ARIADNE-Newsletter 26

Frauenforschung & Frauengeschichte

Bainton, Roland H.: Frauen der Reformation : von Katharina von Bora bis Anna Zwingli ; 10 Porträts. - Gütersloh : Gütersloher Verl.-Haus, 1996. - (Gütersloher Taschenbücher Siebenstern ; 1442)
Signatur: 1149854-B.Neu-Per.1442
An den zehn Frauenporträts wird im kleinen nachvollziehbar, wie die Reformation auf die soziale Ordnung gewirkt hat, welche Folgen die reformatorische Bewegung für die Frauen hatte, aber auch wie Frauen die Erneuerung der Kirche mitprägten. Der Autor gibt profunde Einblicke in charakteristische Merkmale der Familie, deren Funktion in Kirche und Gesellschaft, das Bild der Ehe zu Anfang des 16. Jahrhunderts und die Organisation des Familienlebens.

Dausien, Bettina: Biographie und Geschlecht : zur biographischen Konstruktion sozialer Wirklichkeit in Frauenlebensgeschichten. - Bremen : Donat-Verl., 1996. - (IBL-Forschung ; 1)
Signatur: 1481049-B.Neu-Per.1
Für ihren hier vorgelegten Entwurf zur Verknüpfung der Kategorien Biographie und Geschlecht greift die Autorin auf ein vor zehn Jahren durchgeführtes Biographieprojekt zurück: 1980 wurden empirisch ArbeiterInnenbiographien erfasst. Die These, daß die biographische Subjektperspektive nicht nur durch das soziale Milieu, sondern auch das Geschlecht entscheidend geprägt wird, wurde mittlerweile durch feministische Theorien untermauert. Gleichzeitig erfolgt ein neuer Interpretationsprozeß: in der Analyse der Lebensgeschichten wurden Strukturen rekonstruiert, die nur aus der distanzierten Außenperspektive und mit Hilfe eines theoretisch-methodischen Instruments zu finden waren. "Biographische Prozesse beinhalten immer das Moment von Emergenz und Autonomie".

Henning, Doris: Frauen in der kubanischen Geschichte : zur Rolle der Frau im gesellschaftlichen Entwicklungsprozess Kubas von der Kolonialzeit bis zur Revolution. - Frankfurt am Main [u.a.] : Lang, 1996. - (Europäische Hochschulschriften : Reihe 22, Soziologie ; Bd. 280)
Signatur: 1033965-B.Neu-Per.22,280
Auch die kubanische Geschichte ist so geschrieben, daß Frauen kaum vorkommen. Diese Arbeit versucht im Sinne einer "kontributorischen Geschichtsschreibung", den Spuren der Frauen in der kubanischen Geschichte nachzugehen. Die Rolle der Frau, die Bedeutung der weiblichen Beteiligung am gesellschaftlichen Entwicklungsprozeß und ihr Kampf um Gleichberechtigung wird von der Kolonialzeit über die Zeit der Pseudo-Republik bis in die nachrevolutionäre Zeit nachgezeichnet. Es wird deutlich, daß Frauen - auch wenn sie schwer aufzuspüren sind - immer auch Subjekt im Prozeß gesellschaftlichen Wandels waren.

Herren-Los : Herrschaft, Erkenntnis, Lebensform / Claudia von Werlhof ... (Hrsg.). - Frankfurt am Main [u.a] : Lang, 1996.
Signatur: 1483285-B.Neu
Herrschaft ist ein Tabu. Überall wird sie als selbstverständlich vorausgesetzt. Dabei ist sie selbst- und weltzerstörerisch. Gab/gibt es "herrenlose"Verhältnisse? Wie sind sie, und wie gelangen wir (wieder) dahin? Ist es der Herren Los, wieder zu verschwinden? Diese Themen der Tagung "Herrschaft, Erkenntnis und Lebensform" 1991 in Tirol gaben die ersten Anregungen zu diesem Buch. Sind Matriarchate herrschaftsfreie Gesellschaften? Was geschah mit der Erinnerung an Herrschaftsfreiheit, der Tradition strafloser Konfliktlösung, dem Zusammenhang von Geist und Natur und der Eigenmächtigkeit des weiblichen Leibes? Erst die Systematisierung von Herrschaft ist ein Problem: "dichotomes Denken", männliche Usurpation des Gebärens und Erziehung zur Zerstörungsfähigkeit. Gibt es Wege aus dem Herrschaftssystem?

Obermeier, Monika: "Ancilla": Beiträge zur Geschichte der unfreien Frauen im Frühmittelalter. - Pfaffenweiler : Centaurus-Verl.-Ges., 1996. - (Frauen in Geschichte und Gesellschaft ; 32)
Signatur: 1328583-B.Neu-Per.32
Die Untersuchung behandelt elementare Bereiche des menschlichen Lebens, d.h. Ehe und Familie sowie die tägliche Arbeit, soweit Tatsachen in den Quellen greifbar werden. Deutlich zeigt sich dabei die große Bedeutung der Frauen in der Familie und in der Basisgesellschaft für das Fortbestehen der unfreien Hufenwirtschaft. Das Bild der völlig unterdrückten Frau im Mittelalter verblaßt. Die Unfreiheit trifft Männer wie Frauen in gleicher Weise. Eine Diskriminierung der Frau innerhalb der frühmittelalterlichen Agrargesellschaft zeigt sich nicht. Ihre Arbeit wird anerkannt, ihre Selbständigkeit beweist die eigene Hufenbewirtschaftung. Diese Ergebnisse kristallisieren sich in der Untersuchung heraus, die als Überblick und eine Art Gesamtschau unfreier weiblicher Lebenssituation angelegt ist.

