Habsburg und die Meerjungfrauen

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Maximis, Et Avgvstis Principibvs Avstriacis Ridvlpho, Hernesto, Et Ioanni, Paganvs Paganinivs S. P. D. - Genua : Apud Antonium Bellonum, 1571.

Österreichische Nationalbibliothek, Sign.: 310.359-B.Alt-Mag

Detailinformation    

Acht Jahre lang hatten Rudolf und Ernst, die beiden ältesten Söhne Kaiser Maximilians II., am Hof seines Cousins Philipp II. in Madrid gelebt. Im Sommer 1571 kehrten sie nach Österreich zurück. Sie schifften sich in Barcelona ein und reisten bis Genua in Begleitung von Don Juan de Austria, als unehelicher Sohn Kaiser Karls V. Onkel zweiten Grades für die beiden Prinzen.

Im Mai dieses Jahres hatte sich unter der Führung von Papst Pius V. eine Heilige Liga formiert, mit dem Ziel, die Osmanen auf ihrem Weg zur führenden Seemacht des Mittelmeers zu bremsen. Der erst 24jährige Don Juan war von der Liga zum „Generalkapitän der Meere“ ernannt worden. In Genua traf er Gianandrea Doria, Admiral der Republik und einer der Kommandanten in diesem Krieg. Als Gäste auf Dorias Landsitz empfingen die drei Habsburger den Besuch der Herzöge von Parma und Urbino, von Francesco de‘ Medici und von Vertretern und Notabeln der Republik. Dann reisten Rudolf und Ernst ab, um rechtzeitig zur Hochzeit ihres Onkels Karl von Innerösterreich mit der bayerischen Prinzessin Maria Anna in Wien zu sein. Don Juan brach am 31. Juli in Richtung Neapel auf, wo sich die Flotte der Alliierten sammelte. Am 7. Oktober besiegte die Liga die Osmanen in der Seeschlacht von Lepanto.

Der vorliegende, sehr seltene Druck feiert den Besuch der drei „Austriaci Iuuvenes“ [sic] auf sehr passende Weise: Ein Chor von Nereiden und ein Chor von Phorkiden*) besingen abwechselnd in Hexametern den Seehelden, die beiden Prinzen und die italienischen Fürsten, die ihnen in Genua persönlich oder durch Gesandte die Ehre erweisen. Einen großen Teil des Lobgedichts reserviert der Autor für die Würdigung genuesischer Patrizierfamilien und ihrer prominenten Vertreter(innen).   

*) Die Töchter der Meeresgötter Nereus und Phorkys traten als Chöre in der griechischen Tragödie auf.

 


last update 03.02.2016