Sigrid Krämer

 

 

Scriptores codicum medii aevi

Ein Katalog von mittelalterlichen Handschriftenschreibern

aus der Zeit um 500 bis ins 16. Jahrhundert

 

 

 

 

Vorwort zur ersten Auflage (2003)

 

 

Dies Projekt ist im Jahre 1964 begonnen worden, ohne dass im entferntesten daran gedacht wurde, dass es einmal auf eine Anzahl von über 37.000 Einträge anwachsen könnte. Und auch das ist sicher nur ein verschwindender Anteil dessen, was man bei gezielter Suche finden könnte. Wie bei der Bibliographie zum Handschriftenerbe im Kristeller/Krämer[1] ist auch die Sammlung der Schreiber von mittelalterlichen Handschriften nur ein Nebenprodukt bei der Suche nach den Provenienzen mittelalterlicher Handschriften im Rahmen der Arbeiten des Handschriftenerbes[2] gewesen, nie jedoch eine Arbeit um ihrer selbst willen. "Wer einmal bibliotheksgeschichtliche Untersuchungen ernsthaft unternommen hat, weiss nur zu gut, dass völlige Erfassung aller Quellen selten gelingt, dass manche Materialbereicherung und Problemlösung von einer glücklichen Fügung abhängt, die der einzelne nicht meistern kann", so hatte es Paul Lehmann einmal treffend ausgedrückt[3]. Ein erster Teil wurde 1968 als Anhang zu meiner Magisterarbeit maschinenschriftlich vorgelegt[4]. Danach hatte ich eigentlich die Hoffnung aufgegeben, dass dieses fast unüberschaubare Material noch einmal 'das Licht der Öffentlichkeit' erblicken könnte, denn ein Druck in Buchform war so gut wie unmöglich. Erst das neue Medium der CD-ROM hat für eine Veröffentlichung neue Perspektiven eröffnet. Und so bin ich Dr. Erwin Rauner sehr zu Dank verpflichtet, dass er diese alte Datenbank in eine neue überführt hat.

 

Ein Einschnitt in alle meine Arbeiten, so auch in diese hat das Jahr 1994 bedeutet, als ich mich aus dem aktiven Berufsleben zurückzogen habe. Danach kam ich kaum mehr in Bibliotheken, habe also auch die danach erschienenen Handschriftenkataloge nicht mehr systematisch exzerpiert. Was ich danach fand, waren Zufallsprodukte.

 

 

Aufgenommen wurden die Namen der Schreiber von mittelalterlichen Handschriften - nicht auf Deutschland oder den deutschsprachigen Raum beschränkt -, soweit sie sich aus den Handschriftenkatalogen und einer Fülle von Sekundärliteratur, aber auch aus den Handschriften selbst eruieren liessen. Dabei habe ich mich nicht allein auf die nach dem zweiten Weltkrieg erschienenen und von der DFG geförderten Kataloge beschränkt, wie das bei dem kumulierten Verzeichnis in Berlin geschehen ist[5], sondern es wurden auch die früher erschienenen Kataloge, und eben nicht nur aus dem deutschen Sprachgebiet, berücksichtigt. Dazu gehörten für mich auch die Namen von Stadtschreibern und Notaren, die häufig - aber nicht immer - nachweislich auch Handschriften geschrieben haben. Ein Kollege, der von dem Projekt erfuhr, meinte, dass auch alle päpstlichen Kanzlisten dazugehören würden. Doch das kann wohl nur ein Historiker zusammentragen.

 

Die Namen sind - im Gegensatz zu der Anordnung bei den Colophons der Benediktiner von Bouveret[6] - nach den Nachnamen, soweit es welche gegeben hat (auch Bei- und Herkunftsnamen fallen darunter) angeordnet. War kein solcher Zuname zu finden, und der Vorname musste genommen werden, wurde er mit einer Jahreszahl versehen. Damit ist die eindeutige Identifizierung aber erschwert. Wie überhaupt nur durch die Autopsie der Handschriften eine eindeutige Zuordnung  von Handschriften zu Schreibernamen möglich ist, was in diesem Falle unmöglich zu leisten war.

 

Die angeführten Handschriften, welche die einzelnen Schreiber geschrieben haben, sind weder alphabetisch nach den heutigen Aufbewahrungsorten, noch chronologisch aufgeführt, sondern nur in der Abfolge, wie sie mir (in den mehr als 40 Jahren) untergekommen sind. Das hängt mit dem alten Datenbankprogramm zusammen, mit dem ich die Sammlung bearbeitet habe. In diesem Zusammenhang ist Michael Bernhard von der Musikhistorischen Kommission der Bayerischen Akademie der Wissenschaften zu danken, der mir Mitte der 80er Jahre das Programm für die 'Schreiber' nach meinen Wünschen erstellt hat, und der mich über die Jahre hinweg mit nie erlahmender Geduld bei allen Computerproblemen beraten und betreut hat.

