Elfriede Czurda

geb. 1946

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© Privatfoto Elfriede Czurda

Elfriede Czurda, geboren am 25. 4. 1946 in Wels (Oberösterreich), ist seit 1978 als freie Schriftstellerin tätig. Im Anschluss an den Besuch einer Handelsschule in Wels arbeitete Czurda von 1963 bis 1967 als Bürokraft und absolvierte daneben eine Abendschule, in der sie 1968 maturierte. Nach einem etwa einjährigen Aufenthalt in London begann sie mit dem Studium der Kunstgeschichte und Archäologie in Paris und Salzburg, wo sie 1974 mit einer Dissertation über Eugène Fromentins "Les Maîtres d'autrefois" zum Doktor der Philosophie promovierte. Im selben Jahr erfolgte ihre erste Publikation in der Reihe "neue texte" in Linz. 1974 trat sie der Grazer Autorinnenversammlung (GAV) bei, deren Generalsekretärin sie 1975/76 und deren Vizepräsidentin sie von 1978 bis 1983 war. Von 1976 bis 1981 war Elfriede Czurda im Lektorat des Autorenverlags "edition neue texte" in Linz mit Reinhard Priessnitz, Friedrich Achleitner und Gerhard Rühm tätig. 1980 erfolgte die Übersiedlung nach Berlin.

Für Elfriede Czurda gilt Literatur als "Störfaktor einer Ordnung", wie sie es in ihrem Prosaband "Diotima" (1982) ausdrückt. In dem Abenteuerroman "Kerner" (1987) stellt sie den Diskurs ihres Titelhelden dar, dessen Versuch, Schuld und Scham nach einem inzestuösen Vergehen an seiner Tochter zu verdrängen, sich störend in das Naturerlebnis während einer Bergtour schiebt. Auch in dem 1991 erschienenen Roman "Die Giftmörderinnen", der ein großes Echo fand und zweimal dramatisiert wurde, zeigt Elfriede Czurda den Abgrund männlicher Triebhaftigkeit auf, diesmal in Form sexueller Demütigungen während der Ehe, ein Tatmotiv, das schließlich, verbunden mit dem Nebenmotiv einer lesbischen Liebesbeziehung, zum Mord an dem Triebtäter führt. In einer von Wortkreationen belebten experimentellen Sprache greift Czurda einen Fall auf, der sich im Berlin der 1920er-Jahre zugetragen hatte, und der damals bereits Alfred Döblin beschäftigte ("Die beiden Freundinnen und ihr Giftmord", 1924; verfilmt von Axel Corti 1978). Der Roman ist der erste Teil einer Trilogie, die 1997 mit "Die Schläferin" fortgesetzt wurde.

Neben Prosawerken - zu ergänzen ist noch "Signora Julia" (1985) - verfasste Czurda Gedichte, u.a. die Lyrikbände "Voik" (1993), "UnGlüxReflexe" (1995) und "wo bin ich wo ist es" (2002), sowie Hörspiele, u.a "Der Fußballfan" (1979). 1982 führte sie erstmals Regie bei einem eigenen Hörspiel, "Der Rabe oder Ein Märchen vom verstockten Sprechen". Parallel zu ihrem schriftstellerischen Wirken nahm Czurda gelegentlich Lehraufträge (u.a. in Berlin und am Institut für Theaterwissenschaft in Wien) an und war als Gastprofessorin an Universitäten in Japan und in den USA tätig. Ferner leitete sie Veranstaltungszyklen in der Alten Schmiede in Wien wie 1995 "Mädchenmuster / Mustermädchen" und das Autorenlabor 1999/2000 unter dem Titel "SUBurbs SUBtexts SUBjects - Architektur der Sprache - Sprache der Architektur".

Seit 2007 lebt Czurda wieder in Wien. Ihre neuesten Buchpublikationen sind "Krankhafte Lichtung. 3 wahnhafte Lieben" (2007), "ich, weiß. 366 mikro-essays für die westentasche" (2008) und "Untrüglicher Ortssinn" (2009). 2010 reflektierte Elfriede Czurda ihre Japan-Erfahrungen in dem Buch "Ich war nie in Japan" im Kontext zu Zeichnungen von Maria Bussmann. Zuletzt erschien 2011 der Gedichtband "dunkelziffer".

Die Autorin wurde mehrfach ausgezeichnet, so z.B. durch den Hörspielpreis des ORF, den sie 1980 erhielt. 1981 wurde ihr der Marburger Förderpreis für Literatur zuerkannt. Im gleichen Jahr nahm Czurda am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb teil. 1982 folgt der Sandoz-Preis für Literatur, Wien. Den Förderpreis für Literatur des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst, Wien, und den Theodor-Körner-Preis, Wien, erhielt sie 1984, das Elias-Canetti-Stipendium 1991, 1992 und 2003. 1997 folgte der Alexander-Masoch-Preis und 2000 der Landeskulturpreis des Landes Oberösterreich. 2008 wurde sie mit dem Österreichischen Würdigungspreis für Literatur ausgezeichnet.

Literatur: Heinz-Peter Preusser: Elfriede Czurda. In: Kritisches Lexikon der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Hg. von Heinz-Ludwig Arnold. München: edition text und kritik, 77. Nachlieferung (6/2004)); Florian Neuner / Christian Steinbacher (Redaktion): Elfriede Czurda. Linz: Land Oberösterreich, Amt der Oberösterreichischen Landesregierung, Institut für Kulturförderung 2006 (= Die Rampe: Portrait 2006.

ÖLA 306/06: Vorlass

Zugangsdatum: 2006.
Umfang: 32 Archivboxen.
Bestand benutzbar.

Ordnungssystematik/Inhaltsübersicht

Korrespondenzen u. a. mit: Heimrad Bäcker, Heidi Bucher, Lukas Cejpek, Elke Erb, Marianne Frisch, Felix Philipp Ingold, Ernst Jandl, Elfriede Jelinek, Friederike Mayröcker, Sabine Scholl, Yoko Tawada

Der Bestand ist vorgeordnet.


Recherche nach "Elfriede Czurda" in der Suchmaschine QuickSearch der Österreichischen Nationalbibliothek (in "Alle Bestände", oder eingeschränkt "Handschriften und Nachlässe")

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last update 03.05.2016