Cod. 2848 (Rec. 3013), fol. II und I*

Missale-Fragment

Melk, um 1200

Pergament. 2 Blätter. 29 x 22 cm. Schriftraum ca. 24 x 16,5 cm, 24 Zeilen.

Provenienz: Die 1469 datierte Trägerhandschrift (Heinrich der Teichner, Gedichte) wurde im nö. Benediktinerstift Melk gebunden; von den Stempeln des schlecht erhaltenen Einbands lassen sich am HD noch drei erkennen: Drache im Rhombus, Krone und ein dreiteiliges Blatt.
Vgl. Nr. 8-10 der Zusammenstellung von Melker Stempeln bei: Chr. Glaßner (unter Mitarbeit von A. Haidinger), Inventar der Handschriften des Benediktinerstiftes Melk, Teil 1: Von den Anfängen bis zum Jahre 1400 (Veröffentlichungen der Kommission für Schrift- und Buchwesen des Mittelalters, Reihe II, Bd. 8), Wien 2000, Tafel XV-XVI.


Vgl. auch Melk, Stiftsbibliothek, Cod. 438

Auf Melk weisen ebenso auf fol. II*r eingetragene Vermerke des 15. Jahrhunderts über Zehente von Gainfarn (Nö.), dessen Pfarre dem Stift Melk noch heute untersteht.
Jüngere Vermerke stammen von einem Johannes Amberger ('Scripsit haec Joannes Amberger a Rottenburg ad tubarensis' auf fol. IIv oben, 16. Jhdt.), sowie 'Sum Amandi Gartner ... Dono Adolphi Gölii 1621' (fol. Iv); auf ersteren bezieht sich auch ein Eintrag auf fol. 1r unten: 'Amandi Gartner à Grueb equitis.' Spätestens im 18. Jahrhundert war die Handschrift im Wiener Chorherrenstift St. Dorothea (siehe Barocksignatur 'K. III N. 8' am Rücken oben), von wo sie nach Aufhebung des Stiftes 1786 in die Hofbibliothek kam und als 'Rec. 3013' einsigniert wurde.

Inhalt: Missale-Fragmente

Buchschmuck: Rote Überschriften, ein- bis vierzeilige rote Majuskeln. Eine fünfzeilige rot gezeichnete Rankeninitiale auf blauem und grünem Grund (fol. I*r).

Stil und Einordnung: Die beiden Blätter gehören vermutlich zu einem Melker Missale, von dem in der Stiftsbibliothek Melk drei Fragmentgruppen zusammengestellt wurden (vgl. Chr. Glaßner / A. Haidinger, Die Anfänge der Melker Bibliothek - Neue Erkenntnisse zu Handschriften und Fragmenten aus der Zeit vor 1200, Melk 1996, 107f. [Haidinger], Graduale - Sequentiar - Sakramentar, mit Abb. 82-84). Übereinstimmend sind Schriftraummaße und Zeilenzahl sowie Schrift und Ausstattung: Die Rankeninitiale mit den kleinteilig gebogten Kuppen der Blätter ist in Stil und Farbigkeit mit einem Fragment am HD des Cod. 6 der Stiftsbibliothek Melk vergleichbar, die Schrift beider Blätter stammt wie bei den Fragmenten in Melk von einem als 'Kalendarschreiber' bekannt gemachten Schreiber, dem auch Cod. 15437 in Wien zuzuordnen ist.


Cod. 2848, fol. I*r

Vgl. Melk, Stiftsbibliothek, Cod. 6, HD-Spiegel


Literatur: H. Menhardt, Verzeichnis der altdeutschen literarischen Handschriften der Österreichischen Nationalbibliothek, Bd. 1. Berlin 1961, 421-455, bes. 454 - F. Unterkircher, Die datierten Handschriften der Österreichischen Nationalbibliothek von 1451 bis 1500 (Katalog der datierten Handschriften in lateinischer Schrift in Österreich III), Text- und Tafelband. Wien 1974, 47.

(FS)



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