonstruktion der Provinzialverwaltung dieser Provinz erlauben. Die vielen Papyri aus der Arcadia aus dem 6. Jh. n. Chr. bezeugen einen zivilen Statthalter, jedoch keinen <em>dux et Augustalis</em> für die Arcadia. Der früheste Beleg für einen <em>dux et Augustalis </em>für die Arcadia stammt aus dem Jahr 636 n. Chr. Allem Anschein nach erhielt diese Provinz erst im 7. Jh., wohl als direkte Reaktion auf die sassanidische Eroberung Ägyptens, einen eigenen Statthalter mit zivilen und militärischen Kompetenzen. Bis dahin war die Arcadia – zumindest militärisch – zu gewissen Zeiten dem Statthalter der Thebais unterstellt. </p>
<p>Ägypten, das von den Stürmen der Völkerwanderungszeit verschont blieb, geriet von 619 – 629 n. Chr. unter sassanidische Herrschaft. Papyri in Griechisch und Pahlewi (Mittelpersisch) geben nähere Auskunft über die Verwaltung und das Leben in jener Zeit. Aus dieser Zeit stammt auch P.Vindob. G 20601 (Abb. 2), ein in Griechisch verfasster Schuldschein. Ein Eirenarch, ein dörflicher Funktionsträger, ist bei einem gewissen Chosroes, <em>chartularios </em>(Schreiber) des Saralaneozan verschuldet. Bei Saralaneozan, der aus anderen Papyri bekannt ist, handelt es sich um einen der höchsten sassanidischen Amtsträger. Dieser war für die Einhebung der Goldsteuer für den sassanidischen Großkönig verantwortlich. Der Papyrus zeigt mit der Nennung des Eirenarchen, dass die Zivilverwaltung auf Dorfebene fortbestand und zumindest für diesen Eirenarchen das Leben wie gewohnt weiterging. </p>
<p><strong><img height="249" width="300" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/7/8/csm_Abb_2_fa4b084c86.jpg" style="" alt="" /><br /></strong><em>Abb. 2: P.Vindob. G 20601 = Sänger, ZPE 164, 2008, 191–195</em></p>
<p>629 n. Chr. gelang es den Oströmern für kurze Zeit, die Herrschaft über Ägypten wiederherzustellen, bis diese 641 n. Chr. endgültig an die Araber verloren ging.&nbsp;&nbsp; </p>
<p>Ein systematisches und kritisches Studium der Papyri und der übrigen Quellen soll noch nähere Kenntnisse zur Verwaltung in dieser Zeit liefern und Forschungslücken weiter schließen. Genauer zu untersuchen sind u. a., was seitens des oströmischen Kaisers – abgesehen von der Einführung eines <em>dux et Augustalis</em> in der Arcadia – als Reaktion auf die sassanidischen Eroberung unternommen wurde, die nähere Aufgabenteilung zwischen dem <em>dux et Augustalis</em> und dem <em>praeses</em>, die Zusammensetzung der Statthalterbüros sowie die Interaktion zwischen lokaler Elite (Großgrundbesitzer, Pagarchen) und Statthaltern.&nbsp;<strong>&nbsp;</strong></p>
<hr />
<p><em>Zur Autorin: Alexandra Jesenko ist Doktorandin im Fach Alte Geschichte an der Universität Wien zum Thema &quot;Die Verwaltung Ägyptens von Justinian bis zur Arabischen Eroberung&quot;.</em></p>]]></content:encoded>
					</item>
				
					<item>
						<guid isPermaLink="false">news-394</guid>
						<pubDate>Wed, 25 Oct 2017 08:00:00 +0200</pubDate>
						<title>Nikolaus Joseph Jacquin: Die Karriere eines Naturforschers  in Wien</title>
						<link>http://www.onb.ac.at/forschung/forschungsblog/artikel/news/nikolaus-joseph-jacquin-die-karriere-eines-naturforschers-in-wien/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;cHash=c7cd0cf9afac02ab38f5423867ae4d3e</link>
						<description>Am 26. Oktober jährt sich zum 200. Mal der Todestag des berühmten Botanikers Nikolaus Joseph Jacquin (1727-1817). Ein jüngst erschienenes Werk zeigt, aufgrund intensiver Quellenforschung, wichtige Stationen seines Lebens in einem neuen Licht.</description>
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						<content:encoded><![CDATA[<h5>Zum 200. Todestag von Nikolaus Joseph Jacquin</h5>
<p>Autorin: Helga Hühnel</p>
<p>Am 26. Oktober jährt sich zum 200. Mal der Todestag Nikolaus Joseph Jacquins (1727-1817).</p>
<p>Der berühmte in Leiden geborene Naturwissenschaftler, der in den Niederlanden und in Frankreich einen Teil seiner Studien absolvierte, fand erst in Wien Anerkennung und Erfolg. Bis es ihm gelang, sein Ziel und seine Leidenschaft – die Botanik – auch beruflich einzusetzen, lag noch ein steiniger Weg vor ihm. Es erforderte ein großes Maß an Durchhaltevermögen, Fleiß und festem Willen sein Vorhaben durchzuführen.</p>
<p>Als Jacquin in Paris über keinerlei finanzielle Mitteln mehr verfügte und so auch sein Medizinstudium in der französischen Metropole nicht abschließen konnte, erinnerte er sich des langjährigen Familienfreundes, Gerhard van Swieten, ebenfalls aus Leiden gebürtig und bat diesen schriftlich um Hilfe. Van Swieten war inzwischen als Reformer des wissenschaftlichen Betriebes in Wien für das Kaiserpaar Franz Stephan und Maria Theresia unentbehrlich geworden. Das Bittgesuch tat seine Wirkung, Jacquin wurde eingeladen, nach Wien zu kommen, um hier sein Studium zu vollenden. Der grandios formulierte Dankesbrief an seinen Gönner, in wohlklingenden elegischen Distichen in lateinischer Sprache, befindet sich heute in der Handschriftensammlung der ÖNB[i], und ist ein Lehrbeispiel, wie Jacquin dem elitären Geschmack seines klassisch gebildeten Mäzens zu entsprechen versuchte. Für die Zukunft wollte er nachhaltige Leistungen vollbringen, um van Swietens Vertrauen zu rechtfertigen.</p>
<p>Bei seiner ersten Ankunft in Wien, 1752, wurde Jacquin in den Räumlichkeiten der neuen Hofbibliothek einquartiert, in der van Swieten als Präfekt über eine Wohnung für sich und seinen Diener Cornelius Schonenbosch verfügte. Sofort schrieb er an seinen Freund Theodor Gronovius nach Leiden, dass er<em> „mit seinem Gönner in die Stadt in die geräumige Wohnung gefahren sei, die Van Swieten in der Hofbibliothek, die unvorstellbar prunkvoll und königlich sein, innehabe“.[ii]</em></p>
<p>Neben seinem Medizinstudium besuchte Jacquin öfters den Pflanzengarten in Schönbrunn, für den die holländischen Gärtner Adrian van Stekhoven und Richard van der Schot zuständig waren. Als der Kaiser – übereinstimmend mit van Swieten – an eine Expedition zur Aufwertung des Gartens und des Tiergeheges von Schönbrunn dachte, wurde Jacquin von seinem Mäzen als Expeditionsleiter vorgeschlagen. Für seine Bestellung sprachen u. a. folgende Kriterien: Jacquin beherrschte die französische Sprache, verfügte über botanische Kenntnisse, war in der höfischen Etikette bewandert und hatte, was sicher auch die personelle Entscheidung erleichterte, Verwandte auf Martinique. So kam Jacquin zu dieser einmaligen Chance, eine Expedition anzuführen, zu der der Kaiser selbst die Instruktionen verfasst hatte.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3789&amp;md5=6efb5e82284a6701b0731cbc1483389da0fb5c5f&amp;parameters%5B0%5D=YToxOntzOjU6InRpdGxlIjtzOjEyODoiS2FyaWJpa3N6ZW5lLCBUZXh0dmlnbmV0&amp;parameters%5B1%5D=dGUgKEt1cGZlcnN0aWNoIGF1czogTi4gSi4gSmFjcXVpbiwgU2VsZWN0YXJ1bSBz&amp;parameters%5B2%5D=dGlycGl1bSBBbWVyaWNhbmFydW0gaGlzdG9yaWEsIFdpZW4gMTc2Mywgwqkgw5ZO&amp;parameters%5B3%5D=QiwgSEFEKS4iO30%3D"><img height="154" width="300" title="Karibikszene, Textvignette (Kupferstich aus: N. J. Jacquin, Selectarum stirpium Americanarum historia, Wien 1763, © ÖNB, HAD)." alt="Jacquins Lieblingspflanze: Costus spicatus Jacq., (N. J. Jacquin, Selectarum stirpium Americanarum historia, Wien 1763, Taf. 1, © ÖNB, HAD)." src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/a/e/csm_014_Karibik_Szene_c70f5e8069.jpg" style="" /></a><br /><em>Karibikszene, Textvignette (Kupferstich aus: N. J. Jacquin, Selectarum stirpium Americanarum historia, Wien 1763, © ÖNB, HAD).</em><br /><br /></p>
<p>Von 1754 bis 1759 leitete unser Protagonist diese Übersee-Unternehmung – die sein zukünftiges Leben maßgebend beeinflussen sollte – umsichtig und erfolgreich. Er entpuppte sich als perfekter Organisator, knüpfte die wichtigen Kontakte mit der karibischen kolonialen Gesellschaft vor Ort, schickte die mit ihm reisenden beiden Vogelsteller und den Gärtnerburschen zum Sammeln quer über die Inseln, füllte die entsprechenden Listen mit den Sammelinhalten aus, managte die Zwischenlagerungen der Pflanzen, Tiere und Mineralien und arrangierte die zahlreichen Rücktransporte nach Wien. Als unerwartetes Glück für die Historiker präsentiert sich das komplette Reiserechnungskonvolut im Haus-Hof- und Staatsarchiv in Wien[iii]. Jacquin führte penibel Buch über alle Ausgaben dieser Reise, indem er alle Posten getrennt nach Unterkunft und Verpflegung, Transporte, Kleidung, etc. exakt auflistete.</p>
<p>Was infolge der Analyse der Reiserechnungen sehr erstaunt, ist der Befund, dass Jacquin in den Tropen als Höfling unterwegs war: 104 Paar Schuhe (zusammen mit den drei Mitreisenden) und die Rechnungen für Nachthauben, Nachttöpfe, vierundzwanzig Hemden, dazu Batist und Spitzen, Jacken, Weste, sieben bestickte Manschetten und zahlreiche Hosen, seidene und zwirnene Strümpfe, auch Tischtücher, Servietten, Handtücher, Seifen, Löffel und Gabeln, Kaffeekanne und ein kupfernes Gefäß zur Schokoladezubereitung, Trinkgläser, Laternen und Kerzen bezeugen, dass er auf einen gewissen Komfort nicht verzichtete und überall als Repräsentant des Kaisers auftrat. Hängematten, Strohhüte, Papier und Tinte, Wasserfarben, Bouteillen für die Pflanzensamen etc. finden sich ebenso verzeichnet, wie die monatliche Konsultierung des Barbiers und „Perruquiers“.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3790&amp;md5=10ca63ed45f911791f5f0240760e73c27846444a&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img height="199" width="300" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/5/b/csm_031_Umschlag__Botaniker_Detail_5fb2d9cca6.jpg" style="" alt="" /></a><br /><em>Botaniker im Feld, mit Blechkandel (Vorläufer der Botanisiertrommel, Ausschnitt (Handgezeichnetes Titelblatt, Johann Jakob Well, Phytanthologia Eikonike, 3. Bd., 1768f, © ÖNB, HAD).</em></p>
<p>Diese Reise veränderte nachhaltig Jacquins Leben. Er entwickelte sich vom Pflanzenliebhaber zum fachkundigen Sammler und danach zum Beschreiber unzähliger Arten und Gattungen bis hin zum Taxonomen und Methodiker. Er hatte seinen Gönner van Swieten von seinen Fähigkeiten überzeugt und dieser suchte nun einen adäquaten Posten für seinen Schützling. Nach einem vierjährigen Intermezzo als Bergrat und Professor für Chemie und Mineralogie in Schemnitz wurde Jacquin 1768 als Professor für Chemie und Botanik an die Universität Wien berufen, eine Stellung die auch die Leitung des botanischen Gartens am Rennweg umfasste. Nun war Jacquin angekommen, er sollte Wien als Lebens- und Arbeitsmittelpunkt nie wieder verlassen. Gleich nach seiner Rückkehr aus der Karibik hatte er zu publizieren begonnen, nun aber explodierte die Herausgabe seiner botanischen Werke, deren wunderbare Zeichnungen nicht zuletzt seinen Ruf als Botaniker begründeten.</p>
<p>Es besteht kein Zweifel, dass Jacquin ein ungeheuer großes Arbeitspensum bewältigte und sich zu Recht durch seine zahlreichen Veröffentlichungen hohes Ansehen erwarb. Aber lag sein Ruhm alleine darin begründet? Verdient hatte er ihn, aber dass er ihm in so hohem Maße zu Teil wurde, war wohl nicht nur seiner wissenschaftlichen Leistung zuzuschreiben. Warum verfielen andere Botaniker der Vergessenheit, Jacquin jedoch wurde noch Jahrzehnte nach seinem Tode verehrt?</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3788&amp;md5=c053d8c30d14a0f44b1ea7e8cd8b4fe3b5c08163&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img height="371" width="300" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/6/b/csm_005_Costus_087277f53d.jpg" style="" alt="" /></a><br /><em>Jacquins Lieblingspflanze: Costus spicatus Jacq., (N. J. Jacquin, Selectarum stirpium Americanarum historia, Wien 1763, Taf. 1, © ÖNB, HAD).</em></p>
<p>Es ist wohl ein Bündel von Faktoren, die dazu beitrugen: Zunächst seine Treue zum botanischen Ordnungssystem des Carl von Linné, dann Fleiß, Schaffensfreude, sicher auch Ehrgeiz, all diese Eigenschaften halfen ihm, unzählige amerikanische und später dann die heimischen Alpenpflanzen zu beschreiben und zu visualisieren. Als Botaniker, Chemiker, Mineraloge, Professor, Autor, Bergrat und Pharmazeut, Gartendirektor und Forschungsreisender war er vielseitig und erfolgreich tätig. Mit Botanikern aus aller Welt pflegte er intensiven Briefkontakt. Aber dazu kam noch etwas – Jacquin wusste sich zu inszenieren: Seine eloquente Beherrschung des Lateinischen, sein Ruf als dilettierender Dichter, seine Betonung der Bedeutung von Pflanzenillustrationen und die Liebe zur Musik kürten seinen Salon jeden Mittwochabend zu einem Mittelpunkt der Wiener Gesellschaft.</p>
<p>Alles, was bisher über den Werdegang Jacquins erzählt wurde, fußt weitgehend auf einer Selbstdarstellung, die er gegen Ende seines Lebens seinem Sohn diktiert hatte, die jedoch nicht immer mit der Realität übereinstimmt, wie die neuerschienene „Biographie“[iv] zu erhellen versucht.</p>
<hr />
<p><em>Über die Autorin:&nbsp;Dr. Helga Hühnel ist stellvertretende Leiterin der Kartensammlung der Österreichischen Nationalbibliothek und Koautorin der neu erschienenen Jacquin Biographie.</em></p>
<hr />
<p>[i] ÖNB, HAD, Autograph 13/77-1 vom 15. Mai 1752.</p>
<p>[ii] Zit. nach Marianne Klemun / Helga Hühnel (2017): <em>Nikolaus Joseph Jacquin (1727 – 1817) – ein Naturforscher (er)findet sich</em>, Göttingen: VUP, S. 532. <a href="https://books.google.at/books?isbn=3847007106" title="Opens internal link in current window" target="_blank" class="external-link-new-window">» https://books.google.at/books?isbn=3847007106</a></p>
<p>[iii] Vgl. HHStA, Hausarchiv, Poschakten, JS, Karton 2; 2-16.</p>
<p>[iv] Klemun und Hühnel 2017.</p>]]></content:encoded>
					</item>
				
					<item>
						<guid isPermaLink="false">news-367</guid>
						<pubDate>Thu, 12 Oct 2017 08:00:00 +0200</pubDate>
						<title>but I’m not / a concrete pot</title>
						<link>http://www.onb.ac.at/forschung/forschungsblog/artikel/news/but-im-not-a-concrete-pot/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;cHash=c0c55fbc2a8305f58322aefb66ba8e8d</link>
						<description>Ernst Jandls umfangreichste Korrespondenz mit dem schottischen Ausnahmekünstler Ian Hamilton Finlay wurde kürzlich als Buch veröffentlicht. Das Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek publiziert damit einen ersten der zahlreichen Briefwechsel Ernst Jandls.</description>
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						<content:encoded><![CDATA[<h5>Der Briefwechsel zwischen Ernst Jandl und Ian Hamilton Finlay im Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek und als Buch</h5>
<p><em>Autorin:</em> <em>Vanessa Hannesschläger</em></p>
<p><strong>Ian Hamilton Finlay und Ernst Jandl waren zwei Dichter wie Tag und Nacht. Der gemeinsame Nenner, der die beiden Künstler verband, war die konkrete Poesie, eine Kunstform, die sich in den frühen 1950er Jahren entwickelte und die das Gedicht als visuelles und akustisches Objekt begriff, das vorrangig (durch) seine Struktur kommuniziert. Kommuniziert haben auch die beiden Dichter, über 20 Jahre führten sie ein Briefgespräch über den Ärmelkanal hinweg.<br /></strong></p>
<p>Ernst Jandls Liebe zur deutschen Sprache und Literatur wurde wohl schon früh von seiner Mutter, die selbst Gedichte verfasste, inspiriert. Das intensive Verhältnis zum Englischen, der „Sprache der Freiheit“, entwickelte sich hingegen erst während Jandls Kriegsgefangenschaft in England, wohin er im Lauf seines Lebens immer wieder zurückkehrte, um zu arbeiten, poetische Erfolge zu feiern und Freundschaften zu pflegen – zum Beispiel jene zu Ian Hamilton Finlay.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3746&amp;md5=b9db0b6d521414e661c857eb8b53e2f4adbf49f4&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img height="418" width="300" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/6/4/csm_Jandl_Abb1_8dd2666b7d.jpg" style="" alt="" /></a>&nbsp;<br /><em>Abb. 1: Ernst Jandl: the times mathematical supplement (unveröffentlichtes Gedicht). Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek, Nachlass Ernst Jandl, ÖLA 139/99.</em></p>
<p>Jandl war nicht von Anfang an der experimentelle Dichter, als der er später zum Popstar unter den Poeten avancieren sollte. In der ersten Hälfte der 1950er Jahre verfasste er eher konventionelle, vor allem von Bertolt Brecht inspirierte Gedichte, die er 1956 in seinem ersten, erfolglos gebliebenen Gedichtband <em>Andere Augen</em> in Wien veröffentlichte. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits mit Friederike Mayröcker ein Paar geworden – diese Verbindung hielt bis an das Lebensende. Trotz der Nähe Jandls zur <em>wiener gruppe</em> gelang es Jandl nicht, für seine eigene sich nun entwickelnde experimentelle Dichtung die Anerkennung zu finden, die er sich erhoffte. Während experimentelle Formen im konservativen Nachkriegsösterreich von einem breiten Publikum als zu radikal und irritierend abgelehnt wurden, war Jandls Arbeit jenen, die sich selbst als experimentelle Künstler begriffen, nicht radikal genug. Seine Entscheidung, als Lehrer neben der Dichtung auch einem Brotberuf nachzugehen, wurde als „bürgerlicher Lebensstil“ aufgefasst und abgelehnt. Auch die gesellschaftskritischen und politischen Elemente, die Nachwirkung Brechts in Jandls experimenteller Arbeit, wurden von der <em>wiener gruppe</em> kritisiert.</p>
<p>Zu Beginn der 1960er Jahre fand sich Jandl als österreichischer Dichter daher in einer isolierten Position. Er begann Kontakte jenseits der Landesgrenzen zu knüpfen, entdeckte sein Talent als Netzwerker und verband sich rasch jenen, die für die poetische Richtung, der sie sich verschrieben, gerade einen Namen gefunden hatten: Die konkrete Poesie, entstanden aus der poetischen Liebesbeziehung des Schweizers Eugen Gomringer und der brasilianischen <em>Niogandres</em> Gruppe, formierte sich als internationale Bewegung. Obwohl Jandl sich nicht ausnahmslos in das Korsett dieser Benennung fügen wollte, stand er der ihr zugrundeliegenden Auffassung von Poesie sehr nahe und publizierte 1964 zwei Arbeiten in ihr gewidmeten Reihen: In der vom Stuttgarter Ästhetik-Philosophen Max Bense herausgegebenen Reihe <em>rot</em> erschienen Jandls <em>lange gedichte</em>, Eugen Gomringer nahm seinen Zyklus <em>klare gerührt</em> in die selbstverlegten <em>konkrete poesie poesia concreta</em>-Hefte auf. Diese Publikationen dienten Jandl auch als Referenzen bei der Kontaktaufnahme zu Schreibenden desselben Geistes, ob in der ČSSR, wo sich Jandl den konkreten Poeten Jiří Kolář, Josef Hiršal und Ladislav Novák verband, in Brasilien, wo er mit Augusto und Haroldo de Campos ebenso wie mit Décio Pignatari korrespondierte, oder in Großbritannien, wo neben Finlay zahlreiche weitere konkrete Dichter wie etwa John Furnival, Dom Sylvester Houédard und Edwin Morgan zu Jandls Korrespondenzpartnern gehörten.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3745&amp;md5=75aef6e291d79512bf2d1772bb64a92ca5b681bc&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img height="411" width="300" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/3/e/csm_Jandl_Abb2_683be5d139.jpg" style="" alt="" /></a>&nbsp;<br /><em>Abb. 2: Ernst Jandl: Brief an Ian Hamilton Finlay, 8. Juli 1984 (Durchschlag). Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek, Nachlass Ernst Jandl, ÖLA 139/99.</em></p>
<p>Wenn Ernst Jandl als „Wiener Dichter“ bezeichnet werden kann, so ist eine äquivalente Definition Ian Hamilton Finlays wesentlich schwieriger. Der auf den Bahamas geborene Schotte, der keine Universität besucht hat und nach dem Zweiten Weltkrieg einige Jahre als Schafhirte arbeitete, begann seine künstlerische Karriere als Schreibender, entwickelte sich aber dank der von ihm gegründeten <em>Wild Hawthorn Press</em> zu Beginn der 1960er Jahre auch zum Verleger und mit seiner bald darauf ins Leben gerufenen Zeitschrift <em>Poor. Old. Tired. Horse.</em> (POTH) zum Herausgeber. Diese Tätigkeiten waren mit dafür verantwortlich, dass Finlay ein äußerst lebendiges und vielleicht noch umfangreicheres Korrespondenznetz als Jandl betrieb und pflegte. Ebenso wie Jandl begann Finlay seine Arbeit als Schriftsteller mit eher konventionellen Ansätzen, darunter auch erzählende und dramatische Texte. Von diesen Genres verabschiedete er sich jedoch bald vollkommen. Auch er verband sich der konkreten Bewegung und hatte weniger Scheu als Jandl, diesen Namen für seine eigene Arbeit anzunehmen. Im erwähnten konkreten Kreis, mit dem Jandl Briefe austauschte, war Finlay schon etwas früher als der Wiener Freund etabliert und renommiert. Die Gedichtsammlungen <em>The Dancers Inherit the Party</em> und <em>Rapel</em> bescherten ihm breite Anerkennung in der konkreten Szene und waren auch einer der Anlässe dafür, dass Ernst Jandl 1964 Kontakt zu Finlay aufnahm. Zu diesem Zeitpunkt, als die konkrete Poesie auf der Höhe ihrer Verbreitung war, begann Finlay bereits, über ihre Grenzen hinauszudenken und die konkrete Poesie als materielle Kunst zu begreifen. Diese Transformation von Gedichten in Gegenstände begann mit seinen <em>poem/prints</em> und ersten Gedichtinstallationen. Diese neue Art, mit experimentellen Wortkunstwerken zu arbeiten, nannte Finlay zuweilen „avant-gardening“.</p>
<p>Sowohl Finlay als auch Jandl entdeckten, dass ihre Poesie nicht an ihre bloße schriftliche Form gebunden bleiben konnte. Für Jandl spielte die lautliche Realisierung des Gedichts von Beginn seiner experimentellen Arbeit an eine essenzielle Rolle. Dementsprechend begann er ab den 1960er Jahren, mit Musikern zusammenzuarbeiten. Seine erste wesentliche Kooperation war die Zusammenarbeit mit dem Pianisten Dieter Glawischnig und dem Bassisten Ewald Oberleitner, später arbeitete er mit vielen weiteren Musikerinnen und Musikern zusammen. Jandls lebenslange Liebe zum Jazz hat diese Kooperationen wesentlich geprägt. Doch auch der bildenden Kunst war Jandl verbunden. Internationale Künstler wie Jiří Kolář, Constantin Brâncuși und John Furnival, aber auch die Gugginger Künstler um Leo Navratil waren ebenso Kooperationspartner wie Inspirationsquellen. Finlay baute ebenfalls ein umfangreiches Netzwerk an Partnern auf, mit denen er seine sich zunehmend zu Skulpturen gewandelten Gedichte realisierte. Er arbeitete mit Typographen und Druckkünstlern wie Edward Wright, Hansjörg Mayer und Ron Costley ebenso, wie mit Steinmetzen und Schnitzern, etwa mit Michael Harvey, der in Finlays Kunstgarten <em>Stonypath</em> zahlreiche Steinarbeiten gestaltete, und, immer wieder, mit seiner Ehefrau Sue. </p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3747&amp;md5=7e28983e061389cbb097797c884d097923d2bc29&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img height="393" width="300" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/f/b/csm_jandl_Abb3_4339780a03.jpg" style="" alt="" /></a>&nbsp;<br /><em>Abb. 3: Ernst Jandl / Ian Hamilton Finlay (2017): not / a concrete pot. Briefwechsel 1964-1985. Wien/Bozen: Folio. (Cover)</em></p>
<p>Der Briefwechsel zwischen diesen beiden Ausnahmekünstlern, Zeugnis eines poetologischen und poetischen Gesprächs, das sich über mehr als zwei Jahrzehnte erstreckte, wurde nun in einer im Folio-Verlag erschienenen zweisprachigen Ausgabe mit zahlreichen Abbildungen erstmals an die Öffentlichkeit gebracht. Ermöglicht hat das Ernst Jandls besondere Beziehung zu beschriebenem Papier: Gewissenhaft hat der Dichter seine Korrespondenzen aufbewahrt und dabei nicht nur die an ihn gerichteten Briefe, sondern auch die Durchschläge seiner eigenen Antworten archiviert. In der so entstandenen Sammlung von wohl über tausend schriftlichen Gesprächen ist jenes mit Ian Hamilton Finlay das umfangreichste und intensivste. Sie alle werden im Nachlass Ernst Jandls am Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek verwahrt, das mit diesem Buch zum ersten Mal eines dieser Konvolute publiziert. Aufgrund der hohen Frequenz, mit der sich Jandl und Finlay zeitweise austauschten, wurde für diese Ausgabe eine Auswahl aus dem Gesamtbriefwechsel getroffen, der nach über 20 Jahren des Austauschs über Privates, Professionelles und Poetisches sang- und klanglos und ohne Zerwürfnis zu einem stillen Ende kam.<br /><br /></p>
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<p><em>Über die Autorin:&nbsp;</em><a href="https://vanessahannesschlaeger.wordpress.com/" title="Opens internal link in current window" target="_blank" class="external-link-new-window">»&nbsp;</a><a title="Opens internal link in current window" class="external-link-new-window" href="https://vanessahannesschlaeger.wordpress.com/">Vanessa Hannesschläger</a><em>&nbsp;ist Literaturwissenschaftlerin und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Austrian Centre for Digital Humanities der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.</em></p>
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<p><strong>Weiterführende Links:<br /></strong></p><ul><li><a href="http://www.onb.ac.at/bibliothek/sammlungen/literatur/bestaende/personen/jandl-ernst-1925-2000/"><b>» Nachlass von Ernst Jandl</b></a> am Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek</li><li>Netzbiographie <a href="http://jandl.onb.ac.at/" target="_blank"><b>» Ernst Jandl Online</b></a> </li></ul><p><strong>Literatur: </strong></p>
<p>Dieser Text ist eine Bearbeitung des Vorworts zu: Ernst Jandl / Ian Hamilton Finlay: <em>not / a concrete pot. Briefwechsel 1964-1985</em>. Ausgewählt und herausgegeben von Vanessa Hannesschläger. Übersetzt von Barbara Sternthal unter Mitarbeit von Vanessa Hannesschläger. Herausgegeben in Zusammenarbeit mit dem Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek. Wien/Bozen: Folio 2017.</p>
<p>Fetz, Bernhard (Hg.) (2005): <em>Ernst Jandl. Musik Rhythmus Radikale Dichtung</em>. Wien: Paul Zsolnay.</p>
<p>Hannesschläger, Vanessa (2016): <em>Ernst Jandl Online</em>, [online] <a href="http://jandl.onb.ac.at/" target="_blank">» jandl.onb.ac.at</a>&nbsp;[17.8.2017].</p>
<p>Hannesschläger, Vanessa (2017): „l´amour / die tür / the chair / der bauch“: Konkrete Poesie als Europäisches Projekt, in: <em>Textpraxis</em> 13 (1.2017) [online]. URL: <a href="http://www.unimuenster.de/textpraxis/vanessa-hannesschlaeger-konkrete-poesie" target="_blank">» www.unimuenster.de</a>&nbsp;[17.8.2017].</p>
<p>Schweiger, Hannes und Fetz, Bernhard (Hg.) (2010): <em>Die Ernst Jandl Show. Eine Ausstellung des Wien Museums und des Ludwig Boltzmann Instituts für Geschichte und Theorie der Biographie in Kooperation mit der Österreichischen Nationalbibliothek</em>. Wien / St. Pölten / Salzburg: Residenz.</p>]]></content:encoded>
					</item>
				
