Cod. 807 (Theol. 479)

Honorius Augustodunensis - Salonius Genavensis

Göttweig, 2. Viertel 12. Jahrhundert

Pergament. 143 Blätter. 22 x 16 cm. Kustoden: römische Zahlen am Lagenanfang.

Einband: Gebräunter weißer glatter Lederband über Holzdeckeln (Wien, 15. Jhdt.). Spuren von zwei am HD befestigten Lederschließen, die an Beschlägen an der Außenkante des VD einhakten. Am VD Aufschrift des 15. Jhdts.: "Elucidarius (rot gerahmt) Honorii XT"; am Rücken hellgrünes Papier, oben ein Titelschild, unten ein Signaturschild der Hofbibliothek (18. Jahrhundert).

Provenienz: Flint identifiziert die Handschrift mit einem "Elucidarium bene correctum", das im Bücherverzeichnis des Göttweiger Cod. 33 (fol. 148v) genannt wird, und lokalisiert dieses hypothetisch nach Lambach, was jedoch aufgrund der Ausstattung von Cod. 33 ausgeschlossen werden kann; zudem sind die meisten Nachträge im Text, auf die sich laut Flint "bene correctum" bezieht, jünger als das Bücherverzeichnis.
Auf fol. 1r, 93r und im Inneren des HD befinden sich Besitzvermerke des Schottenstiftes in Wien (15. Jhdt.). Durch die Blotius-Signatur 'M 3997' am HD-Spiegel ist der Codex seit 1576 in der Wiener Hofbibliothek nachweisbar.

Inhalt: VD-Spiegel Inhaltsangaben (13.-15. Jhdt.) - Foll. 1r-66r Honorius Augustodunensis, Elucidarius dialogicus - ff. 66v-92v Salonius Genavensis, Interrogationes de parabolis Salomonis - siehe Curti (Incipit vgl. Cod. 546 - Stegmüller 7589) - ff. 92v-110r Salonius Genavensis, Interrogationes in Ecclesiasten - siehe Curti (Incipit vgl. Cod. 546 - Stegmüller 7590) - ff. 110r-137v Salonius Genavensis, De evangelio sancti Johannis - siehe A. Hamman, Patrologiae Cursus Completus. Ser. Lat. Supplementum 5 (Paris 1974) PLS 6. - ff. 138r-HD-Spiegel (als 143r foliiert) Salonius Genavensis, De evangelio Matthaei (siehe Hamman).

Buchschmuck: Rote Überschriften. Textanschluß rot dekoriert, fol. 1rv nachträglich mit Rot hinterlegt. Drei ca. sieben- bis neunzeilige rote Rankeninitialen S (fol. 1r), G (fol. 1v) und G (fol. 66v).

Stil und Einordnung: Von den drei von verschiedenen Händen stammenden Initialen läßt sich die erste (fol. 1r) eindeutig zuordnen - sie stammt von derselben Hand, die Cod. 95 der Stiftsbibliothek Göttweig und Cod. 156 der Stiftsbibliothek Lilienfeld (siehe Einleitung) ausgestattet hat; da auch die Schrift mit dem Göttweiger Cod. 95 zusammenhängt, ergibt sich die Lokalisierung nach Göttweig. Für die beiden anderen Initialen fehlen unmittelbare Parallelen in gesicherten Göttweiger Handschriften.


Cod. 807, fol. 1r

Vgl. Göttweig, Stiftsbibliothek,
Cod. 95, fol. 38r

Vgl. Lilienfeld, Stiftsbibliothek, Cod. 156, fol. 4v
 

Cod. 807, fol. 1v
 

Cod. 807, fol. 66v


Literatur: Hermann, Handschriften, 1926, Nr. 141 ("Österreichische Arbeit um die Mitte des 12. Jhdts., vielleicht in Wien ausgeführt.") - C. Curti, Vienna Nationalbibliothek, Latino 807, ff. 66v-110r è di Salonio, non di Onorio d'Autun, in: Orpheus XI (1964), Nr. 2 - V.I.J. Flint, The career of Honorius Augustodunensis, in: Revue Bénédictine LXXXII (1972), Nr. 1-2, S. 66 u. 68f. - M.-O. Garrigues, Honorius Augustodunensis. De anima et de Deo, quaedam ex Augustino excerpta, sub dialogo exarata, in: Recherches Augustiniennes XII (1977), 232 Anm. 138 - Dieselbe, L'oeuvre d'Honorius Augustodunensis: Inventaire critique, in: Abhandlungen der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft XXXVIII (1986), 38.

(FS)



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