ARIADNE-Newsletter 26

Biographisches & Erlebnisberichte

Alnaes, Karsten: Sabina : Sabina Spielrein - der Roman ihres Lebens. - Hamburg : Kabel, 1996.
Signatur: 1481716-B.Neu
Die russisch-jüdische Psychiaterin Sabina Spielrein (1885-1941) erlebte die großen politischen Tragödien, die in unserem Jahrhundert Europa heimgesucht haben, am eigenen Leibe. In ihrem wechselhaften, dramatischen Leben, das sie von ihrem russischen Geburtsort Rostow über Zürich, Wien und Berlin nach Moskau führte, wurde sie selber das Opfer schicksalhafter Strömungen in der Geschichte. Gleichzeitig war sie eine bedeutende Wissenschaftlerin, die C.G. Jung, Sigmund Freud, Jean Piaget und andere wesentlich beeinflußte. Sie war auch die erste, die versuchte, durch eine bahnbrechende Abhandlung, die bereits 1912 veröffentlicht wurde, den menschlichen Zerstörungstrieb darzustellen.

Baker, Ida: Ein Leben für Katherine Mansfield : Erinnerungen der Ida Baker. - Dortmund : Ed. Ebersbach, 1996.
Signatur: 1483216-B.Neu
Ida Baker und Katherine Mansfield lernten sich 1903 als 15jährige im Internat kennen. Von da an war Ida, die ihr Musikstudium und den Gedanken an eine eigene Familie aufgab, ihrer Freundin Katherine treu ergeben. Sie begleitete sie zu ihren häufigen Kuraufenthalten und stand ihr in guten und schlechten Zeiten bei. Geprägt von innerer Unabhängigkeit, von Eigensinn und großer Intensität entsprach diese Freundschaft weder dem Muster einer Frauenbeziehung noch der strengen Moral jener Zeit. Sie war eine für heutige Begriffe überraschend moderne, von genormtem Denken freie Verbindung.

Beauvoir, Simone de: Briefe an Sartre : Band 1 u. 2 / hrsg. von Sylvie Le Bon de Beauvoir. - Reinbek : Rowohlt, 1997.
Signatur: 1482172-B.Neu.1+2
Der erste Band enthält die Briefe von 1930 bis 1939 und schildert vor allem die Trennung der beiden während des Krieges. Für Simone begann im September 1939 ein neuer Lebensabschnitt - Sartre war an der Front. Sie beschloß, ein Tagebuch zu führen - Gedächtnisstütze auch für die täglichen Briefe, die das "fortwährende Gespräch" der beiden nicht abreißen ließ. Der zweite Band umfaßt die Periode 1940 bis 1963. Höhepunkt dieses Bandes ist das "Abenteuer Amerika", das die Beauvoir auf den Spuren Sartres entdeckte, und ihre Liebesbeziehung zu dem amerikanischen Schriftsteller Nelson Algren.

Ceranski, Beate: "Und sie fürchtet sich vor niemandem": die Physikerin Laura Bassi (1711 - 1778). - Frankfurt, Main [u.a.] : Campus-Verl., 1996. - (Reihe "Geschichte und Geschlechter" ; 17)
Signatur: 1392373-B.Neu-Per.17
Laura Bassi gehört wegen ihrer einzigartigen Karriere zu den faszinierendsten Frauengestalten der frühneuzeitlichen Naturwissenschaft. Sie war Europas erste Professorin, hatte eine bezahlte Akademiestelle inne, war Lehrerin einer ganzen Generation oberitalienischer Naturwissenschaftler und, nicht zuletzt, Ehefrau und Mutter. Diese außergewöhnliche Karriere verdankte Laura Bassi wesentlich ihrem Mut, neue Rollen jenseits des zeitgenössischen Frauenbildes zu erfinden und auszufüllen. Von gleicher Bedeutung war aber auch die Unterstützung, die ihr durch die spezifische Wissenschaftskultur ihrer Heimatstadt Bologna, die Loyalität ihres Ehemanns und durch den Papst zuteil wurde. Die Autorin analysiert Bassis Biographie in diesem Wechselverhältnis von Umweltgegebenheiten und eigenem Handeln und berücksichtigt dabei insbesondere die Frage, wie sich die verschiedenen Vorstellungen von Wissenschaft und Geschlechterdifferenz auf Bassis Handlungsmöglichkeiten auswirkten.