					<item>
						<guid isPermaLink="false">news-379</guid>
						<pubDate>Thu, 28 Sep 2017 07:13:00 +0200</pubDate>
						<title>Erster Forschungstag der Österreichischen Nationalbibliothek </title>
						<link>http://www.onb.ac.at/forschung/forschungsblog/artikel/news/erster-forschungstag-der-oesterreichischen-nationalbibliothek/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;cHash=ca74538d97b482c30249ff59e7fde49c</link>
						<description>Am 19. Oktober 2017 werden 28 WissenschaftlerInnen aus der ÖNB und aus Partnerinstitutionen im Oratorium der Österreichischen Nationalbibliothek einen Überblick über die wichtigsten aktuellen Forschungsprojekte und -ergebnisse geben. </description>
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						<content:encoded><![CDATA[<p><em>Am 19. Oktober 2017 werden 28 WissenschaftlerInnen aus der ÖNB und aus Partnerinstitutionen im Oratorium der Österreichischen Nationalbibliothek einen Überblick über die wichtigsten aktuellen Forschungsprojekte und -ergebnisse geben.&nbsp;</em></p>
<p>Hilft die Erschließung von Papyri aus den Anfängen der arabischen Herrschaft bei aktuellen religiösen und politischen Fragen? Was wird durch den Einsatz digitaler Analysetools bei der wissenschaftlichen Edition literarischer Texte gewonnen? Welche Technologien kamen bei der spätantiken Pergamentherstellung zur Anwendung und was bedeutet das für die Konservierung wertvollster Handschriften und Unikate?</p>
<p>Als zentrale wissenschaftliche Bibliothek der Republik Österreich betreibt die Österreichische Nationalbibliothek&nbsp;<strong>aktuell&nbsp;</strong><strong>mehrere</strong>&nbsp;<strong>Forschungsprojekte</strong>. Beim „Forschungstag der Österreichischen Nationalbibliothek“ am 19. Oktober 2017 werden sie erstmals umfassend präsentiert.&nbsp;<strong>28 WissenschaftlerInnen geben in vier Themenblöcken einen Überblick</strong>&nbsp;über die wichtigsten Projektziele und erste Forschungsergebnisse.</p>
<p>Die Bestände der Österreichischen Nationalbibliothek, die zum Teil Weltdokumentenerbe-Status besitzen, stellen eine einzigartige Forschungsinfrastruktur dar. Neben Studien zur Erhaltung und Restaurierung der bis in die Antike zurückreichenden Objekte stehen die inhaltliche Erschließung und die digitale Präsentation im Zentrum der Forschungsarbeit. Im Zeitalter der Digital Humanities ist die Kommunikation zwischen den EntwicklerInnen technischer Applikationen und den ForscherInnen aus den Fachdisziplinen von entscheidender Bedeutung für die Sicherung und Erschließung des kulturellen Erbes. Insbesondere digitale Editionen und Strategien zur Visualisierung der Bestände bieten bislang nicht gekannte Möglichkeiten einer Verbindung von Wissenschaft und der Vermittlung von Forschungsergebnissen auch an eine breitere Öffentlichkeit.</p>
<p><strong>Anmeldung (bis 18. Oktober 2017) </strong>unter&nbsp;<a href="https://www.eventbrite.de/e/forschungstag-der-osterreichischen-nationalbibliothek-tickets-37803890454" title="Opens external link in new window" target="_blank" class="external-link-new-window">www.eventbrite.de&nbsp;</a></p>
<hr />
<h3>Programm</h3>
<p><strong>9:00 Uhr</strong> Begrüßung: Generaldirektorin Dr. Johanna Rachinger</p>
<p><strong>9:15 Uhr</strong> Übersichtsdarstellung der Forschungsschwerpunkte: Doz. Dr. Bernhard Fetz, Vorsitzender der Steuerungsgruppe Wissenschaftliche Forschung an der Österreichischen Nationalbibliothek</p>
<hr />
<p><strong>9:30-11:00 Uhr&nbsp;</strong></p>
<h3>Abenteuer Papyrologie</h3>
<p>Moderation: Univ.-Prof.&nbsp;Dr. Bernhard Palme (Direktor Papyrussammlung und Papyrusmuseum)</p><ul><li><b><i>Papyri aus den ersten Jahrhunderten der arabischen Herrschaft (Papyrussammlung)<br /></i></b><br />Projekt mit Unterstützung der Mellon-Foundation<br />Projektvorstellung: Dr. Lucian Reinfandt, Dr. Sven Tost<br /><br />Ein Schlüsselereignis der Weltgeschichte ist der plötzliche Aufstieg der Araber zur führenden Macht des östlichen Mittelmeerraumes. Das Forschungsprojekt hat sich zum Ziel gesetzt, die unpublizierten Bestände der Papyrussammlung systematisch zu sichten und 15.000 Dokumente aus den frühen Jahrhunderten der arabischen Herrschaft (7.-9. Jh. n. Chr.) auszuwählen, zu digitalisiert, katalogisieren und online zugänglich zu machen. Der Focus liegt auf arabischen, griechischen und koptischen Texten, welche die formative Periode des Reiches unter den Omayyaden und Abbasiden beleuchten.</li></ul><ul><li><b><i>Prozessprotokolle aus dem römischen Ägypten (Papyrussammlung)<br /></i></b><br />FWF-Projekt in Kooperation mit dem Institut für Kulturgeschichte der Antike / ÖAW<br />Projektvorstellung: Dr. Anna Dolganov<br /><br />Über 500 originale Dokumente von Prozessen sind auf kaiserzeitlichen Papyri erhalten. Ziel des Projektes ist es, die Rechtspraxis in einer römischen Provinz durch eine Studie der Prozessprotokolle und anderer relevanter Texte systematisch zu untersuchen und darzustellen. Die oftmals fragmentarischen Texte werden kritisch revidiert und im Kontext erklärt. Auf dieser neuen Quellenbasis werden grund­legende Fragen der römischen Prozessführung, der Gerichtshöfe und ihres Personals, sowie der amtlichen und archivalischen Handhabung der Schriftstücke analysiert.</li></ul><ul><li><b><i>Texte und Textilien im spätantiken Ägypten (Papyrussammlung)<br /></i></b><br />FWF-Projekt in Kooperation mit dem Institut für Kulturgeschichte der Antike / ÖAW<br />Projektvorstellung: Dr. Aikaterini Koroli, Mag. Ines Bogensperger<br /><br />Das Projekt wertet die umfangreiche papyrologische Evidenz zu den spätantiken Textilien aus und konfrontiert sie systematisch mit den Befunden der originalen Textilien, die zu Tausenden aus Ägypten erhalten sind. Die Studie geht von der Beobachtung aus, dass die große Variation an Materialien und Macharten, Farben und Verzierungen in den sehr differenzierten Fachtermini der griechischen Papyri ihren Ausdruck findet. Damit soll ein Brückenschlag zwischen der Text-orientierten Papyrologie und der Material-orientierten Textilkunde erfolgen, welcher die unterschiedlichen Zugänge und Methoden bei der Erforschung dieses wichtigen Aspektes der materiellen Kultur verbindet.</li></ul><ul><li><b><i>Faijumische Papyri: Neuedition von Texten in CPR II und IV (Papyrussammlung)<br /></i></b><br />FWF-Projekt in Kooperation mit dem Institut für Kulturgeschichte der Antike / ÖAW<br />Projektvorstellung: Dr. Esther Garel, Prof. Dr. Fritz Mitthof<br /><br />Das Projekt befasst sich mit dokumentarischen Papyri, die zwischen ca. 400 bis 800 n. Chr. im Fajum geschrieben wurden. Ein Großteil dieser Alltagstexte im faijumischen Dialekt wurde als Abschriften in einer Edition aus dem Jahre 1895 (Corpus Papyrorum Raineri II) publiziert und teilweise in einem weiteren Band aus dem Jahre 1958 (Corpus Papyrorum Raineri IV) nochmals abgedruckt. Da es sich jedoch nicht um Editionen nach heutigen Standards handelt, sind die Texte unzureichend erschlossen. Um diese für die Wissenschaft fruchtbar zu machen, wird eine moderne Edition mit Übersetzung und ausführlichem Kommentar zu linguistischen und historischen Fragen erarbeitet.<br /><br /></li><li><b><i>Von den Anfängen der Papyrussammlung (Papyrussammlung)<br /></i></b><br />Projekt der Papyrussammlung der Österreichischen Nationalbibliothek<br />Projektvorstellung: Dr. Claudia Kreuzsaler, Mag. Angelika Zdiarsky<br />Noch vor den ersten großen Papyrusfunden um 1880 und der Gründung der Papyrussammlung Erzherzog Rainer gelangten einzelne Papyri in die Hofbibliothek. Unter diesen war ein besonders wichtiger Text, der als „Klage der Artemisia“ bekannt wurde. Im 4.&nbsp;Jh. v. Chr. entstanden, handelt es sich vielleicht um die älteste überlieferte griechische Handschrift. Das Projekt geht den Umständen ihres Fundes und Erwerbes auf den Grund.&nbsp;</li></ul><p><em>11:00-11:30 Uhr Pause</em></p>
<hr />
<p><strong>11:30-13:00 Uhr&nbsp;</strong></p>
<h3>Außergewöhnliche historische Bestände</h3>
<p>Moderation: Dr. Hans Petschar (Direktor Bildarchiv und Grafiksammlung)</p><ul><li><b><i>Die „Wiener Genesis“: Materialanalyse und Konservierung einer spätantiken illuminierten Handschrift&nbsp; auf Purpurpergament (Institut für Restaurierung)<br /></i></b><br />FWF-Projekt<br />Projektvorstellung: Mag. Christa Hofmann und Mag. Sophie Rabitsch<br /><br />Die Wiener Genesis ist eine fragmentarisch erhaltene griechische Handschrift des Buches Genesis in Silbertinte auf purpurgefärbtem Pergament. Die 24 erhaltenen Seiten werden in das 6. Jahrhundert datiert und dem Entstehungsort Antiochia im heutigen Syrien zugeordnet. Die Wiener Genesis ist berühmt für ihren biblischen Buchmalereizyklus. In dem Projekt wird die künstlerische Technologie der Handschrift untersucht. Zu den Fragestellungen gehören die Herstellung von Pergament in der Spätantike sowie die Purpurfärbung von Pergament. Durch die Analyse der Pigmente soll die Farbpalette der Maler ermittelt werden. Eine große konservatorische Herausforderung ist die Silbertinte, deren Veränderung zur Schädigung des Pergaments und massiven Verlusten geführt hat. Eine Zielsetzung des Projektes ist die Erforschung der Schadensmechanismen der Silbertinte und deren Stabilisierung. Die Materialanalyse bildet die Basis für die Entwicklung und Umsetzung eines neuen Konzeptes für die Konservierung und Aufbewahrung der Handschrift. Es gilt die bestmöglichen Methoden für die Stabilisierung von Tinte und Fehlstellen zu finden und die idealen Bedingungen für die langfristige Erhaltung der Fragmente.<b><i>&nbsp;<br /><br /></i></b></li><li><b><i>Modellfall Fragmentendigitalisierung: Die mittelalterlichen Fragmente des Klosters Mondsee (Sammlung für Handschriften und alte Drucke)<br /></i></b><br />ÖAW-Projekt im Rahmen von Go!Digital.2.0<br />Projektvorstellung: Dr. Katharina Kaska<br /><br />Die Fragmentenforschung hat in den letzten Jahren einen großen Aufschwung genommen. Das Interesse wird durch das, archäologischen Herangehensweisen vergleichbare, Aufspüren von verborgenen, bruchstückhaft überlieferten Zeugnisse der spätantiken und mittelalterlichen Schriftkultur geweckt. Sensationelle Neufunde, wie die Entdeckung eines Fragmentes einer Nibelungenlied-Handschrift in Melk machen Hoffnung, dass im Zuge solcher Forschungsprojekte bislang unbekannten Textzeugen aufgespürt werden. Darüber hinaus liefert die Fragmentenforschung aber im Allgemeinen wichtige Erkenntnisse zur Schrift- und Bibliotheksgeschichte mittelalterlicher Sammlungen. Das Projekt konzentriert sich auf den umfangreichen, bislang noch weitgehend unerschlossenen Fragmentenbestand des oberösterreichischen Benediktinerklosters Mondsee.<br /><br /></li><li><b><i>Die Habsburgisch-Lothringische Familien-Fideikommissbibliothek (Bildarchiv und Grafiksammlung)<br /></i></b><br />FWF-Projekt<br />Projektvorstellung: Dr. Thomas Huber-Frischeis und Dr. Rainer Valenta<br /><br />Die Privatbibliothek Kaiser Franz‘ I. von Österreich (1768–1835) gilt als ein hervorragendes Beispiel einer herrschaftlichen Buch- und Grafiksammlung, die in ihren Beständen großteils bis heute in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben ist. Auf Grundlage einer testamentarischen Verfügung des Kaisers wurde sie zu einem Primogenitur-Fideikommiss für seine männlichen Nachfolger erklärt. Auf den ersten Fideikommissinhaber Kaiser Ferdinand&nbsp;I., folgten dessen Bruder Erzherzog Franz Karl (1875), Kaiser Franz Joseph (1878) und schließlich Kaiser Karl (1916). Durch die Eingliederung der privaten Buch- und Kunstsammlungen Ferdinands I. und Franz Josephs entstand gegen Ende der 1870er Jahre eine Familienbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen, die allen seinen Mitgliedern zur Benützung offen stand. Franz Joseph, dessen bibliophile Interessen nur gering waren, sorgte für den rechtlichen und administrativen Rahmen der Sammlung, indem er die Ausstellung der Fideikommissurkunde, die Anfertigung von Inventaren und die Ernennung einer Fideikommissbehörde und eines –kurators veranlasste.</li></ul><p><em>13:00-14:00 Uhr Mittagspause: Buffet im Vorraum des Oratoriums</em></p>
<hr />
<p><strong>14:00-15:30 Uhr </strong></p>
<h3>Digital Humanities</h3>
<p>Moderation: Mag. Max Kaiser (Leiter der Abteilung Forschung und Entwicklung)</p><ul><li><b><i>Ludwig Tiecks Bibliothek.&nbsp;</i></b><b><i>Anatomie einer romantisch-komparatistischen Büchersammlung (Sammlung für Handschriften und alte Drucke)<br /></i></b><br />FWF-Projekt<br />Projektvorstellung: Univ.-Prof. Dr. Achim Hölter<br /><br />Ziel dieses Projektes ist die virtuelle Rekonstruktion der berühmten Bibliothek (ca. 9000 Bände) des deutschen Romantikers Ludwig Tieck (1773-1853). Tiecks Büchersammlung – so die zentrale These des Projektes – stellt eine wissenschaftliche Privat- und Dichterbibliothek dar, die in idealer Weise die Grundlage für Lese- und Schreibübungen verkörpert, die als genuin komparatistisch beschrieben werden müssen. Die Rekonstruktion und Würdigung dieser Bibliothek, die seltene, wertvolle Drucke von der Renaissance und dem Siglo de oro bis hin zu Tiecks Gegenwart enthielt und in einer Berliner Auktion 1849/50 verkauft wurde, stellt in der Erforschung der europäischen Romantik und dem systematischen Erfassen und Evaluieren protokomparatistischer Büchersammlungen eine Pionierarbeit dar.</li></ul><ul><li><b><i>Digitale Musikanalyse mit den XML‐Techniken der Music Encoding Initiative (MEI) am Beispiel der Kompositionsstudien Anton Bruckners (Musiksammlung)<br /></i></b><br />ÖAW-Projekt im Rahmen von Go!Digital.2.0<br />Projektvorstellung: Dr. Thomas Leibnitz, Dr. Robert Klugseder<br /><br />Die Sammlung von Bruckner-Originalhandschriften der Musiksammlung der ÖNB konnte 2013 durch eine weitere bedeutende Originalhandschrift ergänzt werden, das sogenannte „Kitzler-Studienbuch“, das Bruckners Kompositionsstudien bei dem Linzer Kapellmeister Otto Kitzler im Zeitraum 1861 bis 1863 enthält und damit wichtige Aufschlüsse über sein frühes Schaffen gibt. Enthalten sind Studien zu Schlüssen, Modulationen und verschiedenen Formtypen, der Kopfsatz einer unvollendeten Klaviersonate in g-Moll, die gesamte Partitur des frühen Streichquartetts WAB 111 sowie zahlreiche andere Werke. Im Mittelpunkt des zweijährigen Projekts steht die Übertragung des kompletten Inhalts des Studienbuches, zuerst mit dem Notensatzprogramm Sibelius, dann nach XML-MEI. Auf Basis der MEI-Daten wird zum einen versucht, eine automatisierte Harmonieerkennung durchzuführen. Zweiter Schwerpunkt ist die Visualisierung von Streichungen, Varianten etc.<b><i>&nbsp;<br /><br /></i></b></li><li><b><i>SACHA – Simple Access to Cultural Heritage Assets (Abteilung für Forschung und Entwicklung)<br /></i></b><br />Kooperationsprojekt mit ÖAW-ACDH und der Universität Graz<br />Projektvorstellung: Mag. Christiane Fritze und Can Yilmaz<br /><br />Das Projekt „Simple Access to Cultural Heritage Assets” (SACHA) ist ein Kooperationsprojekt mit dem Austrian Centre for Digital Humanities (ACDH) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. SACHA ist Teil des österreichischen Beitrags zum European Research Infrastructure Consortium DARIAH-ERIC. Ziel des Projektes ist es, kulturwissenschaftlich relevante Daten, wie den digitalisierten historischen Buchbestand der Österreichischen Nationalbibliothek, der wissenschaftlichen Nutzung besser zugänglich zu machen. Dazu werden Schnittstellen entsprechend dem Image Interoperability Framework (IIIF) implementiert, die einen schnelleren und besseren Zugang zu den digitalen Beständen der ÖNB ermöglichen.</li></ul><p><em>15:30-16:00 Uhr Pause</em></p>
<hr />
<p><strong>16:00-17:30 Uhr </strong></p>
<h3>Digitale Editionen und intellektuelle Netzwerke</h3>
<p>Moderation: Doz. Dr. Bernhard Fetz (Direktor Literaturarchiv, Literaturmuseum und Sammlung für Plansprachen)</p><ul><li><b><i>KONDE – Kompetenznetzwerk Digitale Edition (Abteilung für Forschung und Entwicklung)<br /></i></b><br />HRSM-Verbundprojekt<br />Projektvorstellung: Mag. Max Kaiser und Mag. Christiane Fritze<br /><br />Das HRSM-Projekt „Digital Humanities Kompetenz- und Wissensnetzwerk ‘Digitale Edition’“ zielt auf den Aufbau und die Weiterentwicklung einer Forschungsinfrastruktur für Digitale Editionen. Es versteht sich deshalb als eine Maßnahme für die Etablierung der Community im Fachbereich Digitale Geisteswissenschaften in Österreich aber auch darüber hinaus. Erarbeitet werden im Projekt eine Best-Practice Lösung für eine eng in LZA-Repositorien eingebundene Publikationsplattform für Digitale Editionen, ein inhaltliches und strategisches Konzept zur Bündelung der Kompetenzen und den Aufbau einer nationalen digitalen Infrastruktur für Editionsprojekte, um den sich wandelnden Anforderungen an Editionen aber auch an moderne wissenschaftliche (digitale!) Forschung gerecht zu werden. Der Beitrag der ÖNB besteht einerseits in der Entwicklung von Konzepten für eine Übernahme des im Projekt entwickelten Referenzmodells für Digitale Editionen durch einschlägige Gedächtnisinstitutionen sowie andererseits in der (Weiter)entwicklung von Werkzeugen für die Verarbeitung des digitalen Materials mittels (semi)automatischer Verarbeitungsschritte.<br /><b><i>&nbsp;<br /></i></b></li><li><b><i>Andreas Okopenko: Tagebücher aus dem Nachlass / Hybridedition (Literaturarchiv)<br /></i></b><br />FWF-Projekt in Kooperation mit dem Institut für Germanistik der Universität Wien<br />Projektvorstellung: Mag. Laura Tezarek, Dr. Desiree Hebenstreit, Dr. Arno Herberth<br /><br />Grundlage für dieses Projekt ist der Nachlass des Schriftstellers Andreas Okopenko (1930-2010). In dessen Zentrum stehen die umfangreichen Tagebuchaufzeichnungen, die Okopenko zeit seines Lebens akribisch führte und die Vorstufen zu zahlreichen seiner Werke sowie zugleich eine Vielzahl an Kommentaren zum österreichischen Literaturbetrieb und zur Zeitgeschichte enthalten. Ziel ist in einem ersten Schritt die Aufarbeitung der Tagebücher aus dem Zeitraum 1949-1955. In diesem Zusammenhang sollen auch die eigenständigen experimentellen Verfahrensweisen des Autors neu gewürdigt werden, die ihn bereits früh zentrale Strukturelemente der Postmoderne wie auch der Digital Humanities antizipieren ließen – etwa die Hypertext-Struktur im „Lexikon-Roman“, das rückläufige Erzählen in „Kindernazi“ oder die Poetik des „Fluidum“. Sämtliche relevanten Dokumente werden transkribiert, nach einem bestimmten Schema codiert und digital verwertbar gemacht. In einem weiteren Schritt werden die Digitalisate und die codierten Transkriptionen mit einem genetisch-kritischen Apparat und einem Kommentar versehen.&nbsp;</li></ul><ul><li><b><i>Günther Anders: Medienästhetik und intellektuelle Netzwerke (Literaturarchiv)<br /></i></b><br />FWF-Projekt in Kooperation mit dem Institut für Philosophie der Universität Wien<br />Projektvorstellung: Mag. Kerstin Putz, Mag. Reinhard Ellensohn<br /><br />Das Projekt widmet sich der Erschließung, textkritischen Erfassung, Edition und Kontextualisierung der Schriften zur Medienästhetik sowie der Korrespondenzen aus dem Nachlass des Philosophen und Schriftstellers Günther Anders (1902-1992). Ziel ist es, diese für die Ideengeschichte des 20. Jahrhunderts wichtigen Nachlassbestände für die Forschung aufzubereiten und für ein breites Publikum zugänglich zu machen. Der Nachlass enthält umfangreiche, zum überwiegenden Teil unveröffentlichte Textbestände zur Medienästhetik und zur Medien-, Radio- und Filmtheorie aus den 1920er bis in die 1950er Jahre. Diese Texte, Abhandlungen, Entwürfe, Rezensionen und Rundfunkmanuskripte erlauben nicht nur einen neuen Blick auf Anders’ Gesamtwerk – insbesondere auf seine viel rezipierte spätere Medientheorie aus dem ersten Band der Antiquiertheit des Menschen (1956) –, sondern stellen auch eine neue Quelle für kulturhistorische und medientheoretische Forschungsfelder dar.&nbsp;</li></ul><p><em>Ende ca. 18 Uhr</em>&nbsp;</p>
<hr />
<p><em>Über den Autor: Doz. Dr. Bernhard Fetz ist Direktor des Literaturarchivs und des Literaturmuseums der Österreichischen Nationalbibliothek.</em></p>]]></content:encoded>
					</item>
				
					<item>
						<guid isPermaLink="false">news-305</guid>
						<pubDate>Thu, 14 Sep 2017 08:15:00 +0200</pubDate>
						<title>Die Enthüllung des Maria-Theresia-Denkmals </title>
						<link>http://www.onb.ac.at/forschung/forschungsblog/artikel/news/die-enthuellung-des-maria-theresia-denkmals/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;cHash=3e2522d64f0465f8129dc0de6e070b50</link>
						<description>Am 13. Mai 1888 wird in Wien das Maria-Theresia-Denkmal enthüllt. Dies bedeutet neben seiner politischen Dimension auch ein gewaltiges Medienereignis. Der Beitrag gibt einen Überblick über die im Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek vorhandenen Bildquellen zu diesem Anlass.</description>
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						<content:encoded><![CDATA[<h5>Eine Bildgeschichte</h5>
<p><em>Autorin: Michaela Pfundner</em></p>
<p>Im Februar 1873 gibt Kaiser Franz Joseph die geplante Errichtung eines identitätsstiftenden Denkmals für Maria Theresia in Wien bekannt. Man lädt mehrere Bildhauer ein, Entwürfe vorzulegen. Der Auftrag wird schließlich an den Favoriten des Kaisers, Caspar Zumbusch, vergeben, der sehr detaillierte Vorgaben über das Bildprogramm des Denkmals erhält. Auch der Aufstellungsort ist bald gefunden: der Platz zwischen den beiden ebenfalls neu zu errichtenden Hofmuseen. Die Finanzierung wird größtenteils vom Stadterweiterungsfonds getragen.</p>
<p>Die Arbeiten am Denkmal gestalten sich langwierig. Erst am 13. Mai 1888, im 40. Regierungsjahr des Kaisers, wird das Monument in Anwesenheit der kaiserlichen Familie und zahlreicher Vertreter von Adel und Militär feierlich enthüllt. Auch Nachkommen der am Denkmal verewigten Staatsmänner und Generäle nehmen an dem Festakt teil. Auf den Tribünen entlang der beiden Hofmuseen finden sich 10.000 geladene Gäste ein. </p>
<p>Die Enthüllung des Denkmals bedeutet neben seiner politischen Dimension auch ein gewaltiges Medienereignis; bereits Tage davor berichtet die Presse über die umfangreichen Vorarbeiten und den geplanten Ablauf. An den Tagen danach wird der Festakt in den Zeitungen minutiös geschildert, von der Wetterlage über die Auffahrt der Hofequipagen bis hin zu den prächtigen Toiletten der Besucherinnen. Auch fotografisch wird dieses Großereignis festgehalten. </p>
<p>Recherchen im Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek haben bis dato vier Fotografen ausfindig gemacht, die zu diesem Anlass Aufnahmen gemacht haben. Zum einen ist eine 27-teilige Sequenz auf Karton montierter Abzügen von Victor Angerer vorhanden, zum anderen eine Serie von acht Negativen, deren Urheber im Katalog nicht verzeichnet war. Im Zuge der Recherchen konnte der Fotograf eruiert werden [1]<a href="typo3/#_ftn1" name="_ftnref1"></a>: es handelt sich um Gottlieb Martkanner-Turneretscher (1858-1920), Amateurfotograf, Naturwissenschaftler und später Kustos am Joanneum in Graz, der 1886 bis 1890 als Volontär im Naturhistorischen Museum tätig war. [2]</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3550&amp;md5=6ed05e7ecec5cae67b206c482f2eeb7a72ec0200&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img height="226" width="300" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/9/e/csm_124736_b_63df480ccf.jpg" style="" alt="" title="" /></a></p>
<p>Abb. 1: <em>Gottlieb Marktanner-Turneretscher, Aufnahme unmittelbar nach der Enthüllung des Maria-Theresia-Denkmals gegen die im Bau befindliche Neue Hofburg, 13. Mai 1888&nbsp; </em><br /> </p>
<p>Weiters konnte noch ein Albuminabzug des Ateliers Clementine (betrieben von Anton Brand, Wien 8, Lerchenfelder Straße 23) aufgefunden werden. </p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3551&amp;md5=9cedc29529db2615aa026b6af729193d76cccd6b&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img height="212" width="300" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/4/7/csm_Pk_2335_b_6b1b2e079b.jpg" style="" alt="" /></a></p>
<p>Abb. 2: <em>Atelier Clementine, Blick vom Burgtor über die Ringstraße Richtung Festzelt, Tribünen und Denkmal. Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth in der Bildmitte, 13. Mai 1888</em></p>
<p><span style="font-size:10.0pt; font-family:&quot;Verdana&quot;,&quot;sans-serif&quot;; color:#17375E"></span></p>
<p>Und last but not least existieren in den Bildbeständen der Burghauptmannschaft, die ebenfalls im Bildarchiv lagern, zwei Fotografien der Eröffnung – aufgenommen von einem Fotografen von erhöhtem Standpunkt im Kunsthistorischen Museum.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3552&amp;md5=13bbbd211ce8e56e9049eec2f10703725526517c&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img height="195" width="300" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/a/e/csm_BHOE42_16_b_9ba826ca18.jpg" style="" alt="" /></a></p>
<p>Abb. 3: <em>Burghauptmannschaft Österreich, Blick auf das noch verhüllte Maria-Theresia-Denkmal, 13. Mai 1888&nbsp;</em> </p>
<p>Victor Angerer positioniert sich ebenfalls im oberen Stockwerk des Kunsthistorischen Museums (nahe der Ringstraße), Marktanner-Turneretscher fertigt die Gegenschüsse zu diesen Aufnahmen von seinem ebenfalls erhöhten Standpunkt im Naturhistorischen Museum (nahe der damaligen Lastenstraße) an, der Fotograf des Atelier Clementine befindet sich auf der oberen Brüstung des Burgtores.</p>
<p>Alle uns bekannten Fotografien der Denkmalsenthüllung nehmen eine vom tatsächlichen Geschehen weit entfernte Position ein, überblicken dadurch die Szenerie und geben einen guten Eindruck des imposanten Geschehens, erzeugen aber keine Unmittelbarkeit und erschweren das Identifizieren einzelner Personen. Bemerkenswert ist auch, dass die eigentliche Entfüllung des Denkmals, die laut Zeitungsberichten mehr als fünf Minuten dauert, nur auf einem Foto festgehalten wird – und dort nur als Detail am Rande. </p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3553&amp;md5=fe14f2838fc3d0415b18ada48ed6c4d7cb891c22&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img height="233" width="300" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/9/0/csm_Pk5129_17_b_d42e42b8d0.jpg" style="" alt="" /></a></p>
<p>Abb. 4: <em>Victor Angerer, Blick auf das soeben enthüllte Denkmal (nicht vollständig im Bild), die vollbesetzten Tribünen und das Hofzelt, 13. Mai 1888&nbsp;</em> </p>
<p>Allein Zeichnungen geben Details des Ereignisses wieder und sind auf Augenhöhe mit den handelnden Personen: das Zusammentreffen von Kaiser Franz Joseph mit dem Schöpfer des Denkmals Caspar Zumbusch zeigt eine Schlüsselszene der Eröffnung. </p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3556&amp;md5=e06bcd12a1084b2b901e90023d8e12cce0cfd4d4&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img height="341" width="300" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/5/d/csm_Neuigkeitsweltblatt_17.5._1888_S.23_b_3482e8a95e.jpg" style="" alt="" /></a></p>
<p>Abb. 5: <em>Xylografie aus dem „Neuigkeitsweltblatt“ vom 17. Mai 1888 S. 23: Kaiser Franz Joseph im Gespräch mit Caspar Zumbusch.</em> </p>
<p>Die Angerer'sche Fotoserie ist durchnummeriert von 1 bis 27, diese Zählung folgt aber nicht dem chronologischen Ablauf des Ereignisses, sondern ist nach Formaten gegliedert: Aufnahmen 1-11 sowie 24 – 27 entsprechen den sogenannten Boudoir-Format, die Bilder 12 – 23 sind Quartformat (Österreichische Buchhändler-Correspondenz &nbsp;1888: 302). Es gibt noch einen Hinweis auf Bilder 28 -33 in größeren Formaten (Folio- bzw. Imperialformat), die leider bis dato nicht alle aufgefunden werden konnten.<a name="_GoBack3"></a></p>
<p>Der Fotograf Victor Angerer (1839-1894) gehört gemeinsam mit seinem Bruder Ludwig zu den bekanntesten Fotografen Wiens. Neben Porträt-, Interieur- und Landschaftsaufnahmen fotografiert er ab den 1880er-Jahren auch bei offiziellen Ereignissen. Seine Fotografien vertreibt er über einen eigenen Verlag, so auch die Fotoserie über die Enthüllung des Maria-Theresia-Denkmals. (Österreichische Buchhändler-Correspondenz 1888: 302). </p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3555&amp;md5=cf048075f410515bcce8ec28e37820e3ec0ca9da&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img height="259" width="300" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/7/a/csm_Pk5129_15_b_84bf3618b1.jpg" style="" alt="" /></a></p>
<p>Abb. 6: <em>Victor Angerer, Menschenmenge an der Kreuzung Ringstraße / Maria-Theresien-Platz. Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth schreiten auf dem Teppich Richtung Hofzelt, 13. Mai 1888</em></p>
<p>Auch Gottlieb Marktanner-Turneretschers Fotografien der Enthüllung stoßen bereits auf zeitgenössisches Interesse (Photographische Notizen 1888: 75) und werden im gleichen Jahr in einer vom „Club der Amateur-Photographen in Wien“ veranstalteten Ausstellung im Museum für Kunst und Industrie (heute MAK) gezeigt (Club der Amateurphotographen in Wien 1888: 31).</p>
<p>Es wurde nun versucht, die 27-teilige Fotoserie gemäß des chronologischen Ablaufs der Enthüllungsfeier zu sortieren und die Negative von Marktanner-Turneretscher bzw. die beiden Abzüge der Burghauptmannschaft und den Albuminabzug des Ateliers Clementine in diese zeitliche Abfolge einzuordnen. Zu diesem Zweck waren die bereits erwähnten Zeitungsberichte sehr hilfreich, die den genauen Ablauf des Festaktes wiedergeben.</p>
<hr />
<p>Über die Autorin: Mag. Michaela Pfundner ist stellvertretende Leiterin des <a href="http://www.onb.ac.at/bibliothek/sammlungen/bilder-und-grafiken/" title="Opens internal link in current window" class="internal-link">» Bildarchivs und der Grafiksammlung</a> der Österreichischen Nationalbibliothek</p>
<hr />
<p><strong>Literatur: </strong></p>
<p>Österreichische Buchhändler-Correspondenz, Nr. 26, 23. Juni 1888<br />Photographische Notizen, Nr. 281, Mai 1888<br />Club der Amateurphotographen in Wien (Hg.), Catalog der Internationalen Ausstellung von Amateur-Photographien, Wien 1888</p>
<hr />
<p>[1] An dieser Stelle möchte ich mich ausdrücklich bei Christian Narzt bedanken, dessen Recherchen zur Identifizierung des Fotografen geführt haben.</p>
<p>[2] Zur Biographie siehe <a href="http://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_M/Marktanner-Turneretscher_Gottlieb_1858_1920.xml" title="Opens internal link in current window" target="_blank">http://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_M/Marktanner-Turneretscher_Gottlieb_1858_1920.xml</a> (abgerufen am 7.12. 2016)</p>]]></content:encoded>
					</item>
				
					<item>
						<guid isPermaLink="false">news-246</guid>
						<pubDate>Thu, 31 Aug 2017 08:00:00 +0200</pubDate>
						<title>Ein Post-it aus Papyrus</title>
						<link>http://www.onb.ac.at/forschung/forschungsblog/artikel/news/ein-post-it-aus-papyrus/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;cHash=724f09761782981921121a3f85c5e971</link>
						<description>Ein bislang fälschlich als „Mitteilung über Freilassung eines Inhaftierten“ interpretierter Papyrustext entpuppt sich bei der Neuedition als ein optisch eindrucksvolles und inhaltlich singuläres Schriftzeugnis aus dem früharabischen Ägypten.</description>
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						<content:encoded><![CDATA[<h5>Neuinterpretation einer brieflichen Mitteilung auf einem Papyrus aus dem 7. Jh. n. Chr. </h5>
<p><em>Autorin: Claudia Kreuzsaler</em> </p>
<p>Rund 180.000 antike Schriftzeugnisse verwahrt die Papyrussammlung der Österreichischen Nationalbibliothek. Mehr als 170.000 davon warten noch in den Magazinen darauf, entziffert und veröffentlicht zu werden. Knapp 8.000 Papyri, Pergamente, Ostraka und Papiere sind es, die in den vergangenen 134 Jahren von Papyrologen studiert, entziffert und publiziert wurden. </p>
<p>Man möchte meinen, dass zumindest bei diesem kleinen Teil der bereits bearbeiteten Objekte kaum noch neue Erkenntnisse möglich sind, doch sehr oft bringt gerade ein zweiter Blick auf bereits bekannte Schriftstücke durchaus Überraschendes zutage. Wie jeder Betrachter eines Gemäldes ein etwas anderes Bild sieht, liest jeder Leser einen etwas anderen Text. Dies muss umso mehr für Schriftstücke aus einer fernen Zeit und Kultur gelten, die uns oft nur teilweise und fast immer aus dem Zusammenhang gerissen erhalten sind. Je weniger Text auf einem Papyrus, umso mehr Raum bleibt dem Leser heute für Interpretation und auch Spekulation.</p>
<p>Ein solcher, bereits vor Jahrzehnten bearbeiteter und publizierter Papyrus ist die Inventarnummer G 30904: ein Schreiben, das bislang als &quot;<em>Mitteilung über die Freilassung eines Sklaven oder Inhaftierten</em>&quot; bekannt war.</p>
<p>Der Text ist wenig spektakulär. In drei kurzen Zeilen steht folgende Nachricht auf dem Papyrusblatt (hier in deutscher Übersetzung):</p>
<p><em>„† Im Namen des Vaters und des Sohnes</em></p>
<p><em>und des Heiligen Geistes †.</em></p>
<p><em>Ich habe freigelassen am 20. Pachon zur 6. Stunde †.“</em></p>
<p>Darüber stehen noch zwei Kreuze und weitere christliche Symbole. </p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/28_PAP_Kreuzsaler_Post_it/25_abb1.jpg"><img height="324" width="300" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/8/4/csm_25_abb1_2d35d8f591.jpg" style="" alt="" /></a><br /><em>Vorderseite</em><strong><br /></strong></p>
<p>Auf der Rückseite des Blattes finden wir die „Adresse“, denn Papyrusbriefe wurden nicht in einem Umschlag versandt. Vielmehr faltete man den Brief mehrmals und schrieb auf der verbleibenden Außenseite des verschnürten Papyruspäckchens die Namen von Absender und Adressat des Schreibens, hier:</p>
<p><em>„† Meinem überaus süßesten und geliebtesten Bruder Thomas, dem Chartularius</em></p>
<p><em>† der Bruder Menas †.“</em></p>
<p><strong><img height="325" width="300" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/9/7/csm_25_abb2_6e8962d405.jpg" style="" alt="" /><br /></strong></p>
<p><em>Rückseite</em><br /><br />Die Briefpartner sind also Brüder, wobei auffällt, dass Thomas auch mit seinem Amtstitel <em>chartularius</em> (in etwa „Buchhalter“) angesprochen wird. Dies könnte ein Hinweis auf einen vielleicht offiziellen Hintergrund des Schreibens sein – andererseits sind die verwendeten Epitheta <em>„süßester und geliebtester“ </em>in hohem Grad privat und vertraut.</p>
<p>Welchen Inhalt dürfen wir dem überaus knappen Brief des Menas an seinen Bruder Thomas nun entnehmen? Der Kern der Nachricht ist: „<em>Ich habe freigelassen</em>“ mit Angabe des Datums (der 20. Pachon entspricht dem 15. Mai) und der Stunde (die 6. Stunde entspricht der Mittagszeit). Ist dies die Mitteilung über die Freilassung einer im Text nicht näher genannten Person?</p>
<p>Sehen wir die Parallelen: Das für „<em>freilassen</em>“ verwendete Verbum hat ein weites Bedeutungsfeld von „<em>lösen, sich trennen</em>“ über „<em>entlassen, freilassen</em>“ bis zu „<em>zahlen, ausfertigen, entsenden</em>, <em>abschicken</em>“. Hier folgt auf das Verbum nur die Zeitangabe, keine weitere Konkretisierung, insbesondere kein Objekt. Dieselbe Formulierung finden wir in mehreren Papyrusbriefen aus der Zeit kurz nach der arabischen Eroberung Ägyptens (641 n. Chr.). Am Ende dieser meist dringlichen Schreiben steht jeweils: <em>„Ich habe abgeschickt </em>(gemeint ist: den Brief) <em>am Tag X zur Stunde Y.“</em> Möglicherweise misstraute man den Briefboten und wollte so den Adressaten eine Kontrollmöglichkeit einräumen oder sie zumindest wissen lassen, dass man als Briefschreiber jedenfalls selbst nicht säumig gewesen sei.</p>
<p>Der Brief des Menas datiert ebenfalls ins 7. Jh. n. Chr. und könnte gut aus der Zeit um die arabische Eroberung Ägyptens stammen. Vor dem Hintergrund der zeitnahen Parallelen werden wir in der Nachricht nicht mehr die Mitteilung über die Freilassung einer Person erkennen können, sondern ein dringliches Schreiben mit Absendevermerk: </p>
<p><em>„Ich habe es abgeschickt am 20. Pachon zur 6. Stunde.“ </em></p>
<p>Doch führt die Klärung der einen Frage zu einer neuen: Was ist es nun, das Menas so eilig abgeschickt hatte? Der Papyrus selbst lässt uns darüber völlig im Unklaren. Überhaupt hat durch die Neuinterpretation der letzten Zeile das Schreiben gleichsam jeden eigenständigen Inhalt verloren. Nur christliche Symbole und die Invokationsformel stehen dem Absendevermerk voran. Die Anrufung der Heiligen Dreifaltigkeit ist auch keine übliche Einleitung für Briefe. Die <em>invocatio</em> in verschiedenem Wortlaut war seit Kaiser Mauricius (582–602 n. Chr.) zwar fester, da vorgeschriebener Bestandteil des Präskripts sämtlicher schriftlicher Rechtsakte und ist in den ägyptischen Papyri entsprechend hundertfach bezeugt. Hier nimmt die Formel aber eine völlig andere Rolle ein. </p>
<p>Das Fehlen einer eigentlichen Mitteilung in dem Schreiben des Menas lässt nur den einen Schluss zu, dass es sich bei dem Blatt Papyrus um einen Beibrief zu einem anderen Brief oder eher noch zu einem Paket handelt. Ähnlich wie wir heute oft beiläufig auf eine Sendung noch ein persönlich an den Adressaten gerichtetes Post-it kleben, auf das wir nicht mehr als ein paar Worte wie „Liebe Grüße ...“ oder einen Smiley kritzeln. </p>
<p>Allerdings: Menas nahm für sein „Post-it“ keinen kleinen Papyrusschnipsel zur Hand, sondern ein beachtliches Blatt von ca. 33 ´ 31 cm. Dieses Papyrusblatt beschrieb er nicht etwa mit eilig hingeworfenen Grüßen, vielmehr setzte er die wenigen Worte raumfüllend in einer ganz speziellen Zierschrift mit Buchstaben von fast 3 cm Höhe. Diese stilisierte Schrift, der er sich bedient, hat ihre Wurzeln in der römischen Kanzleischrift und ist in nur ganz wenigen Papyrusdokumenten zu finden. Aus der Verwendung der Zierschrift lässt sich nicht unbedingt darauf schließen, dass es sich hier um hochrangige staatliche Korrespondenz handelt. Jedenfalls aber gab Menas seinem Beibrief ganz bewusst eine imposante äußere Form, aus der sich der hohe Stellenwert erahnen lässt, den Menas dem eigentlichen Sendungsinhalt beimaß. </p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3376&amp;md5=89a5dcd0d3759f69dd0d10d56d186921fb9c382c&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img height="59" width="300" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/c/e/csm_25_abb0_ganzeziele_d0326b163b.jpg" style="" alt="" /></a></p>
<p><em>Detail</em></p>
<p>Das war es aber auch schon mit den Informationen, die sich dem Text unmittelbar entlocken lassen. Die viele weiteren Fragen, die der Brief in dieser Neuinterpretation aufwirft, erlauben nicht mehr als Spekulation: Was für eine Sendung wurde von diesem „Post-it“ des Menas wohl begleitet? War es eine wertvolle Fracht? Ein offizieller staatlicher Transport? Oder ein privates Frachtgut von hohen emotionalem Wert? Waren die christlichen Formeln für Menas einfach selbstverständlich oder setzte er sie gezielt ein? Verwendete er die „Kanzleischrift“ bloß zur Zierde oder um die Bedeutung des eigentlichen Schreibens oder des Pakets wirkungsvoll zu unterstreichen?</p>
<p>In der Papyrologie gibt es nicht selten Zufallsfunde von zusammengehörigen Schriftstücken, die bisweilen solche spekulativen Fragen beantworten können. Vielleicht findet sich unter den noch unbearbeiteten Papyri irgendwann tatsächlich das „Innenschreiben“ zu dem Beibrief des Menas, das alle Rätsel aufzulösen vermag. Vermutlich aber war die durch den Papyrus begleitete Sendung ein Paket, das mit Sicherheit die Zeiten nicht überdauerte, weshalb über den Inhalt dieser vor 1400 Jahren wichtigen, wie dringlichen Fracht weiterhin freimütig spekuliert werden darf.</p>
<p>Das erneute Studium eines bereits bearbeiteten Textes veränderte hier nicht nur seine inhaltliche Deutung grundlegend, sie machte aus dem früher unscheinbaren Stück auch ein absolut singuläres Zeugnis: Unter den tausenden bisher bekannten Papyrusbriefen gibt es keine einzige Parallele für eine solche inhaltsleere Beilage und nur wenige optisch so eindrucksvolle Zeugnisse wie das Schreiben des Menas.<br /> </p>
<p><strong>Literaturverweis:</strong></p>
<p>Neuedition des Papyrus in:</p>
<p>Kreuzsaler, Claudia und Papathomas, Amphilochios (2015): SB XXIV 16148: Ein spätantiker Frachtbrief, in: <em>Tyche. Beiträge zur Alten Geschichte Papyrologie und Epigraphik</em>, 30, S. 77–80.<br /> <a href="https://doi.org/10.15661/tyche.2015.030.09" target="_blank">https://doi.org/10.15661/tyche.2015.030.09</a> </p>
<hr />
<p>Copyright der Abbildungen: Österreichische Nationalbibliothek, Papyrussammlung</p>
<hr />
<p><em>Zur Autorin: Dr. Claudia Kreuzsaler ist Papyrologin und Rechtshistorikerin und seit 2010 wissenschaftliche Mitarbeiterin der Papyrussammlung der Österreichischen Nationalbibliothek</em></p>]]></content:encoded>
					</item>
				