 

Das Quellenmaterial, das mir die Schreibernamen geliefert hat, ist überaus disparat. Neben den gedruckten Handschriftenkatalogen waren es auf meinen früheren Bibliotheksreisen vornehmlich in den 70er Jahren ungedruckte interne Verzeichnisse, die mir die Bibliotheken dankenswerterweise zur Einsicht und Exzerption überlassen haben. Dazu kamen Zettelkataloge von Paul Lehmann und Bernhard Bischoff, die mir Herr Bischoff freundlicherweise zugänglich gemacht hatte. Von A. C. de la Mare in Oxford (+2002), später in London, habe ich vieles an Material über italienische Schreiber erhalten, bereits zu einer Zeit, als ihr Material noch nicht in Druckform zugänglich war. Doch auch eigene Handschriftenstudien in den Bibliotheken dieser Welt haben eine reiche Ausbeute gebracht.

 

Zur Literatur ist zu sagen, dass sich ein Grossteil der angeführten Titel in der Bibliographie  von Kristeller/Krämer[7] finden lässt. Ich habe zwar versucht, in einer eigenen Bibliographie die Titel aufzulisten, doch alle Handschriftenkataloge noch einmal abzuschreiben, schien mir überflüssig. Es wurden ausserdem die sechs Bände der Colophons der Benediktiner von Bouveret eingearbeitet, die - wenn auch in anderer Anordnung und unter anderen Gesichtspunkten - einen ersten übergreifenden Katalog von Handschriftenschreibern geliefert hatten[8]. Weiterhin wurden die bislang erschienenen 11 Bände des Verfasser-Lexikons auf Schreiber hin durchgesehen[9]. Obgleich Paul Oskar Kristeller mehrfach betont hatte, dass ihn 'Schreiber' nicht interessierten, so war doch aus seinen sechs Bänden Iter Italicum eine Vielzahl von Schreibernamen zu entnehmen[10].

 

 

München, im Februar 2003

 

 

 

 

Vorwort zur zweiten Auflage (2006)

 

 

Inzwischen – im Jahre 2006 – sind erneut etwa 500 neue Schreibernamen hinzugekommen, so dass sich eine neue Auflage gelohnt hat. An den oben beschriebenen Prinzipien hat sich nichts geändert.

 

 

 

 

Sigrid Krämer

Ad possessores codicum medii aevi -  zu den Besitzern von mittelalterlichen Handschriften

 

 

Für die Besitzer von mittelalterlichen Handschriften gilt im Prinzip das gleiche wie für die Schreiber der mittelalterlichen Handschriften.

 

Als ich im Jahre 1964 mit dem Sammeln und Verzetteln der Schreiber von Handschriften begann, hatte ich die Notwendigkeit des Sammelns von Besitzern und Vorbesitzern der Handschriften jedoch noch nicht erkannt. Diese Einsicht kam erst wesentlich später. Hier kann ich das genaue Datum nicht mehr feststellen. Daher wurden die 'Besitzer' niemals mit der gleichen Akribie und Konsequenz von Beginn an gesammelt, wie die Schreiber. Somit sind es auch nur etwa die Hälfte an Anzahl.

 

Wieder erst einige Zeit später wurde mir klar, dass man in diesem Falle nicht allein die mittelalterlichen Besitzer von Handschriften aufnehmen sollte, sondern auch die neuzeitlichen Vorbesitzer von mittelalterlichen Handschriften – insbesondere die großen Sammler vor allem die in den USA und in England – mit aufnehmen sollte, da sie für die Besitzgeschichte der Handschriften wie auch deren ständigen Wanderungen von großem Interesse waren und sind. Bei diesen fand und findet allerdings immer noch ein ständiger Wechsel statt, weil die Handschriften gerade von Privatleuten auf großen Auktionen immer wieder versteigert werden.

 

Gerade im Augenblick – also ganz aktuell – ist so ein Besitzwechsel im Gange, von dem man nur hoffen kann, dass er noch zurückgenommen werden kann. Ich meine den Verkauf der mittelalterlichen Handschriften der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe, von der selbst Fachleuten kaum bekannt war, dass es sich um einen Privatbesitz der Markgrafen von Baden handelt. Es bleibt hier zu hoffen, dass das Haus der Markgrafen von Baden noch eine andere Finanzierungsmöglichkeit für seine Sanierungsprojekte finden wird.

