Der Große Fall. Erzählung

Druckfahnen 1. Lauf, Exemplar von Peter Handke, 280 Blatt, 10.01.2011 bis ??.02.2011

Druckversion

Die Druckfahnen erster Lauf von Peter Handkes Erzählung Der Große Fall entstanden laut elektronischer Herstellungsdatierung am 10. Jänner 2011. Ein Ausdruck der Fahnen wurde vermutlich noch am selben Tag (oder zumindest kurz danach) an Peter Handke nach Chaville geschickt. Diese Korrekturfahnen Handkes umfassen 280 Blatt im DIN A4-Hochformat (mit jeweils einer Buchseite pro Blatt), die nach den Seiten 1 und 3 (2 und 4 fehlen) eine durchgehende Paginierung von 5-282 aufweisen. Am ersten Blatt vermerkte Handke mit Bleistift den Titel der Erzählung, seine Adresse in Chaville und die Datierung der Korrekturen von »Jan/Febr 2011« (S. 1). Am zweiten Blatt mit dem bereits gedruckten Titel »Der Große Fall« fügte er die Gattungsbezeichnung »Erzählung« (S. 3) wieder ein, die von Gudrun Weidner beim Abtippen des Manuskripts nicht in die Computerabschrift der zweiten Textfassung übernommen worden war.

Korrekturen

Der Text wurde von Handke (vor allem gegen Ende der Druckfahnen) stark überarbeitet, möglicherweise weil zuvor die sonst übliche Korrektur der zweiten Textfassung ausgeblieben war. Erst in den Fahnen wurde die Erzählung von Handke in neun Kapitel gegliedert, wobei die Kapitelanfänge durch Zahlen gekennzeichnet wurden (z.B. S. 7, 44, 70). Er fügte zahlreiche Absätze (ausdrücklich mit nachfolgender Leerzeile) ein (z.B. S. 20, 34, 51), strich einzelne Wörter oder Sätze (z.B. S. 26, 35), aber auch längere Passagen wie zum Beispiel eine zwei Seiten umfassende Reflexion des Erzählers über die ihm unangenehmen Gewaltdarstellungen in der Literatur, in der es etwa heißt: »Seit jeher sträube ich mich vor dem Erzählen von Gewalttätigkeiten. Oder eher: es sträubt sich. [...] Mir ist, als ob Erzählworte und Gewalt nichts miteinander zu schaffen haben, auch nicht haben dürfen. Als Leser ist mir das nicht nur bei den Büchern von Mickey Spillane so ergangen, sondern schon mit den tödlichen Zweikämpfen in der "Ilias", in der Nibelungensage und sogar mit denen im mächtigsanften Epos vom Ritter Parzival. [...] Und sooft ich als Schreiber nicht umhin konnte, Gewalt vorkommen zu lassen, war mir in der Tat, das gehöre sich nicht, an der Gewalt sei nichts zu erzählen und ich habe sie jeweils möglichst schnell abgehandelt, in kurzen abstrakten Sätzen wie die eines Gesetzesparagraphen, und selbst das kam, und kommt, mir ungehörig vor, im Widerspruch zum, wie sagte man einmal, zum Geist der Erzählung.« (S. 117-118) Diese Stelle war in der Szene eingeschoben, in welcher der Schauspieler dem Waldmenschen oder »Schreier« begegnet (DGF 116).

In Handkes Korrekturfahnen fallen zudem die zahlreichen, teilweise längeren Textergänzungen (z.B. S. 15, 94, 178, 185, 187) auf, wobei eine längere Einfügung wieder ausradiert wurde (S. 95). So wurde beispielsweise erst in den Druckfahnen der Name des Schauspielers eingefügt: »Und der Priester nannte den Schauspieler dazu bei seinem Namen: "Christophe" – denn du trägst das Gewicht der Welt!"« (S. 190) Die Entwürfe für diese Textergänzungen und Korrekturen sammelte Handke zuvor auf fünf handgeschriebenen Listen mit durchnummerierten Notizen, von denen die meisten in den Textergänzungen der Druckfahnen eingearbeitet wurden. Das Manuskriptblatt der am 2. Februar 2011 entstandenen zweiten Liste war bei der Übergabe der Fahnen von Peter Handke an Hans Widrich zwischen den Seiten 228/229 eingelegt und belegt die Arbeitsweise Handkes. Die Datierung der Listen gibt darüber hinaus weitere Hinweise zur Entstehung der Fahnenkorrekturen, die bis Ende Februar gedauert haben dürften – die letzte Liste wurde von Handke auf 15., 16. und 25. Februar 2011 datiert (siehe Konvolut aus Textergänzungen, Privatarchiv Hans Widrich).

Die Korrekturen wurden bis auf wenige Ausnahmen mit Bleistift eingetragen – mit blauer Tinte verbesserte Handke auf Seite 245 eine Bleistiftkorrektur, ergänzte auf Seite 262 eine Einfügung und notierte auf Seite 276 eine Korrektur sowie auf Seite 277 eine längere Textergänzung; auf dem letzten Blatt fügte er auch mit schwarzem Stift kleinere Korrekturen hinzu. Das Verwenden dieser Schreibstoffe könnte auf ein nochmaliges Durchlesen und Überprüfen der Fahnenkorrekturen vor der Übergabe an den Verlag hindeuten. (kp)

Siglenverzeichnis  Editorische Zeichen

 

Tabellarische Daten

Titel, Datum und Ort

Eingetragene Werktitel (laut Vorlage): 

DER GROSSE FALL [/] Erzählung [S. 1]; Der Große Fall \Erzählung/ [S. 3]; Der Große Fall [S. 5]

Entstehungsdatum (laut Vorlage):  10.01.2011 [elektronische Datierung]; Jan/Febr 2011 [Datierung von Peter Handke, S. 1]
Datum normiert:  10.01.2011 bis ??.02.2011
Entstehungsorte (laut Vorlage): 

Chaville [Adresse, Bl. 1]

Materialart und Besitz

Besitz:  Privatarchiv Hans Widrich
Art, Umfang, Anzahl: 

Druckfahnen 1. Lauf, 280 Blatt, pag. 1, 3, 5-282, mit eh. Korrekturen

Format:  A4
Schreibstoff:  Bleistift, Tinte (blau), Stift (schwarz)

Ergänzende Bemerkungen

Bemerkungen: 

Auf der Rückseite von Blatt 1 befindet sich eine Notiz von Hans Widrich: »26.9.2015 erhalten [/] Café Le Select Montparnass [/] H. W.«