					<item>
						<guid isPermaLink="false">news-273</guid>
						<pubDate>Thu, 17 Aug 2017 08:00:00 +0200</pubDate>
						<title>„Und die Größe ist gefährlich“</title>
						<link>http://www.onb.ac.at/forschung/forschungsblog/artikel/news/und-die-groesse-ist-gefaehrlich/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;cHash=bfcd1572899458bc62340378e871d626</link>
						<description>Wie liest man einen „Klassiker“ der österreichischen Literatur im 21. Jahrhundert? Dieser Frage geht Daniela Strigl in ihrem Beitrag zu Franz Grillparzer nach. Den hochaktuellen Werken des dichtenden Archivdirektors ist ein ganzer Band der Buchreihe Profile gewidmet.</description>
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						<content:encoded><![CDATA[<h5>Über den schwierigen Umgang mit einem Klassiker </h5>
<p><em>Autorin:</em> <em>Daniela Strigl </em></p>
<p><strong>Das Literaturmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek befindet sich im </strong><a href="http://www.onb.ac.at/museen/literaturmuseum/ueber-das-literaturmuseum/" title="Opens internal link in current window">» Grillparzerhaus</a><strong>, dem ehemaligen k.k. Hofkammerarchiv, dessen Direktor Franz Grillparzer bis zu seiner Pensionierung 1856 war</strong><strong>. Sein Arbeitszimmer ist Teil der Dauerausstellung und kann heute noch so, wie er es 1856 verließ, besichtigt werden. Der 23. Band der Buchreihe <i>Profile</i>, die vom Literaturarchiv herausgegeben wird, widmet sich dem dichtenden Hofrat. Grillparzers Werke, darunter Dramen wie <i>König Ottokars Glück und Ende </i>oder <i>Der Traum ein Leben</i>, gelten mittlerweile als „Klassiker“ der österreichischen Literatur. Die Literaturwissenschaftlerin Daniela Strigl geht in ihrem Beitrag dem schwierigen Umgang mit dem Nationaldichter nach und gibt Anregungen, wie Grillparzer wiederentdeckt und neu gelesen werden könnte. Der ungekürzte Aufsatz ist im Band </strong><a href="http://data.onb.ac.at/rec/AC13334533" target="_blank">» Franz Grillparzer. Ein Klassiker für die Gegenwart</a><strong> nachzulesen.</strong></p>
<p><strong>Die ‚Sopranos‘ im Bücherregal</strong></p>
<p>Franz Grillparzer gilt nach wie vor als <em>der</em> österreichische Klassiker, und sei es, dass er in dieser Funktion als Gottoberster einer „Götterdämmerung“ vorsteht. So betitelte Sebastian Fasthuber seine Analyse des zeitgenössischen Umgangs mit klassischen Autoren, die mit der Frage anhebt: „Franz Grillparzer, wer ist das? Germanisten blicken heute oft in ratlose Gesichter, wenn sie in ihren Vorlesungen Bezüge zu kanonischen Werken der Literatur herstellen.“ (Fasthuber 2014: 28) Dass der Nationaldichter an den österreichischen Schulen seinen scheinbar so felsenfest verankerten Platz eingebüßt hat, spiegelt eine gesellschaftliche Entwicklung: „In den Regalen der Konsumbürger stehen keine in Leder gebundenen Ausgaben von Goethe und Schiller mehr, sondern die gesammelten Staffeln der TV-Serie ‚Sopranos‘.“</p>
<p>War die Klassik, im engeren Sinne, einmal im Namen des Wahren, Guten und Schönen ein Kampfbegriff gegen ‚Schmutz und Schund‘, so umweht sie heute ein Hauch des Obsoleten. Die Um-, besser: <em>Ent</em>wertung der literarischen Bildung lässt sich aber auch als Teil eines politischen Programms begreifen, das dem Humanismus den Kampf angesagt hat: „Die Kulturbanausen haben verlernt, sich zu schämen.“ (Fasthuber 2014: 28)<br /><br /><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3484&amp;md5=6b20b99a9ed02a2b32b22ebc55fd07fe80388d03&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img height="225" width="300" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/5/3/csm_grillparzerzimmer_7b07424444.jpg" style="" alt="" /></a></p>
<p>Abbildung 1: Arbeitszimmer Franz Grillparzers im Literaturmuseum (© Österreichische Nationalbibliothek)<br /><br /><strong>Funktionen eines Klassikers</strong></p>
<p>Franz Grillparzers Klassiker-Werdung hatte sich bereits zu seinen Lebzeiten vollzogen, doch abgeschlossen war sie erst, als er bereits ein alter Mann war. Nach vielen Kränkungen durch Publikum, Kritik und Zensur hatte der Durchfall seines Lustspiels <em>Weh dem, der lügt!</em> 1838 am Wiener Burgtheater Grillparzers <em>splendid isolation</em>, seine Verweigerung als öffentlicher Dichter, für Jahrzehnte besiegelt. Am Ende seines Lebens wurde er, zur Entschädigung, wie ein austriakischer Olympier gefeiert.</p>
<p>Gegen die damit einhergehende literarische Erinnerungskultur setzte Marie von Ebner-Eschenbach, die jüngere Zeitgenossin Grillparzers, mit ihren <em>Erinnerungen an Grillparzer</em> 1916 ein Zeichen (vgl. Strigl 2016: 399). Die schon im Titel als subjektiv ausgewiesenen Erinnerungen waren als Korrektiv der geltenden Meinung konzipiert und griffen dabei auf persönliche Erlebnisse ebenso zurück, wie sie Vorurteile über den dichtenden k.k. Archivdirektor zu revidieren und durch eigene Urteile zu ersetzen suchten. In Anekdoten malt Ebner-Eschenbach bewusst ein lebensechtes, farbenfrohes, wiewohl schwarz grundiertes Porträt statt einer Ikone. Es setzt der Heiligsprechung durch das offizielle Österreich – ähnlich wie in der Zweiten Republik im Falle Thomas Bernhards – eine Erinnerung an die stattgehabten Kämpfe, Schikanen und Demütigungen entgegen.</p>
<p>Aus der Funktion Grillparzers als Symbol habsburgischer Supranationalität entwickelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg seine Brauchbarkeit als identitätsstiftende Figur. Zunächst als Garant ewigmenschlicher, humanistischer Werte auch ein Hoffnungsträger des Exiltheaters (etwa in Zürich), avancierte der Dramatiker des Biedermeier 1945 zum kulturpolitischen Mann der Stunde: in Distanz zu, ja gegen Deutschland erschien das prononciert Österreichische Franz Grillparzers als Absage an den Nationalismus, der gerade so katastrophal abgewirtschaftet hatte. Zugleich wurde seine dramatische Weltanschauung im Dienste einer Besinnung auf die eigene, als Folge des großdeutschen Zusammenbruchs einigermaßen überstürzt proklamierte nationale Identität interpretiert.</p>
<p>Grillparzer musste für eine kollektive Selbstvergewisserung als Schutzschild gegen das Deutsche herhalten. (Vgl. Deutsch-Schreiner 1994) Von 1945 bis – vermutlich – in die 1990er Jahre gab es keinen Gymnasiasten, der nicht irgendwann die geflügelten Worte aus <em>König Ottokars Glück und Ende</em>, <em>Ein Bruderzwist in Habsburg</em> oder <em>Der Traum ein Leben</em> zwecks patriotischer und moralischer Stärkung als Schularbeits- oder Maturathema vorgesetzt bekam. Grillparzer-Sentenzen waren unentbehrliche Bestandteile des klassischen Zitatenschatzes, sie würzten auch den medialen Diskurs.</p>
<p><strong>Der überflüssige Klassiker im 21. Jahrhundert</strong></p>
<p>Nach Jahrzehnten einer Bildungspolitik in diesem Geiste scheint sich der Versuch eines <em>Nation Building</em> mittels Dichterhofrat inzwischen erledigt zu haben. Ob man so weit gehen möchte zu konstatieren, dass er letztlich ja erfolgreich war, oder zu der Erkenntnis gelangt, dass er sich im Gefolge einer neu etablierten Europa-Ideologie schlicht überlebt hat: Grillparzer ist heute so <em>out</em>, wie er es noch nie war.</p>
<p>An der Wiener Germanistik etwa liest der Literaturwissenschaftler Günther Stocker ihn heute als einen marginalisierten Autor, der für die Studenten ein ungelesenes Blatt darstellt – und ist sich nicht sicher, ob er der einstigen Zwangsbekanntschaft nachtrauern soll. (Vgl. Fasthuber 2014: 29) Gerade Grillparzers langjährige Indienstnahme als – noch so kritischer – Patriot scheint sich nun vor dem Hintergrund der aktuell propagierten bildungspolitischen Abwendung von einer traditionellen Nationalgeschichte als gewaltiges Rezeptionshemmnis herauszustellen.</p>
<p>So ist die Präsenz der Grillparzer’schen Dramen in den Spielplänen österreichischer Theater ausgesprochen dünn. Nimmt man zum Beispiel das Wiener Burgtheater, so fand die letzte Grillparzer-Premiere 2013 statt, als Matthias Hartmann <em>Die Ahnfrau</em> als Kleinproduktion im Kasino inszenierte. Zurzeit gibt es keine Werkausgabe, die auf dem Stand der Wissenschaft wäre. In den Gymnasien und übrigen höherbildenden Schulen Österreichs wird, wie eine stichprobenartige Umfrage unter Lehrerinnen und Lehrern ergeben hat, kaum noch Grillparzer gelesen. In den aktuellen Deutschlehrbüchern billigt man ihm zwar nach wie vor einen gewissen Raum zu, doch im Unterricht scheint kein Platz zu sein für eine gemeinsame Lektüre. Ist Franz Grillparzer im 21. Jahrhundert also zum überflüssigen Klassiker geworden? Und wozu brauchen wir eigentlich die Klassiker, wenn wir sie denn brauchen?</p>
<p><strong><i><img height="365" width="256" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/6/0/csm_Grillparzer_Cover_c8d6429ba2.jpg" style="" alt="" /><br /></i></strong></p>
<p>Abbildung 2: Band 23 der Buchreihe Profile widmet sich der Aktualität des Klassikers Franz Grillparzer</p>
<p><strong>Literatur in mundgerechten Häppchen</strong></p>
<p>Man könnte sagen: Das Wesen des Klassikers besteht darin, dass er, weil zeitlos, immer zeitgemäß ist. Ein Klassiker muss im eigentlichen Sinn nicht ‚ent-staubt‘, er muss nur immer wieder neu gelesen werden. Genau diese Einübung in das literarische Erbe wird heute aber den jungen Menschen von einer Bildungspolitik verwehrt, die den Stellenwert der Literatur in der Schule im Allgemeinen, jenen der klassischen Werke des 18. und 19. Jahrhunderts im Besonderen zu schmälern trachtet. In Österreich wurde diese Entwicklung ohne Zweifel durch die Einführung der Zentralmatura beschleunigt und verschärft. Die gesamte Oberstufe wurde so de facto zu einem Maturavorbereitungskurs degradiert, in dem wenig Zeit bleibt für Dinge, die mit dem Training der geforderten „Textsorten“ (wie Leserbrief, Offener Brief, Empfehlung u.a.) nichts zu tun haben.</p>
<p>Anders als in etlichen deutschen Bundesländern konnten sich die Verantwortlichen hierzulande nicht auf einen Kanon wesentlicher Werke deutscher Sprache, eine Pflichtlektüre für die Oberstufe, einigen. Das führt dazu, dass die Behandlung umfangreicherer Beispiele im Deutschunterricht als Luxus betrachtet wird. Dichtung verkommt so zur bloßen Stichwortlieferantin für aktuelle politisch-ideologische Erörterungen; Fragen nach der künstlerischen Form werden meist gar nicht mehr gestellt.</p>
<p>Der Kanon, griechisch das Lineal, die Richtschnur, ist den sogenannten Bildungsexperten, die nach einer schleichenden feindlichen Übernahme das Feld der Schulpraxis beherrschen, verdächtig: Einen Lehrstoff vorzuschreiben, Wissensgebiete abzustecken halten sie schlicht für reaktionär. Ein Lektürekanon ließe sich aber auch anders deuten: als Einladung für junge Menschen, sich kritisch und intensiv mit Kunstwerken auseinanderzusetzen und nicht mit sachtextkonformen mundgerechten Häppchen abspeisen zu lassen.</p>
<p><strong>Grillparzer neu lesen</strong></p>
<p>Aber welche Werke Grillparzers wären denn heute überhaupt geeignet, den Appetit jugendlicher Leserinnen und Leser zu reizen? Die Frage kann ich hier nicht beantworten, nur einige Andeutungen machen. Natürlich die aufregend aufrichtige „Selbstbiographie“ und die mit Geist und Witz gewürzten <em>Reisetagebücher</em>. Oder zum Beispiel <em>Der arme Spielmann</em>. Und dann die starken, schrecklichen, bemitleidenswerten Frauengestalten Grillparzers, Frauen aus Fleisch und Blut, nicht zu vergleichen mit den ideal scheiternden Schiller’schen. Warum sollte man der Irritation durch das Fremde wie den Gründen und Abgründen menschlichen Begehrens nicht durch die Geschichte der <em>Medea</em> folgen oder der <em>Jüdin von Toledo</em> oder der <em>Sappho</em>, die die Verwirrung zwischen Identität, Eros und Geschlecht atemberaubend ausmisst, allen beschränkenden Codices des 19. Jahrhunderts zum Trotz? Schließlich müsste man Rustans durch inflationäres Zitieren abgebrauchten Erkenntnisgewinn am Ende seiner Traumreise in <em>Der Traum ein Leben</em> nicht unbedingt als anrüchige Devise zum biedermeierlichen Rückzug begreifen. Man könnte ihn mit einer Deutschklasse auch als Absage an erfolgsorientierte Smartness lesen und sich davon provozieren lassen. </p>
<hr />
<p>Über die Autorin: Daniela Strigl ist Literaturwissenschaftlerin, Kritikerin und Essayistin in Wien. </p>
<hr />
<p><strong>Vollständiger Aufsatz:<br /></strong></p>
<p>Strigl, Daniela (2016): „Und die Größe ist gefährlich“. Über den schwierigen Umgang mit einem Klassiker, in: Bernhard Fetz, Michael Hansel und Hannes Schweiger (Hrsg.), <em>Franz Grillparzer. Ein Klassiker für die Gegenwart</em> (= Profile, Bd. 23), Wien: Paul Zsolnay Verlag, S. 9-23.<br /> </p>
<p><strong>Literatur: </strong></p>
<p>Deutsch-Schreiner, Evelyn (1994): Die Österreicher und ihr Grillparzer, in: Hilde Haider-Pregler und Evelyn Deutsch-Schreiner (Hrsg.), <em>Stichwort Grillparzer</em>, Wien, Köln, Weimar: Böhlau, S. 181–194.</p>
<p>Fasthuber, Sebastian (2014): Götterdämmerung. Die Klassiker der Literatur sind auf dem Rückzug, in: <em>Falter</em> 45, S. 28–30.</p>
<p>Strigl, Daniela (2016): <em>„Berühmt sein ist nichts.“ Marie von Ebner-Eschenbach. Eine Biographie</em>, Salzburg, Wien: Residenz Verlag.</p>
<p><strong>Teaser-Bild:</strong></p>
<p>Ausschnitt aus Mahler, Nicolas (2016): „Mir liegt im Grunde an der Produktion nichts mehr.“ – Ein Comic, in: Bernhard Fetz, Michael Hansel und Hannes Schweiger (Hrsg.), <em>Franz Grillparzer. Ein Klassiker für die Gegenwart</em> (= Profile, Bd. 23), Wien: Paul Zsolnay Verlag, S. 106-111.</p>]]></content:encoded>
					</item>
				
					<item>
						<guid isPermaLink="false">news-303</guid>
						<pubDate>Thu, 03 Aug 2017 08:30:00 +0200</pubDate>
						<title>Kulturerbe für die Zukunft sichern</title>
						<link>http://www.onb.ac.at/forschung/forschungsblog/artikel/news/kulturerbe-fuer-die-zukunft-sichern/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;cHash=73c8b9a4f08511f21f95863386a54d70</link>
						<description>Ein Praxisbericht zur Konservierung und Restaurierung der historischen Druckschriften im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek.</description>
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						<content:encoded><![CDATA[<h5>Das Institut für Restaurierung der Österreichischen Nationalbibliothek. betreut u.a. die wertvollen im Prunksaal aufgestellten historischen Buchbestände. Im folgenden Beitrag werden die bestandserhaltenden Maßnahmen und die praktische, konservatorische Arbeit dargestellt.</h5>
<p><em>AutorIn: Julia Wikarski</em></p>
<h5>Monitoring und konservatorische Umsetzung</h5>
<p>Als einer der schönsten Bibliothekssäle der Welt beeindruckt der Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek seine BesucherInnen bis heute als barockes Gesamtkunstwerk, sowie mit seinen enormen Dimensionen von fast 20 m Höhe und einer Fläche von 77,7 x 14,2 m. Er beherbergt auf 6.032 Regalmetern etwa 200.000 gedruckte Bücher aus dem Zeitraum zwischen 1501 und 1850, darunter auch die 2014 in das Nationalregister des UNESCO-Weltdokumentenerbes aufgenommene historische Bibliothek des Prinzen Eugen (<a href="http://memory.unesco.at/cgi-bin/unesco3/element.pl?eid=11" title="Opens external link in new window" target="_blank"><b>»&nbsp;Bibliotheca Eugeniana</b></a>). Die Bücher können auf Anfrage im Augustinerlesesaal gelesen werden. Die Werke wurden allerdings im Rahmen des Projekts <a href="http://www.onb.ac.at/digitale-bibliothek-kataloge/austrian-books-online-abo/" title="Opens internal link in current window"><b>»&nbsp;Austrian Books Online</b> </a>bereits digitalisiert und stehen den LeserInnen somit online zur Verfügung<em>. </em>Zudem werden im Prunksaal in wechselnden Ausstellungen die vielseitigen und wertvollen Bestände des Hauses zu aktuellen Themen präsentiert.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3524&amp;md5=580744845f09499bfe32b21a7057356a91813bf3&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img height="110" width="299" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/0/b/csm_neu_Blog_Teil1_Prunksaal_1_d14efb68ad.jpg" style="" alt="" /></a><br /><em>Abb. 1: Besucher im Prunksaal</em></p>
<p>Auf Grund&nbsp; seiner architektonischen Besonderheiten bringt der barocke Prunksaal konservatorische Aufgabenstellungen mit sich, die sich deutlich von bestandserhaltenden Maßnahmen in modernen, klimatisierten Depots unterscheiden. Zu den Besonderheiten zählen vor allem die Größe des Raumes, die fast 5 m hohen Bücherschränke – ausgeführt auf zwei Ebenen –&nbsp;und die hohen Fenster zwischen den Regalen, sowie die ovalen Kuppelfenster im Rondo des Saales, die dem Saal ihre besondere atmosphärische Wirkung geben. Im Rondo und den angrenzenden Regalen finden sich hinter den Bücherschränken kleine Kammern, die ursprünglich als Lesekammern konzipiert waren. Sie werden „Sternkammern“ genannt und sind durch raumhohe Fenster beleuchtet. Schon bald nach Fertigstellung des Prunksaales mussten sie raumfüllend mit Bücherregalen ausgestattet werden, um zusätzlichen Platz für die wachsende Sammlung zu schaffen. Aufgrund seines großen Raumvolumens kann der Prunksaal nicht künstlich temperiert oder klimatisiert werden. Ein historisches Belüftungssystem sorgt für zirkulierende Luft.</p>
<p>Zu den elementaren Aufgaben in der Pflege eines Bestandes in solchen Räumlichkeiten gehört die Kontrolle der Umgebungsbedingungen.</p>
<h5>Klimamessungen</h5>
<p>Klimamessungen werden laufend über das gesamte Jahr im Prunksaal und den Sternkammern durchgeführt. Außerdem werden über die Gebäudeleittechnik kontinuierlich die Klimawerte im Erdgeschoss und auf der Galerie erfasst. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf regelmäßigen Klima- und Lichtkontrollen in den Ausstellungsvitrinen während der Ausstellungen. Auf Grund der Messungen konnte festgestellt werden, dass die klimatischen Änderungen langsam und kontinuierlich verlaufen und saisonal bedingt sind.</p>
<h5>Lichtmessungen</h5>
<p>Um die Bücher und Objekte vor Sonnenlicht, sprich UV-Strahlen und Wärme zu schützen, wurden zum einen alle Fenster – mit Ausnahme der Kuppelfenster –&nbsp;mit speziellen Sonnenschutzrollos versehen, zum anderen alle Vitrinen mit UV-Schutzgläsern ausgestattet. Die Rollos sind Sonderanfertigungen, die der besonderen, gebogenen Form der Fenster im Rondo angepasst sind. Außerdem werden Vitrinen mit besonders empfindlichen Objekten bei entsprechendem Sonnenstand durch das Aufsichtspersonal mit lichtundurchlässigen Rollos abgedeckt, Hochvitrinen werden mit Hussen verkleidet, die nicht nur vor Licht, sondern auch vor Wärmeentwicklung schützen.</p>
<h6>IPM – Integrated Pest Management</h6>
<p>Der Prunksaal ist kein hermetisch abgeriegelter Raum, so dass durchaus die Möglichkeit besteht, dass Insekten oder andere Schädlinge den Weg in die Räumlichkeiten finden könnten. Um dem vorzubeugen werden in Zusammenarbeit mit einem Experten präventiv regelmäßig Pheromon – und Klebefallen an möglichen Eindringorten aufgestellt und kontrolliert. Dies ist wesentlicher Bestandteil des <em>Integrated Pest Managements</em>, eines ganzheitlichen Monitorings hinsichtlich einer möglichen Schädlingsproblematik an einem Standort. Zu den Schädlingen für Bücher zählen vor allem Brotkäfer und Silberfische. Seit 2013 finden viermal&nbsp;im Jahr Kontrollen statt. Objekte mit Spuren von früherem Insektenbefall werden isoliert und einer sogenannten Anoxia-Behandlung unterzogen. Dafür werden die Bücher in Taschen aus speziellen Folien zusammen mit Sauerstoffabsorbern und Sauerstoffindikator für mehrere Monate eingeschweißt, wodurch eventuell vorhandene Schadinsekten abgetötet werden.</p>
<p> Durch kontinuierliche Klima- und Lichtüberwachung und den über die letzten Jahre durchgeführten bestandserhaltenden Maßnahmen konnten für die Aufbewahrung und die Sicherheit des wertvollen Buchbestands des Prunksaals wichtige Verbesserungen erreicht werden.</p>
<h5><strong>Restaurierung und Konservierung</strong></h5>
<p>Das Institut für Restaurierung betreut seit den 1950er Jahren mit seiner Expertise die vielfältigen Bestände im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek. Die Sammlung der früheren Hofbibliothek wuchs über die Jahre durch Ankäufe berühmter Bibliotheken, Schenkungen, Pflichtabgaben, Bibliotheken aufgelöster Klöster. Die Bücher weisen eine Vielzahl verschiedener Stile, Einbandarten und -materialen auf. Sie sind in Leder, Pergament, Marmorpapiere und prächtige Textilien gebunden, die Deckel können aus Holz oder Pappe gefertigt sein. Manche Einbände sind zusätzlich mit Metallschließen oder Metallauflagen versehen. Zusätzlich zur großen Bandbreite an Einbandtechniken und Materialien sehen sich die RestauratorInnen aber auch sehr unterschiedlichen Erhaltungszuständen der Bücher gegenüber, die ihrer verschiedenen Herkunft, Entstehungszeit und Einbandart geschuldet sind.&nbsp;</p>
<h5><strong>Konservatorische Maßnahmen: Reinigung</strong></h5>
<p>Innerhalb der letzten 20 Jahre fanden regelmäßig Großprojekte statt, in denen umfangreiche Reinigungs- und Sicherungsmaßnahmen am Bestand durchgeführt wurden. Das jüngste dieser Projekte startete 2011 und endete erst kürzlich im April 2016, im Rahmen des Digitalisierungsprojektes Austrian Books Online. Dabei wurden sämtliche Regalflächen und Bücher im Prunksaal von Staub gereinigt, die Bücher wurden mit weichen Bürstenaufsätzen abgesaugt und mit Mikrofasertüchern trocken gereinigt. Nach dem Absaugen wurden die Regalfächer nebelfeucht ausgewischt.</p>
<p>Im Prunksaal sind diese einfach klingenden Maßnahmen eine große Herausforderung. Für die ca. 6000 Regalmeter ist nicht nur der generelle zeitliche und personelle Aufwand beträchtlich, die sehr hohen Regale und die schwierige Zugänglichkeit der Bücher, vor allem in den hohen Fächern, wo die kleinformatigen Bände häufig in bis zu vier Reihen hintereinander stehen, verlangen von den MitarbeiterInnen außerdem besondere Fertigkeiten, insbesondere ein schwindelfreies Arbeiten in großer Höhe auf Leitern und Gerüsten.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3523&amp;md5=49d0af5531ea81199281b5240f60958e0bac3faa&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img height="105" width="299" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/d/8/csm_neu_Blog_Teil1_Prunksaal_2_c685a81aee.jpg" style="" alt="" /></a><br /><em>Abb. 2: Die architektonischen Besonderheiten im Prunksaal, vlnr: die Raumhöhe und hohen Regale, die Kuppel mit den ovalen Fenstern, die Sternkammern</em></p>
<h5><strong>Restaurierung der Bücher und Sicherungsmaßnahmen</strong></h5>
<p>Seit Bestehen des Instituts für Restaurierung werden Bücher in umfangreicher Arbeit einzeln restauriert. In den letzten Jahren wurden außerdem immer wieder Schwerpunktprojekte initiiert, bei denen Bücher mit besonders empfindlichen oder beanspruchten Einbandmaterialien, wie Samt, Seide, Brokat oder Pergament im Fokus standen.</p>
<p>Sicherungsmaßnahmen werden gesetzt, wenn es gilt wertvolle oder fragile Einbandmaterialien zu schützen oder lose Einbandteile zu sichern, die im Großen und Ganzen aber die Stabilität der Buchstruktur nicht beeinträchtigen. Zu den Sicherungsmaßnahmen zählen neben der Anfertigung von Schubern und Schutzumschlägen auch sogenannte Japanpapiersicherungen aus eingefärbten Japanpapieren, mit denen lose Häubchen oder Kapitale fixiert und somit reversibel gesichert werden können. Eingefärbtes Japanpapier wird auch zur Stabilisierung stark abgestoßener Buchecken verwendet. </p>
<p>Eine wichtige Vorgabe für Restaurierungen und Sicherungsmaßnahmen ist der Erhalt des Gesamteindrucks der Objekte im Saal und somit die ästhetische Integration der Maßnahmen. Durch die gesetzten Maßnahmen wird gewährleistet, dass der Buchbestand in seinem derzeitigen Erscheinungsbild erhalten bleibt und dem Verlust von Originalmaterial vorgebeugt wird.</p>
<h5><strong>Vorbereitung der Bücher für die Digitalisierung </strong></h5>
<p>Das Digitalisierungsprojekt Austrian Books Online ermöglichte eine umfassende Konsolidierung und Revision des Buchbestandes im Prunksaal. Jedes einzelne Buch wurde auf seinen Zustand in Hinblick auf seine Digitalisierbarkeit geprüft. Gegebenenfalls wurden die Bücher vorher gesichert. Im seltenen Fall eines stark restaurierungsbedürftigen Buches, wurde dieses für den Digitalisierungsprozess gesperrt, dokumentiert und kategorisiert, um zu einem späteren Zeitpunkt nach Abschluss des ABO-Projektes bearbeitet zu werden. </p>
<p>Das Hauptaugenmerk des konservatorischen Eingriffes im Vorfeld der Digitalisierung liegt auf der Sicherung von losen Teilen, sei es am Bucheinband oder im Buchblock. Einbandteile, wie eingerissenes oder abstehendes Bezugsmaterial, werden mit eingefärbtem Japanpapier gesichert. Offene Fälze im Buchblock werden ebenso mit Japanpapier verklebt und eventuell lose Seiten wieder in den Buchblock gehängt. Risse in Blättern oder Faltkarten werden geschlossen, lose Buchrücken an Halblederbänden des 19. Jahrhunderts mit hohlem Rücken mit sogenannten Hülsen wieder mit dem Buch verbunden. </p>
<p>Auch speziellere Sicherungen wurden durchgeführt, so zum Beispiel an Pergamentbänden mit durchgezogenen Bünden. Die verloren gegangene Funktion loser Kapitalbünde, die Einband und Buchblock miteinander verbunden haben, wurde mit einem Heftfaden wieder hergestellt.</p>
<p>Die konservatorischen Vorbereitungsarbeiten für die Digitalisierung des historischen Buchbestandes im Prunksaal werden von den Österreichischen Lotterien als Sponsor unterstützt.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3522&amp;md5=26d04b8cd77a2dfad2c69ed391c5bbae1fe9f0d6&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img height="160" width="300" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/0/3/csm_neu_Blog_Teil1_Prunksaal_3_5cfa3a10c4.jpg" style="" alt="" /></a><br /><em>Abb. 3: Maßnahmen zum Schutz der wertvollen Objekte gegen Sonnenlicht, vnlnr: Abdeckungen der Vitrinen und Lichtschutz-Jalousien in den Fenstern</em></p>
<h5><strong>Geschichte und Gegenwart</strong></h5>
<p>In den Bücherregalen im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek werden bei genauerem Hinsehen die im Laufe der Zeit veränderten Standards der Restaurierungen sichtbar. Durch die kontinuierliche Kontrolle, Restaurierung und Sicherung der Bestände konnte ein insgesamt guter Zustand des Bestandes gewährleistet werden. Das Zusammenspiel von Kontrolle, Prävention und Konservierung ist hierfür essentiell. Das Institut für Restaurierung handelt stets unter der Prämisse sorgfältig abgewogener, nachhaltiger Entscheidungen, um das einzigartige, denkmalgeschützte Ensemble –&nbsp;den Prunksaal mit den darin aufbewahrten Büchern –&nbsp;bestmöglich zu erhalten und auch in Zukunft einem interessierten Publikum zugänglich zu machen.&nbsp;</p>
<hr />
<p>Zur Autorin: Frau Mag. Julia Wikarski arbeitet als Buchrestauratorin im Institut für Restaurierung der Österreichischen Nationalbibliothek.</p>]]></content:encoded>
					</item>
				
					<item>
						<guid isPermaLink="false">news-306</guid>
						<pubDate>Thu, 20 Jul 2017 08:30:00 +0200</pubDate>
						<title>Die Lingvo Internacia des Dr. Esperanto</title>
						<link>http://www.onb.ac.at/forschung/forschungsblog/artikel/news/die-lingvo-internacia-des-dr-esperanto/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;cHash=2f5e8bbe81eeb4b00f89a08ac666128a</link>
						<description>Vor 130 Jahren, am 26. Juli 1887, veröffentlichte Ludwik L. Zamenhof das Lehrbuch „Meždunarodnyj jazik – Internationale Sprache“. Das nur 40-seitige Werk war der Beginn der Esperanto-Bewegung. </description>
						<enclosure url="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/30_ESP_Tuider_Lingvo_Internacia/mashup-1887.jpg" length="157546" type="image/jpeg" />
						<content:encoded><![CDATA[<h5>Vor 130 Jahren, am 26. Juli 1887, veröffentlichte der Augenarzt Ludwik L. Zamenhof (1859–1917) ein Lehrbuch mit dem Titel „Meždunarodnyj jazik – Internationale Sprache“. Das<ins> </ins>nur 40-seitige Werk war der Beginn der Esperanto-Bewegung, die im Zeitalter des Nationalismus eine neue transnationale Sprachgemeinschaft begründete.<ins></ins></h5>
<p><em>Autor:&nbsp;Bernhard Tuider</em></p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3558&amp;md5=eec447e3bb406697f38a024d0718cffcec2b8f51&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img height="448" width="300" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/f/3/csm_Abb_1_Internationale_Sprache_1887-b_a44b86c003.jpg" style="" alt="" /></a>&nbsp;</p>
<p><em>Abb. 1: </em><a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-buch?aid=100078" target="_blank">» Zamenhof, Ludwik (1887d): Internationale Sprache. Vorrede und vollständiges Lehrbuch. Warschau: Gebethner et Wolff.</a></p>
<p>Ludwik Zamenhof begann bereits als Gymnasiast in Warschau eine Plansprache auszuarbeiten und beendete den ersten Entwurf seiner „lingwe uniwersala“ – des Ur-Esperanto – im Dezember 1878 (vgl. <a href="http://www.onb.ac.at/forschung/forschungsblog/artikel/news/zum-100-todestag-des-esperanto-erfinders-ludwik-zamenhof/">» Tuider 13.04.2017</a>). Bis zur Veröffentlichung seines Sprachprojekts war es indes noch ein weiter Weg: Sein Vater Markus Zamenhof (1837–1907), ein Lehrer für jüdische Religion, Russisch und Deutsch, der ab 1883 auch als Zensor im Warschauer Zensurkomitee arbeitete, missbilligte das Engagement &nbsp;seines Sohnes &nbsp;für Plansprachen, weshalb Ludwik versprechen musste, sich bis zum Abschluss seines Studiums nicht mehr damit zu befassen (vgl. Künzli 2010: 119 und 152). Nachdem er sein Sprachprojekt in den darauffolgenden Jahren im Geheimen korrigiert bzw. modifiziert und sein Medizinstudium abgeschlossen hatte, wollte er die neue Sprache bereits 1885 publizieren, konnte aber keinen Verleger dafür finden. Die Publikation, zunächst in Russisch, erfolgte deshalb erst – nachdem sie von der Zensurstelle geprüft und genehmigt wurde – am 26. Juli 1887 im Eigenverlag, durch die finanzielle Unterstützung bzw. die Mitgift seiner Frau Klara Zilbernik (1863–1924), die er im gleichen Jahr heiratete (vgl. Korĵenkov 2011: 87).</p>
<p>Aufgrund gewisser Bedenken, u.a. dass die Publikation seinem Ruf als noch junger Arzt schaden könnte, veröffentlichte Ludwik Zamenhof die „Internationale Sprache“ nicht unter seinem eigenen Namen, sondern wählte das Pseudonym „Doktoro Esperanto“, das auf Esperanto „Doktor Hoffender“ bedeutet. Noch im selben Jahr (1887) erschien das Lehrbuch <a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-buch?aid=100016" target="_blank">» in Polnisch (6. September)</a>, <a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-buch?aid=100077" target="_blank">» Französisch (24. November)</a> und <a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-buch?apm=0&amp;aid=100078&amp;zoom=1" target="_blank">» Deutsch (24. November)</a>. Die deutschsprachige Ausgabe umfasst 48 Seiten und gliedert sich in vier Kapitel:</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3560&amp;md5=0b13e4ec74498ae8968405ed036422d2451f260f&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img height="414" width="300" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/3/5/csm_Abb_2_Internationale_Sprache_Vorrede_S.3-b_563af5b769.jpg" style="" alt="" /></a></p>
<p><em>Abb. 2: Zamenhof, Ludwik (1887d): Internationale Sprache. Vorrede und vollständiges Lehrbuch. Warschau: Gebethner et Wolff, S. 3</em></p>
<p>In der „Vorrede“ erklärt Ludwik Zamenhof <em>„was für eine große Bedeutung eine internationale Sprache für die Wissenschaft, den Handel und den allgemeinen Verkehr überhaupt haben würde.“</em> (Zamenhof 1887d: 5) Drei <em>„Hauptaufgaben“</em> solle sie erfüllen:</p>
<p><em>„I. Die Sprache muss sehr leicht sein, so dass sie jeder, sozusagen spielend, erlernen kann. II. Jeder, der diese Sprache erlernt hat, muss sie sofort zum Verkehr mit anderen Nationalitäten benutzen können,“</em> und sie sollte <em>„III. Ein Mittel [sein,] die Gleichgültigkeit der Welt zu überwinden, und dieselbe zu ermuntern sofort und en masse von dieser Sprache, als von einer lebenden Sprache, Gebrauch zu machen, […]“</em> (Zamenhof 1887d: 8f.).</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3557&amp;md5=0a698ac472df0cfbc179b92f339ad1c10c632407&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img height="453" width="300" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/7/a/csm_Abb_3_Internationale_Sprache_S.25-b_6b79fec800.jpg" style="" alt="" /></a></p>
<p><em>Abb. 3: Zamenhof, Ludwik (1887d): Internationale Sprache. Vorrede und vollständiges Lehrbuch. Warschau: Gebethner et Wolff, S. 25</em></p>
<p>Dem Vorwort folgt eine Sammlung von sechs Beispieltexten in Esperanto, darunter das „Vater unser“, das Gedicht „Mir träumte“ von Heinrich Heine (1797–1856) und zwei von Ludwik Zamenhof original in Esperanto verfasste Gedichte – „Mia penso“ und „Ho, mia kor‘“.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3559&amp;md5=c4047f303ce9cc50bf0fedfda75ccfe3eb9b544e&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img height="425" width="300" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/f/7/csm_Abb_4_Internationale_Sprache_S.43-b_2713681309.jpg" style="" alt="" /></a></p>
<p><em>Abb. 4: Zamenhof, Ludwik (1887d): Internationale Sprache. Vorrede und vollständiges Lehrbuch. Warschau: Gebethner et Wolff, S. 43</em></p>
<p>Im dritten Kapitel erklärt Ludwik Zamenhof die 16 grammatischen Grundregeln, den vierten Teil bildet ein Faltblatt mit 917 Wortstämmen in Esperanto und deren Übersetzung ins Deutsche.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3561&amp;md5=4e3389e6ccf2b12be18e7fce6cb1afeb64a314a5&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img height="438" width="300" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/d/9/csm_Abb_5_Internationale_Sprache_S.44-b_56410feb47.jpg" style="" alt="" /></a></p>
<p><em>Abb. 5: Zamenhof, Ludwik (1887d): Internationale Sprache. Vorrede und vollständiges Lehrbuch. Warschau: Gebethner et Wolff, S. 44</em></p>
<p>Auf der Grundlage dieses „Unua Libro“ sind in den 1890er-Jahren Esperanto-Lehrbücher in weiteren Sprachen entstanden. Sie förderten eine <a href="http://www.onb.ac.at/bibliothek/sammlungen/plansprachen/digitale-medien/buecher/">» kontinuierliche Literaturproduktion</a> und bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es Esperanto-SprecherInnen in Europa, Asien, Australien, Nord- und Südamerika. Diese relativ rasche Verbreitung war kaum vorhersehbar, dennoch können retrospektiv einige Gründe für die breite Rezeption genannt werden: Neben dem Phoneminventar und der phonetischen Orthographie erwies sich die einprägsame Grammatik des Esperanto als vorteilhaft. Förderlich war auch, dass viele Volapük-SprecherInnen ab 1887 begannen Esperanto zu lernen, wie z.B. die Mitglieder des Volapükvereins von Nürnberg. (vgl. Schor 2016: 72)</p>
<p>Als besonders progressiv erwies sich das grundlegende Konzept von Ludwik Zamenhof, wonach er sich nicht als „Erfinder“ des Esperanto betrachtete, sondern als „Initiator“ einer Sprache, die von der Sprachgemeinschaft weiterentwickelt wird. Dem entsprechend konzipierte er Esperanto und notierte im ersten Lehrbuch: <em>„Die internationale Sprache soll, gleich jeder nationalen, ein allgemeines Eigenthum sein, weshalb der Verfasser für immer auf seine persönlichen Rechte darüber verzichtet.“</em> (Zamenhof 1887d: 2) Diese und weitere <em>„participative strategies“</em>&nbsp; Zamenhofs bezeichnete der Soziologe Roberto Garvía (2015: 66 und 68) als <em>„the masterwork of a brilliant tactician.“</em><span style="font-size: 12px;">&nbsp;</span></p>
<hr />
<p>Zum Autor: Mag. Bernhard Tuider ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Sammlung für Plansprachen der Österreichischen Nationalbibliothek</p>
<hr />
<p><strong>Digitale Quellen zu plansprachlichen Büchern und Periodika an der Österreichischen Nationalbibliothek:</strong></p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/bibliothek/sammlungen/plansprachen/digitale-medien/periodika/" title="Opens internal link in current window">» Bücher<br />» Periodika</a></p>
<hr />
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<p>Garvía, Roberto (2015): Esperanto and Its Rivals. The Struggle for an International Language. Philadelphia: University of Pennsylvania Press. </p>
<p>Korĵenkov, Aleksander (2011): Homarano. La vivo, verkoj kaj ideoj de d-ro L.L. Zamenhof. Kaliningrado: Sezonoj. </p>
<p>Künzli, Andreas (2010): L. L. Zamenhof (1859–1917). Esperanto, Hillelismus (Homaranismus) und die „jüdische Frage“ in Ost- und Westeuropa (= Jüdische Kultur. Studien zur Geistesgeschichte, Religion und Literatur Bd. 23). Wiesbaden: Harrassowitz. </p>
<p>Okrent, Arika (2009): In the Land of Invented Languages. Esperanto Rock Stars, Klingon Poets, Loglan Lovers, and the Mad Dreamers Who Tried to Build a Perfect Language. New York: Spiegel &amp; Grau. </p>
<p>Schor, Esther (2016): Bridge of Words. Esperanto and the Dream of a Universal Language. New York: Metropolitan Books, Henry Holt and Company. </p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/forschung/forschungsblog/artikel/news/zum-100-todestag-des-esperanto-erfinders-ludwik-zamenhof/">» Tuider, Bernhard (13.04.2017): Zum 100. Todestag des Esperanto-Erfinders Ludwik Zamenhof</a> </p>
<p><a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-buch?aid=100082" target="_blank">» Zamenhof, Ludwik (1887a): Meždunarodnyj jazyk. Predislovie i polnyj učebnik. Varšava: Kelter.</a> </p>
<p><a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-buch?aid=100016" target="_blank">» Zamenhof, Ludwik (1887b): Język międzynarodowy. Przedmowa i podręcznik kompletny. Warszawa: Kelter.</a> </p>
<p><a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-buch?aid=100077" target="_blank">» Zamenhof, Ludwik (1887c): Langue internationale. Préface et manuel complet. Varsovie: Gebethner et Wolff.</a> </p>
<p><a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-buch?aid=100078" target="_blank">» Zamenhof, Ludwik (1887d): Internationale Sprache. Vorrede und vollständiges Lehrbuch. Warschau: Gebethner et Wolff.</a></p>]]></content:encoded>
					</item>
				
