ARIADNE-Newsletter 20

Politik & Gesellschaft

Hauch, Gabriella: Vom Frauenstandpunkt aus : Frauen im Parlament 1919 - 1933. - Wien : Verl. für Gesellschaftskritik, 1995. - (Studien zur Gesellschafts- und Kulturgeschichte ; 7)
Signatur: 1433046-B.Neu-Per.7
Viele, auch exponierte Politikerinnen des frühen 20. Jahrhunderts sind uns heute kaum bekannt. Die vorliegende Arbeit schließt diese Forschungslücke für die Parlamentarierinnen der Ersten Republik und ist gleichzeitig mehr als nur eine Spurensuche. Sie versteht sich als Beitrag zum Projekt einer österreichischen Gesellschaftsgeschichte, die Geschlecht als grundlegende Analysekategorie ernst nimmt. Untersucht werden einerseits die Biographien der ersten Politikerinnen Österreichs (mit Fotos), andererseits Organisationen, Politikfelder und konkrete Parlamentsdebatten in denen die vielfältigen Beiträge von Frauen zur staatlichen Politik von 1919 bis 1933 deutlich werden. Interessant, spannend, teilweise natürlich auch amüsant zu lesen, sind die Rededuelle und Debatten, die verdeutlichen, wie schwierig es für die weiblichen Abgeordneten war, in diesen Männerbastionen zu bestehen: Mitte der 20er Jahre konstituierte sich parteienübergreifend ein "Bund für Männerrechte" um sich gegen "die auf die Spitze getriebene Frauenemanzipation zu schützen". Ein umfangreiches Quellen- und Literaturverzeichnis und Personenregister komplettiert diese fundierte wissenschaftliche Arbeit zur Frauengeschichte Österreichs.

Hieden-Sommer, Helga: Frauenpolitik - Geschlechterverhältnisse ; wissenschaftliche Grenzziehungen : zur Bedeutsamkeit wissenschaftlicher Ordnungssysteme für die Herausbildung gesellschaftlicher Strukturen und Institutionen sowie zur Rolle sozialwissenschaftlicher Experten für die Aufrechterhaltung von undemokratischen Geschlechterverhältnissen und sozio-ökonomischen Ungleichheiten. - Klagenfurt : Kärntner Druck- u. Verl.-Ges., 1995. - (Klagenfurter Beiträge zur bildungswissenschaftlichen Forschung ; 29)
Signatur: 1151122-B.Neu-Per.29
Ausgangspunkt der Analysen der Autorin ist die Tatsache, daß vor allem für Frauen - trotz des größer werdenden Reichtums in den entwickelten industriellen Gesellschaften - keine ökonomische Existenzsicherung gegeben ist. In fünf Themenbereichen versucht sie dem auf den Grund zu gehen: "Herr"schendes Verständnis von Wirtschaft, das wirtschafltiche Vorgänge auf die Geldökonomie bzw. auf das Marktgeschehen einengt; bürgerliches Ehe- und Familienmodell; Verschränkung von Geschlechterungleichheit und ökonomischer Ungleichheit; Aufzeigen der Rolle der Sozialwissenschaften für die Durchsetzung von politischen Auffassungen; Verknüpfung von Symbolen wie Gleichheit und Wahrheit mit den Strukturen der Institutionen (d.h. staatliche Legitimation von Ungleichheit).

Nationalsozialistische Frauenpolitik vor 1933 : Dokumentation / Hans Jürgen Arendt ; Sabine Hering ; Leonie Wagner (Hrsg.). - Frankfurt am Main : Dipa-Verl., 1995.
Signatur: 1453173-B.Neu
In erstmals erschlossenem Quellenmaterial können die Wurzeln nationalsozialistischer Frauenpolitik bis in die Weimarer Republik, von 1920 an, zurückverfolgt werden. 1932 war sie mehr als nur in Umrissen erkennbar. Die familien- und bevölkerungspolitischen wie auch die rassistischen und biologistischen Momente der NS-Frauen- und Geschlechterpolitik im Sinne von Auslese und Ausmerze lagen bereits zutage. Mit Hilfe dieser Dokumentensammlung können auch zwei sich hartnäckig haltende Klischees aufgehoben werden: die sogenannte Kollektivschuld-These (Frauen hätten Hitler vergöttert und ihm schließlich zur Macht verholfen) und der generelle Freispruch von der Mitschuld am NS-Regime (sie waren auschließlich die Opfer). Hier werden Dokumente programmatischer Art, offizielle Erklärungen und Organisationsanweisungen der Partei, propagandistische Äußerungen aus Broschüren, Flugschriften und Presseartikeln, Auszüge aus Reden und Schriften Hitlers sowie anderer NS-Politiker und -Ideologen, Passagen aus Erinnerungen, Briefen und Tagebüchern von NS-Funktionärinnen, präsentiert. Aber auch "Gegendokumente" von Vertreterinnen der Historischen Frauenbewegung wie Gertrud Bäumer oder Anita Augspurg. Ein umfangreiches Glossar, z.B. mit Kurzbiographien, ergänzen diese wichtige Publikation.

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