ARIADNE-Newsletter 20

Frauenforschung & Frauengeschichte

Andrae, Friedrich: Auch gegen Frauen und Kinder : der Krieg der deutschen Wehrmacht gegen die Zivilbevölkerung in Italien 1943 - 1945. - München [u.a.] : Piper, 1995.
Signatur: 1452070-B.Neu
Reisenden in Mittelitalien erschließt sich vor allem die schöne Landschaft, das gute Essen, die verträumten mittellaterlichen Städtchen - Hinweise auf Gedenksteine und Gedenktafeln an Massaker wird man/frau in den Reiseführern vergeblich suchen. Aber ob Gubbio, Arezzo oder Marzabotto überall sind sie vorhanden. Der bekannte "Zeit"-Mitarbeiter arbeitet hier ein bislang stark vernachlässigtes Kapitel aus dem Zweiten Weltkrieg auf und beschreibt die Greuel der deutschen Besatzungsmacht, die deutschen "Sühnemaßnahmen" gegenüber der unbeteiligten Bevölkerung. Eskaliert ist die Gewalt vor allem gegen Ende 1944 als die deutsche Herrschaft in Italien sich dem Ende zuneigte - nach dem Sturz Benito Mussolinis. Zitat FM Kesselring: "Rücksichten, gleich welcher Art, sind ein Verbrechen gegen das deutsche Volk und den Soldaten an der Front ... die Truppe ist dazu berechtigt und verpflichtet, in diesem Kampf ohne Einschränkung auch gegen Frauen und Kinder jedes Mittel anzuwenden".

Die Begegnung : Auschwitz - ein Opfer und ein Täter im Gespräch / Bernhard Frankfurter (Hg.) ; Dagmar Ostermann ; Hans Wilhelm Münch. - Wien : Verl. für Gesellschaftskritik, 1995.
Signatur: 1450726-B.Neu
Sie, eine Überlebende von Auschwitz, besucht als "Zeitzeugin" österreichische Schulen. Er, ein Arzt in Auschwitz und überzeugter Nationalsozialist, der als einziger SS-Arzt freigesprochen wurde, da er Selektionen verweigerte. Sie beide saßen sich im April 1988, vom Herausgeber zusammengeführt, drei Tage lang gegenüber. Der Versuch, das Unfaßliche in ein Gespräch, in einen Dokumentarfilm, zu bannen. Ergänzende Gespräche wurden 1994 einzeln geführt. Die "Notizen zu Totalität und Vernichtung im Nationalsozialismus" von Bernhard Frankfurter sind eine Reise in das Innere dieses historischen Themas, das auch gegenwärtig ist. In diesem Beitrag stehen nicht die Auflösungen der Fragen an erster Stelle, sondern die Fragen selbst.

Bürgerliche Frauenkultur im 19. Jahrhundert / Brigitte Mazohl-Wallnig (Hg.). - Wien [u.a.] : Böhlau, 1995. - (L'homme: Schriften ; 2)
Signatur: 1448358-B.Neu-Per.2
Der österreichischen Bürgertumsforschung sollte mit diesem Band ihre unverzichtbare weibliche Dimension ins Bewußtsein gerufen werden und die österreichische "Herstory" mit ihren Wissenschaftlerinnen unterstützt werden - denn reichhaltiges und bisher unveröffentlichtes Quellenmaterial wird neue Grundlagen und Voraussetzungen auch für künftige Forschungen schaffen. Basierend auf einem Forschungsprojekt, das vor allem im Rahmen der bürgerlichen Frauenkultur auf die Rolle der Frauen bei der Wiener Weltausstellung von 1873, eingegangen ist (Frauen waren bereits damals wirtschaftlich, künstlerisch und kulturell aktiv), werden hier Beiträge von namhaften HistorikerInnen präsentiert: Margret Friedrich über die Bedeutung der Frauenvereine; Renate Flich über die Mädchenbildung; Gunda Barth-Scalmani über die Lehrerinnen-Ausbildung; Konstanze Mittendorfer über den Lebensbereich der "Biedermeierin" etc.

Dichotomie, Dominanz, Differenz : Frauen plazieren sich in Wissenschaft und Gesellschaft / hrsg. von Annette Bertrams. - Weinheim : Dt. Studien-Verl., 1995.
Signatur: 1457650-B.Neu
Aus der Sicht von Frauen, interdisziplinär und methodenpluralistisch, verorten sich zwölf Wissenschaftlerinnen (u.a. Astrid Albrecht-Heide, Susan Arndt, Annette Kuhn, Leonie Wagner) in der Frauen- und Geschlechterforschung. Mosaikartig untersuchen sie soziale Verhältnisse, die Ungleichwertigkeit produzieren. Neben den Konstruktionen "Ethnie" und "Schicht" geht es vorrangig um die Geschlechterdifferenz. Einführend wird ein Bezug hergestellt zu aktuellen feministischen Debatten (De- und Rekonstruktion). Teil eins ist NS-Opfern und -Täterinnen gewidmet. Teil zwei sichtbarer und tabuisierter Frauenarbeit sowie deren Neu-Bewertung. Im dritten Teil werden heikle Verwicklungen zwischen sozial hergestellter Zwiegeschlechtlichkeit und psychischen Konflikten aufgedeckt.