					<item>
						<guid isPermaLink="false">news-293</guid>
						<pubDate>Tue, 04 Jul 2017 08:20:00 +0200</pubDate>
						<title>Mozart – ein Freimaurer</title>
						<link>http://www.onb.ac.at/forschung/forschungsblog/artikel/news/mozart-ein-freimaurer/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;cHash=0d24691caed55c00ccf9db7c0172714c</link>
						<description>Einer der berühmtesten Freimaurer der Geschichte war Wolfgang Amadeus Mozart. Ab 1784 gehörte er in Wien mehreren Logen an und komponierte Freimaurermusik, darunter die „Maurerische Trauermusik“ KV 477. Zutiefst von freimaurerischem Gedankengut ist seine Oper „Die Zauberflöte“ geprägt. </description>
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						<content:encoded><![CDATA[<h5>Mozart – ein Freimaurer</h5>
<p><em>Autor: Thomas Leibnitz</em></p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/museen/prunksaal/sonderausstellungen/300-jahre-freimaurer-das-wahre-geheimnis/" title="Opens internal link in current window" class="internal-link">» Freimaurerei</a> war ein wichtiger Aspekt des Wiener Geisteslebens des späten 18. Jahrhunderts. Auch außerhalb der Logen entstand eine Fülle von Werken des Theaters und des Musiktheaters mit freimaurerischer Thematik, besonders in der Periode Joseph II. Allein zwischen 1770 und 1800 wurden hier einundzwanzig Werke dieser Richtung aufgeführt – unter ihnen ist „Die Zauberflöte“ ohne Zweifel das herausragendste.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3528&amp;md5=bb19ddb251899f4ad6e22606e5930eff57ac1214&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img height="224" width="299" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/d/4/csm_zauberfloete_abf7405a78.jpg" style="" alt="" /></a></p>
<p><em>Abb. 1: Die Zauberflöte im Clavierauszug, eine Operette in zwey Aufzügen Musik von W. A. Mozart. (KV 620.) </em></p>
<p>Berührungspunkte mit freimaurerischem Gedankengut liegen bereits in Mozarts Jugend; im Alter von sechzehn Jahren verfasste er einen „Lobgesang auf die feyerliche Johannisloge“. Während es sich zu dieser Zeit bloß um ein Gelegenheitswerk ohne tieferen Zusammenhang mit Mozarts Anschauungen handelte, wandte er sich in seiner Wiener Zeit (ab 1781) bewusst und aus Überzeugung dem freimaurerischen Gedankengut zu. Sichtbares Zeichen dieser Orientierung war seine Aufnahme in die Wiener Loge „Zur Wohltätigkeit“ am 14. Dezember 1784. Otto Freiherr von Gemmingen war zu dieser Zeit „Meister vom Stuhl“ dieser Loge; als Freund und Förderer des jungen Komponisten hatte er diesen in das Gedankengut des Bundes eingeführt. </p>
<p>Im Wien Josephs II. galt es nicht als anstößig, einer Freimaurerloge beizutreten – im Gegenteil, zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens waren Freimaurer. Es bestand eine Vielzahl von Logen, und es war auch nicht ungewöhnlich, sie zu wechseln. So verlegte auch Mozart bald nach seinem Eintritt in die „Wohltätigkeit“ seine Interessen zur „Wahren Eintracht“, wo Ignaz von Born als Meister vom Stuhl den Ton angab. Mozart wurde hier zum Gesellen erhoben und erreichte bald darauf den Grad des Meisters. Als Indiz für die Vereinbarkeit von Freimaurerei mit streng katholischem Welt- und Sittenbild mag gelten, dass Mozart seinen sehr konservativen Vater Leopold im April 1785 ebenfalls der „Wahren Eintracht“ zuführte. Am 11. Februar desselben Jahres war in dieser Loge auch Joseph Haydn aufgenommen worden. </p>
<p>Bald darauf erfolgte jedoch ein Eingriff auf politischer Ebene, der das freimaurerische Leben in Wien zwar nicht beendete, aber stark reduzierte. Joseph II. erließ ein „Handbillet“, mit dem er die bisher acht Wiener Logen auf zwei beschränkte. Es ist zweifelhaft, ob der Grund dafür in persönlichen Bestrebungen zweier führender Wiener Freimaurer (Johann Fürst von Dietrichstein und Ignaz von Born) lag oder in wirklichen oder vermeintlichen Fehlentwicklungen, die der Kaiser als „Gaukeleyen“ brandmarkte – jedenfalls schlossen sich drei Wiener Logen, unter ihnen die „Wahre Eintracht“ in der Sammelloge „Zur Wahrheit“ unter Ignaz von Born zusammen, weitere drei in der Sammelloge „Zur Neugekrönten Hoffnung“ unter Philipp Freiherr von Gebler. Dieser Loge trat auch Mozart bei und gehörte ihr bis zu seinem Tod 1791 an. </p>
<p><strong>Mozarts Freimaurerkompositionen</strong> </p>
<p>Es kann nicht verwundern, dass der freimaurerische Einfluß auch Mozarts musikalisches Schaffen bestimmte. Er komponierte eine Reihe von Werken, die unmittelbar zur musikalischen Umrahmung des Rituals gedacht waren, und schließlich die Oper &quot;Die Zauberflöte&quot;, das &quot;Hohelied&quot; der Freimaurerei, die als Verherrlichung der freimaurerischen Humanitätsidee und der Menschenliebe gilt. Es wurde vermutet, dass Mozart in der Gestalt des Sarastro dem von ihm tief verehrten Ignaz von Born ein Denkmal setzen wollte. Dessen Logenvortrag über die ägyptischen Mysterien hatte den Anstoß zur Entstehung des Werkes gegeben. Außer dieser Oper ist die &quot;Maurerische Trauermusik&quot; KV 477, die anlässlich des Todes zweier Brüder, des Herzogs von Mecklenburg-Schwerin und des Fürsten Eszterhazy, komponiert wurde, zweifellos das bedeutendste freimaurerische Werk Mozarts, das auch von Otto Jahn, dem ersten wissenschaftlichen Mozart-Biographen, sehr hoch geschätzt wurde. </p>
<p>1785 komponierte Mozart zwei Kantaten: &quot;Zur Eröffnung der Loge&quot; KV 483 und &quot;Zum Schlusse der Loge&quot; KV 484. Im selben Jahr entstand zu Ehren Borns die Kantate &quot;Die Maurerfreude&quot; KV 471, die anlässlich des Besuches Mozarts in der Prager Loge &quot;Zur Wahrheit und Eintracht&quot; aufgeführt wurde. </p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3530&amp;md5=e57679a1d5f74e4a469110dbbbedbe5937f0cea3&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img height="224" width="299" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/2/f/csm_maurerfreude_d4727fe5b8.jpg" style="" alt="" /></a></p>
<p style="margin:0cm; margin-bottom:.0001pt"><em>Abb. 2: Die Maurerfreude (KV 471.) Eine Kantate gesungen am 24 April 1785 zu Ehren des H. w. Br: . B. n von imprint Wien<br /><br /></em></p>
<p>Ebenfalls 1785 schrieb Mozart das Lied „Gesellenreise“ KV 468 (Text von Josef Ratschky), wahrscheinlich aus Anlass der eigenen Beförderung. Werke freimaurerischen Inhalts sind weiters: die Solokantate &quot;Die ihr des unermesslichen Weltalls Schöpfer ehrt&quot; KV 619 (Text von Franz Heinrich Ziegenhagen), die Solokantate &quot;Dir, Seele des Weltalls&quot; KV 429 (eine Johannisfestkantate) und die &quot;Kleine Freimaurerkantate&quot; KV 623, die 1791 bei der Einweihung eines Tempels der Loge &quot;Zur gekrönten Hoffnung&quot; unter Mozarts Leitung kurz vor seinem Tode aufgeführt wurde und eine seiner letzten Arbeiten darstellt.</p>
<p>&nbsp;<a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3529&amp;md5=873f9064795fba997a42565f38502b8c05afd980&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img height="224" width="299" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/d/f/csm_Musik_noten_09dfbd0fc9.jpg" style="" alt="" /></a></p>
<p><em>Abb. 3: „Dir, Seele des Weltalls“ KV 429<br /></em></p>
<p>Es wirft Licht auf die Spannweite von Mozarts Denken, dass er in seinem letzten Lebensjahr sowohl an seinem Requiem arbeitete, als auch ein Werk wie Ziegenhagens Hymnus „Die ihr des unermesslichen Weltalls Schöpfer ehrt“ vertonte. Die Komposition Mozarts auf Ziegenhagens Text erschien im Erstdruck als Notenbeilage zu dessen Schrift „Lehre vom richtigen Verhältnisse zu den Schöpfungswerken, und die durch öffentliche Einführung derselben allein zu bewürkende allgemeine Menschenbeglükkung“ (Hamburg 1792). Der Autor verlangt darin nichts Geringeres als die „Abschaffung der religionum“, die durch seine „Verhältnislehre“ ersetzt werden sollen: ein rationalistisches und durchaus revolutionäres Konzept, das alle transzendentalen Ausrichtungen des Menschen durch die Einführung allgemeiner Volkswohlfahrt und einer – durch Rousseau inspirierten – Agrarkultur zu befriedigen vermeinte. Auch wenn nicht anzunehmen ist, dass Mozart den Inhalt dieser Abhandlung genau kannte, so manifestierte sich hier doch eine Glaubenshaltung, die von streng katholisch-konfessioneller Ausrichtung beträchtlich abwich.<br /><br /><strong>Einstellung zum Tod</strong><br /><br />Eine gelassene Haltung dem Tod gegenüber spielte im freimaurerischen Meisterritual eine entscheidende Rolle: „Vor dem Tode mag der schadenfrohe Menschenfeind zittern; denn er ist ihm der Scherge, der ihn zum Richtplatz führt. Dem Freunde der leidenden Menschheit ist er ein Glücksbote, der ihn einladet, die Früchte seines Edelmuthes ewig zu genießen.“<br /><br />Nicht nur bei seiner eigenen Beförderung zum Meister im Frühjahr 1785, sondern auch bei zahlreichen späteren Meisterhebungen erlebte Mozart dieses Ritual. Die hier ausgedrückte Gesinnung dem Tod gegenüber korrespondierte ebenso mit seinem eigenen Denken wie der Todesmentalität in Moses Mendelssohns Werk „Phädon oder über die Unsterblichkeit der Seele“, das sich in seinem Besitz befand. Diesen Anregungen entwachsen ist der berühmte letzte Brief an seinen Vater Leopold vom 4. April 1787, der wie kein anderes Dokument geeignet ist, Licht auf die Überzeugungshaltung Mozarts zu werfen: „da der Tod /: genau zu nemmen :/ der wahre endzweck unsres lebens ist, so habe ich mich seit ein paar Jahren mit diesem wahren, besten freunde des Menschen so bekannt gemacht, daß sein Bild nicht allein nichts schreckendes mehr für mich hat, sondern recht viel beruhigendes und tröstendes! Und ich danke meinem gott, daß er mir das glück gegönnt hat mir die gelegenheit /: sie verstehen mich :/ zu verschaffen, ihn als den schlüssel zu unserer wahren Glückseeligkeit kennen zu lernen.“<br /><br /> </p>
<hr />
<p><strong>Literatur:<br /></strong>Sichrovsky, Heinz (2013): Mozart, Mowgli, Sherlock Holmes. Die königliche Kunst in Musik und Dichtung der Freimaurer , Wien : Löcker<br /><br />Braunbehrens, Volkmar (1986): Mozart in Wien, München : Piper<br />Irmen, Hans-Josef (1991): Der Schlüssel zu unserer wahren Glückseligkeit oder Mozarts Vorstellungen vom Tod, in: Günther Brosche (Red.), Requiem. Wolfgang Amadeus Mozart 1791/1991. Ausstellung der Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek, 16. Mai bis 5. Dezember 1991, Katalog, Graz : Akad. Druck- u. Verlags-Anstalt<strong><br /><br /></strong></p>
<hr />
<p><em>Zum Autor: Dr. Thomas Leibnitz ist Direktor der Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek</em></p>]]></content:encoded>
					</item>
				
					<item>
						<guid isPermaLink="false">news-247</guid>
						<pubDate>Thu, 29 Jun 2017 08:30:00 +0200</pubDate>
						<title>Querelle des femmes an der Hofbibliothek</title>
						<link>http://www.onb.ac.at/forschung/forschungsblog/artikel/news/querelle-des-femmes-an-der-hofbibliothek/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;cHash=8e7d3384c5c4e29d103d76d30e684190</link>
						<description>Schon seit der Renaissance wehrten sich streitbare intellektuelle Autorinnen gegen die Herabwürdigung  der Frauen, wie sie in Männerwerken gang und gäbe war. Der Artikel zeigt anhand früher Beispiele der sog. „Querelle des femmes“, dass die Geschlechterfrage nicht erst eine „Erfindung“ der Neuen Frauenbewegung ist.</description>
						<enclosure url="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/24_Bittermann_Querelle/23_mashup.jpg" length="132441" type="image/jpeg" />
						<content:encoded><![CDATA[<h5>„Der Geist hat kein Geschlecht“ – Diskurs der Geschlechter in Werken von Christine de Pisan, Moderata Fonte und Lucrezia Marinella</h5>
<p><em>Autorin: Christa Bittermann-Wille</em></p>
<p>Die ursprüngliche Form einer „querela“ (Klage oder Anklage, Streitschrift) in der Renaissance ist eine schriftliche Debatte um die Würde des Menschen (i.e. des Mannes), Religion, Krieg und Frieden. Männliche Autoren führen schriftliche Streitgespräche und haben dabei als Publikum oder Diskurspartner allein ihre Geschlechtsgenossen im Fokus. Topoi dieser oftmals misogynen Schriften sind häufig geistige Fähigkeiten, die Frauen abgesprochen werden, Inferiorität/Superiorität, Gleichheit/Ungleichheit der Geschlechter etc. Diese Traktate, Dialoge auch Briefe werden zunehmend in italienischer, französischer, ebenso deutscher Sprache verfasst und finden so ein immer größeres – auch weibliches ­– Publikum.</p>
<p>Bei gelehrten Frauen regt sich Widerstand – sie schreiben gegen diese Herabwürdigung an – der Geschlechterkampf (Querelle des femmes) scheint damit eröffnet. Eine neue Literaturgattung, die sowohl belehrte als auch unterhielt, entstand. ForscherInnen gehen von ca. tausend solcher Schriften im 15. und 16. Jahrhundert aus. Werke einer Christine de Pisan, Moderata Fonte oder Lucrezia Marinella u.a. befassen sich mit der „Würde, Vortrefflichkeit und Intelligenz“ von Frauen – Eigenschaften, die ihnen damals von Männern generell abgesprochen wurden. Mit Ausnahme von Christine de Pisan, die zwar in Venedig geboren wurde, aber fast ihr ganzes Leben in Frankreich verbrachte und auch dort publizierte, kann man „La Serenissima“&nbsp;zu Recht eine herausragende Rolle im frühen „Feminismus“ zusprechen. Gemeinsam ist den hier besprochenen Büchern von Fonte und Marinella der Erscheinungsort Venedig und die Stadt ist auch der Schauplatz des (frauenspezifischen) Geschehens.</p>
<p>Dieser Beitrag greift drei außerordentliche Werke der „Querelle“ heraus, die seit Jahrhunderten zum Bücherschatz der Hofbibliothek gehören; durch das <a href="http://www.onb.ac.at/digitale-bibliothek-kataloge/austrian-books-online-abo/">» ABO-Projekt</a>&nbsp;der Österreichischen Nationalbibliothek&nbsp;sind diese Zimelien nun auch im Volltext online zugänglich.</p>
<p>Christine de Pisan (1364–1430) zählt zu den ersten Schriftstellerinnen, die auch philosophische und politische Schriften verfasste. Obwohl sie als Witwe vom Schreiben ihren Lebensunterhalt bestreiten muss, scheut sie die Auseinandersetzung mit einem vorwiegend männlichen Publikum nicht. Mit ihren Werken „Épître au Dieu d’Amours“ (1399) und „Le Dit de la Rose“ (1401) eröffnet sie sehr früh den französischen Diskurs gegen misogyne Schriften, setzt sich für Frauenbildung ein und ist überzeugt, dass Frauen fähig sind, Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen oder auch Erfinderinnen zu sein. </p>
<p>Ihre Schrift&nbsp;<a href="http://data.onb.ac.at/dtl/2788460" target="_blank">» Le Livre de la Cité des Dames</a>&nbsp;(1404/05) ist zweifelsohne die Krönung ihres literarischen Schaffens: Einleitend wird ein stilistischer Kunstgriff angewendet: als Aporetikerin glaubt sie scheinbar zuerst den Lügen über Frauen wie sie von „hervorragenden“ Philosophen und Dichtern verbreitet werden – diese können doch nicht irren? Anfangs noch zweifelnd, hadernd mit Gott als Frau geboren zu sein, stellt sie sich dann gegen diese Humanisten. Sie entwickelt in allegorischen Gesprächen mit der „Vernunft&quot;, der „Aufrichtigkeit&quot; und der „Gerechtigkeit&quot; und mit Hinweis auf große Frauen der Bibel und Mythologie (Sappho, Minerva, Medea, christliche Märtyrerinnen und Amazonen kommen zu Wort) ihren Entwurf einer idealen Stadt für Frauen. Diese Rückbesinnung auf antike Frauengelehrsamkeit ist ein guter Schachzug – Frauen hatten dort politische und religiöse Funktionen, waren Philosophinnen etc. Sie sind sozusagen durch die Geschichte unantastbar geworden. Damit stärkt sie das Selbstvertrauen ihrer weiblichen Geschlechtsgenossinnen und macht ihnen Mut. Das Werk ist ein nicht nur belehrender, sondern auch unterhaltsamer Aufruf zu mehr weiblicher Subjektivität und Selbstvertrauen.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3380&amp;md5=8824195773bcb35ab1bb33db8350e6f533232d59&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img height="416" width="300" alt="Forschungsblog, Ariadne " src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/9/8/csm_abb1_pisan_stadtbau_5f8e4c9a63.jpg" style="" /></a><br /><em>Abb. 1: Christine de Pisan im Gespräch mit der „Aufrichtigkeit“, der „Vernunft“ und der „Gerechtigkeit“, dahinter wird an der Cité des Dames gebaut.</em></p>
<p>Eine weitere herausragende Schrift ist Moderata Fontes (1555­–1592) Dialog <a href="http://data.onb.ac.at/ABO/%2BZ175181201" target="_blank">»Il Merito Delle Donne</a>. Noch kurz vor ihrem plötzlichen Tod im Kindbett beendet, erscheint dieses Werk erst 1600 posthum. Einer literarischen Öffentlichkeit war Moderata Fonte (wirklicher Name Modesta dal Pozzo de‘ Zorzi) schon früher durch ihre Epen, Sonette und Madrigale bekannt. Schauplatz ist Venedig und die ungerechte Aufteilung der Handlungsräume von Männern und Frauen. Sie inszeniert ein reines Frauengespräch – Männer sind ausgeschlossen, damit Frauen sich frei bewegen, lachen und diskutieren können, denn männliche Anwesenheit und weibliche Freiheit schließen einander aus. Verschiedene Gastgeberinnen, unterschiedlichen Alters und Standes treffen in einem Garten zusammen; sie spielen Anklägerinnen und Verteidigerinnen des Mannes; Satire und Ironie bestimmen den Dialog. Hauptthemen sind die vier Säulen Theologie, Medizin, Philosophie und Geschichte mit den Topoi: Erschaffung des ersten Menschen, männlicher versus weiblicher Körper, Gewalt und Tyrannei von Männern u.a.. – auch hier wird das Vorbild antiker Frauen zitiert.</p>
<p><em><img height="434" width="300" alt="Forschungsblog, Ariadne" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/7/6/csm_abb2_fonte_merito_99f1527236.jpg" style="" /></em></p>
<p>Als Absicherung und Verteidigung der Schrift widmet Moderata Fonte dieses Werk einer damals mächtigen Frau, der Herzogin von Urbino. Erst 2001 – im Zuge einer forcierten (feministischen) Frauenliteraturgeschichte erscheint eine vollständige, wissenschaftlich kommentierte deutsche Fassung unter dem Titel: „<em>Das Verdienst der Frauen – warum Frauen würdiger und vollkommener sind als Männer</em>“. (Fonte 2001).</p>
<p>Die Dritte in diesem Bunde zählt ebenfalls zu den profiliertesten Schriftstellerinnen der Hochrenaissance mit frauenbezogenen Themen. Auch sie ist äußerst gebildet, sie kennt die Schriften der antiken Philosophen, die sie unter Auslassung der antifeministischen Bezüge rezipiert.</p>
<p>Lucrezia Marinellas (1571­–1653) „Defensio“&nbsp;<a href="http://data.onb.ac.at/ABO/%2BZ175163600" target="_blank">» La Nobilta Et L'Eccellenza Delle Donne, Co Diffetti, E Mancamenti De gli Huomini</a>&nbsp;erscheint ab 1600­–1621 in etlichen Auflagen. Thema ist wiederum der „Adel“ und die Vorzüglichkeit der Frauen, die Frau als Meisterwerk des Schöpfers und als Erzieherin des Mannes. Vor allem was Sitten und Tugenden angeht, schildert sie die Frauen als überlegen. Durch ihre Sichtbarmachung antiker weiblicher Figuren&nbsp; und ihrer Meriten beginnt auch so etwas wie eine weibliche Geschichtsschreibung. In diesem Zusammenhang muss auf alle Fälle noch eine vierte Venezianerin mit ihrem Werk zumindest erwähnt werden: Arcangela Tarabottis <a href="http://data.onb.ac.at/ABO/%2BZ175171700" target="_blank">» La Semplicità Ingannata</a>, ebenfalls im Bestand der Hofbibliothek, aber im Katalog mit der falschen männlichen Autorenangabe verzeichnet (sic!). Somit kann man Venedig zu Recht eine Avantgarderolle in der Geschichte des modernen Feminismus zusprechen.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3382&amp;md5=37c956617788b5b2cdf8c89c0ce258d1791233a3&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img height="425" width="300" alt="Forschungsblog, Ariadne" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/f/3/csm_abb3_marinella_nobilta_c20f9e8752.jpg" style="" /></a></p>
<p>Ein Exkurs in den deutschsprachigen Raum dieser Zeitepoche mit Autorinnen wie Katharina Zell oder Argula von Grumbach käme zu einem gänzlich anderen Befund. Zu sehr waren dort auch gelehrte Frauen eher mit theologischen Fragen der Reformationsbewegung beschäftigt als mit Fragen der Gleichberechtigung der Frau. </p>
<p>Dieser kleine Streifzug durch die „Querelle des femmes“ der (romanischen) Renaissance sollte auch zeigen, dass der Kampf um die Gleichheit der Geschlechter, die Frauenbildung eine lange Tradition hat – und bereits noch vor der Aufklärung und allen Frauenbewegungen der weit späteren Jahrhunderte ihren Anfang nahm.</p>
<hr />
<p>Über die Autorin: Christa Bittermann-Wille ist Mitarbeiterin des frauen- und genderspezifischen Wissensportals Ariadne der Österreichischen Nationalbibliothek.</p>
<hr />
<p><strong>Primärliteratur:</strong></p>
<p>Pisan, Christine de (um 1470): <em>Le Trésor de la Cité des Dames</em>. Mit Prolog von Antoine Vérard (Winn, 13); Widmungsexemplar für Anne de Bretagne (1477-1517); Ink 3.D.19; 8. Aug. 1497 Volltext: <a href="http://data.onb.ac.at/dtl/2788460" target="_blank">» data.onb.ac.at/dtl/2788460</a></p>
<p>Fonte, Moderata (1600): <em>Il Merito Delle Donne</em>. Venedig. Volltext: <a href="http://data.onb.ac.at/ABO/%2BZ175181201" target="_blank">» data.onb.ac.at/ABO/%2BZ175181201</a></p>
<p>Fonte, Moderata (2001): <em>Das Verdienst der Frauen : warum Frauen würdiger und vollkommener sind als Männer</em>. Nach der ital. Ausg. von 1600 erstmals vollst. übers., erl. sowie hrsg. von Daniela Hacke. München.<a href="http://data.onb.ac.at/rec/AC03269440" target="_blank">» data.onb.ac.at/rec/AC03269440</a>&nbsp;</p>
<p>Marinella, Lucrezia (1621): <em>La Nobilta Et L'Eccellenza Delle Donne, Co Diffetti, E Mancamenti De gli Huomin</em>i. Discorso In Due Parti Diviso ... Ricorretto, Et Accresciuto in questa terza Impressione. Venedig. Volltext: <a href="http://data.onb.ac.at/ABO/%2BZ175163600" target="_blank">» data.onb.ac.at/ABO/%2BZ175163600</a> </p>
<hr />
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<p>Chemello, Adriana (2000): The rhetoric of eulogy in Lucrezia Marinella’s „La nobiltà et l’eccellenza delle donne“, in: <em>Women in Italian Renaissance culture and society, </em>London, Legenda., S. 463-477.</p>
<p>Cherchez la femme: <a href="https://webarchiv.onb.ac.at/web/20160903202312/https:/www.onb.ac.at/ariadne/projekte/femme/index.html" target="_blank">» webarchiv.onb.ac.at</a>&nbsp;(besucht März 2017)</p>
<p>Engel, Gisela /(Hg.) (2004): <em>Geschlechterstreit am Beginn der europäischen Moderne : die Querelle des femmes</em>. Königstein/Taunus: Helmer.&nbsp;</p>
<p>Gössmann, Elisabeth (Hg.) (1985): <em>Eva – Gottes Meisterwerk</em> München: Iudicium.</p>
<p>Grewe, Andrea (2004): „Un uomo senza donna è pur una mosca senza capo“. Formen und Funktion weiblichen Lachens in Moderata Fontes „Il merito delle donne“, in: <em>Frauen in der Frühen Neuzeit</em>, Köln: Böhlau., S. 149-164.</p>
<p>Schmidt, Paul Gerhard (Hrsg.) (1994): <em>Die Frau in der Renaissance</em>. Wiesbaden: Harrassowitz. </p>]]></content:encoded>
					</item>
				
					<item>
						<guid isPermaLink="false">news-274</guid>
						<pubDate>Fri, 16 Jun 2017 06:00:00 +0200</pubDate>
						<title>„Meine Trunkenheit kann ich nicht abschütteln“</title>
						<link>http://www.onb.ac.at/forschung/forschungsblog/artikel/news/meine-trunkenheit-kann-ich-nicht-abschuetteln/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;cHash=77ecce1527dcd385dd44424107d0de31</link>
						<description>Nicht wenige Blätter im Nachlass Ingeborg Bachmanns zeigen Brandlöcher oder Kaffeeflecken, Zeichen der rauschhaften Arbeit des Schreibens. Diesem Thema ist die Sonderausstellung im Literaturmuseum 2017 gewidmet. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Beitrag von Hans Höller im gleichnamigen Begleitbuch „Im Rausch des Schreibens“.</description>
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						<content:encoded><![CDATA[<h5>Rausch und Trauer im Werk Ingeborg Bachmanns</h5>
<p><em>Autor:</em> <em>Hans Höller</em></p>
<p><strong>Die </strong><a href="http://www.onb.ac.at/museen/literaturmuseum/sonderausstellungen/im-rausch-des-schreibens-von-musil-bis-bachmann/" title="Opens internal link in current window"><b>» Ausstellung „Im Rausch des Schreibens. Von Musil bis Bachmann“</b></a> <strong>folgt in fünf thematischen Kapiteln den rauschhaften Zügen, die das Schreiben annehmen kann. Im Zentrum stehen außerdem Texte, die in unterschiedlichen Spielformen von Entgrenzung und Genuss, von tranceartiger Entrückung und Körpergetriebenheit handeln. Die Tasse Kaffee, der Zug an der Zigarette oder das Hören einer bestimmten Musik – die Stimulanzien der literarischen Imagination reichen von alltäglichen Genussmitteln bis zu bewusstseinserweiternden Substanzen. Außergewöhnliche Original-Exponate, ergänzt durch fotografische (Selbst-)Inszenierungen und kulturhistorische Dokumente, vermessen das Feld zwischen Schreibarbeit und literarischer Grenzerfahrung. Begleitend zur Ausstellung ist im Paul Zsolnay Verlag auch ein gleichnamiges </strong><a href="http://data.onb.ac.at/rec/AC13688556" title="Opens internal link in current window" target="_blank"><b>» Buch</b></a><strong> erschienen. Darin veranschaulicht beispielsweise der Literaturwissenschaftler Hans Höller den psychischen und physischen Ausnahmezustand im Prozess des Schreibens bei Ingeborg Bachmann. Lesen Sie hier einen Auszug aus seinem Beitrag. </strong></p>
<p><strong>Um Feuer zu bekommen für eine letzte und allerletzte Zigarette</strong></p>
<p>Was für eine ungeheure Spannweite von Erfahrungen, Gefühlen und Gedanken tut sich allein in Bachmanns <em>Malina</em>-Roman auf, der doch zugleich neben den vielen anderen Gattungsformen ein Kriminalroman ist, dessen letzter Satz „Es war Mord“ lautet und der wie ein kriminalistischer Befund die Geschichte des weiblichen Ich resümiert, eine Geschichte, die Bachmann, wie erwähnt, selbst als ihre „geistige, imaginäre Autobiographie“ bezeichnet hat. Und wie in den Gedichten wird auch hier das Drama von der Entstehung der Werke „erzählt“, bei der sich das schreibende Ich der Gefahr aussetzt, im Rausch des Schreibens zu verbrennen. Das Wissen um die tödliche Seite der selbstruinösen Verausgabung ist am Schluss von <em>Malina</em> in den fortirrenden Gedanken des weiblichen Ich enthalten, wenn sie an der glühenden Herdplatte steht, an der sie so oft eine letzte und noch eine letzte Zigarette angezündet hat. Diese Stelle liest sich wie ein trauriger Abgesang auf all die Stellen vom Erglühen, vom Feuer und vom Entbranntsein im Rausch des Schreibens. Es ist Nacht, „sie“ steht vor dem Herd, um Kaffee zu kochen, sie sieht auf die glühende Herdplatte, auf die sie zu fallen droht, und muss aufpassen, dass sie sich nicht „selber verstümmle, verbrenne“: </p><div class="indent"><div class="indent"><p><span style="font-family: Calibri, sans-serif; font-size: 11pt; ">„</span>denn Malina müßte sonst die Polizei und die Rettung anrufen, er müßte die Fahrlässigkeit eingestehen, ihm sei da eine Frau halb verbrannt. Ich richte mich auf, glühend im Gesicht von der rotglühenden Platte, auf der ich nachts so oft Fetzen von Papier angezündet habe, nicht etwa um etwas Geschriebenes zu verbrennen, sondern um Feuer zu bekommen für eine letzte und allerletzte Zigarette. […] Ich kann den Schalter noch auf 0 zurückstellen. Es war einmal, aber ich verbrenne nicht, halte mich gerade, der Kaffee ist fertig, der Deckel auf die Kanne getan. Ich bin fertig. […] Es war einmal, aber ich verbrenne nicht, halte mich gerade, der Kaffee ist fertig.<span style="font-family: Calibri, sans-serif; font-size: 14.6667px; ">“</span>&nbsp;(Bachmann 1995: 3.1, 691f.)</p></div></div><p><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3500&amp;md5=9e4a7788930e1557d0698e163fb192655755e108&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img width="300" height="424" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/2/8/csm_Bachmann_Brandloch__3daf13c98f.jpg" style="" alt="" /></a></p>
<p><em>Abbildung 1: Ingeborg Bachmann: „Fataler Monolog“ (ohne Datum), Typoskript mit Brandspuren von Zigarettenglut (Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek)</em> </p>
<p>Nicht wenige Blätter im Nachlass Ingeborg Bachmanns zeigen Brandflecken und eingebrannte Löcher, Kaffeeflecken, Zeichen der rauschhaften Arbeit des Schreibens, aber diese Spuren sind oft auch Zeichen der Not, sich zum Schreiben anfeuern und antreiben zu müssen. Doch nicht diese augenfälligen äußerlichen Indizien machen die Bedeutung des Bachmann-Nachlasses aus. In jenen aufbewahrten „staubigen verbleichten Blättern und Papierfetzen“, wie Malina einmal im Roman die „Hinterlassenschaft“ des weiblichen Ich nennt, ist ein Drama des Schreibens und der Werkentstehung überliefert, wie es selten eines in dieser Form gegeben hat. (Bachmann 1995: 3.1, 632f.) Die Entstehungshandschriften und -typoskripte sind einzigartige historische Dokumente der Geschichte des Schreibens nach 1945. Zu Recht ist der Nachlass Ingeborg Bachmanns im Juni 2016 in das österreichische Memory of the World Register des Weltkulturerbes aufgenommen worden. Erst wenn man die Entwürfe, Vorstufen und Fragmente der Werke kennt, bekommt man eine konkrete Vorstellung von dem, was Schreiben nach 1945 bedeutet. Die Brüchigkeit der Werkgenesen, das häufige Abbrechen und Scheitern der Schreibprojekte, aber auch das immer wieder neue Ansetzen und Weiterarbeiten geben eine Vorstellung von der fragwürdig gewordenen Idee des geschlossenen Werks. In ihm sah die Autorin den Ausdruck einer gedächtnislosen Kultur und einen Begriff von Autorschaft, der auf der Domäne männlicher Macht, verflochten mit der bisherigen Gewaltgeschichte, beruht.</p>
<p>Oft setzt die Textentstehung mit traumatischen Impulsen ein, mit destruktiven Erfahrungen, deren erste Notate dann immer weiter bearbeitet werden, bis sie zuletzt verwandelt sind in ein Werk, das „weiß“, wovon es ausgegangen ist, und das in seiner neuen Sprache und Form einen Gegenentwurf darstellt. Dieses Ausgesetztsein, dieses Abweichenmüssen von der normalen Erfahrung, auch dort, wo es um die schmerzliche Seite der Realität geht, die Unfähigkeit, diesen Blick abschütteln zu können, ihn wie eine Verdammnis erleben zu müssen oder wie ein Stigma – darin lag schon für die junge Dichterin die schmerzliche Last der „Trunkenheit“, und sie kannte schon früh den Preis für den Weg in die schwindelnde Höhe des Kunstwerks.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3499&amp;md5=285bf219dcf304e77c3eaf3f817f6d4e2d0b3450&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img width="300" height="425" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/b/5/csm_Plakat_Rausch_3f8919ac6f.jpg" style="" alt="" /></a></p>
<p><em>Abbildung 2: </em><em>Plakat zur Sonderausstellung im Literaturmuseum (April 2017-Februar 2018)</em> </p>
<p>Zu der in Extreme zerrissenen Welt von Bachmanns Werk, wie sie in den Textgenesen vor Augen liegt, gehört auch die ungeheure Spannweite von Feuer und Rausch in ihrem Œuvre. Neben der philosophisch anspruchsvollsten Dichtung, die ihren Ursprung in der rauschhaften Wahrnehmungserweiterung mitdenkt, gibt ihr Werk auch Kunde von der Agonie durch die Einnahme von Rauschmitteln und von der sozialen Deprimiertheit jenes Sich-Fügens in das „gemeine Unglück“ (Sigmund Freud) einer krank machenden Welt. Die Beunruhigung, die vom Leben und Werk Ingeborg Bachmanns ausgeht, liegt nicht zuletzt in der anstößigen Spannweite, die sich zwischen <em>Unter dem Weinstock</em> oder dem Mohngedicht <em>In Apulien</em> und dem nicht zu Lebzeiten veröffentlichten <em>Alkohol</em>-Gedicht auftut:</p><div class="indent"><div class="indent"><p>ALKOHOL</p>
<p>Trinken, was trinken,</p>
<p>ich trinke, trinke den Staub auf den Flimmer auf </p>
<p>ich trinke in mich hinein soviel Schilling</p>
<p>ich trinke meine Arbeit in mich hinein trinke </p>
<p>heraus, ich kann nur mehr trinken</p>
<p>mich aus allem heraus trinken, das säuft </p>
<p>den Geschmack weg aus allem, aus Staub aus </p>
<p>ich sags nicht weil keiner es sagt</p>
<p>warum es trinkt, sich zu Tod säuft, </p>
<p>ich bins ja ja nicht, es säuft sich </p>
<p>an ich sag nicht, weil keiner sagt </p>
<p>man soll mich nicht aufrütteln</p>
<p>mich zwingen zu sagen, es weiß ja jeder </p>
<p>warum es säuft. Sich besäuft, sich</p>
<p>sich betäubt, es betäubt sich</p>
<p>Und was Liebe und Krätzen und Fortschritt </p>
<p>Es weiß ja jeder und wer nicht säuft, weiß </p>
<p>auch, es weiß ja jeder, das sag ich nicht mehr, </p>
<p>weiß weiß weiß weiß weiß weiß</p>
<p>weiß weiß weiß </p>
<p>weiß</p>
<p>mehr sag ich nicht </p>
<p>als daß jeder weiß </p>
<p>(Bachmann 2000: 151)</p></div></div><p>Vielleicht ist aber dieses Gedicht nicht weniger gelungen als <em>Unter dem Weinstock</em>? Auch ohne kulturkritisches Wissen „weiß“ es, und es weiß sogar mehr, weil in dem Zustand, um den es weiß, das übliche kritische Wissen nicht mehr zählt und auch nicht mehr die üblichen Übereinkünfte, wie ein Kunstwerk zu sein hat. Seine Kunst liegt in der Mimesis des Kunstfernen oder Kunstfremden, von dem ihr Paul Celan in seinem Brief vom 21. September 1963 geschrieben hatte, als er erfuhr, dass sie „eben erst wieder aus der Klinik zurück“ sei. Von seinem damals fertiggestellten Gedichtband berichtet er ihr, er sei darin „mitunter […] einen recht kunstfernen Weg gegangen. Das Dokument einer Krise, wenn Du willst – aber was wäre Dichtung, wenn sie nicht auch das wäre, und zwar radikal?“ (Bachmann / Celan 2009: 158f.) Bachmanns Gedicht – und das gilt auch für andere Gedichte in dem postum erschienenen Band mit den Gedichtentwürfen <em>Ich weiß keine bessere Welt </em>(2000) – geht in seiner Kunstferne noch einen Schritt weiter. Was die Schriftstellerin damals in einer Rezension von Leo Lipskis Roman <em>Ein Maximum an Exil </em>geschrieben hat, lässt sich übertragen auf das Ich im Gedicht <em>Alkohol </em>und in den anderen Gedichtentwürfen und -fragmenten von <em>Ich weiß keine bessere Welt</em> aus der Zeit der schweren physischen Krise in den Jahren von Ende 1962 bis 1964. Es geht ihr in der Rezension vor allem um das Ich im Roman, das von sich sagt: „Das Leben legt sich auf das Gesicht wie eine Staubschicht. Die Menschen sind von mir abgefallen.“ Dieses Ich ist ein „Punkt, der Nichtlebenkönnen heißt, der Sehen heißt, Fühlen, Riechen, Einverleiben, der Murmeln ist, Zerbröckeln, Zerfallen, Weinen, Versinken […].“ (Bachmann 2005: 439–452)<br /> </p>
<hr />
<p>Über den Autor: Hans Höller ist emeritierter Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Salzburg und gemeinsam mit Irene Fußl Herausgeber der neuen Salzburger Bachmann-Edition. </p>
<hr />
<p><strong>Vollständiger Aufsatz:</strong><br />Höller, Hans (2017): „Meine Trunkenheit kann ich nicht abschütteln“. Rausch und Trauer im Werk Ingeborg Bachmanns, in : Katharina Manojlovic und Kerstin Putz (Hrsg.), <em>Im Rausch des Schreibens. Von Musil bis Bachmann</em> (= Profile, Bd. 24), Wien: Paul Zsolnay Verlag, S. 13-27. </p>
<p><strong>Literatur: </strong><br />Bachmann, Ingeborg (2005): <em>Kritische Schriften</em>, hg. v. Monika Albrecht u. Dirk Göttsche, unter Leitung v. Robert Pichl. München, Zürich: Piper. <br /> </p>
<p>Bachmann, Ingeborg (1995): <em>„Todesarten“-Projekt. Kritische Ausgabe</em>. Bd. 1–4, hg. v. Monika Albrecht u. Dirk Göttsche, unter Leitung v. Robert Pichl. München, Zürich: Piper. </p>
<p>Bachmann, Ingeborg (2000): <em>Ich weiß keine bessere Welt. Unveröffentlichte Gedichte</em>, hg. v. Isolde Moser, Heinz Bachmann u. Christian Moser. München, Zürich: Piper. </p>
<p>Bachmann, Ingeborg / Celan, Paul (2009): <em>Herzzeit. Der Briefwechsel. Mit den Briefwechseln zwischen Paul Celan und Max Frisch sowie zwischen Ingeborg Bachmann und Gisèle Celan-Lestrange</em>, hg. u. komm. v. Bertrand Badiou, Hans Höller, Andrea Stoll u. Barbara Wiedemann. Frankfurt am Main: Suhrkamp Taschenbuch.</p>]]></content:encoded>
					</item>
				
