Das Wiener Heiltumsbuch von 1502 – ein unikaler Wiener Frühdruck von Johannes Winterburger

Heuperger, Matthaeus: In disem Puechlein ist Verzaichent das Hochwirdig Heyligtu(m)b In der Loblichen stat Wienn In Osterreich alle iar an Sontag nach dem Ostertag zezaigen pfligt. - Wien: Johann Winterburger, 1502.

Österreichische Nationalbibliothek, Sign.: CP.2.B.66 

Eine der ältesten Darstellungen (kolorierter Holzschnitt) des Wiener Stephansdoms

Das Wiener Heiltumsbuch gehört zu den wichtigsten Werken des Wiener Frühdruckers Johannes Winterburger. Der aus dem Rheinland stammende Drucker ist ab 1492 in Wien nachweisbar. Die bis zu seinem Tod 1519 dokumentierte Gesamtproduktion umfasst über 200 Druckwerke.

Heiltumsbücher sind anlässlich der Ausstellung des Reliquienschatzes einzelner Kirchen für die Wallfahrer hergestellte Heiltumsverzeichnisse, nachweisbar seit dem letzten Drittel des 15. Jhs. Das Wiener Heiltumsbuch beschreibt den großen Reliquienschatz der 1469 zur Kathedrale erhobenen Allerheiligen-Domkirche zu St. Stephan. Zusammengestellt wurde das Verzeichnis von dem Wiener Ratsherrn und Patrizier Matthaeus Heuperger und 1502 erstmals bei Winterburger gedruckt. 1514 ließ Heuperger einen Nachtrag drucken, welcher ein neues Titelblatt, die Darstellung des Hl. Stephan und drei weitere Seiten mit neu hinzugekommenen Reliquien beinhaltete, und vertrieb diesen mit der Restauflage von 1502. Neben der Abbildung und Erläuterung von über 255 Reliquien enthält das Buch eine Ansicht des 1485/86 aus Quadersteinen errichteten Heiltumstuhls (ein Gebäude, das der öffentlichen Schaustellung von Reliquien diente) und eine der ältesten Darstellungen des Wiener Stephansdoms. Der ganzseitige Holzschnitt, der dem sogenannten Hauptmeister des Heiltumsbuches zugeordnet wird, zeigt eine erstaunliche Treue in der Wiedergabe des Gebäudes, die sich auch an Details wie der Darstellung des Krans auf dem noch unvollendeten Nordturm feststellen lässt. Insgesamt stellt dieses Exemplar ein einzigartiges und unikales Dokument jener Zeit in Wien dar –  einerseits hinsichtlich der Beschreibung des Ereignisses selbst (in keinem anderen Heiltumsbüchlein finden sich z.B. Anweisungen dazu welche Responsorien und Antiphonen während der einzelnen Gänge vom Liturgen und dem Publikum zu singen sind) andererseits in Hinblick auf die aufwändige und reichhaltige Illustration mit detaillierten Holzschnitten.

Das Wiener Heiltumsbuch im ONB-OPAC (mit Digitalisat/Volltext)

 

 

 


last update 03.09.2016