Dies Projekt ist
im Jahre 1964 begonnen worden, ohne dass im entferntesten daran gedacht wurde,
dass es einmal auf eine Anzahl von über 37.000 Einträge anwachsen könnte. Und
auch das ist sicher nur ein verschwindender Anteil dessen, was man bei gezielter
Suche finden könnte. Wie bei der Bibliographie zum Handschriftenerbe im Kristeller/Krämer[1]
ist auch die Sammlung der Schreiber von mittelalterlichen Handschriften nur ein
Nebenprodukt bei der Suche nach den Provenienzen mittelalterlicher
Handschriften im Rahmen der Arbeiten des Handschriftenerbes[2]
gewesen, nie jedoch eine Arbeit um ihrer selbst willen. "Wer einmal
bibliotheksgeschichtliche Untersuchungen ernsthaft unternommen hat, weiss nur
zu gut, dass völlige Erfassung aller Quellen selten gelingt, dass manche
Materialbereicherung und Problemlösung von einer glücklichen Fügung abhängt,
die der einzelne nicht meistern kann", so hatte es Paul Lehmann einmal
treffend ausgedrückt[3].
Ein erster Teil wurde 1968 als Anhang zu meiner Magisterarbeit maschinenschriftlich
vorgelegt[4].
Danach hatte ich eigentlich die Hoffnung aufgegeben, dass dieses fast
unüberschaubare Material noch einmal 'das Licht der Öffentlichkeit' erblicken
könnte, denn ein Druck in Buchform war so gut wie unmöglich. Erst das neue
Medium der CD-ROM hat für eine Veröffentlichung neue Perspektiven eröffnet. Und
so bin ich Dr. Erwin Rauner sehr zu Dank verpflichtet, dass er
diese alte Datenbank in eine neue überführt hat.
Ein Einschnitt
in alle meine Arbeiten, so auch in diese hat das Jahr 1994 bedeutet, als ich
mich aus dem aktiven Berufsleben zurückzogen habe. Danach kam ich kaum mehr in
Bibliotheken, habe also auch die danach erschienenen Handschriftenkataloge
nicht mehr systematisch exzerpiert. Was ich danach fand, waren Zufallsprodukte.
Aufgenommen
wurden die Namen der Schreiber von mittelalterlichen Handschriften - nicht auf
Deutschland oder den deutschsprachigen Raum beschränkt -, soweit sie sich aus
den Handschriftenkatalogen und einer Fülle von Sekundärliteratur, aber auch aus
den Handschriften selbst eruieren liessen. Dabei habe ich mich nicht allein auf
die nach dem zweiten Weltkrieg erschienenen und von der DFG geförderten
Kataloge beschränkt, wie das bei dem kumulierten Verzeichnis in Berlin
geschehen ist[5], sondern es
wurden auch die früher erschienenen Kataloge, und eben nicht nur aus dem
deutschen Sprachgebiet, berücksichtigt. Dazu gehörten für mich auch die Namen
von Stadtschreibern und Notaren, die häufig - aber nicht immer - nachweislich
auch Handschriften geschrieben haben. Ein Kollege, der von dem Projekt erfuhr,
meinte, dass auch alle päpstlichen Kanzlisten dazugehören würden. Doch das kann
wohl nur ein Historiker zusammentragen.
Die Namen sind -
im Gegensatz zu der Anordnung bei den Colophons
der Benediktiner von Bouveret[6]
- nach den Nachnamen, soweit es welche gegeben hat (auch Bei- und
Herkunftsnamen fallen darunter) angeordnet. War kein solcher Zuname zu finden,
und der Vorname musste genommen werden, wurde er mit einer Jahreszahl versehen.
Damit ist die eindeutige Identifizierung aber erschwert. Wie überhaupt nur
durch die Autopsie der Handschriften eine eindeutige Zuordnung von Handschriften zu Schreibernamen möglich
ist, was in diesem Falle unmöglich zu leisten war.
Die angeführten
Handschriften, welche die einzelnen Schreiber geschrieben haben, sind weder
alphabetisch nach den heutigen Aufbewahrungsorten, noch chronologisch
aufgeführt, sondern nur in der Abfolge, wie sie mir (in den mehr als 40 Jahren)
untergekommen sind. Das hängt mit dem alten Datenbankprogramm zusammen, mit dem
ich die Sammlung bearbeitet habe. In diesem Zusammenhang ist Michael Bernhard
von der Musikhistorischen Kommission der Bayerischen Akademie der
Wissenschaften zu danken, der mir Mitte der 80er Jahre das Programm für die
'Schreiber' nach meinen Wünschen erstellt hat, und der mich über die Jahre
hinweg mit nie erlahmender Geduld bei allen Computerproblemen beraten und
betreut hat.