					<item>
						<guid isPermaLink="false">news-206</guid>
						<pubDate>Thu, 01 Jun 2017 08:09:00 +0200</pubDate>
						<title>Der Indianer auf dem Himmelsglobus</title>
						<link>http://www.onb.ac.at/forschung/forschungsblog/artikel/news/der-indianer-auf-dem-himmelsglobus/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;cHash=7d044938e181ce1b1b1a6b381dccbdd2</link>
						<description>Die Sternkonstellation „Indus“ erinnert in den ersten Darstellungen an Abbildungen asiatischer Ethnien und sollte erst viel später mit dem charakteristischen indianischen Federschmuck die Neue Welt ­­symbolisieren.</description>
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						<content:encoded><![CDATA[<h5>Ein Sternbild wandert von der Alten in die Neue Welt. Die südpolare Sternkonstellation des „Indus“ erinnert in den ersten Darstellungen an Abbildungen asiatischer Ethnien und sollte erst viel später mit dem charakteristischen indianischen Federschmuck die Neue Welt Amerika symbolisieren.</h5>
<p><em>Autor: Jan Mokre</em>&nbsp;</p>
<p>Erd- und Himmelsgloben sind seit der Antike bekannte dreidimensionale kartographische Ausdrucksformen, Modelle der Erdkugel und der diese scheinbar umgebenden Himmelssphäre. In der Frühen Neuzeit entwickelten sich Globen speziell zu Repräsentationen des sogenannten Zeitalters der Entdeckungen. Ihre Bildwelten und die auf ihnen wiedergegebenen, teilweise umfangreichen Texte repräsentieren gesellschaftlich relevante Erzähl- und Erinnerungsräume, auch und insbesondere in Bezug auf das sogenannte Zeitalter der Entdeckungen und die europäische Expansion nach Übersee. Sich mit Karten und Globen – so wie mit aus den Neuen Welten stammenden Objekten – zu umgeben, wurde eine Mode gesellschaftlicher Eliten.</p>
<p>Himmelsgloben sind kugelförmige Modelle des die Erde scheinbar umgebenden Firmaments, die mit einem Kartenbild versehen sind. Dieses Kartenbild weist neben den Positionen der Himmelskörper und astronomischer Phänomene sowie den wichtigsten kartographischen Elementen, wie zum Beispiel zwei Koordinatensysteme (Ekliptikalsystem und Äquatorialsystem), seit dem Altertum bildliche Darstellungen auf, die nahe beieinander positionierte Sterne zu Sternbildern zusammenfassen und figurativ wiedergeben. Diese bebilderten Himmelsgloben stellen sphärische Projektionsflächen dar, die ihre Betrachter einerseits mit der sie umgebenden Natur und andererseits mit ihrer Kultur verbinden (Fesl 2013: 74). Der Kanon der Sternbilder wurde im Laufe der Jahrhunderte verändert – alte Konstellationen verschwanden, neue wurden eingeführt – und ihre bildlichen Darstellungen unterlagen einem stilistischen Wandel.</p>
<p>Seit der Frühen Neuzeit finden sich auf Himmelsgloben Bezüge zum Zeitalter der Entdeckungen und zur europäischen Expansion. Durch italienische, englische, spanische und portugiesische Seeleute gelangten im 15. und 16. Jahrhundert erste Informationen über südpolare Sterne nach Europa, die zuvor auf den nördlichen Breiten nicht gesehen werden konnten und daher auch nicht bekannt waren (Dekker 1987b: 211-230, 212). Diese wurden nun zu zwölf neuen Sternkonstellationen zusammengefasst, benannt und visualisiert. Die Mehrzahl dieser südpolaren Sternbilder trägt, ihre Entstehungszeit repräsentierend, Bezeichnungen, die im Zusammenhang mit den europäischen Seefahrten nach Übersee stehen.</p>
<p>Eine erste Veröffentlichung erfolgte auf einem Himmelsglobus, den der niederländische Astronom, Geograph und Kartograph Petrus Plancius (1552–1622) 1597/1598 gemeinsam mit dem flämischen Kartographen und Verleger Jodocus Hondius d.Ä. (1563–1612) anfertigte (Dekker 1987a: 439-470, 441; Van der Krogt 1991: 154). In diesem speziellen Fall war der Globus das erste Medium mittels dessen neue wissenschaftliche Erkenntnisse und deren intellektuelle Verarbeitung publiziert wurden. </p>
<p>Mit ihren Bezügen auf die europäische Expansion nach Übersee, speziell nach Südostasien und Amerika, eröffneten die neuen Sternbilder – im Vergleich zu den alten Konstellationen – neue Erzähl- und Erinnerungsebenen. Während die klassischen Sternbilder antike Mythen repräsentieren, in denen die Figuren von den Göttern an den Himmel versetzt wurden (auf dem Globus wird also der ‚tatsächliche‘ Himmel bildlich wiedergegeben), beziehen sich die neuzeitlichen Sternbilder auf Ereignisse und Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit – vollkommen losgelöst vom Himmel als dem die Erde umgebenden Raum.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/22_KAR_Mokre_Indianer/21_glob01_b.jpg"><img src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/a/d/csm_21_glob01_9bd80bb311.jpg" width="300" height="180" alt="" style="" /></a><br /><em>Abb. 1: Das Sternbild des Indianers mit Federschmuck taucht erst in der 1. Hälfte des 18. Jahrhundert auf Sternkarten und Himmelsgloben auf (Detail aus Doppelmayr, Johann Gabriel: Globi Coelestis in Tabulas Planas redacti Pars VI.- Nürnberg, Homann nach 1730).&nbsp;</em></p>
<p>Eines der neuen Sternbilder war der ‚Indianer‘ (Indus). Dieser symbolisiert, den gängigen Sternbildverzeichnissen zufolge, die Neue Welt – also Amerika (Allen 1963; Warner 1979: xii u.a.). Dabei scheint es sich jedoch um eine Fehlinterpretation zu handeln. Zwar wird der Indianer auf Himmelskarten und -globen oft mit einem Amerika symbolisierenden, charakteristischen Federschmuck wiedergegeben, nicht jedoch auf den frühesten bildlichen Darstellungen des Sternbilds. Auf dem 1597/1598 von Plancius und Hondius geschaffenen Himmelsglobus ähnelt der „Indus“ sehr stark dem Abbild eines Einheimischen Madagaskars aus dem 1598 publizierten, illustrierten Bericht von der ersten niederländischen Handelsexpedition nach Ostasien (Lodewijcksz 1598: 6r). &nbsp;Und die von der Plancius/Hondius-Version verschiedene Figur auf dem 1602 veröffentlichten Himmelsglobus von Willem Janszoon Blaeu sieht mit ihrer charakteristischen Haartracht den Männern aus Cochin (an der Westküste Südindiens) in der illustrierten Reisebeschreibung des Balthasar Springer,[1] den Bewohnern von Gilolo (Halmahera) auf den Molukken, bildlich wiedergegeben im <em>Album di desegni indiani</em> in der Biblioteca Casanatense in Rom (Massing 2007: 39-43, 108f)[2] und auch den Bewohnern der Westküste Indiens (Goa und Cochin) im illustrierten Bericht des Jan Huygen van Linschoten („Itinerario“, 1596) über seinen mehrjährigen Aufenthalt in Portugiesisch Indien (Linschoten 1596) [3] wesentlich ähnlicher als zeitgenössischen Darstellungen amerikanischer Indianer (Sloan 2007).</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/22_KAR_Mokre_Indianer/21_glob02_b.jpg"><img src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/b/2/csm_21_glob02_5cab3bb91c.jpg" width="300" height="428" alt="" style="" /></a><br /><em>Abb. 2: Der Mann aus Cochin (Südindien) diente als Vorlage für das Sternbild des „Indus“ auf frühen Himmelsgloben (Burgkmaier d. Ä., Hans: India Maior. In: Balthasar Springer, Die Merfahrt … - Oppenheim 1509).</em></p>
<p>Das deutet darauf hin, dass sowohl Plancius und Hondius als auch Blaeu auf ihren Himmelsgloben einen Madagassen bzw. einen Inder, nicht aber einen amerikanischen Indianer, darstellten. [4]</p>
<hr />
<p>Über den Autor: Mag. Jan Mokre ist Direktor der Kartensammlung und des Globenmuseums der Österreichischen Nationalbibliothek.</p>
<hr />
<p>Literatur: </p>
<p>Allen, Richard Hinckley (1963): <em>Star Names. </em><em>Their Lore and Meaning</em>, New York: Dover Publications [erstmals 1899 unter dem Titel “Star-Names and Their Meanings” veröffentlicht]</p>
<p>Elly Dekker (1987a): Early Explorations of the Southern Celestial Sky, in: <em>Annals of Science</em> 44</p>
<p>Elly Dekker (1987b): On the Dispersal of Knowledge of the Southern Celestial Sky, in: <em>Der Globusfreund</em>. <em>Wissenschaftliche Zeitschrift für Globen- und Instrumentenkunde</em> 35-37, 1987</p>
<p>Fesl, Teresa (2013) : <em>Die Ordnungen des Himmelsraums. Analyse der Raumstrukturen des globus coelestis anhand der beiden Himmelsgloben Amanzio Moroncellis (1713) und Johann Gabriel Doppelmayrs (1730)</em>, Universität Leipzig, Masterarbeit</p>
<p>Linschoten, Jan Huygen van (1596): <em>Itinerario. Voyage ofte Schipvaert van Jan Huygen van Linschoten near Oost ofte Portugaels Indien</em> …, Amsterdam, mehrere Kupferstiche ohne Paginierung. Vgl. auch die Darstellung „The King of Cochin“ auf dem Titelblatt der englischen Ausgabe Linschoten, Iohn Hvighen van(1598): <em>His Discours of Voyages into ye Easte &amp; West Indies</em> …, London: John Wolfe.</p>
<p>Lodewijcksz, Willem (1598): <em>Descriptio itineris navalis in Indiam orientalem earumque, rerum qua navibus Battavis occurerunt</em> […], Amsterdam: Cornelius Nicolaus</p>
<p>Massing, Jean Michel (2007): From Moluccas to Kunstkammer. Ethnographic Collecting from the 16th to the Early 18th Century, in: Jay A. Levenson (Hg.), <em>Encompassing the Globe. Portugal and the World in the 16th &amp; 17th Centuries. Essays</em>, Washington, DC: Arthur M. Sackler Gallery, Smithsonian Institution </p>
<p>Sloan, Kim (2007): <em>A New World. England’s first view of America</em>, London: British Museum Press</p>
<p>Van der Krogt, Peter (1993): <em>Globi Neerlandici</em>. <em>The Production of Globes in the Low Countries</em>, Utrecht </p>
<p>Warner, Deborah (1979): <em>The Sky Explored. Celestial Cartography 1500-1800</em>, New York: Liss</p>
<hr />
<p>[1] Bildzyklus mit Text und Holzschnitten von Hans Burgkmair d.Ä. 1508, 2. Auflage 1511, ausführlicher veröffentlicht als Buch: Springer, Balthasar (1509): <em>Die Merfart und erfarung nüwer Schiffung vnd Wege zu viln onerkanten Inseln vnd Kunigreichen</em> …, s.l. [Oppenheim]: Jakob Köbel, mit Illustrationen nach Hans Burgkmair d. Ä., sowie von Hans Burgkmair d. Ä. in Holz geschnitten als Teil des Triumphzugs Kaiser Maximilian I. mit dem Titel „kalikutisch leut“, erstmalig gedruckt 1526. Diese Holzschnitte dienten als Vorlagen für zahlreiche weitere bildliche Darstellungen süd- und südostasiatischer Völker im 16. Jahrhundert.</p>
<p>[2]&nbsp;Der in der Mitte des 16. Jahrhunderts entstandene Bildzyklus ist auch bekannt als Codex Casanatense.</p>
<p>[3] Mehrere Kupferstiche ohne Paginierung. Vgl. auch die Darstellung „The King of Cochin“ auf dem Titelblatt der englischen Ausgabe Linschoten, Iohn Hvighen van(1598): <em>His Discours of Voyages into ye Easte &amp; West Indies</em> …, London: John Wolfe. </p>
<p>[4] Die auf den Globen verwendeten Termini bezeichnen in Niederländisch (Indiaen) wie auch in Latein (Indus) jeweils sowohl einen asiatischen Inder als auch einen amerikanischen Indianer.</p>]]></content:encoded>
					</item>
				
					<item>
						<guid isPermaLink="false">news-205</guid>
						<pubDate>Thu, 18 May 2017 10:49:00 +0200</pubDate>
						<title>Restaurierung des „Kommentars zu den Briefen des Paulus“ aus dem 15. Jahrhundert</title>
						<link>http://www.onb.ac.at/forschung/forschungsblog/artikel/news/restaurierung-des-kommentars-zu-den-briefen-des-paulus-aus-dem-15-jahrhundert/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;cHash=e76ede7d41cdbb5ca648719c30dbba47</link>
						<description>Ein Einblicke in die sensible Restaurierung älterer kostbarer Druckwerke am Beispiel einer Inkunabel aus 1478.</description>
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						<content:encoded><![CDATA[<h5>Der Beitrag gibt am Beispiel einer Inkunabel Einblicke in die komplexe Restaurierung älterer Druckwerke. Der vorliegende Kommentar zu den Paulusbriefen wurde 1478 in Mantua gedruckt. Das Hauptaugenmerk bei der Restaurierung lag auf dem stark beschädigten Pergamenteinband.</h5>
<p><em>Autorin: Birgit Speta</em></p>
<p><strong>Objektbeschreibung</strong></p>
<p>Die „<em>Postilla super Epistolas Pauli</em>“ , ein Kommentar zu den Briefen des Apostel Paulus, wurde von Nicolaus de Lyra verfasst und 1478 von Paul von Butzbach in Mantua gedruckt. Der Autor wurde zwischen 1270 und 1275 in der Normandie geboren und starb 1349 in Paris. Er war einer der führenden franziskanischen Theologen und einflussreichsten christlichen Exegeten seiner Zeit. Nicolaus de Lyra erwarb sich einen herausragenden Ruf als Lehrer an der Pariser Universität und hatte &nbsp;geleichzeitig hohe Ämter im Franziskanerorden inne. 1330 trat er jedoch von diesen Ämtern zurück, um sich ganz dem Schreiben widmen zu können. Sein Hauptwerk ist der überhaupt erste gedruckte&nbsp; (Inkunabel-) Bibelkommentar. (Ruh 1987) Das Wort „Inkunabel“ leitet sich vom lateinischen “in cuna” ab &nbsp;und bedeutet so viel wie “in der Wiege liegend“. Damit werden in übertragenem Sinn die ersten Drucke bezeichnet, die seit der Erfindung des Buchdruckes durch Gutenberg in den 1450er Jahren bis 1500 entstanden.</p>
<p>Von der vorliegenden Ausgabe der „Postilla super Epistolas Pauli“ sind derzeit nur 57 Exemplare in öffentlichen Einrichtungen bekannt (vgl. GW).</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3437&amp;md5=946e095d5a7cfec0cb702b4771381f47a61c3d9c&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img width="300" height="396" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/b/0/csm_Blog_Ink_2_e516660575.jpg" style="" alt="" /></a><br /><em>Abbildung: erste Druckseite</em></p>
<p>Viele der frühen gedruckten theologischen Kommentare sind<span style="font-size:11.0pt; line-height:115%; font-family:&quot;Calibri&quot;,&quot;sans-serif&quot;"> –</span> wie auch der vorliegende Band<span style="font-size:11.0pt; line-height:115%; font-family:&quot;Calibri&quot;,&quot;sans-serif&quot;"> – </span>nicht für Repräsentationszwecke ausgestattet, sondern in der Wissenschaftssprache Latein an ein theologisch gebildetes Fachpublikum gerichtet. Die Textseiten bestehen aus zwei lesefreundlich eingerichteten Spalten, die Gliederung in Kapitel ist in der Kopfzeile angeführt. Es gibt noch keine gedruckte Zählung der 183 Blätter und kein Titelblatt. Im Druck freigelassene Stellen am Beginn einzelner Textabschnitte zeigen, dass später ein Buchschmuck mit Initialen individuell oder von der Hand eines Buchmalers eingesetzt werden sollte. Auch die Einbände der einzelnen Exemplare einer Ausgabe wurden üblicherweise erst von den Käufern veranlasst.</p>
<p>Das Exemplar aus der Sammlung von Handschriften und alten Drucken der Österreichischen Nationalbibliothek weist einen Pergamenteinband auf. Als Überzugsmaterial diente die Doppelseite einer nicht mehr benötigten Handschrift. Die Lagen aus Papier wurden auf drei lederne Doppelbünde und zwei Kapitalbünde geheftet. Die Kapitale sind aus Hanfkordeln gefertigt, die mit Lederstreifen umwickelt sind.</p>
<p><strong>Zustandsbeschreibung</strong></p>
<p>Der Pergamenteinband war stark beschädigt. Das Pergament hatte mehrere Fehlstellen am Rücken und es war in diesen Bereichen zum Teil eingerissen und stark geknickt. Bei jeder Benutzung des Bandes bestand die Gefahr von weiterer Beschädigung und Materialverlust. Auch an den Buchdeckeln gab es einige kleinere Fehlstellen im Pergament.</p>
<p>Das untere Kapital war vollständig verloren gegangen<em>.</em> Bei dem oberen Kapital waren die Fäden mehrfach gerissen und die Fadenumwicklung hatte sich zum Teil stark gelockert.</p>
<p>Die ersten und letzten Seiten des Buchblockes waren stark verschmutzt und zum Teil leicht eingerissen. Ansonsten war der Buchblock in gutem Zustand.</p>
<p>Bei der Restaurierung von Einbänden steht der Restaurator immer wieder vor der Frage, ob Fehlstellen mit demselben Material oder mit einem andern, für den funktionalen Anspruch aber besser geeigneten, natürlichen Material ergänzt werden sollen. Diese Frage stellte sich auch in diesem Fall. Pergament ist unter den richtigen klimatischen Bedingungen zwar ein sehr haltbares Material, jedoch ist es durch seine weitgehend fehlende Flexibilität nicht immer das geeignete Material für Ergänzungen im Bereich der Gelenke, wo es der größten mechanischen Beanspruchung ausgesetzt ist.</p>
<p>Aus diesem Grund wurde in diesem Fall entschieden, die Fehlstellen mit Japanpapier zu ergänzen. Dies ist ein aus Naturfasern hergestelltes Papier, das auf Grund seiner langen Fasern im Verhältnis zu seiner Stärke eine sehr hohe Reißfestigkeit aufweist.</p>
<p><strong>Restaurierungsmaßnahmen</strong></p>
<p>Die Fäden des oberen Kapitals wurden wieder straff gewickelt und lose Enden mit Weizenstärkekleister fixiert. Das fehlende Kapital wurde nachgestochen. Dafür wurde eine Hanfkordel mit einem Streifen Kalbsleder umwickelt, welcher mit Weizenstärkekleister verklebt wurde. Mit einem Flachsgarn wurde darüber ein Grundkapital gestochen, das in jede dritte Lage tiefgestochen wurde. Die am Rücken noch vorhandenen Fadenfragmente des Originalkapitals wurden belassen.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3434&amp;md5=af1a8b3db8a2938fe452e6ecb789ba4f9704734b&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img width="299" height="154" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/9/f/csm_bild3_4_21819ac999.jpg" style="" alt="" /></a><br /><em>Links: beschädigtes Kapital; rechts: gesichertes Kapital</em></p>
<p>Die ersten und letzten Seiten im Buchblock wurden trocken gereinigt und Risse mit dünnem Japanpapier und Weizenstärkekleister verklebt. Da der Buchrücken hohl – nicht mit dem Buchblock verklebt - gearbeitet ist, wurden die Fehlstellen zwischen den Bünden zunächst mit einer Hülse aus Japanpapier unterlegt. Darauf wurden leicht überlappend zwei Schichten Japanpapier in der Größe der Fehlstellen verklebt. Danach wurde das Originalpergament niedergeklebt. Zum Schutz der Fehlstellenkanten und um eine ähnliche Materialstärke zu erzielen, wurden leicht überlappend über die Fehlstellenränder noch zwei Schichten Japanpapier gesetzt. Für die zweite Schicht wurde dabei ein auf den mittleren Farbton des Pergaments eingefärbtes Japanpapier verwendet.</p>
<p>Nach der Restaurierung kann die Inkunabel bei sorgfältiger Handhabung wieder unbeschadet geöffnet und benützt werden.</p>
<p>Die hier geschilderte Arbeit war Teil eines laufenden Projektes der Restaurierung stark beschädigter Inkunabeln der Sammlung von Handschriften und alten Drucken.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3433&amp;md5=ebeda7967d5a69206fce95f4ab9ac3f90eef6fe3&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img width="300" height="101" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/0/d/csm_bild1_6_e6676ed774.jpg" style="" alt="" /></a><br /><em>Links: Zustand vor der Restaurierung; rechts: Zustand nach der Restaurierung</em></p>
<hr />
<p><em>Zur Autorin:&nbsp;Mag. Birgit Speta ist Mitarbeiterin am Institut für Restaurierung der Österreichischen Nationalbibliothek</em></p>
<hr />
<p>Literatur</p>
<p>Ruh, Kurt (1987) : <em>Die deutsche Literatur des Mittelalters: Verfasserlexikon</em>. &nbsp;Stammler, Wolfgang (Begr.), Ruh, Kurt (Hrsg.); Langosch, Karl (Bearb.); Bd. 6, 2. Auflage, &nbsp;Berlin: de Gruyter</p>
<p><em>Gesamtkatalog der Wiegendrucke</em> (GW) : M26553 <a href="http://dir=NICOLYR" title="Opens external link in new window" target="_blank">»&nbsp;</a><a href="http://dir=NICOLYR" title="Opens external link in new window" target="_blank">Nicolaus de Lyra</a>: Postilla super epistolas Pauli. Mantua: Paul von Butzbach, 28.IV.1478.&nbsp;2°</p>]]></content:encoded>
					</item>
				
					<item>
						<guid isPermaLink="false">news-186</guid>
						<pubDate>Thu, 04 May 2017 11:09:00 +0200</pubDate>
						<title>“Immer leiser wird mein Schlummer” </title>
						<link>http://www.onb.ac.at/forschung/forschungsblog/artikel/news/immer-leiser-wird-mein-schlummer/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;cHash=0f3044fbfdcb26565205025c48e3e733</link>
						<description>During the last three years over 500.000 sound recordings and audio related objects were made available through the online collection Europeana. The Austrian National Library acted as a content provider and contributed 1691 copies of musical manuscripts of its music department by composers from the 17th to the 19th century.</description>
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						<content:encoded><![CDATA[<h5>The Europeana Sounds project comes to an end, but is not over</h5>
<p><em>Author: Zea Frana</em></p>
<p>For the last three years the Austrian National Library took part in the&nbsp;<a href="http://www.europeanasounds.eu/" target="_blank">» Europeana Sounds Project</a>, which aimed at bringing “<em>Europe’s sound heritage at your fingertips</em>” to everyone. Co-funded by the European Commission the project started in February 2014 and lasted until the end of January 2017. </p>
<p>The explicit goal was to make available over 500.000 sound recordings and 200.000 audio related objects along with their metadata through the online collection <a href="http://www.europeana.eu/portal/de/search?f%5BPROVIDER%5D%5B%5D=Europeana+Sounds&amp;locale=de&amp;q=" target="_blank">» Europeana</a>. </p>
<p><strong><link file:3194 - - "Opens internal link in current window"></link><br /></strong><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/20_HADB_Frana_Europeana_Sounds/Europeana-Sounds-Postcard_b.jpg"><img width="300" height="213" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/3/d/csm_Europeana-Sounds-Postcard_635aa93e94.jpg" style="" alt="" /></a><br /><em>Image 1: Europeana Sounds Project Postcard</em></p>
<p>The selected sound recordings ranged from classical to traditional or folk music, to sound effects, to various environmental or wildlife sounds, to languages, accents and dialects and to oral narratives and recollections. The audio related material embraced sheet music, music manuscripts, correspondences and documents of composers, playbills, videos and pictures. &nbsp;</p>
<p>24 partners from 12 European countries worked hard to accomplish this goal. The partners comprised for instance libraries, research and science centres and sound archives.</p>
<p>Within the Europeana Sounds Project the Austrian National Library acted as a content provider, contributing digital copies of musical manuscripts of its <a href="http://www.onb.ac.at/bibliothek/sammlungen/musik/">» music department</a> by composers from the 17<sup>th</sup> to the 19<sup>th</sup> century. The manuscripts were derived from <a href="http://www.europeanasounds.eu/news/looking-over-the-composers-shoulder" target="_blank">» two different collections</a>. On the one hand – the <em>Tresorsammlung</em> (<em>Safe Inventory</em>), which contains music manuscripts or personal documents of famous composers like Ludwig van Beethoven, <a href="http://www.europeanasounds.eu/news/a-prelude-to-the-first-symphony" target="_blank">» Johannes Brahms</a>, <a href="http://www.europeanasounds.eu/news/witnessing-the-creative-moment" target="_blank">» Anton Bruckner</a>, <a href="http://www.europeanasounds.eu/news/extraordinary-ordinary-by-wolfgang-amadeus-mozart" target="_blank">» Wolfgang Amadeus Mozart</a>, <a href="http://www.europeanasounds.eu/sound-categories/music/was-fur-ein-lied-soll-dir-gesungen-werden-the-songs-of-hugo-wolf" target="_blank">» Hugo Wolf</a> and many more. On the other hand - the <em>Schlafkammerbibliothek</em> (<em>Bibliotheca Cubicularis</em> or <em>Bedroom Library</em>) of emperor <a href="http://www.europeanasounds.eu/news/music-was-my-first-love-leopold-i-and-music" target="_blank">» Leopold I</a>, which reflects musical life at the Austrian imperial court in the baroque period. </p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/20_HADB_Frana_Europeana_Sounds/Brahms_b.jpg"><img width="300" height="237" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/f/8/csm_Brahms_77ce4cc38b.jpg" style="" alt="" /></a><br /><em>Image 2: The beginning of “Immer leiser wird mein Schlummer” – Johannes Brahms Op. 105, No. 2 – arranged for orchestra by Max Reger (<link http://data.onb.ac.at/rec/AL00237833></link></em><a href="http://data.onb.ac.at/rec/AL00237833" target="_blank">» Mus.Hs.19662 Mus</a><em>)</em></p>
<p>This content contains altogether 1691 digital objects which themselves consist of more than 150.000 individual pictures and can now also be seen on <a href="http://www.europeana.eu/portal/de/search?f%5BDATA_PROVIDER%5D%5B%5D=%C3%96sterreichische+Nationalbibliothek+-+Austrian+National+Library&amp;f%5BPROVIDER%5D%5B%5D=Europeana+Sounds&amp;locale=de&amp;q=" target="_blank">» Europeana</a>. </p>
<p>Although the main goal was to make sound recordings and such available online, there were a lot of other things happening during these three years. Europeana Sounds staged various events. It organized two very successful conferences. The first was held at the Bibliothèque nationale de France in October 2015 in Paris and was called “<a href="http://www.europeanasounds.eu/intro" target="_blank">» The future of historic sounds</a>” and the second one was staged at the University of Vilnius in November of 2016 and called “<a href="http://www.europeanasounds.eu/europeana-sounds-conference-2016" target="_blank">» Unlocking sound collections</a>”. Both conferences discussed project relevant themes and presented innovations concerning digitalising sounds. </p>
<p>Furthermore there were the so called (Re)Discovery Events, where five different partners had the opportunity to highlight parts of their collections, in presenting one or several unknown or star items and also arrange a listening of those items. One of those (Re)Discovery Events was held at the Austrian National Library and took place on the 2<sup>nd</sup> of June in the beautiful Palais Mollard. It was called “<a href="http://www.europeanasounds.eu/news/the-rediscovery-event-series-kick-off-in-vienna" target="_blank">» Beethoven trifft Liszt</a>” (Beethoven meets Liszt) presenting music manuscripts by Beethoven and Liszt.</p>
<p><strong><link file:3196 - - "Opens internal link in current window"></link><br /></strong><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/20_HADB_Frana_Europeana_Sounds/ReDiscovery_b.jpg"><img width="300" height="99" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/7/3/csm_ReDiscovery_7543cabc7b.jpg" style="" alt="" /></a><br /><em>Image 3: Impressions of the (Re)Discovery Event “Beethoven meets Liszt” that was staged at the Austrian National Library in June of 2016. (Photos by Angelika Leitner, </em><a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/" target="_blank">» CC BY-NC-SA</a><em>) </em> </p>
<p>Other events included Hack-a-thons, Share-a-thons or Wikipedia Edit-a-thons, in which e.g. sound files were used to enrich Wikipedia articles or were shared on various online platforms like <a href="https://soundcloud.com/europeana" target="_blank">» Soundcloud</a>. &nbsp;</p>
<p>A major innovation within the project was the development of the “<a href="http://www.europeana.eu/portal/de/collections/music" target="_blank">» Music Collections</a>”. It started in 2015 as the Music Channel, switched to the name “Music Collections” and its Beta Version in the beginning of 2016 and was officially released in November of 2016. The Europeana Sounds Project partners have taken turns curating it and introducing different themes to the audience. The Austrian National Library took over in October 2016 and had its focus on <a href="http://www.europeanasounds.eu/news/classical-composers-music-manuscripts-and-correspondence" target="_blank">» music manuscripts</a> and <a href="http://www.europeanasounds.eu/news/opera-as-constant-work-in-progress" target="_blank">» Antonio Salieri</a>.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3208&amp;md5=ef0e2e0a8304fe7c701e1798d4fbacdca22f599e&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/1/4/csm_MusicCollections_b_12474eb67c.jpg" width="300" height="226" alt="" title="" style="" /></a></p>
<p><em>Image 4: <link http://www.europeana.eu/portal/de/collections/music></link></em><a href="http://www.europeana.eu/portal/de/collections/music" target="_blank">» Europeana Music Collections</a> <em>curated by the ANB - Screenshot October 2016</em></p>
<p>Furthermore a Sounds Timeline and digital exhibitions such as the one about “Recording and playing machines through time” were created. The Europeana Radio which was launched by Europeana at the beginning of this year would not have been possible to such an extent without the Europeana Sounds Project.</p>
<p>The technical innovations were numerous and included the enrichment of metadata, most recently through e.g. the music instrument vocabulary <a href="http://www.mimo-db.eu/" target="_blank">» Mimo</a>. This was accomplished through automatic enrichments and also several <a href="http://www.europeanasounds.eu/news/december-crowdsourcing-month-identify-musical-instruments-in-our-recordings" target="_blank">» Crowdsourcing campaigns</a>, which were held in June and December of 2016 and January of 2017. The last campaign was focusing on <a >» tagging music genres</a> on the Europeana Radio.</p>
<p>Now we are looking back on three very exciting years, in which a lot of goals were achieved and the wonderful musical manuscripts of the music department were re-introduced in its digital form on Europeana to a vast online community. </p>
<p>But the work continues - Europeana Sounds is trying to uphold its sustainability with partners continuing curating the Music Collections after the official end of the project and with the <a href="http://www.iasa-web.org/europeana-sounds-task-force" target="_blank">» IASA Europeana Sounds Task force</a>.</p>
<p>So this is not the end! Allez Culture et allons-y!</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr />
<p><em>About the author: Zea Frana was a member of the project team &quot;Europeana Sounds&quot;</em></p>
<hr />
<p>Dates concerning the research project</p><table cellpadding="0" cellspacing="0" border="1" class="contenttable"><tbody> <tr> <td width="151" valign="top" rowspan="1"><strong>Title</strong></td> <td width="463" valign="top" rowspan="1">Europeana Sounds</td> </tr><tr> <td width="151" valign="top"><p><strong>Funding</strong> </p></td> <td width="463" valign="top"> EU Commission</td> </tr> <tr> <td width="151" valign="top"><p><strong>Duration</strong><br /> </p></td> <td width="463" valign="top"><p>February 2014 until January 2017</p></td> </tr> <tr> <td width="151" valign="top"><p><strong>Project management</strong> </p></td> <td width="463" valign="top">British Library</td> </tr> <tr> <td width="151" valign="top"><p><strong>Project partners <br /></strong></p></td> <td width="463" valign="top">The British Library, UK<br />Nederlands Institut voor Beeld en Geluid, NL<br />Kennisland, NL<br />Europeana, NL<br />Nationale Technische Universität Athen, GR<br />Bibliothèque nationale de France, FR<br />Austrian Institute of Technology, AT<br />Net7 Srl, IT<br />We Are What We Do Community Interest Company, UK<br />Centre national de la Recherche scientifique, FR<br />UAB DIZI, LT<br />Deutsche Nationalbibliothek, DE<br />Music Library of Greece of the Friends of Music Society, GR<br />Instituto Centrale per il Catalogo Unico delle bibliotheche italiane, IT<br />Irish Traditional Music Archive, IE<br />The Language Archive at the Max Planck Institute for Psycholinguistics, NL<br />Latvijas Nacionālā bibliotēka, LV<br />Österreichische Mediathek, AT<br />Rundfunk Berlin-Brandenburg, DE<br />Sabhal Mòr Ostaig, UK<br />Statsbiblioteket, DK<br />Faculdade de Ciencias Sociais e Humanas da Universidade Nova de Lisboa, PT<br />Comhaltas Ceoltoiri Eireann, IE</td> </tr> <tr> <td width="151" valign="top"><p><strong>Project team at the ANL</strong> </p></td> <td width="463" valign="top">Mag. Max Kaiser, Mag. Zea Frana</td></tr></tbody></table>]]></content:encoded>
					</item>
				
					<item>
						<guid isPermaLink="false">news-184</guid>
						<pubDate>Thu, 20 Apr 2017 12:47:00 +0200</pubDate>
						<title>Aller Anfang ist schwer...</title>
						<link>http://www.onb.ac.at/forschung/forschungsblog/artikel/news/aller-anfang-ist-schwer/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;cHash=3fdfbfe16197a675350fdcbb5c627964</link>
						<description>Das Projekt Papyri of the Early Arab Period Online beschäftigt sich mit der Mehrsprachigkeit Ägyptens in der Zeit des frühen Islam als Indiz für Sprachwandel, Sprachenwende und den Übergang von Fremd- zur Akzeptanzherrschaft.</description>
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						<content:encoded><![CDATA[<h5>Mehrsprachigkeit und ihre gesellschaftlichen Hintergründe im spätantiken Ägypten.</h5>
<p><em>Autoren:&nbsp;<span style="font-family: Calibri, sans-serif; font-size: 12pt; ">Lucian Reinfandt, Sven Tost</span></em></p>
<p>Seufzend legt der für die Buchhaltung in griechischer Sprache zuständige koptische Schreiber eines mittelägyptischen Steuerbüros sein Schreibgerät zur Seite. Missmutig betrachtet er seine ersten, nur mit großer Mühe unternommenen und auf der Rückseite eines aussortierten alten Briefs festgehaltenen Schreibversuche im Arabischen. Ein muslimischer Amtskollege hatte ihn auf Anordnung des Büroleiters im Schreiben der arabischen Schriftzeichen unterwiesen und ihm zu Übungszwecken den Wortlaut einer an den Inhalt des Briefs auf der Vorderseite anknüpfenden Notiz diktiert. Besagter Kollege war, seinen Kopf hin und her wiegend, noch eine Weile hinter ihm stehen geblieben, bevor er sich letzten Endes mit einem milden Lächeln ab- und dem eigenen Schreibplatz zuwandte. Dem koptischen Schreiber entging diese teils nachsichtige, teils herablassende Geste des Kollegen nicht. Resigniert richtet er seinen Blick zunächst auf diesen, danach wieder auf das vor ihm liegende Blatt. Mit plötzlicher Entschlossenheit dreht er es um 180° und beginnt, mit geübter Hand den noch freien Platz mit griechischen Wörtern auszufüllen, die ihm aus der eigenen Praxis einer Erstellung von Steuerabrechnungen und Registern geläufig sind: Namen von Orten und Personen, aber auch das eine oder andere Versatzstück eines Zahlungstitels. Anschließend wendet er das Blatt und vertieft sich grübelnd in das sorgfältig gestaltete Schriftbild des arabischen Briefs. Gedankenverloren geht er schließlich dazu über, zwischen die Zeilen zu kritzeln. Erst wiederholt er einige der bereits auf der anderen Seite notierten griechischen Personennamen. Doch dann rafft er sich zu einem neuerlichen Schreibversuch im Arabischen auf. Das erhoffte Erfolgserlebnis bleibt freilich auch dieses Mal aus. Unwillig schiebt er das Blatt zur Seite, wo sich bereits einiger Abfall angesammelt hatte.</p>
<p>Ein solches oder ähnliches Szenario könnte rund um die Entstehung jenes zweisprachigen arabisch-griechischen Papyrus vermutet werden, der unter der Signatur A.P. 8386 in den Beständen der Papyrussammlung der Österreichischen Nationalbibliothek geführt wird. </p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3172&amp;md5=0e5652a1449f46a1447c3569bb9e4c693568d07c&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/0/5/csm_mehrsprachigkeit_b_b62c257168.jpg" width="299" height="154" alt="" title="" style="" /></a></p>
<p><em>Links: Arabischer amtlicher Brief. A:&nbsp;P. 8386 rekto, unpubliziert (Mittelägypten 8. Jh. n. Chr.)&nbsp;<br /></em><em>Rechts: Schreibübung, arabisch-griechisch A: P. 8386 verso, unpubliziert (Mittelägypten 8. Jh. n. Chr.)</em></p>
<p>Es handelt es sich um ein etwa um die Mitte des 8. Jahrhunderts n. Chr. geschriebenes Zeugnis, das man wohl bei einer der in den 1880er Jahren unternommenen Grabungen in Mittelägypten, 120 km südlich von Kairo, gefunden hat. Auf der Vorderseite ist das Fragment eines amtlichen Schreibens auf Arabisch überliefert. Die Rückseite enthält hingegen Schreibübungen in griechischer und arabischer Sprache, die offensichtlich von einer anderen Hand stammen und aus einer Wiederverwendung des Schriftträgers herrühren. Dieser zweiten Hand dürften darüber hinaus zwei weitere Zeilen – eine in Griechisch, die andere in Arabisch – zuzuschreiben sein, die zwischen die Zeilen des amtlichen Schreibens auf der Vorderseite, und zwar auffälligerweise in gegenläufiger Richtung zu diesem, eingefügt wurden. Letztgenannte Umstände deuten darauf hin, dass die betreffende Person, bei der es sich möglicherweise um einen Schreibgehilfen der lokalen Steuerverwaltung gehandelt hat, neben Griechisch zumindest auch ein wenig Arabisch schreiben, vielleicht sogar sprechen konnte. Die Zusammenstellung unterschiedlicher Texte, Sprachen und Schriften auf einem einzigen Papyrusblatt führt damit einen besonders interessanten Aspekt vor Augen, nämlich den des Wandels einer Schreibpraxis und einer damit verbundenen neuen Identitätsstiftung am Übergang Ägyptens von einer griechisch-koptischen zu einer mehrheitlich arabisch-muslimischen Gesellschaft.</p>
<p>Obwohl Beschädigungen und Textlücken freilich einige Detailfragen zum Inhalt und Kontext dieses Dokuments offen lassen, eröffnet eine nähere Beschäftigung mit diesem, aber auch anderen mehrsprachigen Zeugnissen einen völlig neuen Zugang zu dieser Art von Quellenmaterial sowie damit verbundenen historischen Fragestellungen. Denn bislang sind Papyri in der Regel nach einzelnen Sprachgruppen, erfasst und von Editoren bearbeitet worden, deren Forschungsinteresse und philologische Kompetenz sich auf eine einzige der in den Papyri auftretenden Sprachen beschränkt hatten. Mehrsprachige Schriftstücke wurden hingegen weitgehend vernachlässigt oder durch Teileditionen, die sich ausschließlich einer der Sprachen widmeten, die anderen jedoch außer Acht ließen, aus ihrem Entstehungszusammenhang gerissen. Dieser Umstand muss umso bedauerlicher erscheinen, als gerade der Sprach- und Schriftgebrauch dieser Textzeugen die mehrsprachige Umwelt ihrer Verfasser widerspiegelt und damit den Eindruck von den Verhältnissen und der Transformation kulturübergreifender Gesellschaften vermittelt.</p>
<p>Diese neue Schwerpunktsetzung könnte sich insofern als gewinnbringend erweisen, als dadurch eine Entdeckung weiterer wertvoller Stücke ermöglicht wird, die in der Vergangenheit wegen ihrer Mehrsprachigkeit voreilig beiseite gelegt worden sind, nicht zuletzt weil eine Edition einzelner Textteile vor dem Hintergrund eines fragmentarischen Zustands für nicht oder kaum lohnend erachtet wurde. Erst die Durchsicht und Aufarbeitung durch ein auf verschiedene Sprachen spezialisiertes Forschungsteam lassen inhaltliche und entstehungsgeschichtliche Bezüge erkennen und die Dokumente in ihren jeweiligen historischen Kontext einordnen. Dadurch wird eine Welt „hybrider“ Identitäten fassbar, wie sie für Umbruchszeiten wie jene der Spätantike in deren Übergang zur islamischen Epoche typisch war. Die Relevanz der daraus resultierenden Erkenntnisse betrifft nicht allein unser Verständnis von Vergangenheit, sie können auch wesentlich zur Sinnstiftung in unserer eigenen Zeit beitragen. Denn die gesellschaftlichen Zustände im spätantiken Ägypten liefern nicht nur empirisches Material für eine Theoretisierung von Schlagworten gegenwärtiger Gesellschaftsdebatten wie Mehrsprachigkeit, Multikulturalität oder Religionszugehörigkeit; unter dem Eindruck politischer Auseinandersetzungen, und zahlreicher Versuche einer Neubegründung kultureller Identitäten, für die in nicht immer angemessener Weise auf Vergangenheit zurückgegriffen wird, ergibt sich ein wichtiges Korrektiv.</p>
<p>Im Rahmen des von der Andrew W. Mellon Foundation (New York) finanzierten und an der Österreichischen Nationalbibliothek angesiedelten Projekts Papyri of the Early Arab Period Online werden über einen Zeitraum von fünf Jahren insgesamt 15.000 bislang unpublizierte Papyri ausgewählt, digitalisiert und katalogisiert. Diese sind während der ersten drei Jahrhunderte arabisch-muslimischer Herrschaft über Ägypten in griechischer, koptischer oder arabischer Sprache geschrieben worden. Das Projekt ist mittlerweile in seine zweite Förderperiode eingetreten, deren Schwerpunktsetzung auf einer Erschließung des Materials an mehrsprachigen Dokumenten liegt, wodurch an die angesprochenen Aspekte angeknüpft wird. Die zwei- und teilweise sogar dreisprachigen Papyri werden nach idealtypischen Kriterien klassifiziert, die den funktionalen Charakter der unterschiedlichen Sprachen, deren Stellung zueinander und das darin manifestierte hierarchische Verhältnis von Ausstellern und Adressaten der Dokumente aufzeigen hilft.</p>
<hr />
<p>Copyright der Abbildungen: Österreichische Nationalbibliothek, Papyrussammlung</p>
<hr />
<p><em>Zu den Autoren: Dr. Lucian Reinfandt und Dr. Sven Tost sind wissenschaftliche Mitarbeiter des beschriebenen Forschungsprojekts</em></p>
<hr />
<p><strong>Daten zum Forschungsprojekt der Österreichischen Nationalbibliothek</strong></p><table cellpadding="0" cellspacing="0" border="1" width="621" class="contenttable"> <tbody><tr> <td width="196" valign="top"><p>Titel</p></td> <td width="426" valign="top"><p>Papyri of the Early Arab Period Online</p></td> </tr> <tr> <td width="196" valign="top"><p>Finanzierung</p></td> <td width="426" valign="top"><p>Andrew W. Mellon Foundation </p></td> </tr> <tr> <td width="196" valign="top"><p>Laufzeit</p></td> <td width="426" valign="top"><p>1. Nov. 2016 – 31. Aug. 2018</p></td> </tr> <tr> <td width="196" valign="top"><p>Projektleitung</p></td> <td width="426" valign="top"><p>Bernhard Palme</p></td> </tr> <tr> <td width="196" valign="top"><p>Projektteam</p></td> <td width="426" valign="top"><p>Sandra Hodecek, Lucian Reinfandt, Sven Tost</p></td> </tr> <tr> <td width="196" valign="top"><p>Projektpartner (außer Österreichische Nationalbibliothek)</p></td> <td width="426" valign="top"><p>Andreas Kaplony (LMU), Petra M. Sijpesteijn (Univ. Leiden)</p></td> </tr> </tbody></table>]]></content:encoded>
					</item>
				