 

Ähnliche Fälle waren vor einigen Jahren die Verkäufe der Handschriften der Fürstlich Fürstenbergischen Bibliothek zu Donaueschingen (1993)[11] – die wenigstens im Lande blieben, aber auf Karlsruhe und Stuttgart aufgeteilt wurden - oder die der Sammlung Oettingen-Wallerstein auf der Harburg (1980)[12], die ebenfalls vor dem Verkauf ins Ausland bewahrt werden konnte und geschlossen an die Universitätsbibliothek nach Augsburg kam.

 

 

 

 

München im Oktober 2006

 



[1] Paul Oskar Kristeller und Sigrid Krämer, Latin Manuscript Books before 1600. A List of Printed Catalogues and Unpublished Inventories of Extant Collections. 4th rev. ed. (Monumenta Germanicae Historica, Hilfsmittel, 13), München 1993.

 

[2] Sigrid Krämer, Handschriftenerbe des deutschen Mittelalters. Bd. I: Aachen - Kochel, Bd. II: Köln - Zyfflich, Bd. III: Sigrid Krämer und Michael Bernhard, Handschriftenregister (Mittelalterliche Bibliothekskataloge Deutschlands und der Schweiz, hg. von Bernhard Bischoff, Ergänzungsband 1). Bd. 1-3. München 1989-1990.

 

[3] Paul Lehmann, Die mittelalterliche Dombibliothek zu Speyer, in: Erforschung des Mittelalters 2,  Stuttgart 1959, S. 187...

 

[4] Sigrid Krämer, Studien zum Nachleben Karls des Grossen in der lateinischen und deutschen Literatur des Mittelalters unter besonderer Berücksichtigung der Handschriften des 15. Jahrhunderts. Mit einem Anhang: Katalog der Handschriftenschreiber des 15. Jahrhunderts. Hausarbeit zur Erlangung des Magistergrades. München  (masch.) 1968. Vorhanden nur in der UB München.

 

[5] (kumuliertes Verzeichnis von Handschriftenschreibern.) Hergestellt vom ehem. Deutschen Bibliotheks-Institut (DBI) unter der Internet-Adresse: http:\\www.dbilink.de. (Manuscripta mediaevalia). Bei diesem Verzeichnis wird man allerdings bei jedem Namen lediglich auf den entsprechenden Handschriftenkatalog verwiesen, muss also dann doch noch den gedruckten Katalog heranziehen, um die Signatur herauszufinden. Damit hängt zusammen, dass in meinem vorliegenden Katalog bisweilen die entsprechende Signatur fehlt, weil der Schreiber aus eben diesem Verzeichnis stammt und ich den gedruckten Katalog aus oben genannten Gründen nicht mehr eingesehen habe. Zu Dank verpflichtet bin ich Johannes Staub (München), der mich auf dieses Verzeichnis aufmerksam und es mir auch zugänglich gemacht hat.

 

[6] Bénédictines de Bouveret, Colophons de manuscrits occidentaux des origines au XVIe siècle (Spicilegii Friburgensis Subsidia, 2-7). Fribourg (Suisse) 1965-1982.

-vol. I: Colophons signés A-D (1965). xxxix, 443 pp.

-vol. II: Colophons signés E-H (1967). viii, 480 pp.

-vol. III: Colophons signés I-J (1973). vi, 584 pp.

-vol. IV: Colophons signés L-O (1976). iv, 353 pp. 

-vol. V: Colophons signés P-Z (1979). 548 pp.

-vol. VI: Lieux. Anonymes (1982). 537 pp.

 

[7] Wie Anm. (1).

 

[8] Wie Anm.  (6).

 

[9] Verfasserlexikon. Die deutsche Literatur des Mittelalters, hg. von Kurt Ruh et al., Redaktion: Christine Stöllinger-Löser. 2. völlig neu bearb. Aufl., Bd. 1-11, Berlin und New York 1978-2004.

 

[10] Paul Oskar Kristeller, Iter Italicum. A Finding List of uncatalogued or incompletely catalogued Humanistic Manuscripts of the Renaissance in Italian and other Libraries, Bd. 1-6, London und Leiden 1963-1992.

 

[11] H.-P. Geh (hg.), Unberechenbare Zinsen - bewahrtes Kulturerbe, Ausstellung der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart, Stuttgart 1993, S. 1-4; Felix Heinzer, Die neuen Standorte der ehemals Donaueschinger Handschriftensammlung, in: Scriptorium 49 (1995), S. 312-319.

[12] Rudolf Frankenberger, Die Oettingen-Wallerstein'sche Sammlung in der Universitätsbibliothek Augsburg, Universität Augsburg, 1970-1980. Zum 10-jährigen Bestehen der Universität Augsburg. Augsburg 1980, S. 70-88.

 

 

 

 

 

 

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©ERV Dr. Erwin Rauner Verlag Augsburg 2001-2006

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