Das
Quellenmaterial, das mir die Schreibernamen geliefert hat, ist überaus
disparat. Neben den gedruckten Handschriftenkatalogen waren es auf meinen
früheren Bibliotheksreisen vornehmlich in den 70er Jahren ungedruckte interne
Verzeichnisse, die mir die Bibliotheken dankenswerterweise zur Einsicht und
Exzerption überlassen haben. Dazu kamen Zettelkataloge von Paul Lehmann und
Bernhard Bischoff, die mir Herr Bischoff freundlicherweise zugänglich gemacht
hatte. Von A. C. de la Mare in Oxford (+2002), später in London, habe ich
vieles an Material über italienische Schreiber erhalten, bereits zu einer Zeit,
als ihr Material noch nicht in Druckform zugänglich war. Doch auch eigene
Handschriftenstudien in den Bibliotheken dieser Welt haben eine reiche Ausbeute
gebracht.
Zur Literatur
ist zu sagen, dass sich ein Grossteil der angeführten Titel in der
Bibliographie von Kristeller/Krämer[7]
finden lässt. Ich habe zwar versucht, in einer eigenen Bibliographie die Titel
aufzulisten, doch alle Handschriftenkataloge noch einmal abzuschreiben, schien
mir überflüssig. Es wurden ausserdem die sechs Bände der Colophons der Benediktiner von Bouveret eingearbeitet, die - wenn
auch in anderer Anordnung und unter anderen Gesichtspunkten - einen ersten
übergreifenden Katalog von Handschriftenschreibern geliefert hatten[8].
Weiterhin wurden die bislang erschienenen 11 Bände des Verfasser-Lexikons auf
Schreiber hin durchgesehen[9].
Obgleich Paul Oskar Kristeller mehrfach betont hatte, dass ihn 'Schreiber'
nicht interessierten, so war doch aus seinen sechs Bänden Iter Italicum eine
Vielzahl von Schreibernamen zu entnehmen[10].
München, im
Februar 2003
Inzwischen
– im Jahre 2006 – sind erneut etwa 500 neue Schreibernamen hinzugekommen, so
dass sich eine neue Auflage gelohnt hat. An den oben beschriebenen Prinzipien
hat sich nichts geändert.
Für
die Besitzer von mittelalterlichen Handschriften gilt im Prinzip das gleiche
wie für die Schreiber der mittelalterlichen Handschriften.
Als ich im Jahre
1964 mit dem Sammeln und Verzetteln der Schreiber von Handschriften begann,
hatte ich die Notwendigkeit des Sammelns von Besitzern und Vorbesitzern der
Handschriften jedoch noch nicht erkannt. Diese Einsicht kam erst wesentlich
später. Hier kann ich das genaue Datum nicht mehr feststellen. Daher wurden die
'Besitzer' niemals mit der gleichen Akribie und Konsequenz von Beginn an
gesammelt, wie die Schreiber. Somit sind es auch nur etwa die Hälfte an Anzahl.
Wieder
erst einige Zeit später wurde mir klar, dass man in diesem Falle nicht allein
die mittelalterlichen Besitzer von Handschriften aufnehmen sollte, sondern auch
die neuzeitlichen Vorbesitzer von mittelalterlichen Handschriften –
insbesondere die großen Sammler vor allem die in den USA und in England – mit
aufnehmen sollte, da sie für die Besitzgeschichte der Handschriften wie auch
deren ständigen Wanderungen von großem Interesse waren und sind. Bei diesen
fand und findet allerdings immer noch ein ständiger Wechsel statt, weil die
Handschriften gerade von Privatleuten auf großen Auktionen immer wieder
versteigert werden.
Gerade
im Augenblick – also ganz aktuell – ist so ein Besitzwechsel im Gange, von dem
man nur hoffen kann, dass er noch zurückgenommen werden kann. Ich meine den
Verkauf der mittelalterlichen Handschriften der Badischen Landesbibliothek in
Karlsruhe, von der selbst Fachleuten kaum bekannt war, dass es sich um einen
Privatbesitz der Markgrafen von Baden handelt. Es bleibt hier zu hoffen, dass
das Haus der Markgrafen von Baden noch eine andere Finanzierungsmöglichkeit für
seine Sanierungsprojekte finden wird.