					<item>
						<guid isPermaLink="false">news-209</guid>
						<pubDate>Thu, 13 Apr 2017 11:42:00 +0200</pubDate>
						<title>100-a mortotago de Ludoviko Zamenhof</title>
						<link>http://www.onb.ac.at/forschung/forschungsblog/artikel/news/100-a-mortotago-de-ludoviko-zamenhof/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;cHash=cc99d3e06df2970b290347cc973b849f</link>
						<description>Okaze de la 100-a datreveno de la mortotago de Ludoviko Zamenhof la 14-an de aprilo 2017 la Aŭstria Nacia Biblioteko ciferecigas kaj publikigas sur sia retejo 19 korespondaĵojn kaj pli ol 100 verkojn aperintajn inter 1887 kaj 1930, kiujn Ludoviko Zamenhof verkis, eldonis respektive tradukis.</description>
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						<content:encoded><![CDATA[<h5><strong>Okaze de la 100-a datreveno de la mortotago de Ludoviko Zamenhof la 14-an de aprilo 2017 la Aŭstria Nacia Biblioteko ciferecigas kaj publikigas sur sia retejo 19 korespondaĵojn kaj pli ol 100 verkojn aperintajn inter 1887 kaj 1930, kiujn Ludoviko Zamenhof verkis, eldonis respektive tradukis.&nbsp;</strong></h5>
<p><em>Aŭtoro: Bernhard Tuider</em></p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/19_ESP_Tuider_Ludwik_Zamenhof/Abb_1_b.jpg" title="Initiates file download" class="download"><img src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/d/5/csm_Abb_1_3e41bdd2b3.jpg" width="300" height="415" alt="" style="" /></a><br /><em>Bildo 1: Ludwik Zamenhof, ĉirkaŭ 1900</em></p>
<p>Ludoviko Zamenhof naskiĝis la 15-an de decembro 1859 en Bjalistoko kaj translokiĝis en 1873 kun sia familio al Varsovio. En tiuj multetniaj urboj li spertis jam dum sia infanaĝo, ke lingva diverseco ankaŭ povas kaŭzi miskomprenojn kaj konfliktojn. En letero pri la deveno de Esperanto Ludoviko Zamenhof skribis 1895:</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/19_ESP_Tuider_Ludwik_Zamenhof/Bildo_2_b.jpg" title="Initiates file download" class="download"><img src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/6/1/csm_Bildo_2_f02b5e0914.jpg" width="300" height="463" alt="" style="" /></a><br /><em>Bildo 2:</em><a href="http://data.onb.ac.at/dtl/6553694" title="Opens internal link in current window" target="_blank" class="external-link-new-window"> » Zamenhof, Ludwik (o.J.): Letero pri la deveno de Esperanto. Eltiro el privata letero de L. Zamenhof al N. Borovko. Hranice: Druŝtvo Knihtiskárny</a>.</p>
<p>“Tiu ĉi loko de mia naskiĝo kaj de miaj infanaj jaroj donis la direkton al ĉiuj miaj estontaj celadoj. En Bjelostoko la loĝantaro konsistas el kvar diversaj elementoj: rusoj, poloj, germanoj kaj hebreoj. Ĉiu el tiuj ĉi elementoj parolas apartan lingvon kaj neamike rilatas la aliajn elementojn. En tia urbo pli ol ie la impresema naturo sentas la multepezan malfeliĉon de diverslingveco kaj konvinkiĝas ĉe ĉiu paŝo, ke la diverseco de lingvoj estas la sola, aŭ almenaŭ la ĉefa kaŭzo, kiu disigas la homan familion kaj dividas ĝin en malamikaj partoj.” (<a href="http://archiv.onb.ac.at:1801/view/action/nmets.do?DOCCHOICE=6553694.xml&amp;dvs=1491575503506~542&amp;locale=de_AT&amp;search_terms=&amp;adjacency=&amp;VIEWER_URL=/view/action/nmets.do?&amp;DELIVERY_RULE_ID=1&amp;divType=&amp;usePid1=true&amp;usePid2=true" target="_blank">» Zamenhof o.J.: 3-4</a>)</p>
<p>Sekve li komencis jam kiel junulo ellabori transnacian lingvon kaj publikigis post siaj medicinaj studoj en 1887 la lernolibron “Internacia Lingvo” en la rusa, pola, franca kaj germana. (vidu Korĵenkov 2011: 77-88)</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/19_ESP_Tuider_Ludwik_Zamenhof/Abb_3_b.jpg" title="Initiates file download" class="download"><img src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/a/2/csm_Abb_3_fce02bcb34.jpg" width="300" height="448" alt="" style="" /></a><br /><em>Bildo 3:</em> <a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-buch?aid=100078" target="_blank">» Zamenhof, Ludwik (1887d): Internationale Sprache. Vorrede und vollständiges Lehrbuch. Warschau. Gebethner et Wolff.</a></p>
<p>Surbaze de la Unua Libro ekestis en la 1890-aj jaroj en pluaj aliaj lingvoj Esperanto-lernolibroj, kiuj estis la bazo kaj komenco por <a href="http://www.onb.ac.at/eo/bibliothek/sammlungen/kolekto-por-planlingvoj/digitaj-dokumentoj/libroj/">» kontinua literaturproduktado</a>. La relative rapidan disvastigon de Esperanto ankaŭ subtenis <a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=e3a" target="_blank">» adresaroj</a>&nbsp;– de Ludviko Zamenhof inter 1889 kaj 1909 publikigitaj listoj kun nomoj kaj adresoj de entute ĉirkaŭ 22.000 Esperanto-parolantoj.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/19_ESP_Tuider_Ludwik_Zamenhof/Abb_4_b.jpg"><img src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/7/7/csm_Abb_4_50d3a85e99.jpg" width="300" height="450" alt="" style="" /></a><br /><em>Bildo 4:</em> <a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=e3a&amp;datum=1902&amp;size=45" target="_blank">» Zamenhof, Ludwik (1902): Adresaro de la Esperantistoj. Serio XXII. Novaj Esperantistoj, kiuj aliĝis de 1/14 Januaro 1901 ĝis 1/14 Januaro 1902. Nurnbergo: Wilhelm Tümmel.</a></p>
<p>Krom sia laboro kiel okulkuracisto en Varsovio Ludoviko Zamenhof publikigis multnombrajn verkojn, kiuj nun estas ankaŭ rete atingeblaj: lernolibroj kaj vortaroj, tradukoj kaj prelegoj (precipe ĉe Universalaj Kongresoj de Esperanto) same kiel lingvistikaj kaj filozofiaj tekstoj. Aparte menciinda estas la 1905 publikigita <a href="http://data.onb.ac.at/dtl/5424176" target="_blank">» Fundamento de Esperanto</a>, kvazaŭ bazo respektive sistemdokumento, kiu difinas la eblojn kaj limojn de la lingva evoluo.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/19_ESP_Tuider_Ludwik_Zamenhof/Abb_5_b.jpg"><img src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/e/e/csm_Abb_5_49a8e96f18.jpg" width="300" height="497" alt="" style="" /></a><br /><em>Bildo 5:</em> <a href="http://data.onb.ac.at/dtl/5424176" target="_blank">» Zamenhof, Ludwik (1905): Fundamento de Esperanto. Gramatiko, ekzercaro, universala vortaro. Paris: Hachette.</a></p>
<p>En la Esperantomuzeo de la Aŭstria Nacia Biblioteko vi ne nur ekscias sciindaĵojn pri Ludoviko Zamenhof. Interaktivaj komputiloj, gravaj publicaĵoj, objektoj, afiŝoj kaj arkivaĵoj ilustre prezentas la vastan disvastiĝon kaj multflankan aplikon de la lingvo Esperanto, ekde la publikigo de la Unua Libro ĝis la literaturproduktado kaj la Universalaj Kongresoj en la nuntempo.</p>
<p><a href="https://www.onb.ac.at/eo/bibliothek/sammlungen/kolekto-por-planlingvoj/digitaj-dokumentoj/ludwik-l-zamenhof/" title="Ludwik L. Zamenhof" target="_top" class="external-link-new-window">» Diĝitaj libroj de Ludoviko Zamenhof</a></p>
<p><a href="https://www.onb.ac.at/eo/bibliothek/sammlungen/kolekto-por-planlingvoj/digitaj-dokumentoj/arkivajoj/" title="Arkivaĵoj" target="_top" class="external-link-new-window">» Diĝitaj korespondaĵoj de Ludviko Zamenhof</a></p>
<hr />
<p><strong>Pri la aŭtoro: </strong>Bernhard Tuider estas scienca kunlaboranto en la Kolekto por Planlingvoj de la Aŭstria Nacia Biblioteko.</p>
<hr />
<p><strong>Literaturo</strong></p>
<p>Korĵenkov, Aleksander (2011): Homarano. La vivo, verkoj kaj ideoj de d-ro L.L. Zamenhof. Kaliningrado: Sezonoj.</p>
<p><a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-buch?aid=100082" target="_blank">» Zamenhof, Ludwik (1887a): Meždunarodnyj jazyk. Predislovie i polnyj učebnik. Varšava: Kelter.</a></p>
<p><a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-buch?aid=100016" target="_blank">» Zamenhof, Ludwik (1887b): Język międzynarodowy. Przedmowa i podręcznik kompletny. Warszawa: Kelter.</a></p>
<p><a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-buch?aid=100077" target="_blank">» Zamenhof, Ludwik (1887c): Langue internationale. Préface et manuel complet. Varsovie. Gebethner et Wolff.</a></p>
<p><a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-buch?aid=100078" target="_blank">» Zamenhof, Ludwik (1887d): Internationale Sprache. Vorrede und vollständiges Lehrbuch. Warschau. Gebethner et Wolff.</a></p>
<p><a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=e3a&amp;datum=1902&amp;size=45" target="_blank">» Zamenhof, Ludwik (1902): Adresaro de la Esperantistoj. Serio XXII. Novaj Esperantistoj, kiuj aliĝis de 1/14 Januaro 1901 ĝis 1/14 Januaro 1902. Nurnbergo: Wilhelm Tümmel.</a></p>
<p><a href="http://data.onb.ac.at/dtl/5424176" target="_blank">» Zamenhof, Ludwik (1905): Fundamento de Esperanto. Gramatiko, ekzercaro, universala vortaro. Paris: Hachette.</a></p>
<p><a href="http://archiv.onb.ac.at:1801/view/action/nmets.do?DOCCHOICE=6553694.xml&amp;dvs=1491575503506~542&amp;locale=de_AT&amp;search_terms=&amp;adjacency=&amp;VIEWER_URL=/view/action/nmets.do?&amp;DELIVERY_RULE_ID=1&amp;divType=&amp;usePid1=true&amp;usePid2=true" target="_blank">» Zamenhof, Ludwik (o.J.): Letero pri la deveno de Esperanto.Eltiro el privata letero de L. Zamenhof al N. Borovko. Hranice: Druŝtvo Knihtiskárny.</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>]]></content:encoded>
					</item>
				
					<item>
						<guid isPermaLink="false">news-207</guid>
						<pubDate>Thu, 13 Apr 2017 11:41:00 +0200</pubDate>
						<title>Zum 100. Todestag des Esperanto-Erfinders Ludwik Zamenhof</title>
						<link>http://www.onb.ac.at/forschung/forschungsblog/artikel/news/zum-100-todestag-des-esperanto-erfinders-ludwik-zamenhof/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;cHash=5a277c6f71a3531ce500544f9d3867f2</link>
						<description>Anlässlich des 100. Todestages des Esperanto-Erfinders Ludwik Zamenhof werden 19 Korrespondenzstücke sowie mehr als 100 von ihm verfasste, herausgegebene bzw. übersetzte Werke digitalisiert und auf der Webseite der Österreichischen Nationalbibliothek veröffentlicht.</description>
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						<content:encoded><![CDATA[<h5>Anlässlich des 100. Todestages des Esperanto-Erfinders Ludwik Zamenhof am 14. April 2017 werden 19 Korrespondenzstücke sowie mehr als 100 von ihm verfasste, herausgegebene bzw. übersetzte Werke, die zwischen 1887 und 1930 erschienen sind, digitalisiert und auf der Webseite der Österreichischen Nationalbibliothek veröffentlicht.</h5>
<p><em>Autor:&nbsp;Bernhard Tuider</em></p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/19_ESP_Tuider_Ludwik_Zamenhof/Abb_1_b.jpg"><img width="300" height="415" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/d/5/csm_Abb_1_3e41bdd2b3.jpg" style="" alt="" /></a><br /><em>Abb. 1: Ludwik Zamenhof, um 1900</em></p>
<p>Ludwik Zamenhof wurde am 15. Dezember 1859 in Białystok (Ostpolen) geboren und übersiedelte 1873 mit seiner Familie nach Warschau. In seiner multiethnisch geprägten Geburtsstadt erlebte er schon als Kind, dass Sprachenvielfalt häufig zu sozialen Spannungen und Konflikten führen kann. In einem Brief über den Ursprung des Esperanto schrieb Ludwik Zamenhof (<a href="http://data.onb.ac.at/dtl/6552510" target="_blank">» Zamenhof o.J.: 3-4</a>) 1895:</p>
<p><em>„Dieser mein Geburtsort und Heimatsort in meiner frühen Jugend gab mir die Richtung für alle meine späteren Bestrebungen. Die dortige Bevölkerung besteht aus vier Elementen: Russen, Polen, Deutsche [sic] und Juden. Diese vier Gruppen haben je ihre eigene Sprache und stehen einander feindlich gegenüber. In einer solchen Stadt empfindet eine eindrucksfähige Natur mehr als sonstwo das lastende Unglück der Verschiedensprachigkeit und bei jedem Schritt drängt sich ihr der Gedanke auf, dass die Verschiedenheit der Sprachen der einzige oder wenigstens der Hauptgrund ist, der die menschliche Familie trennt und in feindliche Lager spaltet.“</em></p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/19_ESP_Tuider_Ludwik_Zamenhof/Abb_2_b.jpg"><img width="300" height="415" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/3/6/csm_Abb_2_e5769b8ebe.jpg" style="" alt="" /></a><br /><em>Abb. 2:</em> <a href="http://data.onb.ac.at/dtl/6552510" target="_blank">» Zamenhof, Ludwik (o.J.): Die Entstehung der Sprache Esperanto. Aus einem Privatbrief. Berlin: Möller &amp; Borel.</a></p>
<p>Mit dem Ziel, Sprach- bzw. Kommunikationsbarrieren zu überwinden, begann er deshalb bereits als Jugendlicher eine transnationale Sprache auszuarbeiten und publizierte nach dem Abschluss seines Medizinstudiums unter dem Pseudonym Dr. Esperanto 1887 das Lehrbuch „Internacia Lingvo“ in Russisch, Polnisch, Französisch und Deutsch. (vgl. Korĵenkov 2011: 77-88)</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/19_ESP_Tuider_Ludwik_Zamenhof/Abb_3_b.jpg"><img width="300" height="448" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/a/2/csm_Abb_3_fce02bcb34.jpg" style="" alt="" /></a><br /><em>Abb. 3:</em> <a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-buch?aid=100078" target="_blank">» Zamenhof, Ludwik (1887d): Internationale Sprache. Vorrede und vollständiges Lehrbuch. Warschau. Gebethner et Wolff.</a></p>
<p>Auf der Grundlage des „Unua Libro“, des ersten Esperanto-Buches, sind in den 1890er Jahren in weiteren Sprachen Esperanto-Lehrbücher entstanden, die eine <a href="http://www.onb.ac.at/de/bibliothek/sammlungen/plansprachen/digitale-medien/buecher/">» kontinuierliche Literaturproduktion</a> begründeten. Die relativ rasche Verbreitung der neuen Sprache wurde auch begünstigt durch die &nbsp;<a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=e3a" target="_blank">»adresaroj</a>&nbsp;– von Ludwik Zamenhof zwischen 1889 und 1909 herausgegebene Verzeichnisse mit Namen und Adressen von insgesamt circa 22.000 Esperanto-SprecherInnen.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/19_ESP_Tuider_Ludwik_Zamenhof/Abb_4_b.jpg"><img width="300" height="450" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/7/7/csm_Abb_4_50d3a85e99.jpg" style="" alt="" title="" /></a><br /><em>Abb. 4:</em> <a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=e3a&amp;datum=1902&amp;size=45" target="_blank">» Zamenhof, Ludwik (1902): Adresaro de la Esperantistoj. Serio XXII. Novaj Esperantistoj, kiuj aliĝis de 1/14 Januaro 1901 ĝis 1/14 Januaro 1902. Nurnbergo: Wilhelm Tümmel.</a></p>
<p>Neben seiner Arbeit als Augenarzt in Warschau veröffentlichte Ludwik Zamenhof zahlreiche Werke, die nun auch online zugänglich sind: Lehr- und Wörterbücher, Übersetzungen (Zamenhof übersetzte aus sechs Sprachen ins Esperanto), Vorträge (v.a. Reden auf den Esperanto-Weltkongressen) sowie linguistische und philosophische Texte. Besonders erwähnenswert ist das 1905 veröffentlichte <a href="http://data.onb.ac.at/dtl/5424176" target="_blank">» Fundamento de Esperanto</a>, eine Art Verfassung bzw. Systemurkunde der Sprache, die definiert, welche Weiterentwicklungen zulässig sind.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=3316&amp;md5=e7bb231c9d075b9c32bb859a7b229bf8ba628a67&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/4/a/csm_Abb_5_b_ae20bf9c6b.jpg" width="300" height="497" alt="" style="" title="" /></a><br /><em>Abb. 5</em>: <a href="http://data.onb.ac.at/dtl/5424176" target="_blank">» Zamenhof, Ludwik (1905): Fundamento de Esperanto. Gramatiko, ekzercaro, universala vortaro. Paris: Hachette.</a></p>
<hr />
<p>Digitale Quellen zu Ludwik Zamenhof an der Österreichischen Nationalbibliothek:</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/bibliothek/sammlungen/plansprachen/digitale-medien/ludwik-l-zamenhof/" title="Opens internal link in current window">» Bücher</a></p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/bibliothek/sammlungen/plansprachen/digitale-medien/archivalien/" title="Opens internal link in current window">» Korrespondenzstücke</a></p>
<hr />
<p>Zum Autor: Mag. Bernhard Tuider ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Sammlung für Plansprachen der Österreichischen Nationalbibliothek</p>
<hr />
<p>Literaturverzeichnis</p>
<p>Korĵenkov, Aleksander (2011): Homarano. La vivo, verkoj kaj ideoj de d-ro L.L. Zamenhof. Kaliningrado: Sezonoj.</p>
<p><a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-buch?aid=100082" target="_blank">» Zamenhof, Ludwik (1887a): Meždunarodnyj jazyk. Predislovie i polnyj učebnik. Varšava: Kelter.</a></p>
<p><a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-buch?aid=100016" target="_blank">» Zamenhof, Ludwik (1887b): Język międzynarodowy. Przedmowa i podręcznik kompletny. Warszawa: Kelter.</a></p>
<p><a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-buch?aid=100077" target="_blank">» Zamenhof, Ludwik (1887c): Langue internationale. Préface et manuel complet. Varsovie. Gebethner et Wolff.</a></p>
<p><a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-buch?aid=100078" target="_blank">» Zamenhof, Ludwik (1887d): Internationale Sprache. Vorrede und vollständiges Lehrbuch. Warschau. Gebethner et Wolff.</a>&nbsp;</p>
<p><a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=e3a&amp;datum=1902&amp;size=45" target="_blank">» Zamenhof, Ludwik (1902): Adresaro de la Esperantistoj. Serio XXII. Novaj Esperantistoj, kiuj aliĝis de 1/14 Januaro 1901 ĝis 1/14 Januaro 1902. Nurnbergo: Wilhelm Tümmel.</a></p>
<p><a href="http://data.onb.ac.at/dtl/5424176" target="_blank">» Zamenhof, Ludwik (1905): Fundamento de Esperanto. Gramatiko, ekzercaro, universala vortaro. Paris: Hachette.</a></p>
<p><a href="http://data.onb.ac.at/dtl/6552510" target="_blank">» Zamenhof, Ludwik (o.J.): Die Entstehung der Sprache Esperanto. Aus einem Privatbrief. Berlin: Möller &amp; Borel.</a></p>
<hr />
<p>Tiu artikolo ankaŭ ekzistas<a href="https://www.onb.ac.at/forschung/forschungsblog/artikel/news/100-a-mortotago-de-ludoviko-zamenhof/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;cHash=04db84596b367cbf5d80af2cafdde3be" title="Opens internal link in current window" target="_blank" class="external-link-new-window"> » en Esperanto</a>!</p>]]></content:encoded>
					</item>
				
					<item>
						<guid isPermaLink="false">news-183</guid>
						<pubDate>Thu, 06 Apr 2017 12:04:00 +0200</pubDate>
						<title>„Großmama Berta ist die fabelhafteste Frau die ich kenne.“</title>
						<link>http://www.onb.ac.at/forschung/forschungsblog/artikel/news/grossmama-berta-ist-die-fabelhafteste-frau-die-ich-kenne/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;cHash=6884f7a90db783bc3b3c0652e4525701</link>
						<description>Die Tagebücher Emile Zuckerkandls, des Enkels der bekannten Wiener Salonière Berta Zuckerkandl, sind von 1931 bis 1945/46 fast vollständig und konnten kürzlich vom Literaturarchiv erworben werden.</description>
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						<content:encoded><![CDATA[<p><em>Autorin:&nbsp;Vera Brantl</em></p>
<p>So beschreibt der 14-Jährige Emile seine Großmutter, die bedeutende Journalistin und &nbsp;Salonière Bertha Zuckerkandl, in einem seiner Tagebücher&nbsp;[1]. Diese sind von 1931 bis 1945/46 fast vollständig erhalten geblieben. Als bedeutende kulturhistorische Quellen bilden sie eines der Kernstücke der dritten Sammlung Emile Zuckerkandl, die nun im Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek ihre letzte Heimat gefunden hat.</p>
<p><strong>Bertha Zuckerkandl – die wichtigste Autogrammjägerin im Auftrag ihres Enkels</strong></p>
<p>Für Emile, der den Namen seines Großvaters, des berühmten Anatomen Emil Zuckerkandl (1849-1910) trägt, nimmt seine „Großmama“ eine zentrale Rolle in seinen Tagebüchern und so auch in seinem Leben ein – er liebt, bewundert und respektiert sie sehr. Und für Bertha ist er als einziger Enkel ihr Ein und Alles, ihr ganzer Stolz, kurz ihr „Bubi“. Sie nimmt Emile in die Wiener Staatsoper mit, ins Burgtheater, zu Konzerten und anderen kulturellen Veranstaltungen und weckt durch ihre Kontakte in die Welt der Kunst und Literatur auch seine Sammelleidenschaft. So befinden sich in den Tagebüchern, die besonders anfangs noch akribisch datiert wurden, eingeklebte Opern- und Kinokarten, Programmhefte, Veranstaltungshinweise und vieles mehr. Bereits als 9-Jähriger hält der kleine Emile regelmäßig seine Erlebnisse und kulturellen Erfahrungen fest. Seine Tagebücher sind nicht nur einzigartige Dokumente für die Bildungsgeschichte eines Kindes aus großbürgerlich-jüdischer Familie sondern auch von großer kulturhistorischer Bedeutung.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/17_LIT_Brantl_Zuckerkandl/zuckerkandl01_b.jpg"><img width="300" height="389" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/5/9/csm_zuckerkandl01_e132962e79.jpg" style="" alt="" /></a><br />Abbildung 1: <em>Tagebuch von Emile Zuckerkandl, VI. Band, 1936-1939, Blatt 25vf. (Quelle: Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek, Bertha Zuckerkandl / Sammlung Emile Zuckerkandl 3, Sign.: 438/W24)</em></p>
<p>Neben Größen des künstlerischen und kulturellen Lebens wie Max Reinhardt, Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal oder Gustav Klimt ist auch der kleine Emile Zuckerkandl regelmäßiger (und vermutlich jüngster) Gast in ihrem Salon in der Oppolzergasse 6, in Wien 1. Wie durch zahlreiche Briefe und Tagebucheintragungen dokumentiert ist, entwickelt sich zwischen dem heranwachsenden jungen Mann und der einflussreichen Salonière aus der sogenannten „Zweiten Gesellschaft“, wie das großbürgerliche jüdische Milieu damals genannt wurde (vgl. Klugsberger/Pleyer 2013: 82), im Laufe der Jahre eine echte Freundschaft auf Augenhöhe.</p>
<p><strong>Zwischen Wien, Paris und Algier – Emigration und Flucht</strong></p>
<p>Die Zeitspanne, die durch die Tagebücher dokumentiert ist, reicht von Anfang der 1930er Jahre, der Zeit in Österreich, der Exilzeit in Frankreich bis in die 1940er Jahre, als sich die Familie Zuckerkandl bereits in Nordafrika befand. Eine Zeit geprägt durch Träume und Hoffnungen, Verlust und Angst, schließlich durch immer wiederkehrende schmerzhafte Trennungen und umso glücklichere Wiedersehen. Bereits Jahre vor ihrer Flucht aus Österreich lebte die Familie aufgeteilt zwischen Österreich und Frankreich. Berthas Sohn Fritz war bereits seit 1935 in Paris. Dort versuchte er sich als Wissenschaftler zu etablieren, während seine Frau Gertrude und sein Sohn Emile in Österreich blieben. Sie wohnten im Sanatorium Purkersdorf bei Wien, welches sich im Familienbesitz befand (vgl. Klugsberger/Pleyer 2013: 93). Da sich der Erfolg von Fritz nur bedingt einstellte, war es Bertha, die ihre Schwiegertochter finanziell unterstützte und der es auch durch ihre beharrlichen Bemühungen und zahlreichen Paris-Aufenthalte immer wieder gelang Geschäfte zu lukrieren. So konnte sie ihrem Enkel ermöglichen die Sommermonate mit seiner Mutter in Frankreich zu verbringen, in Paris bei seinem Vater oder aber auch in L‘Aubraie auf dem Anwesen Paul Clemenceaus, dem Ehemann von Berthas Schwester Sophie und Bruder des französischen Ministerpräsidenten Georges Clemenceau. Nicht zuletzt ist es auch dieses Engagement, das ihr Emiles Respekt und Bewunderung sichert. </p>
<p>Emile beschäftigen jedoch nicht nur diese familiären Angelegenheiten, er äußert sich auch immer wieder politisch und bezieht Stellung. So notiert er bereits im Sommer 1936:</p>
<p><em>„Es genügt, daß ich sage, daß ich Jude bin. Und das ist ein schweres Schicksal. Was soll in einer Zeit des ausgearteten Nationalismus und Antisemitismus, in einer Zeit des Sieges der faschistischen Diktatur, in einer Zeit der Mißachtung jedes edlen Sinnes, jeder wahren Kunst, jeder geistigen Arbeit, […] was soll in einer solchen Zeit aus uns werden? ...“</em>[2] </p>
<p>Am 24. März 1938 flohen zunächst Bertha und Emile mit zwei kleinen Koffern nach Paris. Die Flucht markiert auch eine klare Zäsur im Tagebuch, wie man aus den nachträglichen Aufzeichnungen von Emile erfährt. Als die SA in Purkersdorf eine Hausdurchsuchung machte, beschwor Gertrude ihren Sohn, jene Seiten, auf denen er über die Zeit des sogenannten „Anschlusses“ schreibt, zu verbrennen. </p>
<p>Auch die zweite Flucht vor den Nationalsozialisten aus Frankreich im Jahr 1940 gelang der Familie. Zunächst schafften Gertrude und Emile es, den Kontinent per Schiff zu verlassen. Sie kamen nach Casablanca. Dort bestand&nbsp; Emile sogar seine Matura mit Auszeichnung, wie ein Telegramm an seine Großmutter belegt. (vgl. Klugsberger/Pleyer 2013: 67) Bertha kam zunächst nach Bourges, wo sich die Kompanie der ihr Sohn angehörte, gerade in Auflösung befand. Mutter und Sohn gelang die Flucht nur getrennt – doch schließlich schafften es alle vier nach Nordafrika und in Algier waren sie wieder vereint. &nbsp;</p>
<p><strong>Das Tagebuch als Quelle</strong></p>
<p>Insgesamt <a href="http://search.obvsg.at/primo_library/libweb/action/search.do?mode=Basic&amp;vid=ONB&amp;vl(freeText0)=emile%20zuckerkandl%20tagebuch%20438*&amp;fn=search&amp;tab=onb_hanna&amp;" target="_blank">» 27 Tagebücher</a> der <a href="http://search.obvsg.at/primo_library/libweb/action/search.do?mode=Basic&amp;vid=ONB&amp;tab=onb_hanna&amp;&amp;fn=search&amp;vl(freeText0)=B.%20Zuckerkandl%20%2F%20Sammlung%20Emile%20Zuckerkandl%203%20438*" target="_blank">» Sammlung Emile Zuckerkandl 3</a> bereichern den im Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek vorhandenen Nachlass Bertha Zuckerkandls. Es handelt sich bei diesen Lebensdokumenten um besonders sensible Quellen. Zunächst inhaltlich<em>, </em>weil darin subjektive Gedanken und Gefühle eines Heranwachsenden enthalten sind. Besonders interessant ist, dass der 16-Jährige Emile seinen Schreibprozess bereits reflektiert, indem er sich kritisch mit seinen Tagebucheintragungen auseinandersetzt und auch versucht den Schwerpunkt seiner Ausführungen zu verlagern: </p>
<p><em>„Denn ich beginne langsam einzusehen, daß es weniger von Bedeutung ist, was i c h tue sondern, das vor allem wichtig ist was s i c h tut.“</em> [3] </p>
<p>Immer wieder dokumentiert er in seinen Tagebüchern das aktuelle Zeitgeschehen, auch mit dem Hinweis auf künftige Historikergenerationen und generell auf die Nachwelt, unter anderem durch zahlreiche eingeklebte Zeitungsausschnitte. </p>
<p>Aus konservatorischer Sicht bzw. auch in Bezug auf ihre bibliothekarische Aufarbeitung handelt es sich bei den Tagebüchern um sensibles Material, weil sich darin viele lose Briefe sowie auch eingeklebte, eingeheftete bzw. zum Teil auch mit Stecknadeln befestigte Materialien befinden. Diese Objekte zeugen nicht nur von Emiles Sammelleidenschaft, sondern auch von einer besonderen Hingabe, mit der er sich dem Schreiben bzw. Gestalten gewidmet hat. Zahlreiche Briefe, hauptsächlich von seiner heißgeliebten „Großmama“, hat er auch in Kuverts aufbewahrt und ebenfalls in seine Tagebücher integriert. </p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/17_LIT_Brantl_Zuckerkandl/zuckerkandl02_b.jpg"><img width="300" height="213" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/9/f/csm_zuckerkandl02_ae5714a36c.jpg" style="" alt="" /></a><br />Abbildung 2:&nbsp;<em>Tagebuch von Emile Zuckerkandl, Band V.a, Sommer 1936, Blatt 58vf. (Quelle: Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek, Bertha Zuckerkandl / Sammlung Emile Zuckerkandl 3, Sign.:&nbsp; 438/W23)</em></p>
<p>Die Herausforderung bei der Aufarbeitung war es, diese in ihrer individuellen Form, Einzigartigkeit und Einheit so gut wie möglich zu erhalten, gleichzeitig aber so viel Information wie möglich daraus zu filtern und diese zugänglich zu machen. Demgemäß wurden beispielsweise alle Briefe, die sich in den Tagebüchern in eigenen Kuverts oder auch lose befanden, zusätzlich auch als <a href="http://search.obvsg.at/primo_library/libweb/action/search.do?ct=facet&amp;fctN=facet_genre&amp;fctV=Korrespondenz&amp;rfnGrp=2&amp;rfnGrpCounter=2&amp;indx=1&amp;fn=search&amp;vl(1UI0)=contains&amp;dscnt=0&amp;mode=Basic&amp;vid=ONB&amp;tab=onb_hanna&amp;dstmp=1485337069837&amp;frbg=&amp;rfnGrpCounter=1&amp;scp.scps=scope%3A(ONB_aleph_hanna)&amp;tb=t&amp;ct=facet&amp;srt=rank&amp;dum=true&amp;vl(freeText0)=Emile%20Zuckerkandl%20Tagebuch%20438*" target="_blank">» Korrespondenzen</a> katalogisiert. </p>
<hr />
<p><strong>Quelle: </strong></p>
<p>Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek: B. Zuckerkandl / Sammlung Emile Zuckerkandl 3 </p>
<p><strong>Literatur: </strong></p>
<p>Klugsberger, Theresia; Pleyer, Ruth (Hg.) (2013): <em>Berta Zuckerkandl – Flucht! Von Bourges nach Algier im Sommer 1940</em>, Wien: Czernin Verlag.</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr />
<p>[1] Emile Zuckerkandl: Tagebuch, VI. Band, Blatt 1r, Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien, B. Zuckerkandl / Sammlung Emile Zuckerkandl, Sign.: 438/W24</p>
<p>[2] Emile Zuckerkandl: Tagebuch, Sommer 1936, Blatt 61v f., LIT Wien, B. Zuckerkandl / Sammlung Emile Zuckerkandl, Sign.: 438/W23</p>
<p>[3] Tagebuchblatt von Emile Zuckerkandl, 27. September 1938, Blatt 1r , LIT, Wien, B. Zuckerkandl / Sammlung Emile Zuckerkandl, Sign.: 438/W24-Beil.34</p>]]></content:encoded>
					</item>
				