Conn, Peter: Pearl S. Buck : a cultural biography. - Cambridge [u.a.] : Cambridge University Press, 1996
Signatur: 1484545-C.Neu
Pearl S. Buck, die erste Frau, die den Literatur-Nobelpreis gewann, wurde 1892 in China geboren. Sie stammt aus einer Missionarsfamilie und wuchs von Anfang an zweisprachig auf. Über ihr umfangreiches literarisches Werk hinausgehend engagierte sie sich in sozialpolitischen Fragen und trat u.a. für die Forderungen der Frauenbewegung ein. Außer einer detailgenauen biographischen Aufarbeitung ihres Lebens bietet Peter Conn einen kulturpolitischen Einblick in die amerikanische und chinesische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts.

Dericum, Christa: Faszination des Feuers : das Leben der Ingeborg Bachmann. - Freiburg [u.a.] : Herder, 1996. - (Herder-Taschenbuch ; 4394 : Herder-Spektrum)
Signatur: 887282-B.Neu-Per.4394
Die Autorin, selbst Schriftstellerin und Mitglied des PEN, die Ingeborg Bachmann persönlich kannte, versucht hier eine äußerst sensible Annäherung. Sie läßt Person und Schriftstellerin in ihrer Zeit (1926-1973) lebendig werden, die Träume, die strenge Arbeit, die Beziehungen zu Menschen, die Utopie eines neuen Denkens - dem eine "neue Sprache" entspricht.

Fischer, Lisa: "Jenseits vom lärmenden Käfig" : die Lyrikerin, Journalistin und Aktivistin Herta Staub ; eine Biographie. - Wien [u.a.] : Böhlau, 1997.
Signatur: 1480785-B.Neu
Diese beweg(ende)te Lebensgeschichte einer intellektuellen und engagierten Frau des 20. Jahrhunderts, die Geschichte selbst erlebt und auch mitgestaltet hat, konnte von ihr autorisiert werden. In den 30er Jahren Journalistin bei der Wiener Zeitung - erlebt sie die Februarkämpfe; im Nationalsozialismus lebt sie Widerstand und erhält Schreibverbot; im Wiederaufbau engagiert sie sich kulturpolitisch mit Viktor Matejka und sie hört nie auf wachsame Zeitzeugin zu sein und für ihre Stadt Wien zu kämpfen und zu schreiben!

Maddox, Brenda: Ein verheirateter Mann : D.H. Lawrence und Frieda von Richthofen ; Roman / Deutsch von Erica Fischer. - Köln : Kiepenheuer &Witsch, 1996.
Signatur: 1483766-B.Neu
Ein weiteres Werk der versierten Biographie-Autorin, indem sie nach Nora Joyce wieder das Thema "genialer Künstler im Banne einer erotischen Frau" (an der Seite der sexuell freizügigen, hochintellektuellen Frieda von Richthofen) aufgreift. Ihr stand dafür bisher unveröffentlichtes, sowie erst vor kurzem veröffentlichtes Material (tausende Briefe) zur Verfügung.

Phoolan, Devi: Ich war die Königin der Banditen : die Autobiographie. - Rheda-Wiedenbrück [u.a.] : Bertelsmann Club [u.a.], 1997.
Signatur: 1481273-B.Neu
Phoolan Devi, hineingeboren in die erbärmlichste Armut Indiens, gehörte der niedrigen Kaste der Mallahs an. Und schlimmer noch: Sie war ein Mädchen. Ein Stück Eigentum ohne eigene Rechte. Sie erzählt in diesem Buch die Stationen des inneren und äußeren Weges eines gequälten Kindes zu einer reifen Frau: 1973 Kinderehe - 1978 Verhaftung - Mitglied bei Räuberbanden - 1981 Massaker von Behmai - 1982 Massaker von Dastampur - 1983 Inhaftierung - 1994 Freilassung - Engagement für unterdrückte Frauen in Indien.

Rothe, Friedrich: Arthur Schnitzler und Adele Sandrock : Theater über Theater. - Berlin : Rowohlt-Verl., 1997.
Signatur: 1481733-B.The-
Adele Sandrock spielte an den berühmtesten Bühnen Theater. Die Journalisten reißen sich um sie wegen ihrer respektlosen Bemerkungen und ihres skandalumwitterten Privatlebens, besonders als bekannt wird, daß ihr neuester Schwarm der noch unbekannte Arthur Schnitzler ist, ein junger Arzt aus angesehener Familie. Die beiden durchleben eine stürmische Geschichte mit allem, was dazugehört: Eifersüchten, Stimmungswechseln, Mißverständnissen und Versöhnungen.