Ebel, Else: Der Konkubinat nach altwestnordischen Quellen : philologische Studien zur sogenannten "Friedelehe". - Berlin [u.a.] : de Gruyter, 1993. - (Ergänzungsbände zum Reallexikon der germanischen Altertumskunde ; 8)
Signatur: 1056113-C.Neu-L.Erg.-Bd.8
"Für die Germanen, insbesondere für die Nordgermanen, werden zwei Ehetypen angenommen: die Vertragsehe und die sog. Friedelehe. (...) Hierunter versteht man heute eine durch einseitige Verfügung des Mannes über eine Unfreie begründete, auf Dauer angelegte Verbindung. Als Hauptstütze für die Annahme einer sog. 'Friedelehe' werden die altisländischen Familiensagas (...) betrachtet. In der vorliegenden Untersuchung soll geprüft werden, ob sich diese These in einer philologischen Analyse tatsächlich aus der altisländischen Literatur ableiten läßt." (aus der Einleitung)

Erfahrung mit Methode : Wege sozialwissenschaftlicher Frauenforschung / Angelika Diezinger ... (Hg.). - Freiburg im Br. : Kore, 1994. - (Forum Frauenforschung ; 8)
Signatur: 1328502-B.Neu-Per.8
Folgende Fragestellungen standen am Beginn der Intentionen der Herausgeberinnen: Gibt es "feministische Methoden"? Welche sozialwissenschaftlichen Anwendungsfelder stehen im Vordergrund, welche wurden bisher weniger beachtet? Wo findet interdisziplinäres Arbeiten und Lernen statt? Als "call for paper" wurde ein Fragenkatalog als Leitfaden benutzt. Erstens sollte aufgezeigt werden, wie der aktuelle Diskussionsstand zu "zurückliegenden" Debatten der Frauenforschung ist: Nähe und Distanz im Forschungsprozeß, Fragen nach dem Verhältnis unterschiedlicher methodischer Ansätze, Verhältnis der Frauenforschung zur Frauenbewegung und zur herrschenden Wissenschaft. Zweitens: Welche Methodendiskussionen ergeben sich aus den aktuellen theoretischen Debatten (z.B. (de)konstruktivistische und diskurstheoretische Ansätze). Drittens: Empirische Praxis und Perspektiven - vor allem am Beispiel der Biographieforschung. Beiträge u.a. von: Ursula Müller, Marlis Krüger, Gabriele Sturm, Maria Mies, Regina Becker-Schmidt.

Frauenleben im NS-Alltag : Bonner Studien zur Frauengeschichte / Annette Kuhn (Hg.). - Pfaffenweiler : Centaurus-Verl. -Ges., 1994. - (Bonner Studien zur Frauengeschichte ; 2)
Signatur: 1454826-B.Neu-Per.2
Im Zentrum dieser Publikation stehen stadtgeschichtliche Studien zum Frauenalltag in der NS-Zeit. Dabei entwickelte sich von Anbeginn eine enge Auseinandersetzung mit der feministischen Diskussion um die Verantwortung der "Töchter" für die NS-Verbrechen. Diese Veröffentlichung versteht sich daher auch als ein Beitrag zum Historikerinnenstreit. Aufgrund ausführlicher Recherchen in Archiven, Auswertungen von Zeitungsberichten, Interviews mit Zeitzeuginnen und ehemaligen Zwangsarbeiterinnen sowie unedierter Berichte aus Theresienstadt können neue Forschungsergebnisse präsentiert werden. Autorinnen sind u.a.: Bettina Bab, Johanna Seebacher, Iris-Maria Hix, Anne Vechtel.

Goetz, Hans-Werner: Frauen im frühen Mittelalter : Frauenbild und Frauenleben im Frankenreich. - Weimar ; Wien [u.a.] : Böhlau, 1995.
Signatur: 1453162-C.Neu
"Investigatio historiae feminarum; Sanctimonialis; Matrimonium; Imagines feminarum". Als Einführung bietet der Autor einen Überblick über den Forschungsstand und die -perspektiven zur Geschichte der Frauen im frühen Mittelalter. Er geht, natürlich anhand zeitgenössischer Quellen, auf das Bild der Frau allgemein und in der Genesisauslegung ein, auf die Stellung in der Ehe, die Bäuerinnen, auf ihr Selbstverständnis und ihre Selbstdarstellungen (wie z.B. in Briefen).