					<item>
						<guid isPermaLink="false">news-174</guid>
						<pubDate>Thu, 23 Mar 2017 09:39:00 +0100</pubDate>
						<title>Bruckner digital</title>
						<link>http://www.onb.ac.at/forschung/forschungsblog/artikel/news/bruckner-digital/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;cHash=6ba12582962e809c304cf3f8b60a8f0a</link>
						<description>Ein Forschungsprojekt der ÖAW befasst sich mit den Kompositionsstudien Anton Bruckners im sog. „Kitzler-Studienbuch“; angewandt werden neue digitale Analysemethode der „Music Encoding Initiative“ (MEI).</description>
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						<content:encoded><![CDATA[<h5>Digitale Musikanalyse mit den XML‐Techniken der Music Encoding Initiative (MEI) am Beispiel der Kompositionsstudien Anton Bruckners</h5>
<p><em>Autor: Thomas &nbsp;Leibnitz</em></p>
<p>Die umfangreiche Bruckner-Sammlung der Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek konnte 2013 durch eine weitere bedeutende Originalhandschrift ergänzt werden, das sogenannte „Kitzler-Studienbuch“, das Bruckners Kompositionsstudien bei dem Linzer Kapellmeister Otto Kitzler im Zeitraum 1861 bis 1863 enthält und damit wichtige Aufschlüsse über sein frühes Schaffen gibt. Die gebundene Handschrift enthält 163 querformatige Blätter verschiedener Größe, die chronologisch geordnet sind und den Zeitraum von Weihnachten 1861 bis zum 10. Juni 1863 umspannen. Die chronologische Ordnung stammt von Bruckner selbst, der den gesamten Band auch eigenhändig durchnummerierte. Enthalten sind Studien zu Schlüssen, Modulationen und verschiedenen Formtypen, der Kopfsatz einer unvollendeten Klaviersonate in g-Moll, die gesamte Partitur des frühen Streichquartetts WAB 111, das Lied „Der Trompeter an der Katzbach“, Vier Fantasien für Klavier, die Instrumentation des 1. Satzes von Beethovens Klaviersonate „Pathétique“, die Orchesterkompositionen „Marsch in d-Moll“ WAB 96, „Drei Orchesterstücke“ WAB 97, Ouvertüre in g-Moll WAB 98 und Skizzen zur Symphonie f-Moll WAB 99. Es handelt sich daher mit einiger Sicherheit um die größte Bruckner-Originalhandschrift, die noch erwerbbar war. Sie befand sich bis zum Ankauf durch die Österreichische Nationalbibliothek in München in Privatbesitz.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/16_MUS_Leibnitz_Bruckner/007_b.jpg"><img width="300" height="248" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/2/8/csm_007_f78f9ab10b.jpg" style="" alt="" /></a><br /><span style="font-size:11.0pt; font-family:&quot;Calibri&quot;,&quot;sans-serif&quot;"><em>Anton Bruckner: Kompositionsstudien („Kitzler-Studienbuch“)</em><br /><br /></span></p>
<p>Was hatte Bruckner bewogen, sich nach dem März 1861, als er von Simon Sechter ein abschließendes Zeugnis über seine musiktheoretischen Studien erhalten hatte, noch einmal einer mehrjährigen Studienphase zu unterziehen? Offensichtlich war er der Meinung, nunmehr zwar über tragfähiges Rüstzeug in Fragen der Musiktheorie und des Kontrapunkts zu verfügen, aber Nachholbedarf in praktischen Fragen des Komponierens zu haben, in den Bereichen der Formenlehre und vor allem der Instrumentation. Er wählte daher einen Lehrer, der aus der Praxis des Musikbetriebs kam, den Linzer Kapellmeister und Cellisten Otto Kitzler (1834-1915). Die Studien bei Kitzler dauerten bis Juli 1863. Kitzler selbst berichtete über den „Studienabschluss“: „<em>... eines Tages fragte er mich: ‚Wann werde ich denn freigesprochen?‘ Auf meine Antwort‚ das könne jeden Tag geschehen, denn er hätte schon seinen Lehrer übertroffen, der ihm nichts mehr lehren könne‘, wollte er dies nicht so einfach geschehen lassen und lud mich und meine Frau zu einer Wagenpartie ein, die uns nach dem reizend am Walde gelegenen Jägerhause von Kirnberg brachte, wo bei fröhlichem Mahle die gewünschte Freisprechung erfolgte</em>.“ Die Tatsache, dass Bruckner das Studienbuch binden ließ und durchnummerierte, zeigt, dass er diesem Dokument seiner letzten Studienphase durchaus Bedeutung zumaß und es zumindest für sich bewahren wollte, wenn er auch die darin enthaltenen Werke großteils als „Schulaufgaben“ ansah, die noch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren.</p>
<p>Zunächst lag der Schwerpunkt auf einfachen Übungen formaler und harmonischer Art. Der Band beginnt mit Schlussaufgaben, danach wird mit Modulationen in verwandte Tonarten fortgesetzt. Zuerst verfasst Bruckner Modulationen und Schlüsse innerhalb einer achttaktigen Periode in zwei viertaktigen Abschnitten. Auf Bl. 8 beginnen Übungen mit zwei verwandten Perioden. Das übliche Schema besteht darin, eine achttaktige Periode mit einer verwandten Periode von gleicher Länge zu kombinieren. Zu Weihnachten 1861 beginnen die Übungen in zweiteiliger und dreiteiliger Liedform, die die folgenden 40 Seiten füllen. Bruckner notiert: „<em>Zwei Perioden, jede zu acht Takten, wovon jede aus einem einzigen Ganzen ohne Wiederholung besteht.“</em></p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/16_MUS_Leibnitz_Bruckner/163_b.jpg"><img width="300" height="245" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/d/c/csm_163_bdcd6dac97.jpg" style="" alt="" /></a><br /><span style="font-size:11.0pt; font-family:&quot;Calibri&quot;,&quot;sans-serif&quot;"><em>Anton Bruckner: Kompositionsstudien („Kitzler-Studienbuch“)</em></span></p>
<p>Von diesen einfachsten Elementen aus arbeitet sich Bruckner zu Aufgaben mit unregelmäßigen Perioden vor. Bald entstehen kleine Werke, die durchaus bereits eine gewisse Selbstständigkeit beanspruchen können: ein Scherzo mit Trio für Streichquartett, Klavieretüden, Themen mit Variationen, ein Rondo. Auf Bl. 79 beginnt Bruckner schließlich mit der Komposition einer Klaviersonate in g-Moll, die jedoch auf den ersten Satz beschränkt bleibt. Vollendet wird das folgende Werk: das Streichquartett in c-Moll, das er am 15. August 1862 mit zwei Rondo-Finale beendet. Bemerkenswert ist, dass im Studienbuch eine Fülle von Formen und Gattungen vertreten ist, deren sich Bruckner später nicht mehr bedienen wird: Variationen, Sonaten, Streichquartett. Auch für das klavierbegleitete Sololied findet sich hier ein Beispiel: „Der Trompeter an der Katzbach“, vollendet am 25. August 1862.</p>
<p>Nachdem Kitzler seinen Schüler neun Monate lang in Formen für Klavier und Streichquartett unterrichtet hatte, führte er ihn in die Welt der Orchesterkomposition ein. Nach einigen Instrumentationsübungen, einschließlich der vollständigen Instrumentierung der Exposition des ersten Satzes von Beethovens Klaviersonate op. 13 („Pathétique“), schreibt Bruckner den „Marsch in d-Moll“ und die kurzen „Drei Orchesterstücke“. Es folgen die Skizzierung der Ouvertüre in g-Moll (die er in einer separaten Handschrift orchestriert) und schließlich das erste Material zur Symphonie f-Moll, auf welche der Psalm 117 folgt. Seine Studien beendet Bruckner am 10. Juli 1863 mit der Anmerkung: „Ouverture – dann Symphonie u. Psalm beschlossen.“</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/16_MUS_Leibnitz_Bruckner/198_b.jpg"><img width="300" height="246" src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/5/0/csm_198_48049f0857.jpg" style="" alt="" /></a><br /><span style="font-size:11.0pt; font-family:&quot;Calibri&quot;,&quot;sans-serif&quot;"><em>Anton Bruckner: Kompositionsstudien („Kitzler-Studienbuch“)</em></span></p>
<p>Zur im „Studienbuch“ beobachtbaren Arbeitsweise Bruckners schreibt Paul Hawkshaw, der sich wie kein anderer mit diesem Dokument befasst hat: „<em>Mit den möglichen Ausnahmen Marsch d-Moll, Drei Orchesterstücke, Ouvertüre g-Moll und Symphonie f-Moll, die er von seinem Lieblingskopisten abschreiben ließ, waren die Kitzler-Übungen nie für öffentliche Aufführungen gedacht. Einige wie beispielweise das Streichquartett sind jedoch so weit vollständig, dass sie aufführbar sind. Aus diesem Grund veranschaulichen sie deutlich die Stufen der Arbeitsweise Bruckners.</em>“ Das Charakteristikum dieser Arbeitsweise liegt im Festlegen der Melodie, danach der Vervollständigung der Bass-Linie, der sich sodann die Komposition der inneren Stimmen anschließt; abschließend erfolgen endgültige Korrekturen einschließlich ausführlicher Ausführungsanweisungen. Hawkshaw: „<em>Die Verfahren, die in diesen Aufgaben angewandt wurden, sind auch in den autographen Partituren vieler vollständiger Kompositionen aus der Linzer Zeit sichtbar.</em>“</p>
<p>Im Mittelpunkt des zweijährigen Projekts (ÖAW: go!digital) steht die Übertragung des kompletten Inhalts des Studienbuches, zuerst mit dem Notensatzprogramm <em>Sibelius</em>, dann nach XML-MEI. Auf Basis der MEI-Daten wird zum einen versucht, eine automatisierte Harmonieerkennung durchzuführen. Zweiter Schwerpunkt ist die Visualisierung von Streichungen, Varianten etc.</p>
<p>Die Ergebnisse werden auf <a href="http://www.bruckner-online.at/" title="Opens external link in new window" target="_blank">» bruckner-online</a>&nbsp;publiziert.</p>
<p>Bei MEI (Music encoding initiative) handelt es sich um eine wissenschaftliche Gemeinschaft zur Codierung von Musiknotation mit wissenschaftlichem Anspruch. MEI wurde bereits bei einer Vielzahl von musikwissenschaftlichen Projekten eingesetzt.</p>
<p>&nbsp;</p><table border="1" cellpadding="0" cellspacing="0" class="contenttable"> <tbody><tr> <td valign="top" width="151"><p><strong>Projekttitel</strong> </p></td> <td valign="top" width="463"><p>Digitale Musikanalyse mit den XML‐Techniken der Music Encoding Initiative (MEI) am Beispiel der Kompositionsstudien Anton Bruckners</p></td> </tr> <tr> <td valign="top" width="151"><p><strong>Finanzierung</strong> </p></td> <td valign="top" width="463"><p>go!digital-Programm, Österreichische Akademie der Wissenschaften</p></td> </tr> <tr> <td valign="top" width="151"><p><strong>Laufzeit</strong> </p></td> <td valign="top" width="463"><p>März 2017 bis Februar 2019</p></td> </tr> <tr> <td valign="top" width="151"><p><strong>Projektleitung</strong> </p></td> <td valign="top" width="463"><p>Robert Klugseder</p></td> </tr> <tr> <td valign="top" width="151"><p><strong>Projektpartner außerhalb der Österreichischen Nationalbibliothek</strong></p></td> <td valign="top" width="463"><p>Österreichische Akademie der Wissenschaften, ZENMEM Detmold-Paderborn, RISM Schweiz (Verovio), Music Encoding Initiative</p></td> </tr> <tr> <td valign="top" width="151"><p><strong>Projektteam</strong> </p></td> <td valign="top" width="463"><p>Paul Gulewycz (und andere)</p></td></tr></tbody></table><p> <br /> </p>]]></content:encoded>
					</item>
				
					<item>
						<guid isPermaLink="false">news-173</guid>
						<pubDate>Fri, 10 Mar 2017 08:31:00 +0100</pubDate>
						<title>„Geehrter, lieber herr professor“</title>
						<link>http://www.onb.ac.at/forschung/forschungsblog/artikel/news/geehrter-lieber-herr-professor/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;cHash=0d27d3adffebf096bcca5b10e8f36464</link>
						<description>Ein vierjähriges Forschungsprojekt beschäftigte sich mit dem Briefwechsel zwischen August Sauer und Bernhard Seuffert, zwei der einflussreichsten Germanisten ihrer Zeit.</description>
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						<content:encoded><![CDATA[<h5>Die Korrespondenz von August Sauer und Bernhard Seuffert als kultur- und wissenschaftsgeschichtliche Quelle</h5>
<p><em>Autorin:&nbsp;Desiree Hebenstreit</em></p>
<p>Der mehr als 1200 Briefe und Karten aus den Jahren zwischen 1880 und 1926 umfassende Briefwechsel zwischen August Sauer (1855–1926) und Bernhard Seuffert (1853–1938) gehört zu den bedeutendsten Germanistenkorrespondenzen des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Auch wenn Seuffert 1884 noch meinte „Geehrter, lieber herr professor, Da haben Sie ganz recht, ausführlich zu schreiben ist nicht meine sache (…)“[1], dokumentiert die über 45 Jahre andauernde Korrespondenz, wie sich aus einer anfänglichen Arbeitsbeziehung zwischen den beiden sehr verschiedenen Gelehrten eine langjährige Freundschaft entwickelte. Sauer und Seuffert zählten in Deutschland und Österreich zu den einflussreichsten Germanisten ihrer Zeit. Ihre Forschungsarbeiten, Publikationen und Projekte leisteten einen wichtigen Beitrag zur Herausbildung und eigenständigen Profilierung der Neueren deutschen Literaturgeschichte innerhalb der Germanistik.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/15_LIT_Fetz_Seuffert/422-1-1_b.jpg" title="Initiates file download" class="download"><img src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/6/c/csm_422_1_1_cb03672f6a.jpg" width="300" height="488" alt="" style="" /></a></p>
<p><strong>Wissenschaftsgeschichtliche Quelle</strong></p>
<p>Das vierjährige Forschungsprojekt zum Briefwechsel zwischen Sauer und Seuffert widmete sich somit einer zentralen wissenschafts- und kulturgeschichtlichen Quelle. Die Korrespondenz informiert über den wissenschaftlichen und beruflichen Werdegang Sauers und Seufferts sowie über ihr akademisches Umfeld, insbesondere an den Universitäten in Würzburg, Lemberg, Graz und Prag. Sie dokumentiert die Zukunftspläne, Forschungsvorhaben, Editionen und Publikationen der beiden Gelehrten, berichtet über die Formen ihrer Zusammenarbeit und wechselseitigen Unterstützung und ist eine ergiebige Quelle für die Herausbildung und Entwicklung wissenschaftlicher Praktiken im Bereich der Neueren deutschen Literaturgeschichte.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/15_LIT_Fetz_Seuffert/422-1-8_b.jpg" title="Initiates file download" class="download"><img src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/a/c/csm_422_1_8_6f3e061345.jpg" width="300" height="488" alt="" style="" /></a></p>
<p><strong>Kulturgeschichtliche Quelle</strong></p>
<p>Eine Quelle stellt die Korrespondenz jedoch nicht allein für die Wissenschaftsgeschichte, sondern auch für eine länderübergreifende Kulturgeschichte dar. Sie informiert über die persönlichen Lebensumstände der Korrespondenten, über Freund- und Feindschaften mit Kollegen, soziale Beziehungen am Universitätsort, über Eheschließung und Nachkommenschaft, über Krankheiten und Reisen.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/15_LIT_Fetz_Seuffert/422_1_69_71_b.jpg" title="Initiates file download" class="download"><img src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/f/c/csm_422_1_69_71_8a0f9de59e.jpg" width="300" height="99" alt="" style="" /></a></p>
<p><strong>Projektziele</strong></p>
<p>Hauptziel des Projekts war die Erarbeitung einer Druckausgabe, die eine Auswahl der wichtigsten Korrespondenzen enthält und durch einen umfangreichen Kommentar sowie ein Personen- und Werkregister erschlossen sind. Der Band mit rund 300 Korrespondenzstücken ist in Vorbereitung und erscheint voraussichtlich 2017. Parallel zur gedruckten Auswahlausgabe wurde eine <a href="http://sauer-seuffert.onb.ac.at/" title="Webplattform" target="_blank" class="external-link-new-window">» Webplattform</a> erarbeitet, die alle Korrespondenzen in Form von Faksimiles und Transkriptionen zugänglich macht. Alle vorhandenen Texte sind dort im Volltext durchsuchbar. Die Personendatenbank ist mit weiteren digital verfügbaren Datenbanken und Quellen verknüpft. Zur Vermittlung der Inhalte wurde außerdem eine Zeitleiste entwickelt, die eine exemplarische Übersicht über das Leben der beiden Korrespondenzpartner bietet sowie ausgewählte Textstellen der Briefe herausgreift und die thematischen Zusammenhänge übersichtlich erläutert.</p>
<p>Daten zum &nbsp;Forschungsprojekt</p><table border="1" cellspacing="0" cellpadding="0" class="contenttable"> <tbody><tr> <td width="151" valign="top"><p><strong>Projekttitel</strong> </p></td> <td width="463" valign="top"><p>Hybrid-Edition des Briefwechsels zwischen August Sauer und Bernhard Seuffert. Ein Beitrag zur Kultur- und Wissenschaftsgeschichte der Germanistik in Österreich und Deutschland (1880-1926)</p></td> </tr> <tr> <td width="151" valign="top"><p><strong>Finanzierung</strong> </p></td> <td width="463" valign="top"><p>FWF, DFG</p></td> </tr> <tr> <td width="151" valign="top"><p><strong>Laufzeit</strong> </p></td> <td width="463" valign="top"><p>2012-2015</p></td> </tr> <tr> <td width="151" valign="top"><p><strong>Projektleitung</strong> </p></td> <td width="463" valign="top"><p>PD Dr. Bernhard Fetz, Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek</p> <p>Professor Hans Harald Müller, Institut für Germanistik der Universität Hamburg&nbsp;</p></td> </tr> <tr> <td width="151" valign="top"><p><strong>Projektpartner außerhalb der Österreichischen Nationalbibliothek</strong></p></td> <td width="463" valign="top"><p>Institut für Germanistik der Universität Hamburg</p></td> </tr> <tr> <td width="151" valign="top"><p><strong>Projektteam</strong> </p></td> <td width="463" valign="top"><p>Dr. Marcel Illetschko (Literaturarchiv, Österreichische Nationalbibliothek)</p> <p>Dr. Desiree Hebenstreit (Literaturarchiv, Österreichische Nationalbibliothek)</p> <p>Dr. Mirko Nottscheid (Universität Hamburg)</p></td> </tr> </tbody></table><hr />
<p>[1] Seuffert, Bernhard an August Sauer, Brief 2. Juni 1884. In: » <a href="http://sauer-seuffert.onb.ac.at/node/8281" title="Briefwechsel Sauer-Seuffert" target="_blank" class="external-link-new-window">Briefwechsel Sauer-Seuffert</a> (Online),&nbsp;abgerufen am 22.11.2016</p>]]></content:encoded>
					</item>
				
					<item>
						<guid isPermaLink="false">news-149</guid>
						<pubDate>Thu, 23 Feb 2017 11:48:00 +0100</pubDate>
						<title>Aufbruch der Frauen</title>
						<link>http://www.onb.ac.at/forschung/forschungsblog/artikel/news/aufbruch-der-frauen/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;cHash=cc5b964c2e975a9128dee5126d6870f1</link>
						<description>Seit Ende des 19. Jahrhunderts expandierte die Frauenbewegungspresse und es entstanden viele Publikationsorgane. Ariadne arbeitet an der Bekannt- und Sichtbarmachung dieser wichtigen Forschungsquellen.</description>
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						<content:encoded><![CDATA[<h5>Historische Frauenbewegungszeitschriften</h5>
<p><em>Autorin: Lydia Jammernegg</em></p>
<p>Seit Ende des 19. Jahrhunderts expandierte die Frauenbewegungspresse und erreichte Anfang des 20. Jahrhunderts eine beachtliche Vielfalt. Sie war ein wichtiges Mittel zur Organisation von Fraueninteressen und diente als Diskussions- und Informationsforum der Konsensbildung, der Schulung und Agitation und der Propaganda. Die Debatten und Themen der Zeit fanden darin ihren Niederschlag und spiegeln sich in ihrer Bandbreite darin wieder. Je nach (partei-)politischer Ausrichtung berichtete die Frauenpresse über verschiedene Thematiken mit unterschiedlichen Gewichtungen und beteiligte sich am Diskurs über die 'Frauenfrage'. Durch die Publikation gegnerischer Stimmen wurde die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Frauenpresse gelenkt. Es wurde über Veranstaltungen, Vereins- und Protestversammlungen informiert. Bekannte Aktivistinnen der nationalen und internationalen Frauenbewegung/en wurden in Frauenzeitschriften, aber auch in populären Zeitungen porträtiert.</p>
<p>Für Österreich gibt es kein Gesamtverzeichnis der historischen Frauenzeitschriften. <a href="https://www.onb.ac.at/forschung/ariadne-frauendokumentation/" title="Opens external link in new window" target="_blank" class="external-link-new-window">» Ariadne</a>, das frauen- und genderspezifische Wissensportal der Österreichischen Nationalbibliothek, arbeitet an der Bekannt- und Sichtbarmachung dieser wichtigen Forschungsquellen – durch die Erstellung von <a href="http://www.onb.ac.at/forschung/ariadne-frauendokumentation/bestandsrecherche/frauenzeitschriften/inhaltsverzeichnisse/">» Inhalts- und Bestandsverzeichnissen historischer Frauenzeitschriften</a> aus eigenem Bestand sowie durch die&nbsp;<a href="http://www.fraueninbewegung.onb.ac.at/Pages/OnlineDokumente.aspx" title="Opens external link in new window" target="_blank" class="external-link-new-window">» Präsentation von Digitalisaten dieser Zeitschriften</a> im Web.[1] Für den Zeitraum bis 1934 sind achtunddreißig wichtige Frauenzeitschriften für den deutschsprachigen Raum der Habsburgermonarchie und Österreich inhaltlich erschlossen. Darüber hinaus sind noch eine sehr große Anzahl an Vereinszeitschriften erschienen, die aber mehr den Charakter von vereinsinternen Mitteilungs- oder Informationsblättern hatten, wohingegen diese achtunddreißig Zeitschriften auch eine über die Frauenbewegung hinausgehende Wahrnehmung in der Öffentlichkeit erfahren haben.</p>
<p>Ulla Wischermann unterteilt die Frauenbewegungspresse in Vereinszeitschriften, Mitteilungsblätter, Berufszeitschriften (beispielsweise für Lehrerinnen oder Dienstbotinnen), Themenzeitschriften, die sich mit bestimmten Forderungen der Frauenbewegung beschäftigen (wie zum Beispiel die „Zeitschrift für Frauenstimmrecht“) und überregionale Bewegungs- und Theoriezeitschriften.[2]</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/13_HABUI_Jammernegg_Frauenzeitschriften/zeitschrift_fuer_frauenstimmrecht_011911.jpg"><img src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/13_HABUI_Jammernegg_Frauenzeitschriften/arbeiterinnen_02.jpg" width="300" height="427" alt="" style="" /></a></p>
<p>Mit den Frauenvereinsgründungen entstanden viele Publikationsorgane – oft schon kurz nach der Gründung. Manche von diesen wurden ebenso schnell wieder eingestellt, andere erschienen über einen längeren Zeitraum, einige wenige über sehr lange Zeitspannen.</p>
<p>Bürgerliche Frauen traten erstmals als Herausgeberinnen, verantwortliche Redakteurinnen und Journalistinnen in der Frauenpresse in Erscheinung und fanden damit eine der wenigen Berufsmöglichkeiten. Als Redakteurinnen oder Publizistinnen veröffentlichten sie oft in einer Vielzahl von Zeitschriften, oft auch über die Frauenpresse hinausgehend, ihre Artikel. Herausgeberinnen bürgerlicher Frauenzeitschriften im österreichischen Raum waren ausschließlich Frauen und prominente Vertreterinnen der bürgerlichen Frauenbewegung: wie Rosa Mayreder, Auguste Fickert, Marie Lang, Marianne Hainisch, usw. Die <a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=abg" target="_blank">» Arbeiterinnen-Zeitung</a>&nbsp;musste gegen Widerstände der Männer erst zu einer eigenständigen, durch Frauen geleiteten Zeitung werden. Nach massiven Forderungen der Frauen am Parteitag 1892 wurde eine Frau, Adelheid Popp, leitende Redakteurin. Herausgeber blieben vorerst weiterhin Männer, ab 1893 übernahmen Frauen auch die Herausgeberinnenschaft: zuerst Viktoria Kofler, dann Maria Krasa u.a.</p>
<p>Vereinsorgane erschienen im Laufe der Zeit unter wechselnden Titeln oder kamen als Fortsetzungen unter neuem Titel heraus. Eine Vereinheitlichung und Normierung im heutigen Sinne war nicht bekannt. Der <a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=flb" target="_blank">» Lehrerinnenwart</a>, 1891 gegründet und eine frühe Frauenzeitschrift der Berufsinteressensvertretung, existierte mit mehreren Titeländerungen – als „Neuzeit“ und „Frauenleben“ – bis 1901.</p>
<p>Im Ersten Weltkrieg gab es bei vielen Zeitungen kriegsbedingte Erscheinungslücken sowie die Folgen von Zensur. Eine Reihe von ihnen wurde auch eingestellt. Die „Arbeiterinnen-Zeitung“ erschien bis 1919 in einer Auflage von 110.000 Exemplaren, musste aber aufgrund starker Einbußen an Leserinnen, unter anderem durch die Abtrennung deutschsprachiger Gebiete der ehemaligen Habsburgermonarchie, die Auflage auf 70.000 Exemplare verkleinern. Anders als die bürgerlichen Frauenvereine hatte sie eine Partei im Hintergrund, wodurch die finanziellen Schwierigkeiten überstanden wurden.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/13_HABUI_Jammernegg_Frauenzeitschriften/arbeiterinnzeitung.jpg" title="Initiates file download" class="download"><img src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/13_HABUI_Jammernegg_Frauenzeitschriften/arbeiterinnen_01.jpg" width="300" height="441" alt="" style="" /></a></p>
<p>Die Zäsur des Ersten Weltkriegs brachte eine Konsolidierung der Zeitschriftenlandschaft mit sich Nur wenige Frauenzeitschriften überdauerten 1918, wie die „Arbeiterinnen-Zeitung“ und das <a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vhh" target="_blank">» Vereinsblatt</a>, die (Berufs)Zeitschrift des <a href="http://www.fraueninbewegung.onb.ac.at/Pages/OrganisationenDetail.aspx?p_iOrganisationID=8675507" target="_blank">» Vereins der Heim- und Hausarbeiterinnen</a>. Wichtige Periodika der bürgerlich-liberalen Frauenbewegung vor 1918, wie <a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=ddf&amp;size=45" target="_blank">» Dokumente der Frauen</a>&nbsp;und <a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=dbd" target="_blank">» Der Bund</a>, waren in der Ersten Republik nicht mehr existent, wohingegen die wichtigste Zeitschrift der proletarischen Frauenbewegung, die „Arbeiterinnen-Zeitung“, kontinuierlich bis zum Verbot aller sozialdemokratischen Organisationsformen 1934 bestand. Sie erschien nach dem Zweiten Weltkrieg weiter unter dem Titel „Die Frau“ und hat damit den längsten Erscheinungszeitraum innerhalb der Frauenbewegungszeitschriften Österreichs.</p>
<p>Frauen hatten unabhängig von der etablierten Presse Vermittlungsorgane geschaffen, in denen eigene Standpunkte publiziert werden konnten, die im öffentlichen Diskurs und der Politik (noch) nicht präsent waren. Die Themen der Frauenbewegung/en wurden teilweise auch in der allgemeinen Presse aufgegriffen und diskutiert. Dadurch konnte auch eine über die Bewegung hinausgehende Öffentlichkeit erreicht werden. </p>
<p>Die historischen Frauenzeitschriften sind ergiebige Quellen für die historische Frauenbewegungsforschung und haben große Relevanz, da sie im Gegensatz zu sonstigen Dokumenten und Beständen, von denen viele in Österreich verloren gingen, in einer Reihe von Bibliotheken und Archiven – unter anderem der Österreichischen Nationalbibliothek – erhalten geblieben sind. </p>
<hr />
<p><strong>Literaturverzeichnis</strong></p>
<p>Bittermann-Wille, Christa und Hofmann-Weinberger, Helga (2001): Historische Frauenzeitschriften, in: Klösch-Melliwa, Helga et al, kolloquiA. Frauenbezogene/feministische Dokumentation und Informationsarbeit in Österreich. Lehr- und Forschungsmaterialien, Wien: Bundesministerium für Bildung, Wiss. u. Kultur, S. 355–384. <a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Ariadne/PDF_Publikationen/historische_frauenzeitschriften_2001.pdf">» Online</a></p>
<p>Bittermann-Wille, Christa und Hofmann-Weinberger, Helga (2000): Von der Zeitschrift „Dokumente der Frauen“ zur Dokumentation von Frauenzeitschriften, in: Medien &amp; Zeit, Jg. 15, Nr. 2, S. 52–62.</p>
<p>Wischermann, Ulla (2003): Frauenbewegungen und Öffentlichkeiten um 1900. Netzwerke – Gegenöffentlichkeiten – Protestinszenierungen, Königstein/Taunus: Helmer.</p>
<hr />
<p>[1] Bisher wurden ca. 160 historische Frauenperiodika in Kooperation mit den digitalen Services digitalisiert.</p>
<p>[2] Vgl. Wischermann 2003: 196–197.</p>]]></content:encoded>
					</item>
				
					<item>
						<guid isPermaLink="false">news-148</guid>
						<pubDate>Thu, 09 Feb 2017 14:00:00 +0100</pubDate>
						<title>Andreas Okopenkos Tagebücher: Ein digitales Editionsprojekt</title>
						<link>http://www.onb.ac.at/forschung/forschungsblog/artikel/news/andreas-okopenkos-tagebuecher-ein-digitales-editionsprojekt/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;cHash=cab270ab11ad9434f1751d2d16c5bed5</link>
						<description>Die Tagebücher des österreichischen Schriftstellers Andreas Okopenko werden in einem Kooperationsprojekt des Instituts für Germanistik der Universität Wien mit dem Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek als Hybridedition - in digitaler Form und analog - herausgegeben.</description>
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						<content:encoded><![CDATA[<p><em>Autorin:&nbsp;Laura Tezarek</em></p>
<p>Andreas Okopenko gehört mit seinem Werk und als Figur im literarischen Betrieb Österreichs nach 1945 zu den unterschätzten Autoren – zu Unrecht, wie ein Blick in den Nachlass und in seine frühen Tagebücher zeigt. Er setzt nicht nur in seinen eigenen Texten wie <em>Lexikon Roman</em> (1970) oder <em>Kindernazi</em> (1984) wichtige innovative literarische Wegmarken, sondern spielt auch als erst 21-jähriger Herausgeber der Literaturzeitschrift <em>publikationen einer wiener gruppe junger autoren </em>(1951-1953), in der beispielsweise auch H.C. Artmann, Ernst Jandl und Friederike Mayröcker publizieren, eine wichtige Rolle. Einen retrospektiv-reflektierenden Blick auf den österreichischen Literaturbetrieb der Nachkriegszeit wirft Okopenko auch in einigen Essays, wie etwa in <em>Die schwierigen Anfänge österreichischer Progressivliteratur nach 1945 </em>(1975). Darin distanziert er sich einerseits von einer radikaleren Avantgarde wie der späteren „Wiener Gruppe“, grenzt sich aber auch deutlich von konservativen und reaktionären Tendenzen in der österreichischen Literatur der 1950er Jahre ab. Gleichzeitig provoziert er in seinen Texten in formaler Hinsicht, zeigt aber gleichzeitig &nbsp;sozialkritisches und politisches Bewusstsein und ist nicht einer bestimmten literarischen Strömung oder Gruppierung zuzuordnen. Seine Position ist damit eine höchst spannende, die einen alternativen Blickwinkel auf die österreichische Nachkriegsavantgarde liefern kann.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/12_LIT_Tezarek_Okopenko/Abb_1_okopenko_TAgebuch_1.jpg" title="Initiates file download" class="download"><img src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/12_LIT_Tezarek_Okopenko/okopenko_01.jpg" alt="" height="439" width="300" style="" /></a>&nbsp; &nbsp;&nbsp;<a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/12_LIT_Tezarek_Okopenko/Abb_2_okopenko_Tagebuch_2.jpg" title="Initiates file download" class="download"><img src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/12_LIT_Tezarek_Okopenko/okopenko_02.jpg" alt="" height="414" width="300" style="" /></a><br /><em>Abb. 1 / 2: Tagebucheintrag vom. 16.01.1950, Autorentagung der &quot;Neuen Wege&quot; und erster Kontakt zu anderen Schriftstellerinnen und Schriftstellern</em></p>
<p>Diese Perspektive zeigt sich in ganz besonderer Weise in seinen bisher unveröffentlichten Tagebüchern, die durch die geplante kommentierte Hybridedition einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Das Projekt sieht eine Edition der Tagebücher aus dem Zeitraum 1950 bis 1955 vor, der von ersten Kontakten mit der literarischen Szene zeugt, eine Kommentierung des österreichischen Literaturbetriebs der Nachkriegszeit bietet und die zwiespältige Situation eines jungen Schriftstellers zwischen Studium und späterem Brotberuf auf der einen Seite und der literarischen Tätigkeit auf der anderen zeigt. Aber auch zeithistorisch verdienen die Tagebücher Aufmerksamkeit: Die Schilderungen innenpolitischer Spannungen und die zunehmende Angst vor einem dritten Weltkrieg angesichts der atomaren Bedrohung werden nicht nur reflektiert, sondern auch in einen Kontext aus zahlreichen eingeklebten und eingelegten Zeitungsartikeln, ausgeschnittenen Schlagzeilen und vielen anderen Materialen eingebettet. </p>
<p>Im Rahmen des Projekts werden die Tagebücher aus dem ausgewählten Zeitraum online als Faksimiles und in einer diplomatischen Umschrift zugänglich gemacht und inhaltlich durch Stellenkommentare und übergreifende Themenkommentare erschlossen. Für Interessierte wird es auch die Möglichkeit geben, direkt in die TEI/XML-Codierung der Texte, die das EditorInnenteam erstellt, Einsicht zu nehmen. Nicht nur weil sich der Tagebuchbestand aus sehr heterogenen Materialien zusammensetzt – u.a. A5-Schulbuchheften mit eingelegten Notizen, Briefen, Typoskripten (sowohl von Andreas Okopenko als auch von Dritten wie Friederike Mayröcker), Zeitungsausschnitten, Lebensdokumenten, Abschriften von Gesprächen (u.a. mit Ernst Jandl), und anderem mehr – erfordert die Entwicklung der Codierung viel Arbeit; auch die sich häufig ändernde Anordnung des Textes auf den Seiten macht dies erforderlich. </p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/12_LIT_Tezarek_Okopenko/Abb_3_Screenshot_1945.04.01.JPG" title="Initiates file download" class="download"><img src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/12_LIT_Tezarek_Okopenko/okopenko_03.jpg" alt="" height="345" width="600" style="" /></a><br /><em>Abb 3 Erste Stufe der Codierung einer Tagebuchseite (Screenshot).</em></p>
<p>Die XML-Codierung nach den Richtlinien der <em>Text Encoding Initiative </em>(TEI) hat sich mittlerweile als Standard in digitalen geisteswissenschaftlichen Editionsprojekten etabliert. Es geht dabei einerseits um eine formale Codierung der Texte (Absätze, Zeilenumbrüche, Hervorhebungen etc.) und andererseits um eine semantische Codierung, über die einfach nach Personen, Orten, Werken etc. gesucht werden kann. Auch Stellenkommentare können so in den Text eingearbeitet und direkt an den betreffenden Stellen aufgerufen werden. Über Verlinkungen können Verbindungen zu anderen Tagebucheinträgen und eventuell zu weiterführenden Materialien hergestellt werden und durch Überblickskommentare werden LeserInnen, die mit dem Autor und seinem Kontext wenig vertraut sind, verschiedene Wege durch den Text vorgeschlagen.</p>
<p>Okopenko selbst kann als Pionier der Hypertextliteratur bezeichnet werden und antizipierte schon 1970 im <em>Lexikon Roman</em> eine Hypertextstruktur: </p>
<p>„Das Material ist alphabetisch geordnet, damit Sie es mühelos auffinden. Wie in einem Lexikon. Aus dem Lexikon sind Ihnen auch die Hinweispfeile bekannt (à), die Ihnen raten sollen, wie Sie am besten weitergehen, wie Sie sich zusätzlich informieren oder wie Sie vom Hundertsten ins Tausendste gelangen können. Wie im Lexikon haben Sie die Freiheit, jeden Hinweispfeil zu beherzigen oder zu übergehen.“[1] </p>
<p>Aber sogar für die Lektüre seines eigenen Tagebuchs nahm Okopenko eine hypertextuelle Lektüre vorweg:</p>
<p>„Unabsehbare Freuden (um schon einmal beim Freudenthema zu bleiben) verspricht dem Tagebuchnarren der Computergebrauch. Das Grundtagebuch würde ich weiter auf Blättern ausdrucken. Die später einmal gewünschten Auszüge aber ließen sich schon in diesem Hinschreiben nach Dutzenden Aspekten vorbereiten. Manche erfragten Resumees bedürften erst gar nicht der schwerfälligen Auszüge, sondern könnten quasi in der Lust und quasi rechnerisch gezogen werden.“[2]</p>
<p>Das Tagebuch erweist sich also als prädestiniert für eine digitale Edition, die einerseits Anstöße für eine vermehrte wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Autor geben will, andererseits aber auch LeserInnen ohne Vorkenntnisse einladen möchte, sich mit den Tagebüchern als herausragendem Zeitdokument und als Reflexionsmedium zur Genese eines Schriftstellers an der Schnittstelle von Autobiografie, Poetik und Literaturbetrieb zu beschäftigen.<br /> Die Website ist voraussichtlich ab 2018 online.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/12_LIT_Tezarek_Okopenko/Abb4_okopenko_zeitungcollage.jpg" title="Initiates file download" class="download"><img src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/0/b/csm_okopenko_04_e8f17bdebf.jpg" alt="" height="203" width="300" style="" /></a><br /><em>Abb 4: Ins Tagebuch eingelegte Collage aus Zeitungsschlagzeilen.</em><br /> <br /> </p><table cellpadding="0" cellspacing="0" border="0" class="contenttable"> <tbody><tr> <td valign="top" width="210"><p>Projekttitel</p></td> <td valign="top" width="329"><p>Andreas Okopenko: Tagebücher aus dem Nachlass (Hybridedition)</p></td> </tr> <tr> <td valign="top" width="210"><p>Finanzierung</p></td> <td valign="top" width="329"><p>FWF</p></td> </tr> <tr> <td valign="top" width="210"><p>Laufzeit</p></td> <td valign="top" width="329"><p>01.10.2015-30.09.2018</p></td> </tr> <tr> <td valign="top" width="210"><p>Projektleitung</p></td> <td valign="top" width="329"><p>Univ.-Prof. Dr. Roland Innerhofer (Universität Wien)</p></td> </tr> <tr> <td valign="top" width="210"><p>Projektpartner</p></td> <td valign="top" width="329"><p>Priv. Doz. Mag. Dr. Bernhard Fetz (Literaturarchiv)</p></td> </tr> <tr> <td valign="top" width="210"><p>Projektteam</p></td> <td valign="top" width="329"><p>Dr. Desiree Hebenstreit (Institut für Germanistik, Universität Wien)</p> <p>Dr. Arno Herberth (Institut für Germanistik, Universität Wien)</p> <p>Laura Tezarek, MA (Literaturarchiv)</p></td> </tr> </tbody></table><hr />
<p><strong>Weiterführende Links</strong></p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/de/bibliothek/sammlungen/literatur/forschung/projekte/andreas-okopenko-tagebuecher-aus-dem-nachlass-hybridedition/" title="Opens internal link in current window" target="_blank">» onb.ac.at/de/bibliothek/sammlungen/literatur/forschung/projekte/andreas-okopenko-tagebuecher-aus-dem-nachlass-hybridedition/</a> </p>
<p><a href="https://germanistik.univie.ac.at/institut/projekte/andreas-okopenko-tagebuecher-aus-dem-nachlass-hybridedition" target="_blank">» germanistik.univie.ac.at/institut/projekte/andreas-okopenko-tagebuecher-aus-dem-nachlass-hybridedition</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<hr />
<p>[1] Andreas Okopenko: Lexikon Roman einer sentimentalen Reise zum Exporteurtreffen in Druden. Salzburg: Residenz Verlag 1970, S. 5. Am Computer umgesetzt wurde dies im Projekt ELEX (1998, auf CD-ROM) der Mediendesigner- und Künstlergruppe „Libraries Of The Mind“.</p>
<p>[2] Andreas Okopenko: Einfangen, Ordnen, Verdichten. Meine Spiele mit Gelebtem. In: ders.: Erinnerung an die Hoffnung. Wien: Klever Verlag 2008, S. 178–182, hier S. 182. [Abdruck in „Die Presse“, 17./18.4.1976, unter dem Titel „Gewohnheitsbucher [sic] seit meinem vierzehnten Lebensjahr“ und in der Anthologie „Ablagerungen“ (1989).]&nbsp;</p>]]></content:encoded>
					</item>
				