Ähnliche Fälle
waren vor einigen Jahren die Verkäufe der Handschriften der Fürstlich
Fürstenbergischen Bibliothek zu Donaueschingen (1993)[11]
– die wenigstens im Lande blieben, aber auf Karlsruhe und Stuttgart aufgeteilt
wurden - oder die der Sammlung Oettingen-Wallerstein auf der Harburg (1980)[12],
die ebenfalls vor dem Verkauf ins Ausland bewahrt werden konnte und geschlossen
an die Universitätsbibliothek nach Augsburg kam.
München im Oktober 2006
[1] Paul Oskar Kristeller und Sigrid Krämer, Latin Manuscript Books before 1600. A List of Printed Catalogues and Unpublished Inventories of Extant Collections. 4th rev. ed. (Monumenta Germanicae Historica, Hilfsmittel, 13), München 1993.
[2] Sigrid Krämer, Handschriftenerbe des deutschen Mittelalters. Bd. I: Aachen - Kochel, Bd. II: Köln - Zyfflich, Bd. III: Sigrid Krämer und Michael Bernhard, Handschriftenregister (Mittelalterliche Bibliothekskataloge Deutschlands und der Schweiz, hg. von Bernhard Bischoff, Ergänzungsband 1). Bd. 1-3. München 1989-1990.
[3] Paul Lehmann, Die mittelalterliche Dombibliothek zu Speyer, in: Erforschung des Mittelalters 2, Stuttgart 1959, S. 187...
[4] Sigrid Krämer, Studien zum Nachleben Karls des Grossen in der lateinischen und deutschen Literatur des Mittelalters unter besonderer Berücksichtigung der Handschriften des 15. Jahrhunderts. Mit einem Anhang: Katalog der Handschriftenschreiber des 15. Jahrhunderts. Hausarbeit zur Erlangung des Magistergrades. München (masch.) 1968. Vorhanden nur in der UB München.
[5] (kumuliertes Verzeichnis von Handschriftenschreibern.) Hergestellt vom ehem. Deutschen Bibliotheks-Institut (DBI) unter der Internet-Adresse: http:\\www.dbilink.de. (Manuscripta mediaevalia). Bei diesem Verzeichnis wird man allerdings bei jedem Namen lediglich auf den entsprechenden Handschriftenkatalog verwiesen, muss also dann doch noch den gedruckten Katalog heranziehen, um die Signatur herauszufinden. Damit hängt zusammen, dass in meinem vorliegenden Katalog bisweilen die entsprechende Signatur fehlt, weil der Schreiber aus eben diesem Verzeichnis stammt und ich den gedruckten Katalog aus oben genannten Gründen nicht mehr eingesehen habe. Zu Dank verpflichtet bin ich Johannes Staub (München), der mich auf dieses Verzeichnis aufmerksam und es mir auch zugänglich gemacht hat.
[6] Bénédictines de Bouveret, Colophons de manuscrits occidentaux des origines au XVIe siècle (Spicilegii Friburgensis Subsidia, 2-7). Fribourg (Suisse) 1965-1982.
-vol. I: Colophons signés A-D (1965). xxxix, 443 pp.
-vol. II: Colophons signés E-H (1967). viii, 480 pp.
-vol. III: Colophons signés I-J (1973). vi, 584 pp.
-vol. IV: Colophons signés L-O (1976). iv, 353 pp.
-vol. V: Colophons signés P-Z (1979). 548 pp.
-vol. VI: Lieux. Anonymes (1982). 537 pp.
[7] Wie Anm. (1).
[8] Wie Anm. (6).
[9] Verfasserlexikon. Die deutsche Literatur des Mittelalters, hg. von Kurt Ruh et al., Redaktion: Christine Stöllinger-Löser. 2. völlig neu bearb. Aufl., Bd. 1-11, Berlin und New York 1978-2004.
[10] Paul Oskar Kristeller, Iter Italicum. A Finding List of uncatalogued or incompletely catalogued Humanistic Manuscripts of the Renaissance in Italian and other Libraries, Bd. 1-6, London und Leiden 1963-1992.
[11] H.-P. Geh (hg.), Unberechenbare Zinsen - bewahrtes Kulturerbe, Ausstellung der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart, Stuttgart 1993, S. 1-4; Felix Heinzer, Die neuen Standorte der ehemals Donaueschinger Handschriftensammlung, in: Scriptorium 49 (1995), S. 312-319.
[12] Rudolf Frankenberger, Die Oettingen-Wallerstein'sche Sammlung in der Universitätsbibliothek Augsburg, Universität Augsburg, 1970-1980. Zum 10-jährigen Bestehen der Universität Augsburg. Augsburg 1980, S. 70-88.
www.erwin-rauner.de ©ERV Dr. Erwin Rauner Verlag Augsburg 2001-2006