Kaser, Karl: Familie und Verwandtschaft auf dem Balkan : Analyse einer untergehenden Kultur. - Wien [u.a.] : Böhlau, 1995.
Signatur: 1450247-C.Neu
Die erste umfassende Analyse von Familie und Verwandtschaft auf dem westlichen und zentralen Balkan auf historisch-anthropologischer Grundlage. Der Balkanfamilienhaushalt in Form eines streng patrilinear orientierten, komplexen Haushalts hat in West- und Zentraleuropa keine analogen Beispiele. Diese komplexe Form der Familie, als "Zadruga" bezeichnet, wird in ihren historischen Entwürfen dargestellt. Da die patriarchalische Balkankultur seit dem Zweiten Weltkrieg starken Modernisierungsprozessen ausgesetzt ist, stellt der Band zugleich auch eine "Analyse einer untergehenden Kultur" dar.

Kurzel-Runtscheiner, Monica: Töchter der Venus : die Kurtisanen Roms im 16. Jahrhundert. - München : Beck, 1995.
Signatur: 1450299-B.Neu
Anhand von bisher unbekanntem Archivmaterial geht die Autorin (Kustodin am Kunsthistorischen Museum, Wien und Lektorin für Frauengeschichte an der Universität Wien) der Frage nach den Lebensbedingungen bekannter und unbekannter Kurtisanen in Rom nach. Woher kamen diese Frauen (die ewige Stadt wirkte wie ein Magnet auf unternehmenslustige Frauen und Mädchen - sie strömten aus ganz Europa herbei); wie verliefen ihre Beziehungen zu den Kunden; wie sah ihr Sexual- und Alltagsleben aus; was dachten sie über sich selbst und die Welt, in der sie lebten? Durch die Auswertung authentischer Quellen, in denen diese Frauen erstmals selbst zu Wort kommen, kann das bisherige Kurtisanenbild, das durch romantische Vorstellungen des 19. Jahrhunderts und komödiantische Darstellungen der Renaissanceliteratur geprägt war, korrigiert und von seiner Klischeehaftigkeit befreit werden. Ein Anhang mit Quellenmaterial, Personenregister und zahlreiche Illustrationen ergänzen den Band.

Maar, Elke: Bildung durch Unterhaltung : die Entdeckung des Infotainment in der Aufklärung ; Hallenser und Wiener moralische Wochenschriften in der Blütezeit des Moraljournalismus, 1748 - 1782. - Pfaffenweiler : Centaurus-Verl.-Ges., 1995. - (Bochumer Frühneuzeitstudien ; 3)
Signatur: 1367078-B.Neu-Per.3
Das erfolgreichste Genre auf dem entstehenden Medienmarkt des 18. Jahrhunderts sind die Moralischen Wochenschriften. Sie legen den Grundstein für das, was heute als "Infotainment" bezeichnet wird, indem sie erstmals das Stilprinzip der "Unterhaltung" zur journalistischen Vermittlung ihrer Themen nutzten. Dabei entwickelt das Genre erste Ansätze eines kritischen Politjournalismus. Ein ausführliches Kapitel beschäftigt sich mit einem neu entdeckten Lesepublikum: die zur Bildung unterhaltenen Leserinnen.

Morris-Keitel, Helen G.: Identity in transition : the images of working-class women in social prose of the Vormärz (1840 - 1848). - New York ; Wien [u.a.] : Lang, 1995. - (North American studies in nineteenth-century German literature ; 15)
Signatur: 1315436-B.Neu.Per.15
Welche Bilder von Geschlechterrollen entstanden in der Literatur des Vormärz, die vor allem von SchriftstellerInnen des Bürgertums dominiert waren? Der Autorin geht es vor allem um die Darstellung der Arbeiterin in der Sozialprosa von Ernst Dronke, Adolf Glassbrenner, Louise Otto, Georg Weerth und Ernst Willkomm. In einem sozialhistorischen Kontext verbargen diese AutorInnen vor allem das Frauenideal, das sich um Kinder, das Heim und die Religion drehen sollte. Inwiefern haben diese "sozialromantischen" Vorstellungen das Leben von ArbeiterInnen wiedergegeben, die ja selbst keine Stimme hatten - nicht für sich selbst sprechen konnten? Vergleiche dazu auch den Sammelband "Bürgerliche Frauenkultur im 19. Jahrhundert" herausgeben von Brigitte Mazohl-Wallnig (s. oben).

Passierschein und Butterschmalz : 1945 ; Zeitzeugen erinnern sich an Kriegsende und Befreiung / Fritz Fellner (Hg.). - Grünbach : Ed. Geschichte d. Heimat, 1995.
Signatur: 1450471-B.Neu
Ein Oral-History-Projekt: Die Linzer Kirchenzeitung rief im Frühjahr 1995 ihre LeserInnen auf, eigene Erlebnisse des Kriegsendes und der Befreiung mitzuteilen. In ihrer Gesamtheit ergeben die Berichte von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen ein plastisches Bild des Jahres 1945: Mut und Hoffnung, Erleichterung, daß das Ärgste vorbei ist; Trauer und Sorge um die Angehörigen, Zukunftsangst, unsichere Verhältnisse; die Organisation des Alltags, das Wohnen, die Besorgung von Lebensmitteln, aber auch neue Pläne ...

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