					<item>
						<guid isPermaLink="false">news-139</guid>
						<pubDate>Fri, 27 Jan 2017 01:00:00 +0100</pubDate>
						<title>Das Herzverzeichnis </title>
						<link>http://www.onb.ac.at/forschung/forschungsblog/artikel/news/das-herzverzeichnis/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;cHash=e0dc8e7db1a14a5febf0169890f71eec</link>
						<description>Im Rahmen des FWF-Projekts zu Ludwig Tiecks Bibliothek wird an der Universität Wien in Kooperation mit der ÖNB nach Erwerbungen aus der Auktion von 1849/50 gesucht. Größte Hilfestellung an der ÖNB ist das Geschenk eines Studenten aus 1905.</description>
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						<content:encoded><![CDATA[<p><em>Autorin:&nbsp;Katharina Gratz</em></p>
<p>Das vom FWF geförderte Projekt „Ludwig Tiecks Bibliothek. Anatomie einer romantisch-komparatistischen Büchersammlung“ beschäftigt sich unter der Leitung von Achim Hölter (Universität Wien) mit der Rekonstruktion der umfangreichen Bibliothek des Schriftstellers Ludwig Tieck (1773-1853), die im Winter 1849/50 in Berlin von Adolf Asher und Co. versteigert wurde. Der begleitende Auktionskatalog (Asher: 1849, Wien, Österreichische Nationalbibliothek, <a href="http://data.onb.ac.at/rec/AC09765088" target="_blank">» 13746-B.Alt</a>) listet etwas mehr als 10.000 Bände, die in ungleichen Teilen an Bibliotheken nach Berlin, München, London, Krakau und Wien, aber auch an private Sammler verkauft wurden. In diesem Projekt arbeiten MitarbeiterInnen der Vergleichenden Literaturwissenschaft der Universität Wien eng mit der Österreichischen Nationalbibliothek zusammen, um sowohl möglichst alle Werke aus Tiecks Bibliothek zu identifizieren und als solche auszuweisen, als auch nach unerschlossenen Quellen und neuen Spuren des Tieckschen Nachlasses zu suchen.[1]</p>
<p><img src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/14_Herzverzeichnis/herzverzeichnis1.jpg" alt="" height="488" width="300" style="" /><br /><em>Auktionskatalog Asher 1849 (Wien,&nbsp;</em><em>Österreichische Nationalbibliothek</em><em>, 13746-B.Alt)</em>&nbsp;</p>
<p>Die Suche nach dem Verbleib der Bände der Tieckschen Auktion findet an mehreren Orten gleichzeitig und unter Zuhilfenahme der unterschiedlichsten Quellen statt. Naheliegend ist die Suche nach Archivakten, Ankaufslisten, Korrespondenzen und Nachlässen, oder Lesespuren und Besitzvermerken in einzelnen Exemplaren. </p>
<p><em><img src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/9/5/csm_herzverzeichnis2_9caced3018.jpg" alt="" height="227" width="299" style="" /></em><br /><em>Beispiel für einen eigenhändigen Besitzvermerk L. Tiecks in „Les nouvelles recreations et joyeux devis“ (1558, Wien,&nbsp;Österreichische Nationalbibliothek,</em><a href="http://data.onb.ac.at/rec/AC09809123" target="_blank" class="external-link-new-window"><i>&nbsp;» 24758-B</i></a><em>)</em></p>
<p>Auch die Suche an der Österreichischen Nationalbibliothek hat in den Akten des Hausarchivs begonnen, wo sich der damalige Präfekt der Hofbibliothek Eligius Freiherr von Münch-Bellinghausen[2] und der erste Skriptor Ferdinand Joseph Wolf[3], der nach Berlin zur Auktion entsandt wurde, über Ankäufe, Preise und den generellen Ablauf der Auktion ausgetauscht hatten (Archiv der Österreichischen Nationalbibliothek, <a href="http://aleph.onb.ac.at/F/6LK9QVARPMD3NKUE7B1BBHSULYD1847V3DG3TH1EXFPL34L5KM-00838?func=find-b&amp;find_code=WRD&amp;adjacent=N&amp;request=249%2F1849&amp;x=0&amp;y=0" target="_blank">» HB 249/1849</a>). Basierend auf der Durchsicht der Akten und dem Abgleich mit dem Bestand der Österreichischen Nationalbibliothek kam die Recherche zu dem Ergebnis, dass die Unterlagen nicht vollständig sind, gefolgt von der Einsicht, dass keine offizielle, umfassende Ankaufsliste vorhanden ist. Die Arbeitskopien wurden wohl nach Eingliederung in den Bestand entsorgt und die Privatkäufe des Präfekten weder verlistet, noch komplett der Bibliothek vermacht. Es gibt noch einige Anhaltspunkte hier und da, wie zum Beispiel den Büchernachlass Ferdinand Wolfs, welcher der Hofbibliothek von dessen Sohn Adolf 1866 angeboten wurde (vgl. Archiv der Österreichischen Nationalbibliothek, <a href="http://aleph.onb.ac.at/F/6LK9QVARPMD3NKUE7B1BBHSULYD1847V3DG3TH1EXFPL34L5KM-01140?func=find-b&amp;request=92%2F1866&amp;find_code=WRD&amp;x=0&amp;y=0" target="_blank">» HB 92/1866</a>); aber auch diese verschaffen noch kein komplettes Bild.</p>
<p>Die Grundlage der Recherche des aktuellen Projekts und auch die einzig annähernd vollständige Liste ist durch ein Geschenk im Jahr 1905 an die Österreichische Nationalbibliothek gekommen und befindet sich heute sowohl physisch als auch als Digitalisat, in der Handschriftensammlung: das „Verzeichnis von Büchern aus der Bibliothek Ludwig Tiecks, die nach Randbemerkungen in einem Exemplar des Auctionscataloges von der k. k. Hofbibliothek in Wien angekauft worden sind“ (Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Cod. Ser. n. 4300).</p>
<p><em><link file:3149 - download "Initiates file download"><img src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/user_upload/1_Sitemap/Forschung/Forschungsblog/14_Herzverzeichnis/herzverzeichnis_titel.jpg" alt="" height="474" width="300" style="" /></link><br />Das Herzverzeichnis (Wien,&nbsp;</em>Österreichische Nationalbibliothek<em>, </em><a href="http://data.onb.ac.at/rec/AL00476040" target="_blank"><i>» Cod. Ser. n. 4300</i></a><em>)</em></p>
<p>Durch einen Lese- oder Abschreibfehler war die Provenienz dieser Handschrift lange unklar: Cand. phil. Max Herz wurde Jahrzehnte lang unter dem falschen Namen Wilhelm Herz im Katalog geführt und es war die falsche Nummer des korrespondierenden Berichts in den Hausakten am Titelblatt vermerkt. Nun konnte der Akt im Archiv der Österreichischen Nationalbibliothek (HB 1256/1905) identifiziert und die Herkunft dadurch geklärt werden: Im Jahr 1905 wandte sich der Berliner Student Max Herz an die Hofbibliothek, da er zu Tiecks englischen Studien forschte und sich gerne einige Bücher, die mit Marginalien Ludwig Tiecks versehen waren, zusenden lassen wollte. Das war damals natürlich so nicht möglich –&nbsp;dafür waren die gewünschten Werke auch zu wertvoll – es konnte aber eine Einigung erzielt werden, denn wie Herz meint „[a]uf Wunsch der k. k. Hofbibliothek wäre ich selbstverständlich gerne bereit sämtliche nach meinem Catalog nach Wien gelangte Werke anzugeben, ihre Zahl beträgt etwa 320“ (Archiv der Österreichischen Nationalbibliothek, HB 1256/1905). Die Hofbibliothek übersandte handschriftliche (und überraschend ausführliche) Exzerpte der gewünschten Werke in Bezug auf Marginalien, Beschaffenheit und Inhalt und bekam im Gegenzug das 333 Nummern zählende sogenannte „Herzverzeichnis“.</p>
<p>Herz schloss laut den Immatrikulationsbüchern der Berliner Universität seine Studien nie ab. Seine Recherchen und sein Exemplar der „Bibliotheca Tieckiana“ haben der Österreichischen Nationalbibliothek und vor allem dem Projekt einen unvergleichbaren Dienst erwiesen und die Suche nach den Tieckschen Exemplaren maßgeblich verkürzt. Diese sind mittlerweile im Katalog der Österreichischen Nationalbibliothek mit der korrespondierenden Katalognummer ausgewiesen. Auch das Herzverzeichnis selbst steht als <a href="http://data.onb.ac.at/rec/AL00476040" target="_blank">» Digitalisat</a> im Katalog der Österreichischen Nationalbibliothek zur Verfügung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr />
<p>Literatur:</p>
<p>Asher, Adolf (1849): <em>Catalogue de la bibliothèque célèbre de M. Ludwig Tieck qui sera vendue à Berlin le 10. décembre 1849 et jours suivants par MM. A. Asher &amp; Comp.</em>, Berlin, Asher &amp; Comp. </p><table cellpadding="0" cellspacing="0" border="1" class="contenttable"><tbody><tr><td valign="top" width="173"><p>Finanzierung</p></td><td valign="top" width="250"><p>FWF-Projekt P 26814</p></td></tr><tr><td valign="top" width="173"><p>Laufzeit</p></td><td valign="top" width="250"><p>01.10.2014-30.09.2017</p></td></tr><tr><td valign="top" width="173"><p>Projektleitung</p></td><td valign="top" width="250"><p>Univ.-Prof. Dr. Achim Hölter, M.A, Universität Wien</p></td></tr><tr><td valign="top" width="173"><p>Projektpartner</p></td><td valign="top" width="250"><p>-Prof. Dr. Walter Schmitz, Tieck-Arbeitsstelle TU Dresden</p> <p>-Prof. Dr. Thomas Köhler, Medienzentrum TU Dresden</p> <p>-Österreichische Nationalbibliothek</p></td></tr><tr><td valign="top" width="173"><p>Projektteam</p></td><td valign="top" width="250"><p>Mag. Paul Ferstl</p> <p>Constanze Prašek, B.A.</p> <p>Theresa Schmidt, B.A.</p> <p>Mag. Katharina Gratz (in Kooperation mit der Österreichischen Nationalbibliothek<span style="font-size: 12px; ">)</span></p></td></tr></tbody></table><p>&nbsp;</p>
<hr />
<p>[1] Mehr Informationen zu dem Projekt finden Sie auf der <a href="http://complit.univie.ac.at/forschungsprojekte-und-schwerpunkte/ludwig-tiecks-bibliothek-anatomie-einer-romantisch-komparatistischen-buechersammlung/" title="Opens external link in new window" target="_blank" class="external-link-new-window">» Projektwebsite</a>&nbsp;oder in dem 2015 erschienenen <a href="http://data.onb.ac.at/rec/AC00368102" target="_blank">» Biblos-Artikel</a> (Biblos 64.2015,1)</p>
<p>[2] (1806-1871) Pseudonym: &nbsp;Friedrich Halm, Dichter, Dramatiker</p>
<p>[3] (1796-1866) Romanist, später 3. Kustos und Vorsteher der Handschriftensammlung</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>]]></content:encoded>
					</item>
				
					<item>
						<guid isPermaLink="false">news-16</guid>
						<pubDate>Fri, 13 Jan 2017 16:19:00 +0100</pubDate>
						<title>„Wie Sie sehen, war Ihre Anregung, Esperanto zu lernen, nicht vergebens“</title>
						<link>http://www.onb.ac.at/forschung/forschungsblog/artikel/news/wie-sie-sehen-war-ihre-anregung-esperanto-zu-lernen-nicht-vergebens/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;cHash=e26cb0bd146350b8081e55108796bb99</link>
						<description>Der 1864 in Wien geborenen Alfred Hermann Fried war bereits ein international angesehener Pazifist als er sich um die Jahrhundertwende auch intensiv mit Esperanto-Bewegung zu beschäftigen begann und für eine enge Verbindung dieser beiden Ideen eintrat.</description>
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						<content:encoded><![CDATA[<h5><strong>Alfred Hermann Fried und Esperanto</strong></h5>
<p><em>Autor:&nbsp;Bernhard Tuider</em></p>
<p>Alfred Hermann Fried, Friedensnobelpreisträger des Jahres 1911, gehörte vor dem Ersten Weltkrieg zu den bedeutendsten Protagonisten innerhalb der internationalen Friedensbewegung. Inspiriert durch Bertha von Suttner, mit der er bis 1914 intensiv zusammenarbeitete, widmete er sich ab 1891 vor allem als Schriftsteller und Journalist dem Pazifismus. 1892 war er Mitbegründer der Deutschen Friedensgesellschaft und ab 1895 Teilnehmer zahlreicher Weltfriedenskongresse. Nach der Gründung der Zeitschrift Die Friedens-Warte (1899), begann er eine systematische und wissenschaftliche Theorie zu entwerfen – den „revolutionären bzw. organisatorischen Pazifismus“, der vor dem Ersten Weltkrieg insbesondere von Völkerrechtswissenschaftlern rezipiert wurde.</p>
<p><em><img src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/c/2/csm_AlfredFried_1_65c6df0e0f.jpg" alt="Alfred Fried" title="" height="402" width="300" style="" /><br />Abb. 1: Alfred Hermann Fried, um 1910</em></p>
<p>Um 1900, als Alfred Fried sein pazifistisches Konzept ausarbeitete, befasste er sich auch eingehender mit Esperanto. Ein Brief von Fried aus dem Jahr 1901 deutet darauf hin, das ihn Gaston Moch auf die damals noch neue Sprache aufmerksam machte. Fried und Moch korrespondierten ab dem Jahr 1895 – auch in Esperanto – und trafen einander vor dem Ersten Weltkrieg bei mehreren Weltfriedenskongressen. </p>
<p>Offenbar lernte Alfred Fried im Jahre 1901 Esperanto, denn am 6. Dezember dieses Jahres schrieb er seinen ersten Brief in Esperanto an Gaston Moch:</p><div class="indent"><p>„Wie Sie sehen, war Ihre Anregung, Esperanto zu lernen, nicht vergebens. Ich habe diese Sprache mit großem Fleiß gelernt und mich zum Propagandisten dieser Sprache in Deutschland gemacht. Ich habe ein kleines Werk zur Aufklärung verfasst, das in einigen Wochen im größten wöchentlichen Organ Deutschlands herauskommen wird, Die Woche, das in 400.000 Exemplaren erscheint und von mehr als 2.000.000 Personen gelesen wird. Empfangen Sie meine aufrichtigen Grüße. Alfred Fried.“[1]</p></div><p>Gaston Moch war sehr erfreut über diese Nachricht und antwortete:</p><div class="indent"><p>„Ich freue mich, dass es mir glückte, Sie zu einem Anhänger der internationalen Sprache zu machen: Ihr Artikel in der Woche wird sehr nützlich sein für diese Sache und ich werde ihn mit großem Interesse lesen. Aber stellen Sie den Pflug nicht vor die Rinder! Die Sprache ist einfach, viel einfacher als irgendeine andere, aber sie muss gelernt werden! Zuerst also, strengen Sie sich an, sie perfekt zu lernen […]. Sie müssen die sehr guten Werke von de Beaufront lesen, wenn Sie mit der Sprache in Berührung kommen wollen, und die Zeitschrift l‘Esperantiste abonnieren.“[2]</p></div><p>Auch in den folgenden Briefen ermutigte Gaston Moch Alfred Fried, seine Sprachkenntnisse in Esperanto zu vertiefen, und er gab noch im Dezember 1901 weitere Ratschläge:</p><div class="indent"><p>„[…] Ich weiß, dass keine sehr guten Lehrbücher und Wörterbücher für deutschsprechende Personen existieren. Deswegen hat Herr Beaufront beschlossen, seine hervorragende Grammatik und seine für Franzosen verfassten Wörterbücher zu übersetzen, die nun bald herausgegeben werden. Sie müssen seine Grammaire und seinen Commentaire sur la langue internationale kaufen, welche Ihnen sehr nützlich sein werden, während Sie auf die Bücher in deutscher Sprache warten. Und Sie müssen auch das ‚Universalwörterbuch‘ haben, das Zamenhof selbst 1894 herausgegeben hat. […] Ich empfehle Ihnen auch sich der Gesellschaft für die Verbreitung des Esperanto anzuschließen. […].“[3]</p></div><p>Alfred Fried befasste sich eingehend mit Esperanto und die Vielzahl an Briefen, die er in dieser Sprache schrieb und erhielt zeigt, dass er innerhalb von nur wenigen Monaten ein gutes Niveau erlangte.[4]</p>
<p>Während sich Esperanto im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts in Russland, Frankreich und Skandinavien relativ rasch verbreitet hatte, war es im Deutschen Reich und in Österreich-Ungarn weniger bekannt. Aus diesem Grund hatte Alfred Fried die Absicht, auch in Mitteleuropa Aufmerksamkeit für die Sprache zu wecken. Im Jahre 1902 plante er deshalb, sowohl ein <a href="http://archiv.onb.ac.at:1801/view/action/nmets.do?DOCCHOICE=5048216.xml&amp;dvs=1472368612935~234&amp;locale=de_DE&amp;search_terms=&amp;adjacency=&amp;VIEWER_URL=/view/action/nmets.do?&amp;DELIVERY_RULE_ID=1&amp;divType=&amp;usePid1=true&amp;usePid2=true" target="_blank">» Esperanto-Lehrbuch</a> für Deutsch sprechende Personen herauszugeben, als auch eine deutsche Esperanto-Gesellschaft zu gründen.[5] Wegen seiner Übersiedlung nach Wien realisierte er nur das Lehrbuch, das im März 1903 publiziert wurde.[6] Bereits während seiner Arbeit daran korrespondierte er mit vielen bedeutenden Esperanto-Sprechern, u. a. mit Louis Couturat, Louis de Beaufront, Théophile Cart, Carlo Bourlet und Ludwik Zamenhof. Fried widmete das Buch auch Ludwik Zamenhof, der erfreut reagierte:</p><div class="indent"><p>„Ihr Lehrbuch habe ich mit wahrem Vergnügen erhalten und danke Ihnen herzlichst. Das Buch macht einen sehr guten Eindruck und ich wünsche ihm den besten Erfolg, der ganz gewiss auch nicht ausbleiben wird.“[7]</p></div><p>Im März 1903 gründete Alfred Fried eine Esperanto-Gruppe, die mehrmals in seiner Wohnung in Berlin zusammenkam. Fried hat diese Information in einem Brief an seine Frau Therese notiert, in dem er auch erwähnte, dass er eine Novelle von Gerhart Hauptmann ins Esperanto übersetzt habe.[8] Fried hatte die Absicht, mehrere Bücher in bzw. über Esperanto zu verfassen, u. a. auch ein Buch über „Handelskorrespondenzen“; es blieb ihm aber nicht genügend Zeit, diese Arbeiten weiter zu verfolgen, weil er primär als pazifistischer Schriftsteller arbeitete.[9]</p>
<p><em><img src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/9/3/csm_AlfredFried_2_af3e8b2c76.jpg" alt="Alfred Fried" title="" height="402" width="300" style="" /><br />Abb. 2: Alfred Hermann Fried: La problemo de l' malarmo. Paris 1907</em></p>
<p>Dennoch verfasste Fried mehrere Artikel über Esperanto für verschiedene Zeitungen bzw. Zeitschriften (vgl. Fried 1902, 28.07.1904, 12.08.1905). Darin präsentierte er vor allem Idee, Grammatik und Struktur der Sprache und er notierte auch seine Gedanken über Esperanto – in der Zeitung <a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=pel&amp;datum=19050812&amp;seite=2&amp;zoom=33&amp;query=%22esperanto%22&amp;provider=P03&amp;ref=anno-search" target="_blank">» Pester Lloyd</a> schrieb er u. a.:</p><div class="indent"><p>„[…] Um die Sprache vollwertig zu machen, bedarf sie natürlich der offiziellen Einführung in die Schulen. […] Natürlich wird die allgemeine Einführung zunächst auf Hindernisse stoßen. Welche große Erfindung stieß nicht auf Hindernisse? Die Stenographie konnte in den sechziger Jahren in preußische Schulen noch nicht eingeführt werden, weil ein Gymnasialdirektor das Gutachten abgab, sie sei eine Spitzbubenschrift. Man kennt die Hindernisse, die dem Turnen, den Fröbel’schen Kindergärten etc. gemacht wurden. Man wird auch dem Esperanto diese Schwierigkeiten bereiten. Aber wenn es gut ist, wird es sich Bahn brechen. Und ich glaube, es ist gut.“ (Fried 12.08.1905: 2)</p></div><p>Regelmäßig berichtete Alfred Fried (vgl. 1903b, 1904, 1905, 1907; Arnhold 1910) in der Friedens-Warte über Esperanto bzw. Esperanto-Konferenzen und 1905 nahm er am ersten <a href="http://www.onb.ac.at/sammlungen/plansprachen/23525.htm" target="_blank">» Esperanto-Weltkongress</a> in Boulogne-sur-Mer teil.</p>
<p><em><img src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/7/1/csm_AlfredFried_3_287c2cb4e1.jpg" alt="" height="176" width="300" style="" /><br />Abb. 3: Foto: 1. Esperanto-Weltkongress, Boulogne-sur-Mer 1905. Gruppenfoto einiger Teilnehmer. Hinter dem Ehepaar Zamenhof stehend, v.l.n.r.: Gaston Moch, Otto Simon, Alfred Hermann Fried, 3 Herren aus Calais, Auguste Capé-Montrosier.</em></p>
<p>Bereits ab dem Jahr 1904 hatte Alfred Fried Kontakt mit dem Esperanto-Klubo Vieno (Wien) und am 14. Dezember 1906 trat er ihm bei. Der Verein hatte zu diesem Zeitpunkt nur 55 Mitglieder, was bedeutet, dass Alfred Fried zu den ersten gehörte. Fried bekam regelmäßig die Vereinszeitschrift Informaj Raportoj, und er nahm auch an einigen Treffen teil.[10]</p>
<p>Seine wohl deutlichste Stellungnahme über Esperanto gab Alfred Fried in der Festschrift für den 8. Deutschen Esperanto-Kongress ab. Anlässlich dieses Ereignisses in Stuttgart im August 1913, machte Gottfried Paul Christaller eine Meinungsumfrage.</p>
<p><em><img src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/2/e/csm_AlfredFried_4_4f329f1cce.jpg" alt="" height="485" width="300" style="" /><br />Abb. 4: Gottfried Paul Christaller (Hrsg.): Das Esperanto ein Kulturfaktor 3. Leipzig: Deutscher Esperanto-Bund 1913 (= Festschrift anlässlich des 8. Deutschen Esperanto-Kongresses)</em></p>
<p>Christaller (1913: 4) stellte in dieser Umfrage mehr als 100 prominenten Zeitgenossen folgende zwei Fragen: „Was halten Sie von der Idee einer internationalen Hilfssprache?“ und „Wie stellen Sie sich zur Esperanto-Sprache?“. Alfred Fried, der zu diesem Zeitpunkt bereits Nobelpreisträger und Ehrendoktor der Universität Leiden war, antwortete auf die Fragen wie folgt (Christaller 1913: 18-19):</p><div class="indent"><p>„Die erste Frage scheint mir bereits unzeitgemäss. Das Urteil über die Notwendigkeit und Möglichkeit einer internationalen Sprache ist für jeden modernen Menschen abgeschlossen. Man müsste mit der Gegenfrage antworten: was sollte man von einem Menschen halten, der von der Idee einer internationalen Hilfssprache nichts hält? Ich bin seit 12 Jahren der unerschütterlichen Überzeugung, dass durch die Esperantosprache das Problem der internationalen Hilfssprache vollständig gelöst ist. [...] Würden die geistigen Fortschritte so leicht erfasst werden, wie dies bei den technischen der Fall ist, so wäre diese Rundfrage überflüssig. Zeppelin hat man solange für einen Narren gehalten, bis man seine Erfindung greifbar, sichtbar, unbestreitbar wirklich vor sich hatte. An die Erfindung Zamenhofs will man noch immer nicht glauben; einfach aus dem Grunde, weil man sie nicht so bequem vor sich hat, wie das vorbeifliegende Luftschiff. Man muss sich von ihr überzeugen, sie nachprüfen, ihre Leistungen studieren. Das tut die Masse aber nicht. Täte sie es, so würde sie sehen, dass die Erfindung Zamenhofs nicht weniger genial ist als die des schwäbischen Grafen, dass sie nicht weniger verwendbar ist als diese; ja vielleicht noch verwendbarer, und dass sie bereits in überraschender Weise auf dem ganzen Erdball zur Verwendung gelangt. Das wird alles nur noch nicht in dem Umfange erkannt, der für die volle Ausnützung dieser wundervollen Tat erforderlich wäre. Die Kriegsministerien, diese modernen Mäcene der technischen Entwicklung haben eben kein Interesse für solch ein Werkzeug der internationalen Verständigung. Aus diesem Grunde sollte es eine Ehrenpflicht der Intelligenz sein, der internationalen Hilfssprache Zamenhofs zum Siege zu verhelfen.“</p></div><hr />
<p>Literaturverzeichnis</p>
<p>Arnhold, Heinrich (1910): VI. Internationaler Esperanto-Kongreß zu Washington 1910, in: <em>Die Friedens-Warte</em>, Jg. 12, Nr. 10, S. 192-193.</p>
<p>Christaller, Gottfried Paul (Hrsg.) (1913): <em>Das Esperanto ein Kulturfaktor 3. (= Festschrift anlässlich des 8. Deutschen Esperanto-Kongresses)</em>, Leipzig: Deutscher Esperanto-Bund.</p>
<p>Fried, Alfred Hermann (1902): Eine internationale Hilfssprache, in: <em>Die Woche (Berlin)</em>, Jg. 4, Nr. 26, S. 1197-1199.</p>
<p>Fried, Alfred Hermann (1903a): <em>Lehrbuch der Internationalen Hilfssprache „Esperanto“. Mit Wörterbuch in Esperanto-Deutsch und Deutsch-Esperanto</em>, Berlin: Esperanto-Verlag.</p>
<p>Fried, Alfred Hermann (1903b): Ein neues Verkehrsmittel, in: <em>Die Friedens-Warte</em>, Jg. 5, Nr. 4, S. 27-29.</p>
<p>Fried, Alfred Hermann (1904): Zur Weltsprache-Bewegung, in: <em>Die Friedens-Warte</em>, Jg. 6, Nr. 2, S. 38-39.</p>
<p>Fried, Alfred Hermann (28.07.1904): Der gegenwärtige Stand des Weltspracheproblems, in: <em>Illustrierte Zeitung</em>, Nr. 3187, S. 1.</p>
<p>Fried, Alfred Hermann (12.08.1905): Esperanto, in: <em>Pester Lloyd</em>, S. 2.</p>
<p>Fried, Alfred Hermann (1905): „Esperanto“ vor dem Forum der Wissenschaft, in: <em>Die Friedens-Warte</em>, Jg. 7, Nr. 9, S. 180-181.</p>
<p>Fried, Alfred Hermann (1907): III. Internationaler Esperantokongress in Cambridge, in: <em>Die Friedens-Warte</em>, Jg. 9, Nr. 9, S. 179.</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr />
<p>[1] Alfred H. Fried (06.12.1901): Brief an Gaston Moch. League of Nations Archive Geneva (LON), International Peace Movements (IPM), Fried Papers, Box 39. Originaltext: „Kiel vi vidas, via incito je lerni Esperanton ne estis vana. Mi lernis kun granda diligento tiun lingvon, kaj mi faris min propagandisto de tiu lingvo en Germanujo. Mi skribis verketon propagandan, kiu eliros post kelkaj semajnoj en la plej granda organo semajna de Germanujo, la ‚Woche‘, eldonata po 400 000 ekzempleroj kun pli ol 2 000 000 legantoj. Ricevu miajn salutojn sincerajn. Alfred Fried.“</p>
<p>[2] Gaston Moch (10.12.1901): Brief an Alfred H. Fried. LON, IPM, Fried Papers, Box 39. Originaltext: „Mi ĝojas, ke mi sukcesis aligi vin al la lingvo internacia: via artikolo en la Woche estos tre utila por tiu afero, kaj mi legos ĝin kun granda intereso. Sed ne metu la plugilon antaŭ la bovoj! La lingvo estas facila, pli facila ol iu alia, sed ĝi devas esti lernata! Unue, do, penadu por lerni ĝin perfekte […]. Vi devus legi la tre bonajn verkojn de de Beaufront, tuŝante la lingvon, kaj aboni l’Esperantiste.“</p>
<p>[3] Gaston Moch (18.12.1901): Brief an Alfred H. Fried. LON, IPM, Fried Papers, Box 39. Originaltext: „[…] Mi scias, ke ne ekzistas tre bonaj lernolibroj kaj vortaroj por Germanoj. Tial s-ro Beaufront decidis tradukigi sian bonegan Grammaire kaj la vortarojn por Francoj, kiuj estas ĵus eldonotaj. Vi devus aĉeti lian Grammaire, kaj lian Commentaire sur la langue internationale, kiuj estus tre utilaj al vi, atendante la librojn germanajn. Kaj vi devus ankaŭ havi la ‚Universala vortaro‘, kiun Zamenhof mem eldonis, je 1894. […] Mi ankaŭ konsilas vin aligi vin al la societo por la propagando de esperanto. […].“</p>
<p>[4] Alfred H. Fried korrespondierte u. a. mit folgenden Personen und Institutionen in bzw. über Esperanto: Georg Arnhold, Heinrich Arnhold, Émile Boirac, Jean Borel, Theodor Čejka, Esperanto-Gesellschaft Dijon, Esperanto-Gesellschaft Hamburg, Esperanto-Gesellschaft Königsberg, Esperanto-Gesellschaft Krentaja, Esperanto-Gesellschaft Kristiania, Esperanto-Gesellschaft Paris, Esperanto-Gesellschaft Stuttgart, Esperanto-Gesellschaft Wien, Esperanto-Gesellschaft London, Richard Feldhaus, Carl Fries, Paul Fructier, Theodor Fuchs, Julius Hanauer, Leopold Katscher, René Lemaire, Heinrich Molenaar, Felix Stone Moscheles, Adolf Richter, Adolf Schmidt, Bertha von Suttner, Anna Zipernowsky.</p>
<p>[5] Im Mai 1902 schrieb Fried in einem Brief: „Gleichzeitig möchte ich auch daran gehen, eine deutsche Esperanto-Gesellschaft, wenigstens in ihrem Kern, zu gründen, und ich rechne darauf, dass Sie den Vorsitz übernehmen werden.“ Alfred H. Fried (07.05.1902): Brief an Adolf Schmidt. LON, IPM, Fried Papers, Box 42.</p>
<p>[6] Fried, Alfred Hermann (1903a)</p>
<p>[7] Ludwik Zamenhof (16.03.1903): Brief an Alfred H. Fried. LON, IPM, Fried Papers, Box 44.</p>
<p>[8] Vgl. Alfred H. Fried (13.03.1903 und 16.03.1903): Brief an Therese Fried. LON, IPM, Fried Papers, Box 92.</p>
<p>[9] Vgl. Alfred H. Fried (10.09.1902): Brief an Adolf Schmidt. LON, IPM, Fried Papers, Box 42.</p>
<p>[10] Vgl. Theodor Heft (23.05.1904): Brief an Alfred H. Fried. LON, IPM, Fried Papers, Box 57. Karl Friedrich Ahlgrimm (15.12.1906): Postkarte an Alfred H. Fried. LON, IPM, Fried Papers, Box 57.</p>]]></content:encoded>
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						<pubDate>Fri, 02 Dec 2016 11:16:00 +0100</pubDate>
						<title>Prozessprotokolle aus dem römischen Ägypten</title>
						<link>http://www.onb.ac.at/forschung/forschungsblog/artikel/news/prozessprotokolle-aus-dem-roemischen-aegypten/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;cHash=2d40f37e0d40e9a77a0a3836397815b3</link>
						<description>Ein aktuelles Forschungsprojekt der Papyrussammlung gibt  anhand römischer Prozessprotokolle interessante Einblicke in die antike Rechtsprechung im Ägypten zur Zeit des Imperium Romanum.</description>
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						<content:encoded><![CDATA[<p><em>Autor:&nbsp;Bernhard Palme</em></p>
<p>Als Ägypten 30 v. Chr. als letztes hellenistisches Königreich dem Imperium Romanum einverleibt wurde, kamen nicht nur Soldaten und Steuereintreiber der Römer in das Land am Nil; es trat auch die Rechtsprechung römischer Amtsträger zu den vorhandenen Gerichtshöfen auf lokaler Ebene hinzu. Der Statthalter der neuen Provinz (der <em>praefectus Aegypti</em>) und andere hochrangige Verwaltungsbeamte übten die Gerichtsbarkeit bei Kriminalfällen und Verfahren mit hohem Streitwert aus. Bagatellverfahren und Routinefälle – wie etwa Streitigkeiten unter Erben, Zwist bei Ehescheidungen oder strittige Nominierungen zu staatlichen Zwangsdiensten – blieben weiterhin bei den lokalen Gerichten, welche die Tradition der ptolemäischen Rechtsprechung fortsetzten. Die Zahl der Prozesse war groß, und die jurisdiktionellen Einrichtungen wurden regelrecht überschüttet mit Anzeigen, Klagen und Petitionen. Der Statthalter Subatianus Aquila beispielsweise, der am Beginn des 3. Jh. n. Chr. amtierte, erhielt bei der jährlichen Inspektions- und Gerichtsreise durch seine Provinz während seines zweieinhalb-tägigen Aufenthaltes in einer mittelägyptischen Stadt nicht weniger als 1804 Petitionen ausgehändigt. Dies zeigt eindrucksvoll, welche Flut von Anzeigen und Klagen zu bewältigen waren. Die richterliche Tätigkeit der Statthalter und hohen Amtsträger war zugleich aber auch eine theatralisch inszenierte Manifestation der römischen Herrschaft, die damit ihre Sorge um Gerechtigkeit, Ruhe und Ordnung demonstrierte.</p>
<p><a href="http://www.onb.ac.at/index.php?eID=tx_cms_showpic&amp;file=2413&amp;md5=6ad850f5ca8e66fcaaeefd7fc9d7779cc6e6dc93&amp;parameters%5B0%5D=YTowOnt9"><img src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/c/e/csm__G_2002004_20Protokoll_e03d9d6350.jpg" alt="" style="font-size: 12px; " title="" height="484" width="300" /></a></p>
<p><em>P.Vindob. G 2004 = SPP XX 4 (Ptolemais&nbsp;Euergetis, 13. April 124 n. Chr.):<br />Protokoll einer Verhandlung vor einem Richter, den der römische Statthalter delegiert hat. Der Fall betrifft ägyptisches Erbrecht; das Protokoll wurde im Archiv des Bezirkes Arsinoites (Fayum) archiviert. Korrekturen sind in roter Tinte angebracht. (Copyright:&nbsp;Österreichische Nationalbibliothek, Papyrussammlung)</em></p>
<p><br />Wie liefen die Prozesse in den geschäftigen römischen Gerichten ab? Traten die Parteien auf, um ihre Standpunkte vorzutragen? Hielten redegewandte Advokaten Plädoyers? Wurden Zeugen befragt? Argumentierte man mit Präzedenzfällen? Prüfte das Gericht die vorgelegten Urkunden? Wie wurden die Akten der Verhandlungen aufbewahrt – und wem waren sie zugänglich? Was waren die Grundlagen der richterlichen Entscheidungen? Welche juristische Ausbildung und Kompetenz hatten die Statthalter, ihre Rechtsberater und die Advokaten, welche die Streitparteien vertraten? Die umfangreiche römische Rechtsliteratur informiert uns zwar über die Dogmatik und normativen Regelungen, doch über die reale Praxis der Jurisdiktion liegen kaum Nachrichten vor. Deshalb ist es ein Glücksfall, dass zahlreiche Papyri die konkreten Abläufe im Gerichtssaal und die Arbeit sowohl des Gerichtes als auch der Advokaten beleuchten. Das trockene Klima Ägyptens hat hunderte originale Papyrusdokumente bewahrt, die im Zusammenhang mit Prozessen geschrieben wurden und herausragende Zeugnisse der Rechtsprechung in einer Provinz des Römischen Reiches sind. Sie enthalten Protokolle von Verhandlungen, Exzerpte und Auszüge solcher Protokolle, Zitate von richterlichen Entscheidungen oder maßgeblicher Evidenz, aber auch Zusammenstellungen von Präzedenzfällen für die Vorbereitung von Prozessen. Diese Texte zeigen uns die dynamische Interaktion zwischen umtriebigen Anwälten, gewiegten Richtern, aufgeregten Streitparteien, einfachen Gerichtsdienern und routinierten Justizbeamten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="http://www.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/0/9/csm__G_2024908_20Protokoll_5d64697f46.jpg" alt="" style="font-size: 12px; " height="213" width="300" /></p>
<p><em>Abb. 2:&nbsp;P.Vindob. G 24908 = SPP XXII 51 (Soknopaiu Nesos, 15. Mai 153 n. Chr.)</em><em><br />Verhandlung vor dem hohen römischen Amtsträger Erzpriester (archiereus) bezüglich eines Antrages auf Beschneidung</em><em> (Copyright:&nbsp;Österreichische Nationalbibliothek, Papyrussammlung)</em></p>
<p><br />Diese außerordentlichen Testimonien für die alltägliche Rechtspraxis in den verschiedenen Bereichen der römischen Provinzialverwaltung sind der Gegenstand eines auf drei Jahre anberaumten Forschungsprojektes, das vom FWF gefördert wird und derzeit in Kooperation mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften an der Papyrussammlung der ÖNB durchgeführt wird. Bislang liegen diese Prozessprotokolle und ähnlichen Dokumente in keiner kritischen Sammlung vor und sind deshalb auch kaum von der historischen oder rechtsgeschichtlichen Diskussion berücksichtigt worden. Ziel des Projektes ist es daher, die römischen Prozessprotokolle bis zum Jahre 300 n. Chr. – als diese Form der Dokumentation abgelöst wurde von zweisprachig (lateinisch und griechisch) gestalteten Protokollen – sowie andere relevanten Texte erstmals systematisch zu untersuchen. Die Auswertung dieser Quellen wird die Rechtsprechung der römischen Amtsträger und der Gerichte in den etwa 50 Bezirken der römischen Provinz<em> Aegyptus</em> erhellen. </p>
<p>Da bislang keine systematische Studie zu diesen Dokumenten vorliegt, möchte das Projekt diesem empfindlichen Desiderat der Forschung durch eine umfassende Analyse begegnen. Zum einen werden in papyrologischer Grundlagenarbeit die Prozessprotokolle textkritisch überprüft und mit Übersetzungen und Kommentaren aufbereitet. Die Lesungen und Ergänzungen der oftmals fragmentarischen Papyrusurkunden werden anhand der Originale oder hochaufgelöster Scans penibel geprüft. Dabei sind auch das Layout, Eigenheiten der Handschrift und allfällige Randnotizen zu beachten, um einerseits die formale Gestaltung der Prozessprotokolle zu verstehen, andererseits Abschriften oder Exzerpte von originalen Mitschriften zu unterschieden und Hinweise auf die Art der Archivierung zu entdecken. So sind schon im Zuge der bisherigen Arbeiten zahlreiche Verbesserungen zu den Texten selbst gelungen. Paläographische Beobachtungen haben zudem ergeben, dass viele der bislang als Prozessprotokolle interpretierten Texte nicht in einer kursiven Kanzleischrift, sondern in einer literarischen Buchschrift verfasst sind; diese Dokumente sind folglich als Abschriften für den Gebrauch durch Anwälte oder Rechtsspezialisten im Umkreis der forensischen Praxis zu betrachten. In einigen Fällen sind Dossiers von solchen Dokumenten mit einzelnen Advokaten in Verbindung zu bringen und erlauben erhellende Einsichten in die Arbeitsweise der Rechtsgelehrten und Anwälte. Als originale Urkunden aus einem sehr spezifischen Zusammenhang sind diese Texte, die oftmals auch in einem juristischen Fachjargon verfasst sind, nicht immer voraussetzungslos verständlich. Sie müssen daher im jeweiligen Kontext erklärt werden, um sich für weiterführende Studien zu erschließen. Etliche bislang unpublizierte Prozessprotokolle – auch einige aus der Papyrussammlung der ÖNB – werden ediert und damit der wissenschaftlichen Diskussion zugänglich gemacht. </p>
<p>Auf der Basis dieser revidierten und kommentierten Papyrusquellen erfolgt eine inhaltliche Auswertung ihrer rechts-, verwaltungs- und sozialgeschichtlichen Informationen. Dabei sind grundlegende Fragen der römischen Prozessführung, der Gerichtshöfe und ihres Personals, der amtlichen und archivalischen Handhabung der Schriftstücke sowie der Wahrnehmung der Jurisdiktion durch die streitenden Parteien zu studieren. Im Zentrum der Aufmerksamkeit werden einige Prozesse stehen, welche durch ausführliche Dokumentation, bisweilen auch durch ihre lange Dauer<a name="_GoBack"></a> besonders gute Einblicke in die Rechtspraxis der Kaiserzeit vom Ende des 1. Jh. v. Chr. bis zum Beginn des 4. Jh. n. Chr. gewähren. Untersucht werden speziell die Verfahren und Abläufe der Verhandlungen, die Aktivitäten der Juristen innerhalb und außerhalb des Gerichtssaales, die Entwicklung der Protokollierung und Archivierung von Gerichtsakten, die Verbreitung und Anwendung juristischen Fachwissens sowie die jurisdiktionelle Institutionen und deren Organisationsform. Am Rande wird auch die informelle Rechtsprechung – etwa durch Militärpersonen –&nbsp; besprochen.&nbsp; </p>
<p>Die Ergebnisse des Forschungsvorhabens sollen in einer monographischen Studie publiziert werden, welche vor dem Hintergrund der gut aufgearbeiteten literarischen und normativen Quellen die papyrologische Dokumentation zur Jurisdiktion im kaiserzeitlichen Ägypten auswertet. Die Ergebnisse werden unmittelbare Relevanz für die antike Rechtsgeschichte und die Papyrologie sowie für die Kenntnis und Bewertung der römischen Herrschaft, insbesondere im Rahmen der Interaktion zwischen Statthaltergericht und munizipaler Jurisdiktion in den Hauptstädten der Bezirke haben. </p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Daten zum Forschungsprojekt der ÖNB</p><table cellpadding="0" cellspacing="0" border="1" width="621" class="contenttable"> <tbody><tr> <td valign="top" width="196"><p>Titel</p></td> <td valign="top" width="426"><p>Proceedings in the Law Courts of Roman Egypt (30 BCE – 300 CE)</p></td> </tr> <tr> <td valign="top" width="196"><p>Finanzierung</p></td> <td valign="top" width="426"><p>FWF </p></td> </tr> <tr> <td valign="top" width="196"><p>Laufzeit</p></td> <td valign="top" width="426"><p>1. Sept. 2014 – 31. Aug. 2017</p></td> </tr> <tr> <td valign="top" width="196"><p>Projektleitung</p></td> <td valign="top" width="426"><p>Bernhard Palme</p></td> </tr> <tr> <td valign="top" width="196"><p>Projektteam</p></td> <td valign="top" width="426"><p>Anna Dolganov</p></td> </tr> <tr> <td valign="top" width="196"><p>Projektpartner (außer ÖNB)</p></td> <td valign="top" width="426"><p>Österreichische Akademie der Wissenschaften, </p> <p>Institut für Kulturgeschichte der Antike, Abt. Documenta Antiqua</p></td> </tr> </tbody></table>]]></content:encoded>
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