Hygieias Sieg über die Pocken

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Mariatale, die Besiegte. Eine Gelegenheits-Kantatevon Jos. Mühlbeck. Musik vom Kapellmeister Rieger. Gegeben von der philharmonischen Gesellschaft am 13. May 1808, als am Vorabende des Schutzpocken-Entdeckungs-Tages. - Brünn : gedruckt bei Joseph Georg Traßler, [1808].

Österreichische Nationalbibliothek, Sign.: 310.448-B.Alt-Mag

Detailinformation

Mariatale – unter diesem Namen kannten Josef Mühlbeck, Dichter dieser „Gelegenheits-Kantate“, und seine deutschsprachigen Zeitgenossen die indische Göttin Shitala. Als Göttin der fiebrigen und ansteckenden Krankheiten besitzt sie die Macht, durch Ansteckung mit Pocken zu strafen, aber auch die Pocken zu heilen oder Kinder vor Krankheiten zu schützen. Shitala mata wurde daher von allen Kasten, vor allem aber von den Unberührbaren verehrt; ihr Kult fand und findet sich in weiten Teilen des indischen Subkontinents, sie ist unter verschiedenen Namen (darunter eben Mariatale) bekannt. Shitala ist auch die Schutzgöttin der Bengalen.  

In Mühlbecks Kantate bedroht die zornige Mariatale als Personifikation der Pocken die beiden Kinder des Paares Chariton und Mirtha. Vergebens bittet die Familie um Gnade; da eilt Hygieia, die Göttin der Gesundheit, herbei und besiegt die Gegenspielerin: „O du der Menschheit größte Plage! Flieh hin – flieh hin – am Orkus-Strand!“  Der frohe Schlusschor feiert aber nicht die griechische Gottheit, sondern Edward Jenner, den englischen Landarzt, der als Hauptinitiator der Pockenimpfung in Europa gilt. Das Datum der Aufführung am 13. Mai als „Vorabend des Schutzpocken-Entdeckungs-Tages“ spielt auf die Impfung des damals achtjährigen James Phipps durch Dr. Jenner am 14. Mai 1796 an.

„Laßt dem Sieger laut Triumph erklingen!
Sagt dem Säugling seinen Namen vor!
Lehrt der Unschuld Jänners [!] Lob nur singen,
Und stimmt dankend ein im frohen Chor!“


last update 03.05.2015