Cod. 748 (Theol. 164)

Theologische Sammelhandschrift

Göttweig, Mitte 12. Jahrhundert

Pergament. 98 Blätter. 31 x 21 cm. Kustoden: zunächst arabische Zahlen am Lagenende 1-6 (15. Jhdt.), auf fol. 50v 'vii'; dann fol. 58v, 66v und 74v römische Zahlen am Lagenende (I-III), fortgesetzt mit arabischen Zahlen ab fol. 83v (15. Jhdt.).

Einband: Göttweiger Einband des 15. Jhdts.: kirschrotes Leder über Holzdeckeln mit Streicheisengliederung (drei Linien Rahmen, drei Linien Diagonale) und Stempeln (Nr. 7 und Nr. 9 - siehe Einleitung). An VD und HD Spuren von fünf Beschlägen; ehemals zwei Langschließen, die am VD einhakten. Am VD Titelschild des 15. Jhdts.; am mit hellbraunem Papier überklebten Rücken barocke Titel- und Signaturschilder der Hofbibliothek.

Provenienz: Die Handschrift wurde im 15. Jhdt. in Göttweig gebunden; nach Hermann könnten Randvermerke auf fol. 52v, 54v, 61v und 62r von Wolfgang Lazius (1514-1565), Professor der Medizin an der Wiener Universität, stammen. Durch die Blotius-Signatur 'X 5383' am HD-Spiegel seit 1576 in der Wiener Hofbibliothek nachweisbar.

Inhalt: VD-Spiegel neumierter Nachtrag ('Alleluia. Letamini in Domino ...') Inhaltsangabe, Vers ('finis adest ire post Christem semper abire ...') und Federproben - ff. 1r-22r Hieronymus (?), Commentarius in evangelium Marci - f. 22r Hieronymus, Epistola ad Damasum papam - ff. 22r-24r Acta pontificum urbis Romae usque ad Formosum (891) - ff. 24r-30r Gesta pontificum usque ad Stephanum II. - f. 30v leer - ff. 31r-50v Vita s. Nicolai - ff. 51r-72r Wolfherius Hildesheimensis, Vita Godehardi episcopi Halberstadensis - ff. 72r-75r Vita s. Willibaldi episcopi - f. 75v leer - ff. 76r-80v Servatus Lupus, Vita s. Maximi - ff. 80v-84r Gregorius Turonensis, Vita s. Nicetii abbatis - ff. 84r-89v Vita s. Simeonis monachi Syracusani - ff. 89v-93v Passio s. Antonini martyris - ff. 93v-98r Translatio ss. Sinesii et Theopompi - f. 98v Federproben - HD-Spiegel Fragment einer Musikhandschrift (15. Jhdt.).

Buchschmuck: Rote Überschriften; Textanschluß an Initialen meist mit rot dekorierten einzeiligen Majuskeln, sonst ein- bis sechszeilige rote Majuskeln (auf fol. 52r und 76r mit einfachen Silhouettenranken). Fünf- bis dreizehnzeilige rote Rankeninitialen auf fol. 31r oben, 31r unten, 32r, 46v und 50v; auf fol. 43r ersetzt ein dreizehnzeiliger roter Drache ein I.

Stil und Einordnung: Die von einer Hand stammenden Initialen auf fol. 31r oben, 31r unten, 32r und 50v stehen ungefähr auf einer Stufe mit Göttweiger Handschriften wie Cod. 122 der Stiftsbibliothek; bei den Initialen P beider Codices - fol. 31v unten in Cod. 748 und fol. 1r oben in Göttweig - vergleichbar sind einerseits das dichte Füllen des Binnenfeldes und die knorpelförmigen, gelegentlich auch einfach gerundeten, sich einrollenden Rankenenden. Motive wie die in die Länge gezogenen, nun meist Blätter aufspiessenden Rankenfortsätze (vgl. fol. 31v oben) sind von etwas älteren (?) Handschriften wie Cod. 42 (fol. 46v) der Göttweiger Bibliothek ableitbar.


Cod. 748, fol. 31v (unten)

Vgl. Göttweig, Stiftsbibliothek, Cod. 122, fol. 1ro
 

Cod. 748, fol. 31vo

Vgl. Göttweig, Stiftsbibliothek, Cod. 42, fol. 46v
 

Cod. 748, fol. 46v


Literatur: Gottlieb, Bibliothekskataloge, 1915, nach 610 - Hermann, Handschriften, 1926, Nr. 180, Fig. 162 (fol. 31r) und Fig. 163 (fol. 43r).

(FS)



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