Gesunde Kindererziehung

ספר גדול בנים

Sefer gidul banim. – Lemberg: Naftali Herz Großmann, 1821. – Österreichische Nationalbibliothek, Sign. 29.755-B.Alt-Mag

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts herrschte in Lemberg eine sehr rege Druckertätigkeit in Bezug auf Hebraica. Eine der wichtigsten Druckereien hatte Naftali Herz Großmann inne, die nach seinem Tod Mitte der 1830-er-Jahre von seiner Frau Chawe noch einige Jahre weitergeführt wurde. Neben dem Nachdruck verschiedener jüdisch-religiöser Standardwerke, wie zum Beispiel die Responsen von Josef Karo (Lemberg, 1811), brachte die Großmann’sche Druckerpresse auch eine beachtliche Anzahl an Erstlingswerken ortsansässiger jüdischer Zeitgenossen hervor.
Einer von ihnen war der Lemberger Arzt Moses Mahl. Er machte es sich zur Aufgabe, ein Buch über „Kindererziehung in medizinischer Hinsicht, in populärer Darstellung“ zu verfassen. Sein Aufklärungsrepertoire reicht von § 1, mit der Überschrift „Von gesunden Ehen“, über die Paragraphen 48 ff. – das richtige Baden, Waschen, Stillen und Ankleiden der Kinder – bis hin zu den letzten Kapiteln, die vom richtigen Umgang mit verschiedenen Getränken, wie Wasser, Kaffee, Tee, Bier, Wein und Branntwein (in dieser Reihenfolge!), handeln. Als Motto für sein Werk verwendet Moses Mahl einen Spruch Ben Siras: „Wer seinen Sohn in der Jugend verzärtelt, vermehrt dadurch sein Leid“.
In der besten Mendelssohn’schen Aufklärungsmanier ist das Büchlein zweisprachig geschrieben: Die rechte Seite ist auf Hebräisch in Quadratschrift gedruckt; stets parallel, auf der linken Seite, findet sich der Text in judeo-deutscher Sprache mit deutsch-hebräischen Lettern („Weiberdeutsch“) wiedergegeben.
Ein Hinweis auf die osteuropäisch-aschkenasische Aussprachetradition ist durch die lateinische Umschrift des Buchtitels: „Gidul Bunim“ (sephardisch: „Gidul Banim“) gegeben.

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last update 16.12.2014