Cod. 1639 (Theol. 503)

Iohannes Beleth, Liber de officiis

Melk, 1. Drittel des 13. Jahrhunderts

Pergament. I+112 Bll. 22 x 15,5 cm. Kustoden: römische Zahlen am Lagenanfang. Die unvollständige erste Lage mit 38, die übrigen mit 24 Zeilen beschrieben.

Einband: Hellbraunes Leder mit Streicheisen (2 im Rechteck, 2 in der Diagonale), Spuren einer am HD befestigten Schließe, die an der VD-Außenkante einhakte. Am VD beschädigtes mittelalterliches Signaturschild "B ...". Am Rücken ockerfarbenes Papier und darauf barocke Titel- und Signaturschilder der Hofbibliothek.

Provenienz: Melker Besitzvermerk des 15. Jahrhunderts auf fol. 110v 'Iste liber pertinet ad sanctum cholomanum'. Der Codex ist in einem Melker Katalogfragment (Gottlieb, 153, Z. 19) und im Bibliothekskatalog von 1483 (Gottlieb, 188, Z. 22 = C 101) verzeichnet. Unter Caspar Niedbruck (gest. 1557) wurde die Handschrift an die Hofbibliothek in Wien entlehnt (Unterkircher - vgl. Cod. 9737i, fol. 379v, Nr. 12) und von dort offenbar an Matthias Flacius Illyricus (1520-1575) nach Regensburg weiterverliehen, mit dem vielleicht eine Signatur auf dem VD und auf fol. 1r zusammenhängt. Durch die Blotiussignatur 'N 4054' am HD-Spiegel ist die Handschrift seit 1576 wieder in der Hofbibliothek nachweisbar.


Cod. 1639, VD: Signatur von Matthias Flacius Illyricus (?) - vgl. auch Cod. 1072.


Inhalt: VD-Spiegel + fol. I Brevier-Fragmente (Melk, 13. Jhdt.), laut Glassner zur von Höchtl zusammengestellten Fragmenten-Gruppe XIII gehörig - vgl. E. Höchtl, Die adiastematisch notierten Fragmente aus den Handschriften der Stiftsbibliothek Melk - Versuch einer Bestandsaufnahme, Bd. 1-2 (ungedruckte Diss.), Wien 1990 - f. 1r Hildebertus Cenomanensis, De mysterio missae, PL 171,1177-1179 (Nachtrag des 13. Jhdts.) - ff. 1v-110v Iohannes Beleth, Liber de officiis, vgl. PL 202,13-166, aber stark abweichend - ff. 110-111r Hildebertus Cenomanensis, De mysterio missae, PL 171,1179-1182 (Fortsetzung von fol. 1r) - ff. 111v-112r Bernardus Morlanensis (?), De vanitate mundi, vgl. PL 184,1307-1310 (Nachtrag 13. Jhdt.), gefolgt von einem von der gleichen Hand geschriebenen, später durchgestrichenen Gebet, in dem sich ein 'Blasius' nennt - f. 112r Hildebertus Cenomanensis, De mysterio missae, PL 171,1182 (Fortsetzung von fol. 111r) - HD-Spiegel Brevier-Fragment (siehe VD-Spiegel).

Buchschmuck: Rote Überschriften, rote, meist ein- bis zweizeilige Majuskeln, gelegentlich mit schlichtem Kräuselblattdekor. Eine ca. zwölfzeilige Rankeninitiale I in Rot auf blaßgelbem Binnengrund, die Blattkuppen sepiabraun konturiert; nachträglich rot bekritzelt (fol. 1v). Nachgetragenes Schema des 15. Jhdts.: Guidonische Hand (fol. 112v).

Stil und Einordnung: Die kleinteilig gebogten Blätter der Initiale entsprechen den ca. ab 1200 in Melk gebräuchlichen Formen - vergleichbar sind z.B. Cvp. 15437 oder der später entstandene Cod. 382 der Stiftsbibliothek Melk, so daß der Provenienz wegen eine Entstehung im niederösterreichischen Benediktinerstift anzunehmen ist.


Cod. 1639, fol. 1v

Vgl. Melk, Stiftsbibliothek, Cod. 382, fol. 177v


Literatur: Gottlieb, Bibliothekskataloge, 1915, 140 Anm. 1 - F. Unterkircher, Vom Tode Maximilians I. bis zur Ernennung des Blotius (1519-1575), in: H. Stummvoll (Hrsg.), Geschichte der Österreichischen Nationalbibliothek, Erster Teil, Die Hofbibliothek (1368-1922), Wien 1968, 67-71, bes. 70 mit Anm. 38 - Chr. Glassner, 'Schreiben ist lesen und studiern, der sel speis und des herczen jubiliern'. Zu den mittelalterlichen Handschriften des Benediktinerstiftes Melk, in: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 108 (1997), 313.

(FS)



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