Schulz, Helmut H.: Kaiserin Augusta. - Berlin : Verl. Neues Leben, 1996.
Signatur: 1474124-B.Neu
Kaiserin Augusta wurde als Prinzessin von Sachsen-Weimar-Eisenach 1811 in Weimar geboren. In der Aura der von Klassik umwobenen Stadt, wo sie mit Goethe verkehrte, wuchs sie in dieser Geisteswelt antipreußisch gefärbt auf. Das Schicksal aber trat in Gestalt eines Erzpreußen, dem Prinzen Wilhelm, in ihr Leben - die Siebzehnjährige tritt in den Ehestand mit ihm. Über 50 Jahre treu an seiner Seite wurde sie Königin von Preussen und deutsche Kaiserin, überlebte trotz Krankheit alle inneren und äußeren Krisen, den Kaiser und auch das Dreikaiserjahr 1888. Das Buch zeigt Kaiserin Augusta in den wirren Zeiten des Aufblühens und den Zeichen des Vergehens der preußischen-deutschen Monarchie.

Tapié, Victor-Lucien: Maria Theresia : die Kaiserin und ihr Reich. - Graz [u.a.] : Verl. Styria, 1996.
Signatur: 1480851-C.Neu
Maria Theresia war in ihren Anschauungen wie im Lebens- und Herrschaftsstil eine Monarchin des ausgehenden Barockzeitalters und sie gehört durch ihr von Anfang an so lebhaftes Reformbewußtsein und ihre Reformtätigkeit als eine geradezu idealtypische Leitfigur in das Phänomen des "Aufgeklärten Absolutismus". Der Autor weist darauf hin, daß gerade in der theresianischen Epoche des Übergangs vom Barock zur Aufklärung, vom Staat zur Nation, von der patriarchalischen Monarchie zur Gewaltenteilung und zum Gesellschaftsvertrag, von der feudalen Agrarwirtschaft zur kapitalistisch-industriellen Produktion der Herrschafts- und Regierungsstil charakterisiert erscheint durch die Verbindung christlicher Tradition mit dem Bestreben, in die Beziehungen zwischen den Staaten mehr Rationalität, in das Alltagsleben der Menschen mehr Gerechtigkeit zu bringen.

Trahan, Elizabeth W.: Geisterbeschwörung : eine jüdische Jugend im Wien der Kriegsjahre. - Wien : Picus-Verl., 1996.
Signatur: 1481203-B.Neu
Elisabeth W. Trahan läßt nach mehr als einem halben Jahrhundert die Erlebnisse ihrer Jugendzeit anhand ihrer bruchstückhaft zutage tretenden Erinnerungen aufleben. Außergewöhnlich an ihrem Schicksal ist die Tatsache, daß sie als Jüdin, durch einen rumänischen Paß mehr schlecht als recht geschützt, die gesamten Jahre der nationalsozialistischen Herrschaft, umgeben von einem stets kleiner werdenden Kreis jüdischer oder "jüdisch versippter" Freunde in Wien verbringen konnte. Sie versteht es, den "Alltag" dieser Verfolgten zu vermitteln, wie er bislang kaum bekannt war.

West, Mae: Goodness had nothing to do with it. - London : Virago, 1996.
Signatur: 1479511-B.The
"I climbed the ladder of success wrong by wrong", sagte Mae West (1893-1980) über sich selbst. Schon mit fünf Jahren stand sie zum ersten Mal auf der Bühne. Verzweifelt ob des Mangels guter Frauenrollen, begann sie selbst welche für sich zu schreiben und reüssierte damit am Broadway. Als sie sich später dem Film zuwandte, wurde sie zu einer Ikone Hollywoods, zu einer der gefeiertsten, bestbezahlten Drehbuchautorinnen bzw. Filmschauspielerinnen ihrer Generation. Mit Witz, Ehrlichkeit und Klarheit zeichnet sie in diesem Buch ihr Leben nach.

Zweig, Arnold: Komm her, wir lieben Dich : Briefe einer ungewöhnlichen Freundschaft zu dritt / Beatrice Zweig, Helene Weyl. Hrsg. von Ilse Lange. - Berlin : Aufbau-Verlag, 1996.
Signatur: 1484301-B.Neu
Leidenschaftlich und insistierend warben Arnold und Beatrice Zweig um die Freundschaft einer Frau, deren Schönheit, Charme und Begabung beide bewunderten. Vor allem die Briefe Arnold Zweigs, die den überwiegenden Anteil des Bandes ausmachen, sprechen von seinem anhaltenden Bemühen um eine besondere Form der Partnerschaft. Nahezu alle ihn bewegenden Fragen, Pläne und Probleme seiner literarischen Produktion legt er von 1912 bis 1939 vor der Freundin offen. Der Literaturwissenschaftler und Zweig-Forscher Jost Hermand zählt in seinem Nachwort diese Briefe zu den spannendsten der Zweigschen Korrespondenzen, lesbar auf zwei Ebenen: als autobiographische Berichterstattung und als Projektion geheimgehaltener Sehnsüchte und Wünsche.

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