Reeder, Ellen D.: Pandora : Frauen im Klassischen Griechenland. - Mainz am Rhein : von Zabern, 1996.
Signatur: 1477466-C.Neu
Dieses großformatige Buch eröffnet den Blick auf die Frauen in Mythos, Ritus und Alltagsleben des klassischen Griechenland. Neuere Erkenntnisse nicht nur der Altertumswissenschaft, sondern der Anthropologie, Sozialgeschichte und Psychologie werden in den einführenden Essays international bekannter Gelehrter genutzt, um die Rollen der griechischen Frauen in einer von Männern dominierten Gesellschaft besser zu verstehen. Auch die griechischen Kunstwerke aus Museen und Sammlungen in vierzehn Ländern, die in diesem Band versammelt sind, werden unter ähnlichen modernen Vorzeichen befragt, da sie im Spiegel des Ideals und seiner Gegenbilder verraten, wie Frauen im klassischen Griechenland gesehen werden konnten - als jungfräuliche Mädchen und als Hetären aller Schattierungen, als gefügige Ehefrauen und als wilde, der Zähmung bedürftige Wesen. Sie alle begegnen uns auch in den Mythen, etwa als junge Geliebte der Götter, als Gefährtinnen der Helden oder als kriegerische Amazonen und Sirenen, die Männer ins Verderben locken.

Reine Männersache? : Frauen in Männerdomänen der antiken Welt / Hrsg. von Maria H. Dettenhofer. - München : Dt. Taschenbuch-Verl., 1996. - (Dtv ; 4689)
Signatur: 953948-B.Neu-Per.4689
War die Schwelle des Hauses immer eine Barriere zwischen den Lebenswelten von Männern und Frauen? Die traditionelle Domäne der Frauen in der Antike war das Haus und die Familie, der öffentliche Raum mit den damit verbundenen Aufgaben die der Männer. Die Beiträge dieses Buches zeigen jedoch, daß es in der griechischen und römischen Antike durchaus Frauen gab, denen es gelang, die Türschwelle zu überschreiten und in den verschiedensten Bereichen des öffentlichen Lebens bestimmte Rollen und Funktionen zu übernehmen.

Standhartinger, Angela: Das Frauenbild im Judentum der hellenistischen Zeit : ein Beitrag anhand von "Joseph und Aseneth". - Leiden [u.a.] : Brill, 1995. - (Arbeiten zur Geschichte des Antiken Judentums und des Urchristentums ; 26)
Signatur: 957036-C.Neu-Per.26
Dieser Band macht sich die Existenz zweier vor allem im Umfang stark differierender Rekonstruktionen des "ältesten erreichbaren Textes" von "Joseph und Aseneth" zunutze. Beide Textversionen sind in sich geschlossene und sinnvolle Fassungen derselben Schrift, die sich jedoch im Frauenbild und in der theologischen Profilierung unterscheiden. Es wird eine Methodik zur Untersuchung literarischer Frauenbilder sowie deren Wirkungen auf antike Leserinnen und Leser entwickelt, um die Unterschiede der beiden Textfassungen in die jeweilige Gesamtdarstellung einzuordnen und die jeweiligen Beziehungen zur paganen und jüdischen Diskussion um Frauenbilder und zur jüdisch-hellenistischen Bibelauslegung aufzudecken. Dabei zeigen sich enge Beziehungen der Schrift zum antiken Roman und zur jüdisch-hellenistischen Diskussion um die Josephs- und Dinageschichte. Die unterschiedlichen Darstellungen der Frauenfiguren decken eine Kontroverse um den Text auf, durch die "Joseph und Aseneth"theologisch und sozialgeschichtlich eingeordnet werden kann.

Thomas, Theodore N.: Women against Hitler : Christian resistance in the Third Reich. - Westport, Conn. : Praeger, 1995.
Signatur: 1479916-C.Neu
Die "Bekennende Kirche", die sich in Teilen Deutschlands nach der Machtübernahme durch die Nazis gebildet hat, war die einzige soziale und religiöse Institution, die sich der Gleichschaltung und der Vereinnahmung des Protestantismus entgegensetzte. Frauen spielten in dieser Widerstandsbewegung eine eminente Rolle. Durch sorgfältige Aufarbeitung von Quellen und Archivmaterial wird auch dieser Apsekt von Frauengeschichte lebendig.

Wechselnde Blicke : Frauenforschung in internationaler Perspektive / Ilse Lenz ... (Hrsg.). - Opladen : Leske + Budrich, 1996. - (Geschlecht und Gesellschaft ; 2)
Signatur: 1459175-B.Neu-Per.2
Dieser Band der neuen Buchreihe "Geschlecht und Gesellschaft" stellt neue theoretische Perspektiven zur Frage der Unterschiede zwischen Frauen und der Universalität feministischer Ansätze vor. Die Autorinnen aus Deutschland, USA, Afrika und dem Nahen Osten überwinden neue Dualismen, die sich in den Debatten zum Multikulturalismus und Antirassismus ausbreiten, und tragen aus ihren Erfahrungen und Theorieperspektiven zu einer wirklich internationalen feministischen Theorie bei.

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