Cod. 713 (Theol. 150)

Angelomus Luxoviensis, Enarrationes in librum Geneseos

Garsten, letztes Viertel des 12. Jahrhunderts

Pergament und Papier (Vor- und Nachsatzblatt). I+56+I* Blätter. 32 x 15 cm. Kustoden: rote Majuskeln am Lagenende.

Einband: Glatter weißer Pergamentband über Pappdeckeln mit Handvergoldung (Wien, Hofbibliothek, 1676); unten am Rücken Signaturschild 'Codex Ms. Theologicus N. CV olim 688'.

Provenienz: Mittelalterliche Provenienz unbekannt. Auf fol. 1r findet sich die Randkorrektur 'splendido' von der Hand des Wiener Humanisten Johannes Alexander Brassicanus (+1539). Durch die auf fol. 1r von Sebastian Tengnagel nachgetragene Blotius-Nummer '3951' ist die Handschrift bereits 1576 in der Wiener Hofbibliothek nachweisbar. Laut Beschreibung des Blotius (Angelomi Levitae super Genesim. Et Eucherii Episcopi Lugdunensis in libros Regum 4 libri commentati, in folio scriptus in membrana) war damals noch Cod. 710 mitgebunden, was sich durch übereinstimmende Heftfädeneinschnitte und gleichartige Verwellungen des Pergaments belegen läßt; auch dort findet sich auf fol. 1r ein Eintrag Brassicans.

Inhalt: Foll. 1r-56v Angelomus Luxoviensis, Enarrationes in librum Geneseos (bricht fol. 56v ab: "... qui non accipient seperatim terram." - Abschrift des 17. Jhdts. in Cod. 9791 überliefert [vgl. Tabulae Codicum VI, 92]).

Buchschmuck: Rote Überschriften. Zwei rote Rankeninitialen auf fol. 1r (E, fünfzeilig) und 2r (A, siebenzeilig).

Stil und Einordnung: Cod. 713 gehört wie Cod. 468 der OÖ. Landesbibliothek in Linz zu einer kleinen Gruppe von Handschriften aus dem oö. Benediktinerkloster Garsten, die mit qualitätvollen Rankeninitialen ausgestattet sind. Charakteristisch sind wie aus der Ranke herausgezogen wirkende, teils eingedrehte gebogte Abschlüsse und umgeschlagene Blätter mit dreifach gebogten Enden; dies und Details wie die plastischen, z.T. von der Ranke durchstossenen Blätter in Cod. 713 (fol. 1r) oder das Motiv der in das Blatt eingelegten Frucht in der Linzer Handschrift (fol. 131v) gehen auf direkten Admonter Einfluß zurück, der durch die Herkunft Abt Konrads I. (ca. 1169-1179) aus dem steirischen Benediktinerstift erklärbar ist (vgl. P. Lindner, Monasticon Metropolis Salzburgensis antiquae - Verzeichnisse aller Aebte und Pröpste der Klöster der alten Kirchenprovinz Salzburg. Salzburg 1908, 278).
Die Überschriften auf fol. 1r und 2r stammen von einem Schreiber, der u.a. den Großteil von Cod. 655 (fol. 1r-166v) aus Garsten geschrieben und im Jahr 1180 den Grundstock des Garstener Traditionskodex im Landesarchiv Linz (Pa II/11) angelegt hat.


Cod. 713, fol. 1r (Überschrift)

Vgl. Linz, OÖ. Landesarchiv, Pa II/11
 

Cod. 713, fol. 2r

Vgl. Linz, OÖ. Landesbibliothek, Cod. 468, fol. 131v
 

Cod. 713, fol. 1r

Vgl. Admont, Stiftsbibliothek, Cod. 50, fol. 1r


Literatur: Hermann, Handschriften, 1926, Nr. 140 ('österreichische oder süddeutsche Arbeit um die Mitte des 12. Jhdts.')

(FS)



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