Cod. 998 (Theol. 329)

Theologische Sammelhandschrift

Göttweig (?), Ende 12. Jahrhundert

Pergament. 167 Blätter. 27,5 x 18,5 cm. Kustoden des 15. Jhdts. bis f. 84v.

Einband: Göttweiger Einband (15. Jhdt.): Rotbraunes Leder über Holzdeckeln mit Streicheisengliederung (drei Linien Rahmen, drei Linien Diagonalen) und Stempel Nr. 5 (nur am VD - siehe Einleitung); an VD und HD Spuren von je fünf runden Beschlägen; ehemals zwei Schließen, die in Löcher an der Außenkante des VD einhakten. Auf dem mit grünem Papier überklebten Rücken barocke Titel- und Signaturschilder der Hofbibliothek.

Provenienz: Am HD-Spiegel zwei verschiedene Göttweiger Besitzvermerke um 1200 (in der Mitte mit Bücherfluch) und etwas später (oben). Der Weg in die Hofbibliothek, wo die Handschrift durch die Blotius-Signatur 'M 3978' am HD seit 1576 nachweisbar ist, ist ungeklärt.

Inhalt: VD-Spiegel Fragment des 12. Jhdts. mit lat. Segensformeln für Wasser und Salz sowie einem Exorzismus (Rituale ?) - ff. 1r-150v Ambrosius Mediolanensis, De patriarchis - f. 151r/v Petrus Abaelardus, Epistola contra calumnias obiectorum capitulorum - ff. 152r-170v Rupertus Tuitiensis, De meditatione mortis (Excerpta) - ff. 170v-172r Hugo de Sancto Victore, Epistola ad Gualterum de Mauritania - ff. 172r-173r Excerpta argumenti theologici - f. 173r-173v Bernardus Claravallensis, Haereses Petri Abaelardi ad Innocentium II. Missa - ff. 173v-175v Bernardus Claravallensis, Epistola ad Innocentium II. Contra Abaelardi haereses - ff. 175v-176v Innocentius II., Epistola contra Abaelardum. f. 176v unbestimmter Text - HD-Spiegel Inhaltsangaben, Besitzvermerke und Federproben.

Buchschmuck: Rote Überschriften, zwei- bis siebenzeilige rote Majuskeln, nur auf fol. 170v schwarz und zweizeilig, daneben ein schwarzes, spärlich dekoriertes Zeichen, das offenbar den Beginn eines neuen Textes betonen soll; ein weiteres einfacheres auf f. 173r. Auf fol. 152r eine vierzeilige rote Silhouetteninitiale mit wellenbandförmigen Aussparungen, Punktverdickung und Bogendekor im Binnenfeld. Fol. 175r unten am inneren Seitenrand schwarze Federzeichnung eines sitzenden Mannes mit phrygischer Mütze, ein Spruchband 'verum tuo' haltend.

Stil und Einordnung: Die Lokalisierung nach Göttweig stützt sich hauptsächlich auf die Provenienz - für die bescheidene Silhouetteninitiale und die wohl nahzeitig nachgetragene Randzeichnung können bislang keine Parallelen namhaft gemacht werden; die Zeichnung ist offenbar von Dialog-Darstellungen in der Art von Cod. 984 (fol. 33r) angeregt.


Cod. 998, fol. 152r

Cod. 998, fol. 175r


Literatur: Gottlieb, Bibliothekskataloge, 1915, 5 (Anm. 1) - R. Rainer, Ars moriendi - Von der Kunst des heilsamen Lebens und Sterbens, Köln-Graz 1957, 12, Anm. 5, und 128.

(FS)



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